In den Anfangsjahren der Photographie waren noch keine Filter bekannt. Die bei den Filtern für Schwarz-Weiß-Fotografie beschriebenen Lichtwirkungen wurden bei der Negativ- und Positivverarbeitung durch geeignete Chemie ausgeglichen. Erst mit Ausbreitung der Rollfilmkameras zu Beginn des 20 Jh. kam das Gelbfilter, oder auch die Gelbscheibe, in Mode. Mit dem damals verwendeten orthochromatischen Platten- und Filmmaterial konnten ohne Gelbfilter keine
einwandfreien Landschaftsaufnahmen erzeugt werden, selbst wenn auf den Verpackungen gelegentlich vermerkt war „ohne Gelbscheibe verwendbar“.
Anfangs begnügte man sich mit drei oder vier unterschiedlich starken Gelbtönungen. Es gab:
Rapid-Gelbfilter (schwache Tönung, ohne Belichtungsverlängerung)
helles Gelbfilter (Belichtung 1,5 – 2 x)
mittleres Gelbfilter (Belichtung 3 - 4x)
starkes Gelbfilter (Belichtung bis zu 8x oder mehr).
Später kamen Orange und Rot und mit dem Panchromatischen Aufnahmematerial auch Grün hinzu. Im Laufe der Jahre wurde ein helles Gelbgrün-Filter zum Standard für die meisten Aufnahmesituationen im Freien. Auch die Wirkung ultravioletten Lichtes war bekannt und wurde mit einem schwachen Gelbfilter, auch „Dunstfilter“ genannt, ausgeschaltet. Aus dem Dunstfilter wurde das UV- und mit den Farbfilmen das Skylight-Filter.
Freiherr Dr. h.c. Arthur von Hübl (1853 - 1932)
Der österreichische Chemiker, Physiker und Artillerieoffizier erforschte u.a. die photographische Farbenlehre und führte Farbenmessungen mit Lichtfiltern durch. Nach seiner im Jahr 1910 im Knapp Verlag veröffentlichten Schrift „Die photographischen Lichtfilter“ wurde eine der ersten Gelbfilterscheiben entwickelt. Es handelte sich dabei um eine in Glasscheiben eingelegte Gelatinefolie.
Die Fotos zeigen verschiedene Ausführungen der Frh. von Hübl Gelbscheibe, die anfangs von Rhaco vertrieben wurde.
Auch Lifa fertigte Gelbfilter nach Frh. von Hübl.



Filter in dieser Bauweise fanden noch bis in die 1950er Jahre Verwendung, vor allem Kodak tat sich mit seinen Wratten-Filtern dabei unrühmlich hervor. Zum Einen waren diese Filter nicht sonderlich haltbar und witterungsempfindlich, zum Anderen beeinträchtigten sie mehr oder weniger die optische Leistung der Objektive. Ihr Vorteil war die herstellungstechnisch leichtere Realisierung von unterschiedlichen Einfärbungen der Gelatineschicht gegenüber dem Massivglas.
Fotobeispiele photographischer Zwischenschichtfilter
Hier erkennen Sie gut die Konstruktion der frühen Gelbscheiben. Die Gelatinefolie war mit den beiden Glasscheiben verkittet.
Das Foto des zerlegten Gelbfilters zeigt eine total zugelaufene Gelatinescheibe, daneben ein qualitativ besonders hochwertiges massiv gefärbtes Gelbfilter
Hier noch eine alte Gelbscheibe mit völlig aufgelöster Gelatinefolie, deren Reste an den beiden Glasscheiben kleben. Im Vergleich dazu ein orangefarbenes Massivglasfilter.
Auch Voigtländer hat seine frühen Filter mit Gelatinefolien gefertigt, hier ein ß-Kontrastfilter. Die Anlaufmuster wirken gelegentlich wie kleine Kunstwerke ...
Die frühen Voigtländer-Gelbfilter - auch Kontrastfilter genannt - gab es in zwei Dichten. Das Gelbfilter α war ein tonrichtiges Filter mit 2facher Belichtungszeit. Das Gelbfilter ß erforderte etwa 5fache Belichtungsverlängerung.
Filter für orthochromatisches Film- und Plattenmaterial mit grüner Gelatinefolie von Agfa.
Vier Beispiele von Kodak-Wratten-Filtern mit Gelatine-Zwischenlage
Im Foto sind vier sogenannte Serienfilter - hier in Größe VI - zu sehen, die in den USA schon seit den 30er Jahren verwendet wurden. Diese Filter gab es sowohl mit als auch ohne Fassung.
Mit der Verbreitung von Farbfilmen wurden anfangs die Farbkorrekturfilter ausschließlich als Zwischenschichtfilter mit farbigen Folien hergestellt, bis die Einfärbung der Gläser ab etwa 1940/1950 auch für Farbfilmfilter möglich wurde.
Als erster deutscher Hersteller produzierte LIFA wohl schon gegen Ende der 1930er Jahre auch Filter für die Verwendung mit den immer beliebter werdenden Farbfilmen von Agfa und Kodak. Der komplette Satz Korrekturfilter gegen Blaustich umfasste die Werte 1, 2 und 3. Sie entsprechen etwa den späteren KR-Werten 3, 6 und 9. Wie die schon zuvor gezeigten Kodak-Wratten-Filter bestehen auch die LIFA-Filter aus zwei dünnen Glasscheiben mit dazwischen verklebter Cellulosefolie.
In den Fotos eines solchen Filtersatzes erkennen Sie auch, das es durchaus noch frühe Folienfilter ohne die meist üblichen Zerfallserscheinungen gibt. Ohne Demontage oder entsprechendes Wissen um den speziellen Filteraufbau ist der Unterschied zu späteren Massivglasfiltern fast nicht festzustellen. Allerdings sind solch gut erhaltene Farbfilmfilter aus diesen Jahren höchst selten.
Demontierter LIFAcolor-Filter 3. An den nicht ganz bündig verklebten Glasscheiben ist die Cellulose-Zwischenlage gut zu sehen.

LIFAcolor Filter 1 und 2. Dieser Filtersatz hat eine Aufsteckfassung für die Leica mit 35,9 mm Ø
Auch die Colorfilter für die Kodak Retina (32/ES29,5) bestanden noch lange aus einer Gelatinefolie zwischen zwei Glasscheiben (linkes Bild unten). Im rechten Bild im Vergleich dazu die späteren Ausführungen aus massiv gefärbtem Glas. Hin und wieder ist die Gelatinefolie noch gut erhalten und die Unterschiede sind - wie bei den beiden Skylightfiltern - kaum zu erkennen.
Massivglas-Filter
Besser waren Filter aus massiv gefärbtem Glas. Auch dabei gab es anfangs durchaus noch Qualitätsunterschiede. Auch konnte nicht gleich jede Tönung, vor allem für die neuen Colorfilter, im Massivglas produziert werden. Die großen Optikhersteller, wie Voigtländer oder Zeiss Jena lieferten wohl die besten Filter. Die Gläser dazu stammten aus der Fertigung von Schott Jena.
Später zogen die Filter-Spezialhersteller, wie Arnz, Biermann + Weber, Heliopan, LIFA, Neithold u.a. qualitativ gleich und belieferten in aller Regel auch andere Kamerahersteller für deren eigene Vertriebsangebote. Manche Filterhersteller, z.B. LIFA, verwendeten beide Filterarten in ihrem Programm.
Drei Einlegefilter von Voigtländer "Normal", "Moment" und "Grünfilter" aus Massivglas.
Diese Filter - den Serienfiltern vergleichbar - wurden in Filterhalter eingelegt oder besser eingeklemmt. Voigtländer lieferte verschiedene Kameras mit passenden klappbaren Filteraufnahmen aus, in die diese Filter eingeklemmt werden konnten.
Zeiss Ikon Filter, die beiden Gelbglasfilter IV wurden schon
in den 1920er Jahren hergestellt. Bitte beachten Sie die aufwendige Samteinfassung im Einsteckfalz. Das Rotfilter ist einige Jahre jünger.
Nicht alle Gelatinefilter sind mit den Jahren unbrauchbar geworden. Im Bild erkennen Sie, dass bei LIFA das kleinere rote Filter (unten) und bei KODAK das blaue Filter noch in sehr gutem Zustand sind. Doch sind dies Ausnahmen.
Der Sammler wird ja nicht mehr mit all seinen Schätzen noch praktisch arbeiten wollen. Für ihn ist es eher von Interesse, auch die technischen Entwicklungen zeigen zu können. Deshalb sind die für fotografische Zwecke wertlos gewordenen Gelatinefilter durchaus attraktiv, zumal sie inzwischen kaum noch zu finden sind (wer hat schon kaputte Filter aufgehoben?).
Verlaufsfilter
Doch was ist, wenn z.B. der Himmel in der oberen Bildhälfte und das Motiv in der unteren eine andersartige Filterung erfordern? Das von dem Baseler Optiker Ramstein erfundene Verlaufsfilter (Gelbscheibe Patent Kenngott-Ramstein) löst dieses Problem. Sie waren als Reform-Gelbscheiben mit runder Fassung und als rechteckige Iris-Gelbscheiben erhältlich. Verax Dresden nannte diese Filter auch "GradualfilterL".
Verlaufsfilter 40 mm von OMAG, Schweiz (Iris-Gelbscheibe)
Verlaufsfilter mit Reform-Gelbscheibe im Filterhalter 25 mmØ aus dem Orthoplan-Satz von Rhaco
Zwei hochwertige Verlaufsfilter mit Iris-Gelbscheibe 30 und 40 mm von OMAGLIFA lieferte Verlaufsfilter mit verschiedenen Verlaufsdichten: Lifa-Emka-Filter (steil), Lifa-Ardua-Filter (steiler Verlauf, jedoch durchgehend gelb eingefärbt) und normale Verlaufsfilter mit allmählich verlaufender Dichte.
Für Verlaufsfilter waren für Hoch- oder Queraufnahmen auch drehbare Fassungen erhältlich, „normale“ Fotografen
steckten den Halter einfach anders herum auf das Objektiv.
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