Ihagee Kine Exakta by Photo but More

Die Nachkriegsmodelle der Kine Exakta - Version 4, "C"-Exacta, Kine Exakta II

Während sich die drei Kine Exakta-Versionen aus den Jahren 1936 - 1943 nur in Details unterscheiden, zeigt sich die Entwicklung der Kamera in den ersten 5 Jahren nach Kriegsende sowohl unter sammlerischen als auch unter technischen Gesichtspunkten in einem ganz anderen Licht. Hier kann - besser noch muss - man tatsächlich drei unterschiedliche Kameramodelle betrachten.

Mit den 1944 ausgelagerten Teilen wird die Fertigung schon im August 1945 wieder aufgenommen. Somit entsprechen die ersten aus diesen noch vorhandenen Teilen gebauten Kameras in den allermeisten Fällen der Vorkriegsausführung (verchromte Gehäuse, Langzeitknopf mit Rille, Ihagee-Prägung auf Rückdeckel). Auch die Chrom-Qualität der Typenschilder-Altbestände ist erkennbar besser als die der Nachkriegsprodukte. Anfangs mussten nur ganz wenige Teile (meist Montagezubehör, wie Schrauben oder Federn) dafür aber oft in mühsamer Einzelfertigung beschafft werden. Mit dem Aufbrauch der vorhandenen Teile wurde nach und nach immer mehr Neufertigung benötigt. Dies wird bei den Gehäusen ab etwa Produktionsnummer 610.xxx sichtbar, obwohl diese noch mit den Typenschildern in der traditionellen Schreibweise "Exakta" versehen sind.

Nach Aufbrauch der Altteile begann 1946 die Neufertigung. Sichtbar wird dies an den nun nicht mehr verchromten, sondern nur noch polierten Gehäuse-Zierleisten und schlechter Verchromung von Typenschildern und Gehäusedeckeln. Weder waren die Galvanik für die Gehäuseverchromung noch das notwendige Rohmaterial hierfür vorhanden. Veränderungen sind auch am Langzeitknopf (neue Version ohne Rille, 1/5s statt 1/10), der fehlenden Ihagee-Prägung im Rückenleder und (später) an den Bajonettringen aus Alu zu bemerken; der Verschlussknopf und das Filmzählwerkrad werden im Durchmesser verändert. Überwiegend wird jetzt auch der von RH einer Ausführung 005 zugeordnete ungeprägte Lichtschachtrahmen eingebaut.





Die Einstellschrauben der Bildzählwerkscheibe saßen zunächst bei 14 und 35 und wurden im Laufe der Produktion auf 5 und 26 umgesetzt. Dabei wurde auch der Scheibendurchmesser vergrößert. Alte und neue Scheibe sind übrigens nicht kompatibel!

Auch der Verschlussknopf wurde verändert. Die erste Version (mit Punktmarkierung, Bild links) ist sowohl mit 18 als auch mit 19 mm Durchmesser zu finden. Auch die Verschlussknöpfe alt und neu sind nicht austauschbar, weil die Zahnradaufnahme im Gehäuseinneren ebenfalls verändert wurde.


Eine regelmäßige Struktur der Unterschiede nach der Nummernfolge ist aber nicht erkennbar. Vielfach wurden Alt- und Neuteile bei der Produktion zusammen verwendet und oft unterscheiden sich Kameras aus dieser Zeit in Details. Einheitliches Merkmal dieser Modellvariante 4 ist eigentlich nur das ursprüngliche Typenschild „Exakta“. Ein wenig durcheinander ging es vor allem mit den Bedienungsknöpfen. Beim Bildzählwerk sitzen die Stellschrauben anfangs bei 14+35 (wie zuletzt bei den Vorkriegs-Modellen), später wieder bei 5+26. Der Verschlussknopf hatte teils 18, teils 19 mm Durchmesser und anfangs noch Punktmarkierungen, die durch Striche vor den Verschlusszahlen ersetzt wurden. Auch ist der Langzeitknopf in der alten Version (mit Rille) manchmal auch mit 1/5s zu finden.

Mit der Nr. 611.453 ist mir bereits die erste „C“-Exakta bekannt, regelmäßig tauchen diese Typenschilder dann ab etwa Nr. 613xxx auf. Auch Produktionszahlen sind im Einzelnen nicht bekannt, Richard Hummel nennt in einer Tabelle nur 320 produzierte Exakta für 1945. Für die Nachkriegsfertigung bis 1948 gibt er insgesamt 35.821 Stück an (davon 16.920 Exacta „C“). Tatsächlich dürften maximal noch 4.000 Kameras mit dem Typenschild „Exakta“ ausgeliefert worden sein und etwa 35.000 vom Reparationsmodell „C“.

Ein typisches Beispiel der Kameras aus den ersten Produktionsmonaten des Jahres 1946 will ich Ihnen anhand der Kine Exakta mit der Seriennummer 613.597 zeigen. Die meisten Gehäusebauteile stammen hier entweder bereits aus Nachkriegsfertigung oder wurden nach dem Krieg zusammengestellt (fehlende Ihagee-Rückwandprägung). Das Gehäuse ist bereits ein Neuguss mit der Aussparung für den späteren Wechselsucher, hat jedoch noch die Befestigungen für die alten Riemenösen (hängende Ösen). Bedienungsteile, Deckplatten und Sucher sind offensichtlich noch Altbestände. Allerdings hat das Bildzählwerk bereits die Stellschrauben in Position 5+26 wie sie erst bei den späteren Scheiben mit größerem Durchmesser eingesetzt wurden.

Eine der letzten Kine Exakta
Kine Langzeitknopf Kine 613597 Kine Verschlussknopf
Kine Nachkrieg
Innengehäuse der Kine Exakta 613.597, die etwa im April 1946 aus Vor- und Nachkriegsteilen in bunter Mischung zusammengebaut worden
ist (s. Text). Objektiv ist übrigens das auch noch an anderer Stelle beschriebene Zeiss Tessar 1:2,8 f=5 cm in flacher Alu-Fassung, hier in einer
frühen unvergüteten Version aus dem Jahr 1940.

Bei dieser Kine - einer der allerletzten mit dem ersten "Exakta"-Schild - will so gar nichts mehr in ein Einordnungsschema passen: der Verschlusszeitenknopf mit 18 mm Durchmesser und Punktmarkierung und der Langzeitknopf (hier aber bereits mit 1/5 s graviert!) stammen aus der Vorkriegsproduktion. Ebenso die kleine Scheibe des Bildzählwerkes, die Stellschrauben sind aber bereits auf 5+26 gesetzt. Das Gehäuse - ein Neuguss - ist unverchromt, aber noch mit alten Riemenösen-Halterungen. Das Spiegelgehäuse ist gleichfalls neu gefertigt - man erkennt an der ungeschwärzten(!) Front schon die Vorbereitung für den Wechselsucher, der aber erst 4 Jahre später mit der Varex kommt. Der Lichtschachtrahmen entspricht der Hummel-Version 005; die Rückwandbelederung hat keine Ihagee-Prägung mehr. Und die Frontschilder outen sich durch schlechte Chromqualität eindeutig als Nachkriegsversion. ...

Alle Unegalitäten führten jedoch nicht zu Quälitätseinbußen bei dieser Kamera. Obwohl sie erkennbar viel benutzt worden ist, funktioniert sie noch tadellos! Zwar wurde eine komplette Wartung nötig, um Alles wieder so ablaufen zu lassen, wie es sein soll. Jedoch sind bis auf einen erneuerten Spiegel alle Originalteile an und in dieser Kamera vorhanden. Vielleicht ist sowas nix für Sammler, die ihr Seelenheil nur in chromblitzenden Ausstellungsstücken im Originalkarton finden. Doch spiegeln gerade solche Geräte die Fertigungsgeschichte in besonders anschaulicher Weise wider und machen unsere Sammelei dadurch zu mehr als nur dem Zusammenkaufen alter Gerätschaften.

Die alte (links) und die neue (rechts) Version des Langzeitknopfes.
Neben der veränderten Ausführung wurde auch die kürzeste Zeit auf nunmehr 1/5s (alt 1/10s) geändert.


Verschiedene Ausführungen der Bajonettanschlussringe der Kine Exakta aus Nachkriegsfertigung. Links oben der auch vor dem Krieg verwendete Ring aus verchromtem Messing. Daneben ein ebenfalls messing verchromter Ring, der innen schwarz ausgelegt ist. Links unten eine Alu-Ausführung, ebenfalls innen schwarz ausgelegt. Daneben die bei der Kine II (und auch noch bei der ersten Exa) übliche Ausführung in Alu schwarz. Außerdem ist hin und wieder auch ein blanker Alu-Ring ohne innere schwarze Mattierung zu finden. Die Ringe haben noch kein Außenbajonett, mit dem erst die Exakta Varex VX regelmäßig ausgestattet wurde.















Rückwandausführungen der frühen Nachkriegs- Kine Exaktas, oben mit dem in das Leder geprägten "Ihagee"-Schriftzug, wie bei den Vorkriegsmodellen.

Die untere Version zeigt die Rückwand ohne Herstellerprägung, wie sie vor allem bei frühen Kine "C" zu finden ist. Die gleiche Lederstruktur läßt erkennen, dass offenbar noch Vorkriegsvorräte vorhanden gewesen sind.


Kine Exakta 4. Modell
frühe Nachkriegsfertigung (1945)
(Richard Hummel-Modell 006)


Produktionszeit 8/1945 – Anfang 1946
Produktionsnummern 608.646 - 613.597; Stückzahl ca. 4.000

Varianten:
608.477-609.796 - die Gehäuse und Bedienungselemente entsprechen der Vorkriegsausführung
ab etwa 609.700 - Verwendung neuer Anbauteile (Frontschilder), aber noch alte Gussgehäuse
609.875-616.186 - wohl neu gefertigte, jetzt unverchromte Gehäuse, teils alte, teils neue Teile
611.501 Beginn der Nachkriegsproduktion (lt. Richard Hummel)
613.597 - unverchromtes Gehäuse, aber Langzeitknopf noch mit Rille, jedoch bereits mit 1/5s; keine Ihagee-Prägung, Typenschild „Exakta“ schlecht verchromt (gelblich)


Die erste mir bekannte Kine Exakta aus Nachkriegsmontage, etwa August 1945


Kine Exakta Nr. 608.646 aus Nachkriegsmontage (August 1945) - mit einem "Bimetall"-Biotar Nr. 2.825.925. Auch dieses frühe Biotar 2/5,8 cm wurde aus Materialbeständen der Vorkriegsära gefertigt. Während der hintere Fassungsteil (mit dem Kamerabajonett) aus verchromtem Messing besteht, sind die beweglichen vorderen Fassungselemente aus Aluminium. Es ist eines der ersten Biotare aus Nachkriegsproduktion, bereits T-vergütet.

Kine 609354 innen
Innengehäuse der Kine Exakta Nr. 609.354 ebenfalls aus Nachkriegsmontage (etwa Oktober 1945). Hier sehen Sie deutlich im Unterschied zu dem weiter oben gezeigten Innengehäuse 613.597, dass es sich noch um alte Fertigungsbestände handelt.
Kine 609354 Gehäuse
Auch das Gussgehäuse der Nr. 609.354 stammt aus Vorkriegsbestand. Es ist ganzverchromt und hat noch nicht die obere Aussparung der Nachkriegsgüsse. Auch die hier nicht gezeigten Frontschilder und der Bajonettring sind Altbestände. Damit dürfte diese Kine eine der letzten sein, für die ausschließlich Vorkriegsteile verbaut worden sind. Jedenfalls hat die Nr. 609.701 bereits neugefertigte Frontschilder. Auf diesen Feststellungen basiert auch meine Angabe (s. Ihagee-Fabriknummern), dass 1945/46 noch etwa 1000 Kameras ausschließlich aus Altbeständen gebaut worden sind.

Kine Exakta 5. Modell - "C"-Exacta, sog. Reparations-Exakta
(Richard Hummel-Modell 007)


Produktionszeit 2/1946 – 2/1949
Produktionsnummern 611.426 - 649.413; Stückzahl ca. 35.000/16.920 (RH)

Die Vorkriegsbestände wurden überwiegend noch für Kameras mit dem Typenschild Exakta verbaut. Mit Beginn der Nachkriegsproduktion mußte die Ihagee ab 1946 einen Großteil der Fertigung als Reparationsleistung an die Sowjetunion liefern. Für die Werksleitung war dies durchaus ein Vorteil, weil damit eine Abnahmegarantie für die Produktion bestand. Die Bezahlung dieser Reparationen erfolgte vom Land Sachsen.

Diese - mit dem Typenschild „Exacta“ versehenen Kameras - wurden in geringeren Stückzahlen auch in westliche Länder exportiert. Nur ganz wenige Kameras - wenn überhaupt - sind in den Jahren 1946-1948 in Deutschland verkauft worden. Diese wären dann auch mit einem Typenschild "Exakta" ausgestattet worden. Tatsächlich sind in der Nummernreihe der Kine "C" auch solche Kameras bekannt, die in der übrigen Ausführung dem "C"-Modell entsprechen.
Wegen der leichten Austauschbarkeit der Schilder können solche Kameras meines Erachtens nicht als eigenständige sammelnswerte Variante angesehen werden. Es bleibt jedem Sammler überlassen, ob und welche derartiger - möglicherweise umgebauten - Gehäuse er in seinen Bestand einreiht. Wenn sie denn nun schon einmal da sind, lassen sie sich recht gut den Umbauten zuordnen, denen ich in meiner Rubrik "Kurioses und Rares" einen Platz eingeräumen werde.



Eine von vergleichsweise nur wenigen in westliche Länder exportierten "C"-Exaktas, hier eine Kamera aus der Schweiz.

Sie erkennen gut die veränderte Ausführung der Lichtschachtabdeckung, die von Richard Hummel einem Modell 005 zugeordet wurde (s. Text zur Vorkriegsausführung der Kine Exakta).



In der technischen Ausführung entsprach diese Reparations-Exacta weitgehend dem Vorgängermodell, bis auf die Zeiteinstellung 1/5 s (bisher 1/10 s) am Langzeitenwerk mit dem neuen Aufzugsknopf und veränderten Riemenösen. Das Typenschild blieb zweiteilig. Damit kann das Exakta/Exacta- Schild bei Reparaturen usw. leicht vertauscht werden. Die Nachkriegsschilder sind aber meist an einer schlechten Chromqualität (oft gelblich) erkennbar. Wenn nicht auch die Innengehäuse ausgetauscht wurden, sind solche Manipulationen auch im Gehäuseinneren schnell festzustellen.


Auf diesen beiden Fotos ist die dünne Verchromung der meisten "C"-Exaktas gut zu erkennen.
Es läßt sich nur darüber spekulieren, ob unterschiedliche Qualitäten für die Reparationslieferungen und die wenigen West-Exporte gefertigt worden sind.
Allerdings habe ich bei Export-Modellen durchweg bessere Erhaltungen bemerken können, als bei den Kameras, die seit Anfang 1990 in größeren Stückzahlen aus Rußland hier auftauchten (s. Foto weiter unten).





Das Filmzählwerkrad und der Verschlussknopf erhielten einen Durchmesser von 19 mm (bisher 18 mm). Der Lichtschachtrahmen war durchgängig ohne Prägung und der Knopf des Langzeitenwerkes ohne Querrille. Späte Kameras wurden auch schon mit der veränderten Sucherlupe (mit Abdeckung) der Kine II ausgerüstet. Das Spiegelgehäuse war nicht mehr mit Matt- oder Kräusellack beschichtet, sondern gerillt.
Auch das Filmmesser, dessen Befestigungsschraube, die Filmspule und Filmandruckplatte (bisher blank, jetzt schwarz) wurden im Laufe der Produktionszeit verändert.
Es finden sich weitere, überwiegend wohl nur fertigungstechnisch bedingte Unterschiede im Detail: Langzeit- oder Verschlussknopf wurden mit teils feinen oder kräftigeren Gravuren versehen. Der Bajonettring ist teils messing verchromt, oft aus alu. Die Belederung war anfänglich fein genarbt (wohl alte Lederbestände). Spätere Modelle hatten eine grob genarbte Belederung, vergleichbar der Kine II. Nur wenige Kameras haben eine Prägung im Bodenleder, erst ab 1949 häufiger „Made in Germany“.

Nach einer von Richard Hummel veröffentlichten Tabelle wurden zwischen 1946 und 1949 insgesamt 51.494 Kine Exakta I, II und C produziert. Davon entfallen allein auf Reparationen 19.581 Stück; 24.844 sind als UdSSR-Exporte und 3.788 für sowjetische Inlandsbedarfsträger ausgewiesen. Nur 2.251 Stück sind als West-Exporte und gar nur 1.030 als Inlandslieferung vermerkt. Im Jahr 1946 wurden danach ausserhalb des UdSSR Bedarfs ganze 6 Kameras ausgeliefert!

Dennoch sind gerade die Kameras mit Exacta-Typenschild – die sogenannten Reparations- oder „C“-Exaktas nicht unbedingt selten. Offenbar betrieben die sowjetischen Empfänger mit den gesuchten Geräten einen lukrativen Handel. Auch aus dem Empfängerland Russland gelangte eine sicher nicht geringe Stückzahl gleich wieder in die USA.

Nach der Öffnung des "eisernen Vorhangs" tauchten seit Beginn der 1990er Jahre immer mehr "C"-Exakta's aus Russland und anderen ehemaligen UdSSR-Staaten im Westen auf.

Vielen sieht man an, dass Sie als Arbeitspferde ihren Dienst verrichtet haben ....


Hier eine weitere Kine Exacta aus dem Jahr 1948. Aufgrund Ihres Zustandes handelt es sich offenbar auch um einen "West-Export". Interessant an dieser Kamera ist der Sucher mit Abdeckkappe und der nach oben verlegten Betrachtungslupe.
In dieser Ausführung wurde der Sucher ab Modell Kine II eingebaut.

Entweder handelt es sich bei dieser Kamera um eine Nachrüstung oder - aufgrund der späten Nummer 638 558 - um eine ( nur bei Lieferung in westliche Länder?) bereits mit dem neuen Sucher ausgerüstete Kamera. Umbauspuren sind jedenfalls nicht zu erkennen.

Bemerkenswert ist auch die Objektivbestückung mit dem nur sehr selten auftauchenden Ludwig >Victar< ohne Fabriknummer. Dieser Dreilinser 1:2,9 F=5cm ist der Vorläufer des späteren Meritar und wurde in der frühen Nachkriegszeit nur in kleinen Stückzahlen gebaut (mehr dazu auf meiner Objektivseite bei "Ludwig").

Die Kamera hat übrigens einen Alu-Bajonettring ohne geschwärzte Innenflanke, also in der von mir weiter oben bereits erwähnten weiteren Ausführung.


Kine C mit grobem Leder

Eine der letzten Kameras aus der Kine I-Baureihe (#645 678), gebaut Anfang 1949. Die Belederung weist die gleiche grobe Struktur auf, wie sie auch bei den nachfolgenden Gehäusen der Kine II zu finden ist. In das Bodenleder ist "Made in Germany" geprägt.

Die Kamera ist mit einem Tessar 2,8/5 cm in einer sehr flachen Aluminiumfassung bestückt. Von diesem Objektiv wurden von Carl Zeiss Jena 1940 nur wenige Stücke und 1946 speziell für diese Kine Exacta eine sehr kleine Serie (um 5000) produziert. Die im Foto gezeigte Version #2 824 100 ist unvergütet, es sind auch vergütete Exemplare bekannt.


Kine Exakta II - 1. Ausführung mit glattem Schild
(Richard Hummel-Modell 010)


Produktionszeit 2/1949 - 6/1949
Produktionsnummern 648.940 - 655.679; Stückzahl 6.100 (RH)

Kine II Typ 1
Die erste Ausführung der Kine Exakta II mit den bisherigen Blitzbuchsen und einem glatten Exakta-Typenschild.


Diese zweite Nachkriegsversion der Kine Exakta blieb zwar technisch unverändert, wurde jedoch erstmals seit Produktionsbeginn deutlich erkennbar überarbeitet. Auffälligste Änderung war die jetzt einteilige Frontplatte mit der Gravur „II“ unterhalb des Exakta-Schriftzuges; bei dieser ersten Ausführung noch mit einer glatten oberen Kante. Die Sucherlupe wurde (ausgeklappt) an den oberen Lichtschachtrand verlegt, damit war das gesamte Mattscheibenbild sichtbar. Das Bildzählwerk wurde teilweise abgedeckt und die Rückspularretierung durch einen kleinen Klapphebel ersetzt. Auch der Langzeitknopf wurde erneut geringfügig verändert. Als Objektiv-Bajonettring fand vorübergehend eine Ausführung aus schwarz lackiertem Aluminium Verwendung.


Das Typenschild der Kine Exakta II, links in der ersten
und rechts in der zweiten Ausführung. Beide Versionen wurden meistens mit einem Bajonettring aus schwarzem Aluminium ausgeliefert. Wohl nur selten sind noch blanke Bajonettringe - wie bei der 2. Version abgebildet - montiert worden.

Darunter ist der erneut leicht veränderte Langzeitknopf
der Kine II zu sehen.


Dass die Fertigung in diesen Jahren nicht immer regelmäßig verlaufen ist, betraf alle damals hergestellten Produkte und fast alle Unternehmen in mehr oder weniger gleichem Maße. Deshalb kann der aufmerksame Sammler immer wieder Geräte finden, die so gar nicht in die mittlerweile verbreiteten Typenraster passen wollen.
Je nach sammlerischen Interessen und Kenntnissen kann man solche Teile nach verschiedenen Kriterien einordnen:

1. Es handelt sich um ein nachträglich im Werk umgebautes Teil. Wie Leitz bot bekanntermaßen auch die Ihagee den Exakta-Besitzern einen Umbau älterer Kameragehäuse in die jeweils aktuelle Exakta-Version zu recht günstigen Konditionen an. Auch bei Werksreparaturen wurden Teile ausgetauscht, selbst wenn sie nicht defekt waren.
2. Auch Reparaturwerkstätten nahmen Modifikationen an Kameras vor. In solchen Fällen wurde meist weniger Wert auf Originalität als auf Funktionalität gelegt. Dabei verwendete man gerade vorrätige Ersatz- oder Umrüstteile. Ein verbreitetes Beispiel hierfür sind die bei Exakta oder Leica häufig vorkommenden Nachsynchronisationen bzw. der Einbau einer Norm-Blitzbuchse.
3. Nicht selten überholen heutzutage auch Sammler oder Photographica-Händler klassische Kameras aus unterschiedlichen Beweggründen. Dabei wird auch nach dem Motto "aus drei mach eins" vorgegangen. Manchmal findet man Kameras, die mit viel bastlerischem Geschick auf solche Weise in "Prototypen" umgerüstet werden. Ich kenne ein paar solcher Beispiele als Kine Exakta mit Prismensucher .... Die Veränderungen fallen manchmal sofort ins Auge (und werden dann vom Verkäufer oft noch als "Variante" angepriesen), teilweise sind sie gut versteckt und erst im Vergleich mit anderen Geräten zu entdecken.
4. Die Kamera wurde schon bei der Fertigung aus heute meist nicht mehr nachvollziehbaren Gründen anders oder unter Verwendung vielleicht zufällig vorhandener anderer Teile zusammengebaut. Im Überganszeitraum zwischen Modellwechseln ist ein solches Gerät zu identifizieren, wenn Gehäuseteile oder Bedienungselemente aus der früheren und der neuen Produktion verwendet worden sind. Hierbei handelt es sich dann tatsächlich um eine "Abart", deren Auftauchen uns Sammler meist besonders beschäftigt.
Im Einzelfall ist bei der Exakta - im Gegensatz zur Leica - oft gar nicht oder nur mit gehöriger Typenkenntnis und nach Demontage herauszufinden, ob es sich um ein später im Werk umgebautes Gehäuse oder ein schon bei der Fertigung mit anderen Bauteilen hergestelltes Exemplar handelt. In den Übersichten der verschiedenen Exakta-Modelle zeige ich an mehreren Stellen auch derartige Kameras.

Kine 2 frühBei der Vorstellung der Kine ExaCta (Reparationsmodell) habe ich eine Kamera (Nr. 638 558) aus dem Jahr 1948 gezeigt, die bereits mit dem neuen Sucher der Kine II ausgestattet ist.

Dass die Ihagee im Gegensatz dazu auch in einem neuen Modell noch Teile aus der früheren Produktion verwendet hat, zeigt diese frühe Kine Exakta II (Nr. 650 373). Das Gussgehäuse und alle Bedienungselemente dieser Kamera stammen aus der neuen Kine II-Produktion. Allerdings ist als Sucher noch die alte Version mit der tiefliegenden Lupe und ohne Abdeckung eingebaut. Auch die Belederung (fein geprägt) und der blanke Alu-Bajonettring entsprechen der bisherigen Form.
Kine II früh - GussgehäuseKine II früh Nr.In diesem Bildausschnitt ist an der Lichtschachthalterung gut zu sehen, das es sich bereits um das neue Gussgehäuse für die Kine Exakta II handelt (ein Foto des bisherigen Gussgehäuses der Nachkriegs-Kine finden Sie weiter oben). Daneben die Fabriknummer 650 373.



Kine Exakta II - 2. Ausführung mit geboerdeltem Schild
(Richard Hummel-Modell 012)


Produktionszeit 7/1949 - 2/1950
Produktionsnummern 656-234 - 672.514; Stückzahl 12.074 (RH)

Technisch wie das Vormodell, jedoch mit einem Wulst an der oberen Kante des Typenschildes. Die Befestigungsbuchse für den Blitz entfiel, weil das neue Ihagee-Blitzgerät jetzt mit einer Stativschraube am Kameraboden befestigt wurde. Die Gehäuse sind fast ausschließlich mit einer grob geprägten Belederung beklebt. Hin und wieder zu findende andere Belederungen sind wohl später bei Reparaturen o. dgl. angebracht worden.

Kine II Typ 2
Hier sehen Sie die zweite Ausführung einer Kine Exakta II mit dem an der oberen Kante umgebördelten Exakta-Typenschild.
Beachtenswert ist die grobe Belederung, eine Besonderheit der Exaktas dieser Bauzeit.

Die Kine II war zu ihrer Zeit in deutschen Fotoläden so gut wie nicht zu kaufen PhotoPresse 5.11.1948. Die wenigen Photoblätter dieser Jahre waren voll von Suchanzeigen nach Kine Exakta und Zeiss Objektiven. Auf dem Schwarzmarkt gingen die Preise in die Tausende – ein Vielfaches der Listenpreise. In ersten Lieferlisten nach der Währungsreform war die Kamera mit den Objektiven Zeiss Tessar 3,5/5cm, Zeiss Tessar 2,8/5cm (das ist die flache Alu-Version) und Zeiss Biotar 2/5,8 cm aufgeführt, Preise wurden nicht genannt. Diese drei Normalobjektive wurden von Zeiss Jena bereits wieder gefertigt. Exportkameras waren auch mit Schneider Xenar 3,5/5 cm oder Xenon 2/5 cm ausgerüstet.

Soweit damals überhaupt Kameras in den Handel gelangten, wurden sie auch mit Objektiven aus Vorkriegsfertigung – auch gebraucht – bestückt.

Erst nach der Währungsreform waren auch im Westdeutschen Fotohandel wieder Exakta Kameras zu kaufen, wie eine Kleinanzeige der langjährigen Ihagee-Vertretung West, Hugo Kannegießer, Minden, aus dem Händlerblatt "PhotoPresse" von September 1949 belegt.

In der ersten Nachkriegsbroschüre "Die Kleinbild-Reflex 24x36 mm mit dem hohen Wirkungsgrad" war auch schon wieder Zubehör enthalten; lieferbare Objektive: Tessar 3,5; Trioplan 2,9; Biotar und Primoplan 1,9. Preise wurden nach wie vor nicht genannt, stattdessen auf beschränkte Liefermöglichkeiten hingewiesen.

Diese Kamera ist auf den ersten Blick ebenfalls eine Kine Exakta II in der zweiten Ausführung mit dem umgebördelten Exakta-Typenschild.

Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Kine Exakta Bj. 1948 ("C"-Exacta), die später im Werk umgebaut wurde und dabei sowohl den neuen Lichtschacht, das geänderte Typenschild und zwei zusätzliche X-Blitzbuchsen für die E-Blitz-Synchronisation erhielt. Äußerlich erinnert nur noch der "alte" stufige Langzeitknopf an die Urspungsversion.



Anmerkungen zur Vergabe der Ihagee-Fabriknummern und zu Stückzahlen




Posted 2008/01/17; last updated 2010/07/23 Copyright © 1991-2016 by Horst Neuhaus