
Pierre Angénieux gelang in seinem Pariser Optikunternehmen erstmals die Konstruktion eines Weitwinkelobjektives
mit einer Brennweite kürzer als 40 mm für einäugige Kleinbildspiegelreflexkameras. Bei der bisherigen Objektivbauweise
verhinderte deren Klappspiegel kürzere Brennweiten, weil die Hinterlinse nicht nah genug vor der Bildebene angeordnet
werden konnte. Auch Abschrägungen am hinteren Tubus – wie man sie gelegentlich bei kürzeren Brennweiten vorfindet –
halfen da nicht generell weiter.
Die neue Bauweise war eher simpel, man musste halt nur drauf kommen ... Nach dem Prinzip des umgekehrten
Teleobjektivs (Schnittweite größer als Brennweite) entstand um 1950 das erste echte 35-mm-Weitwinkelobjektiv –
ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Photographie. Zudem erreichte diese Konstruktion neben hoher
Abbildungsgüte eine für damalige Verhältnisse erstaunliche Lichtstärke von 1 : 2,5. Bei den bisherigen
„Weitwinkel“-Objektiven war 1:4 das Maß der Dinge. Das unverwechselbare Erkennungsmerkmal dieser optischen
Leckerbissen ist ihre große Frontlinse.
Das Objektiv erhielt den Namen, der zur Sammelbezeichnung dieser neuen Objektivgattung wurde: Rétrofocus,
das erste Modell die Bezeichnung TYPE R 1. Bereits drei Jahre später folgte mit dem R 11 eine Konstruktion
mit einer Brennweite, die bislang als „Ultraweitwinkel“ für Contax oder Leica als Non plus Ultra galt – das
Rétrofocus 1:3,5 F=28mm. Der Bildwinkel dieses Objektives beträgt 75 Grad und war für die nächsten Jahre Stand
der Technik, bis Zeiss Jena 1960 das Flektogon 4/25 mm vorstellte.

Angénieux bot seine Objektive zeitweilig mit Bajonettanschlüssen für Alpa, Exakta und Rectaflex sowie mit
M42 Objektivgewinde für die Praktica und natürlich auch für die Leica an. Das Besondere dieser Objektivlinie
war – neben der excellenten Optik – ihr Design. Als andere noch mit blanken Objektivgehäusen glänzten, waren
die Pariser Erzeugnisse bereits Schwarz. Nachdem alle anderen Objektivbauer dies übernahmen, erschien
Anfang 1960 die neue Automatiklinie in mattem Chrom. Diese exclusive Ausführung gilt bei vielen Sammlern
als das schönste Objektivdesign überhaupt. Einmalig ist die Konstruktion des Blendeneinstellrades.
Die heutigen Preise der Angènieux-Objektive sind entsprechend ... Eine Übersicht der Angénieux-Objektive mit Exakta-Bajonettanschluss finden Sie hier.



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