Vorsatzlinsen für die Farb- und Schwarzweißfotografie

Obwohl im Prinzip alles Glas vor dem Objektiv eine Vorsatzlinse ist, bezeichnet man als solche üblicherweise diejenigen mit brennweitenverändernder Wirkung. Heute kennt man praktisch nur Nahlinsen mit positiver Brechkraft (+ Dioptr.); früher gab es auch Vorsatzlinsen mit entgegengesetzter Wirkung (Telelinse) mit negativer Brechkraft (- Dioptr.). Oft wurde auch unterschieden nach Porträt, Repro, Weitwinkel, Verlängerungslinse, Verkürzungslinse, Telelinse.

Nahezu alle Objektiv- und Filterhersteller lieferten auch Vorsatzlinsen. Bekannt sind die Zeiss Proxare (Nahlinse) und Zeiss Distare (Telelinse) oder die Focar-Linsen von Voigtländer.

Diese waren besonders hochwertig und erweiterten einige Zeiss-Optiken, wie das Tessar, quasi zum Satzobjektiv. Auch die Focar-Linsen waren als Verlängerungs- und als Weitwinkellinsen erhältlich.

Zeiss Distar und Proxar

Für viele Fotoamateure aus klassischen Zeiten sind Focar-Linsen von Voigtländer Synonym einer Vorsatzlinse für Nahaufnahmen.








Focarlinsen "P" und "WW" von Voigtländer


Contessa-NettelHistorische Vorsatzlinsen anderer bekannter Hersteller:

Apero-Vorsatzlinsen (A oder B als Telelinse, -Dptr und C als Weitwinkel, +Dptr) zum Aufstecken
Contessa-Nettel (Sonnar Verlängerungslinse, s. Bild)
Haco (A Nahlinse, B Telelinse, C Weitwinkellinse)
Verax Vorsatzlinsensatz
Rhaco (Telelinsen A I, B II, C III, Verkürzungslinse W IV)




Die Sonnar Verlängerungslinse von Contessa-Nettel macht aus dem 13,5 cm Normalobjektiv 23 cm Brennweite. Interessant in diesem Zusammenhang: Das Sonnar war ursprünglich ein Contessa-Objektiv. Nach dem Zusammenschluss zur Zeiss Ikon AG wurde das Objektiv dann zum Namensgeber der Neuentwicklung von Dr. Bertele für dessen Hochleistungsobjektiv, das in den Folgejahren Weltruf erlangte.



Rhaco Porträtlinse, Tele-Linse und Nahlinse der Schneider-Tochtergesellschaft ISCO Göttingen


Vier Telelinsen: Distarlinse von Carl Zeiss Jena, ISCO Verlängerungslinse, Ihagee Telelinse, Telelinse von Rodenstock





























Ihagee Telelinse
mit Kine Exakta und dem zwischen Objektiv und Kamera notwendigerweise einzusetzenden Zwischenring.

Die aktuelle Brennweite dieser Kombination (mit Biotar 2/5,8 cm) beträgt etwa 76 mm.

Manche Hersteller lieferten komplette Sätze mit Vorsatzlinsen. Bekannt ist "Der Ihagee-Satz – ein optisches Wunder". Er macht – nach dem Begleitzettel – jede Kamera zum Universal-Instrument. Der Ihagee-Satz wurde in 3 Größen geliefert (31 mm, 40 mm, 52 mm Ø) und bestand aus jeweils 4 Linsen – Weitwinkellinse, Porträtlinse, Reproduktionslinse und Telelinse.

Ihagee-Satz 40 mm (hergestellt von Verax)


Arnz VorsatzlinsenDie Optische Werkstätte Hugo Arnz Jena (übernahm nach dem 2. Weltkrieg den Markennamen "Ultrasorban" für Schwarzweißfilter vom Dresdner Hersteller Hamaphot, der seinen Firmensitz nach Westdeutschland verlegt hatte) nannte seine Vorsatzlinsen für Nahaufnahmen mal "Nah-Linse", mal "Porträt-Linse". Arnz VLII-32Für die optische Wirkung der beiden Vorsatzlinsen Nr. 220/I und Nr. 220/II ist dies jedoch belanglos.

Arnz BeipackzettelArnz Vorsatzlinse Nr. 220/II mit Aufsteckdurchmesser 32mm. Wie bei Arnz üblich, findet sich auf der Fassung kein Hinweis auf Hersteller, Typ oder Größe. Lediglich zwei gravierte Punkte weisen darauf hin, dass es sich um eine Vorsatzlinse der Stärke "2" handelt.

Laut Beipackzettel ist es eine Porträt-Linse, im Prospekt wird diese Ausführung dagegen als "Nah-Linse" bezeichnet. Im Bild sehen Sie auch die typische schwarz/rote-Bakelit-Dose, in der die Arnz-Erzeugnisse in der Zeit zwischen 1930 bis Anfang 1950 ausgeliefert wurden.


Daneben fertigte Arnz auch in den frühen 1950er Jahren noch zwei Weitwinkel-Linsen (Nr. 221, Nr. 222) und zwei Tele-Linsen (Nr. 223, 224). Mit zurückgehender Verbreitung von Plattenkameras wurden diese Vorsatzlinsen von allen Herstellern nach und nach eingestellt.



Posted 2008/03/01; last updated 2010/05/18 Copyright © 2007-2016 by Horst Neuhaus