Kine Exakta by Photo but More

Vorkriegsausführungen der Kine Exakta (Versionen 1 - 3)

Die zur Leipziger Frühjahrsmesse 1936 vorgestellte Kine Exakta wurde bis zur kriegsbedingten Produktionseinstellung im März 1940 mit nur geringfügigen Modifikationen produziert. Diese unterschieden sich jedoch nur in Details, so dass man sie eigentlich nicht als unterschiedliche Modelle klassifizieren kann. Sammler sprechen deshalb von drei Versionen oder Typen, nennen diese aber oft "Modell 1 usw.". Ich will hier nicht Schiedsrichter spielen und verwende beide Bezeichnungen. Aguila/Rouah beschreiben in ihrem Standardwerk "EXAKTA CAMERAS 1933-1978" 4 Typen aus dieser Zeit, benennen dabei die Exportvariante "C" (die auch Richard Hummel unter 003 beschreibt) als Version 3. Diese Einteilung ist so aber wenig praxisgerecht. Auch die von Richard Hummel in seinem Standardwerk "Spiegelreflexkameras aus Dresden" unter 005 aufgeführte "3. Änderung" passt nicht in eine sammlergerechte Einteilung, wenn man als Oberbegriff Vor- und Nachkriegsfertigung wählt (s. auch meine Ausführungen weiter unten).

Zudem bot die Ihagee seinerzeit einen Service an, bei dem eingesandte Kameras in die jeweils aktuelle Version umgerüstet wurden. Dieser war zum Teil sogar kostenlos (Umrüstung runde auf rechteckige Lupe) oder es wurden nur Materialkosten berechnet. Bei der Einsendung von Kameras zur Reparatur oder Inspektion wurden diese Veränderungen in aller Regel mit erledigt. Deshalb sind heute nicht selten Kine Exakta-Kameras zu finden, deren äußere Merkmale nicht zu den Versionsbeschreibungen und zur Fabriknummer passen.

Hiervon einmal abgesehen, hat es sich bewährt, zwischen drei Modellvarianten aus der Vorkriegsfertigung zu unterscheiden, die auch Klaus Wichmann in seinem Buch "Von der Kine-Exakta bis zur Elbaflex" als Typ 1 - 3 beschreibt. In einer Übersicht sind dies - mit ihren Kurzbezeichnungen:

  1. Version / Modell 1 - Kine Exakta "runde Lupe" - Baujahr 1936
  2. Version / Modell 2 - Kine Exakta "rechteckige Lupe" - Baujahre 1936-38
  3. Version / Modell 3 - Kine Exakta "3 Blitzbuchsen" - Baujahre 1938-40
Die Produktionsstückzahlen sind - wie beschrieben - nicht ermittelbar. Richard Hummel nennt in seinem Standardwerk als geschätzten Wert insgesamt 38.000 Stück produzierte Kine Exakta im Zeitraum zwischen 1936 und 1943. Demnach sind 1944 definitiv keine Kameras mehr gebaut worden.

1. Modell
Kine Exakta – runde Sucherlupe
(Richard Hummel-Modell 001)


Produktionszeit 4/1936 – 12/1936
Produktionsnummern 481.800-485.896; Stückzahl 1.400 (RH).

Diese Kine Exakta Version gilt als Synonym für Dresdener Kameras und ist neben der Leica den meisten Sammlern - auch außerhalb der Ihagee-Sammler-Gemeinde - bekannt. Da bei der Ihagee - anders als bei Leitz - keine detaillierten Produktionslisten geführt wurden und andere Aufzeichnung durch Kriegseinwirkungen verloren gingen, sind heute keine genauen Stückzahlen über Exakta-Kameras bekannt. Bei der frühesten bisher bekannten Fabriknummer einer Kine Exakta (455.651) handelt es sich um ein Vorserienmodell, aus einer wohl zur Messevorstellung produzierten Kleinserie.

Ausführung: Leichtmetall-Gussgehäuse mit Ganzverchromung, zwei Blitzbuchsen, außenliegendes Bild-Zählwerk mit Rändelrad, Verschlußzeitenknopf mit 18 mm Durchmesser und „B,Z“-Gravur. Verchromter Bajonettanschlussring ohne Außenbajonett. Weitere Detailangaben finden Sie auf meiner vorherigen Seite für die Kine Exakta.

Sehr frühe Kine Exakta (482.376) mit einem Exaktar mit der anfänglichen Brennweite 5 cm (später 5,4 cm)

Veränderungen im Detail gab es bereits während der nur kurzen Bauzeit des allerersten Kine Modells mit der runden Lupe. Nur wenig davon kann der aufmerksame Betrachter aber aussen an der Kamera bemerken. Andere werden erst nach einer Demontage sichtbar. Anfangs wird das Spiegelgehäuse mit einer samtartigen Beschichtung gegen vagabundierendes Licht versehen, spätere Modelle erhielten eine kratzige Kräusellackierung. Auch im Verschlussmechanismus gab es Änderungen, die jedoch nur bei geöffnetem Gehäuse bemerkt werden.

Bisher sind mir (außerhalb der Vorserie) Kameras mit Produktionsnummern zwischen 481.800 bis 485.896 mit der runden Sucherlupe bekannt. Dieser Nummernblock war jedoch nicht nur der Kine Exakta vorbehalten (s. Anmerkungen zur Vergabe der Ihagee-Fabriknummern und zu Stückzahlen). Durch Umbau oder Verluste sind heute allenfalls noch 50 bis 100 dieser Kameras weltweit im Originalzustand erhalten. Es sind auch Fälschungen der Deckel mit der runden Lupe bekannt; nach Fabriknr. 486xxx wurden definitiv keine runden Lupen mehr eingebaut.

Obwohl an den Vorkriegs-Exaktas keine siginifikanten Änderung vorgenommen wurden - bis auf die vorstehend zu den drei Versionen genannten - gibt es dennoch Bauunterschiede im Detail. Vielleicht sind es nur fertigungsbedingte Zufälligkeiten - für die allerersten Stücke gab es noch keine Serienfertigung. Vor allem bei Kameras, die zu Ausstellungs-, Messe- oder Vorführzwecken ausgeliefert (Fabriknummern unter 482.000) wurden, finden sich handgearbeitete Anbauteile.

Dies betrifft vor allem Einstell- und Bedienungsteile (Verschluss, Bildzählwerk, Langzeitknopf, Öffnungsverriegelung, Rückspulhebel). In dem empfehlenswerten Buch "Exakta OBSCURITIES / Seltsames und Seltsames" von Gary Cullen und Klaus Rademaker (2001) hat Gary Cullen hierzu Einiges beschrieben und fotografisch dargestellt. Wer sich intensiver mit den frühen Exakta's beschäftigen möchte, kommt um dieses Buch nicht herum.

Kurios scheint auch die Anordnung der Stellschrauben beim Bildzählwerk. Die ersten Kameras - bis etwa August 1936 - hatten diese bei 5+26. Aus unbekannten Gründen wurden sie in der Folgezeit auf 14+35 montiert. Sie werden sie bei manchen Kameras auch bei 13+34 finden, sicher handelte es sich dabei um Fertigungsungenauigkeiten. Ich habe nicht immer darauf geachtet - vielleicht gibt es noch andere Montagepositionen. Bei der Nachkriegsfertigung (s. dort) finden sich diese Stellschrauben auf einer Scheibe mit leicht vergrößertem Durchmesser jedoch wieder bei 5+26...


























Die Verschlussachse war anfangs mit einer zusätzlichen Feder versehen.


Auch das Langzeitenwerk wurde verändert. An den Funktionen der Kamera änderte sich dadurch nichts.


2. Modell
Kine Exakta – rechteckige Sucherlupe
(Richard Hummel-Modelle 002, 003)


Produktionszeit 12/1936 – 3/1938
Produktionsnummern ca. 486.000 – 529.774; Stückzahl 13.200 (RH)


Ausführung wie das 1. Modell, jedoch mit rechteckiger Schwenklupe im Sucher mit der ein größeres Bildfeld auf der Mattscheibe betrachtet werden konnte.
Geringfügige technische Veränderungen im Verschlusswerk, Änderung der Gussgehäuseform um individuelle Anpassungen bei der Montage zu minimieren.

Richard Hummel führt eine Variante (003) mit dem Typenschild Exacta für Exporte nach Frankreich, Portugal und in die USA auf, von der 1937 im Rahmen dieser Produktionsreihe etwa 500 Exemplare geliefert worden sein sollen. Es sind einige solcher Kameras mit Fabriknummern um 518.xxx und 539.xxx/540.xxx bekannt.


3. Modell
Kine Exakta – rechteckige Sucherlupe mit zusätzlicher 3. Buchse zur Blitzbefestigung, (Richard Hummel-Modelle 004, 005)


Produktionszeit 3/1938 – 1/1940 (11/1943)
Produktionsnummern ca. 529.000 - 597.488; Stückzahl 23.400 (RH)

Ausführung wie vor, jedoch mit einer zusätzlichen Gewindebuchse, um das Ihagee-Vacublitzgerät sicherer mit der Kamera verbinden zu können (zuvor nur mittels der beiden Steckbuchsen). Diese Ausführung wurde bis zur Produktionseinstellung im März 1940 und als "Kriegssonderfertigung" ausgeliefert. Auch die ersten Exemplare aus der im August 1945 wieder aufgenommenen Nachkriegsfertigung (s. dort) entsprechen dieser Bauweise.


3. Modell der Kine Exakta, hier als Exportversion (T.M. Reg.) einer "Nacht Exakta" mit Meyer Primoplan 1,9/5,8 cm und Fliegerknopf

Die reguläre Serienproduktion der Kine Exakta endete im März 1940 mit der Nummer 596.924. Die Anzahl der anschließend noch bis zum Kriegsende hergestellten und ausgelieferten Kameras ist nicht mehr zu ermitteln. Die letzte mir bekannte Fabriknummer aus der Vorkriegsfertigung ist 597.488. Richard Hummel nennt als Kriegssonderfertigung 400 Stück. Dies stimmt in etwa mit meinen vorstehenden Fabriknummernangaben überein. Mit Beginn der befohlenen Rüstungsproduktion im Frühjar 1940 wurden vorhandene Fertigungsteile und Maschinen außerhalb des Werkes ausgelagert.

Richard Hummel beschreibt eine weitere Variante (005) mit einem veränderten Zierrahmen für die Lichtschachtabdeckung. Von 2/1940 bis 11/1943 sollen etwa 2.400 Kameras damit ausgeliefert worden sein. In einer anderen Tabelle der Produktionsstückzahlen von 1941 bis 1945 gibt er hingegen nur insgesamt 720 Exakta-Kameras an. Insoweit sind also Richard Hummels Angaben (wie auch an einigen anderen Stellen seines Buches) nicht schlüssig. Zudem stimmen sie auch nicht mit der von ihm genannten Stückzahl der nach Produktionsende im März 1940 noch ausgelieferten 400 Kine Exaktas überein (s. oben).

Tatsächlich wurden Bestände des bislang montierten geprägten Zierrahmens sogar noch bei Nachkriegskameras weiter verwendet. Nach meinen Feststellungen ist der Zierrahmen ohne Prägung erst in der Nachkriegsproduktion und regelmäßig bei der Reparations-Exacta verwendet worden. Die Variante RH005 lässt sich deshalb weder zeitlich noch stückzahlmäßig zuordnen.

Anmerkungen zur Vergabe der Ihagee-Fabriknummern und zu Stückzahlen



Posted 2008/01/17; last updated 2009/04/28 Copyright © 1991-2016 by Horst Neuhaus