Spezial- und Effektfilter für die Fotografie

Infrarotfilter

Ein Thema für sich. Man mag schon darüber streiten, was überhaupt dazugehört. Die heutige eierlegende Wollmilchsau - das Polarisationsfilter - war anfangs nur etwas für Spezialisten als es um 1935 Einzug in die Fotografie hielt. Sicher darf man Infrarot- oder Röntgenfilter dazu zählen. Schon LIFA hatte 1929 eine ganze Palette von Spezialfiltern im Angebot, die heute nur mit Glück zu finden sind (wenn man denn überhaupt danach sucht).

Für Amateure mögen noch das Weiß-Filter (Tageslichtergänzungsfilter) für Glühlampenlicht oder das Blitzlichtfilter von Bedeutung gewesen sein – diese kann man aber auch den Colorfiltern zuordnen. Doch ein Spektralfilter „Schmutziggelb“ 560-585µµ (LIFA-Nr. 394) oder ein blaues Komplementärfilter 495µµ (Nr. 451b) brauchte man eben nicht alle Tage ...

Dual-Image

Auch die seit einigen Jahren immer zahlreicher angebotenen Farbeffektfilter oder Vorsatzlinsen mit Stern, Punkt, Prisma usw. kann man noch in diese Gruppe einreihen. Gelegentlich werden diese Teile auch als Kreativfilter bezeichnet, obwohl solches Spielzeug mit Kreativität eigentlich nichts zu tun hat. In der fotografischen Praxis mag sowas in seltenen Ausnahmefällen noch für Aufnahmen nützlich sein, denen man den billigen Effekt ansehen darf.

Ob dieser Unfug aber sammelnswert ist, mag ein Jeder selbst entscheiden. In einer Kitsch- und Tinnef-Ecke der Vitrine können ein paar solcher Glasscherben aber auch keinen Schaden anrichten...

Polarisationsfilter

Wie schon erwähnt, diente das heute gern in der Farbfotografie verwendete Polarisationsfilter anfangs anderen Zwecken. Wenn ein Pressefotograf durch ein Fenster fotografieren wollte, bekam er meist ein Problem. Die spiegelnde Glasfläche wurde auf dem Film zu einer schwarzen Wand. Das Polfilter half hier, indem es nichtmetallische Spiegelungen durch „Gleichrichtung“ der Lichtstrahlen beseitigen konnte.

Benutzern von Sucherkameras erschloss sich dieser schöne Effekt aber nicht so ohne weiteres, weil das Polfilter nur in einer einzigen Drehstellung arbeitswillig ist und die Wirkung zudem noch von der Aufnahmerichtung abhängt (optimaler Winkel 35°). Durch Drehen des Filters vor dem Auge lässt sich der gewünschte Effekt zwar rasch erkennen – doch wie kriegt man das Filter genau in dieser Stellung auf das Objektiv? Frühe Polarisationsfilter hatten hierfür Skalen, die bei einiger Übung helfen konnten. Ansonsten musste der Zeigefinger herhalten, bei einem Schraubfilter bestand dabei immer die Gefahr, sich den Finger zu verrenken. Eine recht komfortable Version entwickelte Leitz für die M-Leica. Ein Polfilter mit zweiteiliger Fassung wurde leitzüblich auf das Objektiv geklemmt. Der Filterteil der Fassung konnte vor den Sucher geschwenkt und dort verdreht werden, bis sich der gewünschte Effekt einstellte.


Leitz Polfilter XQIOO. Rechts das Leitz Polfilter für die M-Leica (13352) in der vor den Meßsucher geschwenkten Stellung


Die Renaissance der Klemmfassung – „Universalhalter“ von B+W Größe 1 (Objektive 18 bis 52 mm) mit eingesetztem Polfilter und je 1 Grün- und Orangefilter im eleganten Lederetui.
Rechts ein Cenei POLAREX-Polarisationsfilter "nach Käsemann" mit Skala 0-18 als Einstellhilfe für die Verwendung mit Sucherkameras


Das richtige Polfilter-Vergnügen beginnt allerdings erst mit einer einäugigen Spiegelreflexkamera, wie der Exakta. Im Reflexsucher zeigt sich die Wirkung des Polarisationsfilters unmittelbar. Je nach Drehstellung kann leicht die optimale Stellung zwischen maximaler und abgeschwächter Wirkung gefunden werden. Die anfangs in einer Aufsteckfassung angebotenen Filter wurden deshalb später mit der heute allgemein verbreiteten Drehfassung ausgerüstet.

Für die Kine Exakta bot die Ihagee ein Polfilter von Zeiss Ikon / Zeiss Jena an, das Einkristallfilter Bernotar. Das anfangs leicht gelbliche Bernotar-Polfilter wurde von Zeiss Ikon natürlich auch für andere Kameras und Objektivdurchmesser vertrieben.



Zwei Bernotar-Polfilter von Zeiss Ikon / Carl Zeiss Jena.
Links eine frühe 42 mm Aufsteckversion, passend etwa für das Biotar 2/5,8 cm (noch mit einer Fabriknummer 11819 graviert).
Rechts die in den 1950er/60er Jahren von Carl Zeiss Jena vertriebene 49 mm Einschraubversion, passend für die meisten der Zeiss-Normalobjektive zur Exakta oder Praktica.


Polarisationsfilter - ein wenig Theorie und Historie

Auch wenn ich auf meiner Seite generell der fotografischen Technik den Vorzug gebe - speziell durch die Sammlerbrille gesehen - will ich diesem Thema ein wenig Theorie anfügen. Nachdem der französische Physiker Louis Malus 1808 das polarisierte Licht entdeckte (und auch diese Namensgebung verantwortete) erklärten seine Kollegen Augustin Fresnel (nach ihm wurde die bildaufhellende Mattscheibe benannt) und Francois Arago wenige Jahre später dessen Wirkung. "Polarisiertes" Licht, oder einseitig bzw. in einer Ebene schwingendes Licht ist mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar. Es entsteht in der Natur vor allem durch Reflexion an durchsichtigen Materialien, wobei der Einfallwinkel und der Brechungsindex des reflektierenden Körpers bedeutsam sind. Dabei ist bei durchsichtigen Materialien der Brechungsindex von Eis am geringsten, gefolgt von Wasser, Glas und beim Diamant am höchsten. Es lässt sich jedoch auch technisch erzeugen. In der Wissenschaft existieren zahlreiche Abhandlungen darüber, die weit über fotografische Anwendungen hinausreichen. Das Internet hilft bei Interesse sicher weiter.

Omag PolfilterFür die fotografische Praxis sind die vorgenannten Grundlagen insoweit von Bedeutung, als die Wirkungen eines Polarisationsfilters z.B. bei Spiegelungen im Wasser oder in Glas unterschiedlich sind. Mit einer Spiegelreflex lassen sich solche Unterschiede im Sucherbild leicht feststellen, wer mag, kann darüber auch Aufzeichnungen führen, bei welcher Stellung das polarisierte Licht völlig ausgelöscht wird. Wichtig ist vielleicht noch, dass auch metallische Flächen polarisiertes Licht durch Reflexion erzeugen. Da deren Brechungsindex jedoch ungleich höher ist, absorbieren sie auch Licht. Deshalb liegen hier andere physikalische Verhältnisse vor (elliptisch polarisiertes Licht) die das normale Polarisationsfilter in seiner Wirkung zumindest stark einschränken.

Die Wirkung polarisierten Lichtes war in der Fotografie zwar schon länger bekannt. Es wurde mit Schwarzglasplatten, Prismen, Kristallplatten und auch mit Folien - ähnlich den Gelatinescheiben für Colorfilter experimentiert. In der Mikroskopie wurde schon seit längerem mit polarisiertem Licht gearbeitet. Jedoch dauerte es bis 1935, bis bei Carl Zeiss Jena von Prof. Ferdinand Bernauer das erste praktisch verwendbare Polarisationsfilter "Herotar"(s. Foto weiter oben) verfügbar war. Das später nach ihm in "Bernotar" umbenannte Zeiss-Polarisationsfilter ist ein Einkristallfilter, bei dem eine Kristallfolie mit gelbgrünlicher Färbung zwischen zwei Glasscheiben liegt. Diese Art von Filter wirkt allerdings nicht bei allen Lichtfarben in gleicher Weise, bei Rot ist sie erheblich eingeschränkt. Auch Wärmestrahlen (infrarot) können nicht ausgefiltert werden. Je nach Dicke der Filterschicht (es können auch mehrere Folien vorhanden sein) ist der Wirkungsgrad geringer oder höher.

Im Bild rechts eine Polarisations-Filterscheibe des Schweizer Prazisionsfilterherstellers Omag für Serienfilterhalter Größe 6 (VI). Man erkennt deutlich die zwischen zwei Glasscheiben verklebte Zellulosefolie. Obwohl dieser Filter aus der Zeit um 1940/50 noch originalverpackt und ungebraucht ist, sind die Auflösungserscheinungen der Verkittung bei diesem nicht nach dem Käsemann'schen Prinzip hergestellten Filter gut zu sehen.

Andere Hersteller verwendeten auch Mehrkristallfolien für Polarisationsfilter (etwa LAND USA, später als Polaroid bekannt), auch Zeiss Ikon stellte parallel zu den Bernotar-Filtern derartige Folien her. Sie konnten sich in der Fotografie infolge ihrer geringeren Trübungsfreiheit allerdings nicht so recht durchsetzen.

Polfilter nach KäsemannEine andere Variante erwies sich hingegen als erfolgversprechender - die Verwendung von eingefärbtem Zellulosehydrat (=Cellophan). Dafür wurden verschiedene Farbstoffe verwendet und auch unterschiedlich gefärbte Cellophanfolien kombiniert. Erwin Käsemann aus Oberaudorf/Inn erfand - etwa zeitgleich mit F. Bernauer - das staub- und feuchtigkeitsdicht verkittete Filter unter Verwendung solcher eingefärbter Zellulosefolien.

C.A. Steinheil in München vertrieb zunächst dieses Polarisationsfilter „nach E. Käsemann“, später auch Cenei/Neithold. Noch heute ist es von B+W erhältlich.

Erst damit wurde die Anwendung praktisch verwendbar, weil nicht verkittete Filter infolge der anwendungsbedingten Dreherei schon bald unbrauchbar werden. Dieses Prinzip hat bis heute Bestand.










Original-Käsemann-Polfilter von Steinheil.





















Hier sehen Sie ein Zeiss Ikon Polfilter für die Contaflex, also sicher kein Billigprodukt. Deutlich erkennbar ist die unbrauchbar gewordene Polarisationsfolie bei diesem nicht nach dem Käsemann'schen Patent produzierten Filter

Mit der Entwicklung der Vergütung von Glasflächen im Objektivbau (z. B. "T"-Vergütung bei Zeiss) wurde fälschlicherweise angenommen, dass derartige Objektive auch polarisierend wirken. Obwohl dies natürlich Unsinn ist, haben sich solche Einschätzungen lange halten können. Achten Sie doch bei alten Fotos mal darauf, wenn Sie gelegentlich einen Fotografen sehen, der bei See-, Wasser- oder Teichaufnahmen seine Kamera schräg hält, damit die Fische mit auf's Bild kommen...


Interferenzfilter

Interferenzfilter Eine Abart des Polarisationsfilters, wenn auch mit völlig anderer Anwendungszielsetzung, sind Interferenzlichtfilter. Diese bewirken je nach Art und Dicke des verwendeten Filtermaterials eine spektrale Zerlegung des aufnahmewirksamen Lichtes und damit eine Unterdrückung bzw. Bevorzugung bestimmter Lichtwellenbereiche.

Besonders in der Astrofotografie wurden solche Filter beliebt, die nur einen engen Lichtbereich durchlassen. Heute lassen sich derartige Filter für spezielle Aufnahmezwecke herstellen, indem sie z.B. nur für die rote Wasserstofflinie H oder die grüne Quecksilberlinie durchlässig sind. Ein Interferenzfilter mit einem Durchlassbereich zwischen 450 bis 670 mµ ist z.B. für die Beobachtung und Fotografie der Sonne gedacht.
InterferenzfilteraSolche Filter waren dem "gemeinen Amateur" verschlossen und sind deshalb selten zu finden. Viele zeichnen sich durch eine mehr oder weniger teildurchlässig spiegelnde Oberfläche aus. Ihre Wirkung lässt sich nur mit speziellem technischen Aufwand feststellen, der einem Sammler üblicherweise verschlossen ist.

So will ich es auch hier bei einer Abbildung von zwei derartigen Filter mit Einschraubdurchmesser M52 bzw. M58 bewenden lassen. Bei dem linken Filter der beiden Abbildungen erkennen Sie auch eine Eigenart dieser Filter - im Seitenlicht (oberes Bild) wirkt es wie ein Spiegel, im direkten Blitzlicht erscheint es hingegen blau.

Graufilter

B+W Graufilter

An sich gehören Graufilter zu den Farbfiltern, können aber sowohl für Schwarz-Weiss- wie auch für die Farbfotografie verwendet werden. Sie wirken absolut farbneutral und werden meist bei starker Lichteinstrahlung eingesetzt. Sehr starke Graufilter finden auch in der Astronomie bei Sonnenaufnahmen Verwendung. Auch wenn aus gestalterischen Gründen nur mit offener Blende gearbeitet, also die Zeit-/Blendenkombination nicht benutzt werden soll um den Schärfepunkt eindeutig auf das Motiv zu fixieren (Ausschaltung der Tiefenschärfe), sind Graufilter ein wichtiges Gestaltungselement. Sie sind auch in der digitalen Fotografie noch aktuell.

Die Filter wurden von allen Herstellern in verschiedenen Dichten angeboten. Die Wertangaben (meist 0,5x 2x 4x 8x) bezeichnen die Dichte und zugleich den Faktor der Belichtungszeitverlängerung. Graufilter wirken zudem wie ein UV-Filter. Nebenbei - auch Polarisationsfilter wirken neben ihren weiter oben beschriebenen Eigenarten wie Graufilter und sind dabei in der Dichte noch einstellbar.



B+W Graufilter 4x in Aufsteckfassung


Weichzeichner

Als Erfinder der Weichzeichnerlinse gilt der Ungar Nicolaus von Tóth. Doch gab es auch zuvor schon Ähnliches – die Mollarlinse von Goerz, Berlin, wurde in den 1920er Jahren in 3 Stärkegraden vertrieben. Auch Omag in der Schweiz lieferte die Dux-Linse für weiche Zeichnung und von LIFA gab es ein patentiertes Beugungsgitter-Filter.
Die Tóth-Duto-Linse (benannt aus der Partnerschaft Dulovits/th) erzeugte ihre Soft-Wirkung mittels in das Filterglas eingeschliffener konzentrischer Ringe. Diese ergeben im Wechsel negative und positive Dioptrien. Die ersten dieser Vorsatzlinsen lieferte N. v. Tóth, Budapest, in zwei Stärken (0 und 1) noch selbst. Später wurden sie auch in Lizenz von anderen Filterherstellern gefertigt.

Tóth Duto Weichzeichner, links in Spezialfassung für die Leica (35,9 mm Ø)

Duto Linse von Ihagee Dresden mit „anwenderspezifischem Haltemechanismus“


Auch dieser neuzeitliche Weichzeichnervorsatz von HAMA verwendet noch die Bezeichnung "Duto".


Posted 2008/03/21; last updated 2013/01/25 Copyright © 2007-2016 by Horst Neuhaus