Ganz anders als bei Schwarz-Weiß sieht die Welt für den Farbfotografen aus. Zumindest dann, wenn er Farbumkehrfilm (Dia-Film) verwendet. Der Farbnegativfilm besitzt ein quasi eingebautes Filter (Maskierung) mit dem erreicht wird, dass bei der Bilderstellung allzu krasse Farbfehler ausgeglichen werden (können). Früher erforderte dies einen gewieften Laboranten, später einen gut abgeglichenen Bildercomputer.
Beim Umkehrfilm geht das so nicht, er stellt die Farben so dar, wie er sie gesehen hat (wenn die Belichtung korrekt war) und entsprechend der ihm vom Hersteller mitgegebenen Farbtemperaturempfindlichkeit (Tageslicht- oder Kunstlichtfilm).
Also müssen Farbverfälschungen, wie die Naturgesetze sie nun mal verursachen (und unser Film mangels Intelligenz und eingebauter Uhr nicht ausgleichen kann) schon bei der Aufnahme korrigiert werden. Vereinfacht ausgedrückt sind Filter für Farbfilme (Colorfilter) durchweg Konversionsfilter (=Korrekturfilter). Sie verändern je nach Intensität der Einfärbung (rot oder blau) die aufnahmewirksame Lichtfarbe (Farbtemperatur, Messgröße °Kelvin), die ansonsten farbstichige
Bildergebnisse verursachen würde.
Das UV-Filter und das Polarisationsfilter (Polfilter) erfüllen ihren Zweck übrigens in gleicher Weise beim Schwarz-Weiß- wie auch beim Farbfilm. Ebenso sind die meisten Vorsatzlinsen und Weichzeichner für Schwarz-Weiß und Farbe verwendbar.
Die ersten Colorfilter kamen etwa Mitte der 30er Jahre mit den Farbfilmen (Kodachrome, Agfacolor) heraus. Sie bestanden durchweg aus einer Gelatinefolie zwischen zwei Glasscheiben (siehe Filterbauarten). Heute sind davon nur noch wenige in gebrauchsfähigem Zustand. Doch das ist für Sammler wohl eher nachrangig. Im Laufe der Jahre boten nahezu alle Hersteller spezielle Colorfilter an. Aus dem Schwarz-Weiß-Bestand waren nur UV-, Pol- und Graufilter verwendbar. An einigen Beispielen von LIFA, Augsburg, will ich auf die Colorfilter etwas näher eingehen.
Schon in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg lieferte LIFA Colorfilter aus massiv gefärbtem Glas aus. Diese LIFACOLOR-Filter nach Windisch (Buchautor) für Agfacolor-Tageslichtfilm entsprachen bereits den bis heute üblichen Skylight-Filtern usw. Der „normale“ LIFACOLOR-Filtersatz umfasste die Filter I, II und III gegen zarten bis stärkeren Blaustich. Ausserdem gab es noch LIFACOLOR-Dunstfilter und –Kunstlichtfilter
sowie das LIFACOLOR-Tageslichtfilter (ein Konversionsfilter für Kunstlichtfilm)
und ein LIFACOLOR-Blitzlichtfilter, welches die Verwendung von blauen Blitzbirnchen ersparte.
Richtig komfortabel wird die Colorfilter-Verwendung jedoch erst mit einem Farbtemperaturmesser, vorausgesetzt, man besitzt einen kompletten Satz Colorfilter. Der COLORLUX von LIFA
zeigt auf einer Skala die Farbtemperatur und auf einer anderen direkt das passende Colorfilter und den Faktor für die Verlängerung der Belichtung an. Auch andere Geräte, etwa der Gossen Sixticolor oder der Schweizer Rebikoff bieten einen vergleichbaren Komfort. Ansonsten muss nach der geschätzten Farbtemperatur, einer Tabelle oder einer Vergleichsskala (wie z.B. beim Sixtomat x3) ein passendes Filter gewählt werden. Mehr zu den Messgeräten und zum Messverfahren erfahren Sie in meiner
Abteilung Spezial-Belichtungsmesser. Eine Extrawurst briet auch Foto-Optik Jena (ARNZ) mit seinen A-Z Colorfiltern.




Aus den Farbabstufungen wurden mit der Zeit quasi normierte Werte zwischen KR1,5 – KR12 (rot) bzw. KB1,5 – KB12 (blau). Die Werte beziehen sich auf Dekamired-Farbwerte, die alternativ zum den °Kelvin-Farbtemperaturen eingeführt wurden. Eine kurze Beschreibung hierzu finden Sie ebenfalls auf meiner Spezial-Belichtungsmesser-Seite. Mit dem jeweils höchsten Wert wurde die Farbempfindlichkeit der Filme an Kunstlicht (KB12 für Tageslichtfilm), bzw. an Tageslicht (KR12 für Kunstlichtfilm) umgewandelt. Der kleinste Wert (KR1,5) empfiehlt sich beim Tageslichtfilm – außer bei Morgen- und Abendsonne – praktisch zum Dauergebrauch. Die Colorfilter ersetzen zudem einen UV-Filter (ein Pol-Filter übrigens auch!). Umgekehrt filtert ein UV-Filter geringe Blaustrahlung aus.
Die bekannten Skylightfilter entsprechen den Anfangswerten der Colorfilter-Reihe: Sky 0 = KR1,5, Sky 1 = KR3. Nicht alle Hersteller verwendeten jedoch diesen Standard. Insbesondere KODAK für seine Wratten-Filter und andere Hersteller aus den USA oder aus Fernost wählten andere Abstufungen. Das Colorfilter mit der leichtesten Blauunterdrückung kann also je nach Hersteller Skylight / Sky 0 / Sky 1 / Sky A / 106 (Liviosin) / RB 1 / R1,5 / KR1,5 / CR1,5 oder 1A heißen.
Es gab dort vier(!) Skylight-Filter Versionen, die sich nur geringfügig unterscheiden:
Diese Filter waren zudem - wie bei Arnz üblich - unbezeichnet! Wehe, wer sie einmal in die falsche Schachtel sortierte ...
Skylight-Filter von Foto-Optik Jena, früher ARNZ JENA, als A-Z Colorfilter für Farbfilm vertrieben.
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Posted 2008/03/1; last updated 2011/11/15 Copyright © 2007-2011 by Horst Neuhaus
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