Historische Photogeräte sammeln?

Antike Photogeräte aus fotografischer Frühzeit, so etwa 1840 bis 1920, waren nie Teil meiner sammlerischen Aktivitäten. Wer sich für so was interessiert, braucht viel Platz und Geduld. Zudem fällt es nicht leicht, diese überwiegend aus Holz gefertigten Kästen ein- und zuzuordnen. Sie sind selten und teuer und haben ihren festen Platz in Museen. Ein normalsituierter Sammler käme vor lauter Frust über die Unerreichbarkeit solcher Pretiosen gar nicht mehr in den Schlaf.

Falls er sich doch einmal für sein erspartes Jahressalär eine Daguerrekamera zu Eigen machen konnte, werden ihm spätestens die despektierlichen Anmerkungen potentieller Bewunderer seines exklusiven Teiles (waren da Zigarren drin? das Holz müsste mal neu geölt werden; schade, dass die Kurbel für den Film weg ist; wie viel PS hatte denn damals so’ne Linse?) neuen Frust bereiten.

Abgesehen von Daguerre, Voigtländer und wenigen anderen gab es kaum Markenfabrikate größerer Hersteller. Diese griffen erst um die Jahrhundertwende 1899/1900 in das Geschehen ein. Namen wie Eastman Kodak, Ernemann, Wünsche oder Zeiss nahmen den expandierenden Markt in Besitz. Hunderte kleiner und kleinster Betriebe wurden gegründet, wieder geschlossen oder fanden sich zu größeren zusammen. Holzkameras entstanden damals oft in Tischlerwerkstätten, Objektive lieferte gelegentlich auch der platzansässige Optikus von gegenüber. Mehr brauchte es ja nicht, die Mechanik für die Verschlüsse fand erst später Zugang zur Photographie.

Eine durchaus spannende Zeit, in der die Photographie eine unglaubliche Spannweite an Geräten, Formaten, Systemen, Zubehör und Verfahren hatte. Breiten Raum nahmen räumliche Verfahren (Stereoskopie) ein. Der Rollfilm begann nur langsam die bislang dominierende Glasplatte zu verdrängen. Mit den Kinematographen lernten die Bilder auch laufen. Die Objektive wurden, dank besserer Gläser und der Rechenkünste ihrer Entwickler immer leistungsfähiger. Erste Belichtungsmessgeräte wurden erschaffen und Erfinder erfanden unmöglichste Zubehörteile für die kuriosesten Anwendungen.

Wer sich für diese aufregende zweite Entwicklungsphase begeistern kann, findet schon jede Menge Betätigungsfelder. Nach einigem Suchen öffnen sich auch geeignete Wege zu den Angeboten dieser Jahre. Es gibt noch Vieles zu entdecken, weniger im ebay als auf Börsen und Flohmärkten. Im ebay misslingt eine gezielte Suche nach richtig antikem Kram meist daran, dass mögliche Anbieter gar nicht wissen, wozu alte Besitztümer überhaupt nütze sind. Wenn doch, scheitert es an fehlenden oder nicht übereinstimmenden Verständigungsformen fürs Suchen und Beschreiben.

Auch die manchmal Blütezeit der Photographie genannte Periode so zwischen 1910 bis 1930 bietet meinem Sammlergemüt nur wenig Reizvolles. Die Unzahl von nahezu immer gleich aussehenden Balgenkameras konnte noch nie mein Interesse wecken. Das ist eher was für die Aufsteiger vom Briefmarkensammeln – bei jedem neuen schwarzen Klapperkasten findet man entweder ein anderes Format, Objektiv oder Verschluss. Und schwuppdiwupp hat man 13 Billy-Regale voll Kameras stehen – und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr... Nee, die eine oder andere als Ergänzung, ok. Aber nix für mich zum Sammeln, auch wenn die Lederbalgen noch so schön nostalgisch muffig riechen.

Mein sammlerisches Tun galt von Anbeginn eher all dem, was klickt, summt, schnarrt, brummt, rauscht oder sowas... Es mussten auch ausreichend Hebel, Knöpfe oder Rädchen vorhanden sein, um das Teil dazu bewegen irgendetwas zu bewegen. Auch Zeiger und Skalen lockten mich - manchmal auch nur dekorative Gerätschaften. So habe ich zwar die eine oder andere Holzkamera wegen ihres schönen Zusammenspiels von Holz und Messing erworben – Detektivkamera wurden diese oft schuhkartongrossen Edelholzkisten genannt. Dies wohl deshalb, weil ein mit solch einem Ungetüm ausgerüsteter Detektiv schon deshalb absolut unauffällig war, weil er mit seinem photographischen Equipment sofort jede Menge Zuschauer auf sich zog. Einiges aus dieser Ära habe ich noch, doch wahre Freude kann ich nicht daran empfinden.

Wer sich also für den richtig antiken Kram begeistert, findet auf meiner Sammlerseite wenig Futter. Ebensowenig derjenige, für den nur Alpa, Hasselblad, Leica und Nikon den Weg in den Fotohimmel eröffnen. Damit wir uns nicht missverstehen – das alles ist Spitzentechnik und – zumeist – über alle Qualitätszweifel erhaben. Doch machen gerade die Nischenprodukte, das ungewöhnliche Zubehör, das unhandliche Objektiv, den Reiz in der Fotogeschichte aus. Viele Photographen oder Fotoamateure haben mit einer völlig untauglichen und unpraktischen Fotoausrüstung ihre schönsten persönlichen Erlebnisse festhalten können.

Wer aber - wie ich - der Kleinbildkamera und ihren Verwandten, insbesondere den Spiegelreflexen oder den zahlreichen, teils mehr teils weniger kuriosen Schöpfungen der Nachkriegsära etwas abgewinnen kann – der ist hier richtig. Auch für das früher so wichtige Zubehör, Belis, Blitze, Filter, Entfernungsmesser usw. habe ich ein offenes Herz.

Herzlich willkommen also, gern auch mit Vor- und Ratschlägen oder Kritik per Gästebuch, eMail oder von mir aus auch klassisch per Post. Zwar sind wir Sammler alle Eigenbrödler, Dickköpfe, Rechthaber und Sonderlinge doch im Zusammenwirken all dieser Eigenarten doch wieder einzigartig liebenswürdig. Ich wünsche mir also, diese – meine – Liebenswürdigkeit mit anderen Sammlern auszutauschen.


Posted 2008/02/28 - last update 2010/04/09; Copyright © 2007-2018 by Horst Neuhaus