VP Exakta 4x6,5 Spiegelreflexkamera für Rollfilm 127

Ihagee-Anzeige 1927

Im Jahr 1933 verfügte die Ihagee über bereits ein Jahrzehnt lange Erfahrungen mit dem Bau einäugiger Spiegelreflexkameras, wie der weltweit verbreiteten "Paff-Reflex". Doch waren dies großvolumige Gehäuse für - meist großformatige - antiquierte Platten und Filmpacks. In deren Innerem gab es ausreichend Platz für die Spiegelmechanik.

Mit der "Nachtreflex" für die Formate 4,5x6 und 6,5x9cm und dem bereits einige Jahre zuvor patentierten Schlitzverschluss für Zeiten von 1/10 bis 1/1000s war 1930 der Gipfel der Entwicklung derartiger Kameras erreicht. Zudem setzten Leica und Contax neue Maßstäbe beim Filmmaterial. Es musste also etwas Neues her, wollte Ihagee den mittlerweile erworbenen Ruf als weltweit renommierter Kamerahersteller behalten.

Die Werbeanzeige der Ihagee für die "Patent Klapp-Reflex" aus dem Jahr 1927 lässt gut erkennen, dass es sich bei den bisherigen SLR-Kameras - trotz Klappmechanismus - nicht gerade um zierliche Geräte handelte....

So war es nur folgerichtig, das bewährte Spiegelreflex-Prinzip mit kleinerem Filmmaterial zu kombinieren. Man wählte dafür (zunächst noch) den Film mit der kleinsten Rollfilmspule A8 für 8 Aufnahmen im eher ungewöhnlichen Bildformat 4x6,5cm. Ihr Gehäusedesign war absolut neuartig - eine kompakte Reflexkamera mit horizontalem Filmtransport gab es zuvor noch nie. Ansonsten war die neue "Exakta" noch durch und durch Rollfilmkamera in der bekannten Ausführung mit der Filmkontrolle im roten Filmfenster auf der Rückseite. Jedoch wurde das Prinzip des mit Verschluss- und Spiegelaufzug kombinierten Filmtransports eingeführt, den nahezu alle Hersteller für die Kameras späterer Jahrzehnte übernahmen.

Prospektbild 1933Die kompakte einäugige SLR der Dresdner Ihagee-Werke wurde zur Leipziger Frühjahrsmesse 1933 mit sechs verschiedenen Standardobjektiven vorgestellt. Die Produktion begann im Januar 1933, eine Vorproduktion bereits im Herbst 1932. (Ihagee-)Offiziell wurde mit der Fabriknummer 400.000 begonnen. Allerdings existieren aus der Vorserie auch Objektivfassungen mit niedrigeren Nummern, die erste in einer Abbildung aus dem Jahr 1932 festgehaltene Seriennummer ist 330.232.

Die Prospektabbildung aus dem Werbeprospekt "Das große 65000 Reichs-Mark Ihagee-Preisaussreiben" zeigt eine Exakta A der 1. Baureihe mit den vier anfangs dazu lieferbaren Wechselobjektiven.

In der Literatur, aber auch Sammler-umgangssprachlich ist dieses Kameramodell unter verschiedenen Namen bekannt, obwohl es von der Ihagee stets nur als "Exakta" angeboten worden ist. Hier die Gebräuchlichen, ich will nicht ausschließen, das es noch andere gibt: Rollfilm-Exakta, VP-Exakta (englischsprachige Bezeichnung = Vest Pocket Exakta), Exakta 4x6,5, Exakta 127, Standard Exakta.

Steenbergens Chefkonstrukteur Karl Nüchterlein hatte die Kamera hingegen als „Exakta“ konstruiert. Bei ihrer Vorstellung gab es nur einen Typ. Erst mit Erscheinen einer Version mit langen Verschlusszeiten wurde aus dem Urmodell die Exakta A und aus der Variante mit den Langzeiten die Exakta B. Ab Januar 1937 - nach Einführung der Kine-Exakta (24x36 SLR) im Frühjahr 1936 - wurde die Rollfilm-Exakta zur „Standard Exakta“ – allerdings auch nur in Prospekten und Preislisten. Die Gravur auf den Kameragehäusen blieb unverändert.

Obwohl die Exakta 4x6,5 bis zur kriegsbedingten Produktionseinstellung sehr viele Freunde unter den Anhängern des beliebten 127er Rollfilms fand, wurde sie nach Kriegsende nicht weiter fortgeführt. Die als Nachfolgerin geplante 6x6 Exakta konnte kriegs- und nachkriegsbedingt nicht zu Ende entwickelt werden und fand leider ein jähes Ende s. Exakta 6x6

Exakta Grundmodell 400005
Eine der ersten Exakta Spiegelreflexkameras (Ihagee-Katalog-Nr. 8150BR). Mehr zu diesem Ur-Modell finden Sie weiter unten (bei Fabr.-Nr. 406053).
Das für das Foto eingesetzte Exaktar-Objektiv von Meyer mit der Nr. 639784 ist etwas jüngeren Datums als das Kameragehäuse.
Das mit dieser Kamera ausgelieferte Ihagee Exaktar dürfte eine Seriennummer um 590xxx gehabt haben.

Exakta Prospekt 1933Bemerkenswert ist also, dass das allererste Modell nur als "Exakta" ohne weiteren Zusatz angeboten und verkauft worden ist. Es war ausschließlich in der Ausführung erhältlich, die später als Exakta A angeboten wurde - also ohne Langzeitwerk. Diese erste Version wird demnach auch von Richard Hummel nicht mit der Beschreibung der "1. Baureihe" erfasst! Erst im Herbst 1933 gab es die Kamera dann auch als "Modell" B" mit Langzeitwerk zu kaufen. Die bisherige Exakta wurde zum Modell A. Das Modell "jr." und die Nacht-Exakta gesellten sich 1934 mit der 1. Baureihe hinzu.

Nach der Überarbeitung im Herbst 1933 wurde die Kamera mit einigen Veränderungen im Detail bis Ende 1939 gebaut. Die Fabrikationsnummern begannen bei 400.000 und endeten etwa bei 590.000. Die produzierte Stückzahl ist daraus jedoch nicht abzuleiten, weil in den Ihagee-Werken zu dieser Zeit noch andere Kameras hergestellt wurden. Beispielsweise ist auch die Kine Exakta seit 1936 in diesem Nummernbereich enthalten. Nicht jedes Modell erhielt für sich ein Kontingent Fabriknummern, vielmehr wurde fortlaufend nummeriert. Deshalb läßt sich auch die Anzahl der Modelle und Typen nur annähernd anhand von bekannten jeweils ersten und letzten Fabriknummern schätzen. Zur Vergabe der Fabriknummern und zu Stückzahlen bei der Ihagee können Sie noch mehr auf meiner Kine-Seite lesen.

Eine Übersicht der unterschiedlichen Versionen dieser Kamera in einer bei Sammlern beliebte Tabellenform nach Fabrikationsnummern ist für diese Exakta nicht möglich. Wer mit der Art und Weise der Ihagee-Produktion dieser Jahre nicht vertraut ist, wird vielleicht kein Verständnis dafür haben, dass sich die kurze Produktionszeit nicht in einer übersichtlichen Tabelle dokumentieren lässt. Dies liegt aber vor allem daran, dass nicht die Gehäuse mit einer Seriennummer versehen wurden, sondern vielmehr die leicht auszutauschenden Objektivfassungen. Als Referenzwerk mag das englischsprachige Buch "Exakta Cameras 1993-1978" von Clément Aguila und Michel Rouah (Hove-Verlag 1987) dienen. Es differenziert - produktionstechnisch zwar nicht korrekt, aber recht übersichtlich - innerhalb der Modelle A, B usw. nach Versionen. Eine andere Klassifizierungsmethode nach Baureihen verwendet der frühere Ihagee-Mitarbeiter Richard Hummel in seinem Buch "Spiegelreflexkameras aus Dresden" (1994). Auf dessen Einteilung basiert die Einordnung der VP Exakta-Modelle in meiner nachfolgenden Übersicht.

Prospekt 1933

Wie beschrieben, ist es also nicht einfach, die VP Exakta Kategorien zuzuordnen, an denen sich der Sammler orientieren kann. Die Versionseinteilung von Aguila/Rouah ermöglicht dies ebensowenig wie die Auflistung der Baureihen von Richard Hummel. Je mehr versucht wird, eine tabellarische Einordnung zu finden, desto unübersichtlicher wird es. Gründe dafür sind fehlende Gehäusenummern und das Baukastensystem, nach dem die Kamera gefertigt wurde. Es würde mich freuen, wenn mir mit meinen Bildern und Beschreibungen dennoch ein Überblick der nur 6jährigen Bauzeit gelingt, ohne dabei zugleich neue Typisierungskategorien zu schaffen.







Beschreibung und Verkaufspreise aus dem ersten Exakta-Prospekt April 1933.
Die hier abgebildete Exakta trägt übrigens die Nr. 339 262.


Im Katalog aus dem Jahr 1934 wurde die Standardobjektiv-Palette noch um das Steinheil Cassar 3,5/70 (135,- RM) und Cassar 2,9/75 (155,- RM) erweitert. Zunächst wurden Standard-Objektive mit 7cm Brennweite für die frühe Exakta geliefert, ab 1935 hatten alle Normalobjektive 7,5cm und die "Nacht"-Objektive 8cm Brennweite. Das Modell B kostete jeweils 30,- RM mehr und das Modell Jr. mit 4,5-Exaktar 90,- RM.



Die fünf Modellreihen der Rollfilm-Exakta (nach Richard Hummel):

Zur Vermeidung von Missverständnissen - das Exakta Grundmodell aus den ersten Monaten des Jahres 1933 zählt Richard Hummel nicht als eigene Baureihe! Dessen 4 Baureihen beziehen sich auf die von ihm beschriebenen Modelländerungen ab Herbst 1933. Deshalb wählte ich in meiner Überschrift auch die Bezeichnung "Modellreihen", der Wechsel zwischen Baureihen und Modellen ist also keine Laune oder Wortklauberei... Somit kann der Sammler beginnend mit dem Urmodell insgesamt 5 Modellreihen der Rollfilm-Exakta in die Vitrine sortieren. Das Urmodell existiert nur in einer Ausführung (technisch dem Folgemodell A entsprechend). Erst ab der 1. Baureihe gibt es die nachstehend aufgeführten Modelle A, B und jr. Die Varianten "C" und "Nacht" sind jeweils in der Modellausführung A oder B zu finden. Dies ist zugegebenermaßen ein wenig kompliziert, erklärt jedoch, weshalb sich die Standard-Versionen nicht in einer Tabellenübersicht zusammenstellen lassen. Eine zusätzliche Erklärung dafür finden Sie noch, wenn Sie meine allgemeinen Hinweise zur Bauweise der Standard Exakta's weiter unten lesen.

Clément Aguila & Michel Rouah wählten in ihrem Standardwerk "EXAKTA CAMERAS 1933-1978" aus dem Jahr 1987 eine Übersichtsform, in der sie die Modelle A, B, C, jr. und Nacht jeweils in unterschiedlich ausgestattete Versionen gliedern. Da diese recht gut nachvollziehbar sind, können sie - obwohl nicht ganz korrekt - für Referenzangaben bei Beschreibungen durchaus verwendet werden. In meinen folgenden Übersichten gebe ich - soweit möglich - sowohl die AR- als auch die Hummel-Baureihen-Version an.


LS-Deckel 1Die in der vorherigen Übersicht zusammengestellten Modellvarianten weisen nicht zwingend die ihnen etwa von Richard Hummel zugewiesenen Ausstattungsmerkmale auf. Es gibt zwischen den Versionen etliche Übergangsvarianten einerseits und andererseits viele Umrüstungen oder Umbauten. Daneben sind nicht wenige Veränderungen im Detail zu finden. Eindeutige Versionszuweisungen sind also bei der Standard Exakta oft schwierig.

Bei den ersten Exakta-Kameras bietet sich dem Sammler auch noch eine weitere Differenzierungsmöglichkeit in der Lederabdeckung des Sucherdeckels. Anfangs wurde nur der "Ihagee"-Schriftzug in das Leder geprägt. Das zusätzliche Ihagee-Emblem "aufgehende Sonne über der Mondsichel" (Sonne und Mond) ist erstmalig bei Kameras der 1. Baureihe ab etwa Fabr.-Nr. 405.500 (Mitte 1934) unterhalb der Ihagee-Prägung zu finden.


Lederabdeckung des Lichtschachtdeckels nur mit Ihagee-Prägung noch ohne das Ihagee-Warenzeichen "Sonne und Mond".
In dieser ersten Version wurden Kameras bis etwa Fabrik-Nr. 406.100 ausgeliefert

LS-Deckel 2. Version









Lederabdeckung des Lichtschachtdeckels geprägt mit dem Ihagee-Schriftzug und dem Ihagee-Warenzeichen "Sonne und Mond"
bei Kameras ab etwa Fabrik-Nr. 405.500.

Der Aufzugs- und der Verschlusszeitenknopf mussten einige Modifikationen ertragen, bis mit den Schnellaufzugshebel-Modellen eine endgültige Lösung gefunden wurde. Der Verschlusszeitenknopf hatte bei den frühen Modellen einen Durchmesser von 18, später 19 mm. Anfangs war er blank, dann schwarz lackiert und zuletzt wieder blank eloxiert.

Es gibt demnach eine Menge im Detail unterschiedlicher Standard-Exakta's zu sammeln. Ich will und kann hier keine Angaben zur Anzahl der Varianten machen, doch wird ein engagierter Sammler sicher an die 100 verschiedenen Exemplare zusammentragen können. Jedenfalls habe ich mein Bemühen um Vollständigkeit der Standard-Abteilung schon früh aufgegeben. Dies vor allem auch, weil das sich üblicherweise an der Fabriknummer orientierende Hirnteil des gemeinen Kamerasammlers schnell in Konfusion gerät, wenn die auf der Objektivfassung gravierte Nummer so gar nicht in die Hierarchie der Rollfilmgehäuse passen will. In folgender Übersicht habe ich dennoch einmal den Versuch unternommen, die Ausstattungsvarianten der Standard Exakta halbwegs zu ordnen. Für die fünf Modellreihen gebe ich als Anhaltswert jeweils eine niedrigste und höchste Fabriknummer an, innerhalb deren Bereiche ich VP-Kameras der jeweiligen Modelle kenne.

Fabrikationsnummern-Übersicht der Exakta 4 x 6,5

Die Angabe "Baureihe" bezieht sich dabei auf die beschriebenen Ausführungen von Richard Hummel. Eine andere brauchbare Einordnung nach "Versionen" haben Aguila/Rouah in ihrem Standardwerk Exakta Kameras 1933-1978 vorgenommen. Auf die AR-Versionsangaben sind Nummernkreise allerdings nicht übertragbar, weil innerhalb der vier Baureihen jeweils alle Versionen (A, B, C, Nacht, jr.) ausgeliefert worden sind.

Typ, ModellBauzeitca. Fabriknummern
Exakta Vorserie 10/1932 395.000-400.000
Ur-Exakta 4 x 6,5 ab 1/1933 400.005-406.325
Exakta 1. Baureihe
Modell A
ab 10/1933 403.500-422.000
Modell Bab 10/1933 ab 403.583
Nacht-Exakta A  ab 422.000
Nacht-Exakta B
Ihagee Junior 413.000-418.975
Exakta Junior  ab 419.000
Exakta 2. Baureihe ab 3/1935 415.000-430.000
alle Modelle wie vor, jetzt mit Schnellaufzug
Exakta 3. Baureihe ab 9/1935 430.000-530.000
Modelle wie vor, mit Blitzbuchsen
Modell C mit Plattenrückwand (Exakta A oder B)  ab 437.000
Standard Exakta 1/1937
neue Frontplatte (geschraubt) 6/1937 ab 489.000
auch verchromte Frontplatte und Gehäuseteile 11/1937 ab 515.000
Exakta 4. Baureihe
Modelle wie vor, mit 3. Buchse für Blitzbefestigung 3/1938 530.000-591.000
Produktionsende 1939  letzte bekannte Nr. 591.284 (Modell Jr.)

Die Fabriknummernvergabe bei der Ihagee war nicht nur den Exakta-Kameras vorbehalten. Auch andere Kameramodelle erhielten Fabriknummern. Nummernkontingente wurden dabei aber nur teilweise festgelegt. Die Vergabe der Fabriknummern erfolgte innerhalb der Baureihen also unabhängig von der jeweiligen Modellvariante ausschließlich nach dem Zeitpunkt der Fertigstellung. Es ist dabei auch noch zu berücksichtigen, dass nicht das Gehäuse mit einer Fabriknummer versehen ist (außer bei der Nacht-Exakta - Nummer im Lichtschachtdeckel), sondern der Objektivträger. Dieser wird mit 4 Schrauben am Gehäuse befestigt und kann bei Reparaturen leicht gewechselt werden was auch nicht selten geschehen ist. Die Exakta mit Plattenrückwand erfordert noch einen zusätzlichen Zwischenring zur Brennweiten-Anpassung. Dieser ist mit der jeweiligen Nummer des Objektivträgers versehen.

Weiter ist bei der Einordnung nach Fabriknummern zu beachten, dass ab 1936 auch die Kine Exakta und ab 1938 noch das 6x6 Modell in die Nummernreihe eingeordnet sind. Die Fabriknummern der Kine Exakta beginnen bei etwa 482.000, aus der Vorserie ist eine Nummer 455.651 bekannt. Von der 6x6 Exakta sind Gehäusenummern von 552.859 bis 554.724 bekannt.

Exakta Grundmodell - Ur-Exakta
Bauzeit Januar-September 1933

Fabriknummern etwa 395.000 bis 406.325

Bis zum Herbst 1933 gab es als erste Exakta ausschließlich diese Ausführung ohne lange Verschlusszeiten. Produktionsbeginn war offiziell im Januar 1933 mit der Fabriknummer 400.000. Für Werbe- und Vorführzwecke wurden bereits ab Oktober 1932 Kameras gebaut, jedoch noch nicht im Handel verkauft. Aus dieser Vorproduktion sind gelegentlich einige Objektivfassungen mit niedrigeren Fabriknummern zu finden.

Exakta - erstes Modell 1933 (Ur-Exakta)

Exakta Ur.Modell
Exakta Grundmodell 1933 (AR Model A Version 1), Fabr.-Nr. 406.053, hier mit Zeiss Tessar 1:2,8 f=7,5 cm Feingewinde.
Zwar stammt diese Kamera bereits aus der Bauzeit der ab Herbst 1933 produzierten 1. Baureihe, ist aber technisch noch baugleich mit der weiter oben gezeigten Fabr.-Nr. 400.005.
Mit dem im Foto gezeigten Objektiv Zeiss Tessar 2,8/7,5 cm ist die kürzeste Entfernungseinstellung 0,9m.

Exakta Ur-Modell
Exakta Grundmodell 1933 (AR Model A Version 1), Fabr.-Nr. 402.917, hier mit Schneider Xenar 1:3,5 f=7cm und Feingewinde.
Auch bei dieser Kamera ist das Gehäuse baugleich mit den beiden oben abgebildeten Nr. 400.005 und 406.053. Der Aufzugsknopf hat jedoch nur 22 mm Ø
Mit dem Xenar ist die kürzeste Entfernungseinstellung bei dieser Kamera 0,8m.


Das Grundmodell ist an folgenden Merkmalen zu identifizieren: Prägung "Ihagee" (ohne Sonne und Mond) im Leder der Lichtschachtabdeckung; Objektivfassung mit Feingewinde M 39,5x0,5 (Wechselobjektive waren aber für diesen Anschluss nicht verfügbar). Verschluss 1/25 - 1/1000 s. Der vernickelte Aufzugsknopf hat meist 26 mm Durchmesser (bei einigen Kameras auch nur 22 mm) und ist im Griffbereich etwa 5 mm dick. Es ist noch keine Auslösesperre bei ganz eingeschraubter Objektivschnecke vorhanden und der Boden im Spiegelgehäuse ist noch nicht verkleidet (spätere Modelle mit Blechabdeckung).

Rückwand Exakta Ur-ModellWeitere Merkmale früher Baureihen: Feststellhebel (Inf.-Hebel) für die Fokus-Schnecke auf der rechten Kameraseite (bis etwa Fabr.-Nr. 413.000). Die rückseitige Verbindungsschraube von Außen- und Innengehäuse, die bei späteren Exaktas unterhalb des Lichtschachtverschlusses zu finden ist, fehlt noch beim Grundmodell und auch bei frühen Kameras der 1. Baureihe. Sie ist erst ab etwa Fabr.-Nr. 410xxx zu finden.



Bei den frühen Exakta-Modellen, teilweise noch bis zu den ersten Kameras der 2. Baureihe, war das Panfenster zur Filmkontrolle in der Rückwand nur mit der bei Rollfilmkameras üblichen Rotscheibe abgedeckt. Erst ab etwa Mitte 1933 wurde über dem Panfenster ein per Schiebeknopf betätigter Verschluss angebracht. Diese Änderung erfolgte aber nicht zeitgleich mit der des seitlichen Verriegelungsknopfes für die Rückwand.



Der Entfernungs-Einstellbereich ist je nach Objektiv unterschiedlich (Prospektangabe ab 1 m), bei den oben im Bild gezeigten Kameras mit Tessar 2,8/7,5cm und Exaktar 3,5/7cm von 0,9 m bis unendlich. Bei der Kamera mit dem Xenar 3,5/7cm beginnt der Einstellbereich bei 0,8m. Zur Entfernungseinstellung finden Sie weiter unten noch Einiges mehr. Keine Blitzanschlussbuchsen, kein Schnellaufzug; die Rückwand mit Panfenster (ohne Abdeckung) lässt sich mit einem seitlichen runden Schiebeknopf (bis etwa Fabr.-Nr. 428.000) öffnen.

Vergleich Tessare

Das Foto zeigt zwei frühe Tessare 2,8/7,5 cm mit nur geringem zeitlichen Produktionsabstand.
Die Version (Nr. 1430315) ganz links hat Feingewinde 39x0,5, das andere Objektiv (Nr. 1430789) das spätere Normalgewinde 39,8x0,75.

Der Unterschied ist eigentlich nur im direkten Vergleich festzustellen und daran, dass die Objektive nicht in die jeweils andere Fassung passen. Mir ist keine Adaptionsmöglichkeit bekannt.


Lichtschacht-GeradstellungAuf dem obigen Foto der Exakta 406.053 ist auch gut eine Schwäche der frühen Exakta's zu sehen - der geöffnete Lichtschacht steht nicht immer senkrecht! Dieses konstruktiv bedingte Problem wurde endgültig erst mit der 4. Baureihe gelöst, die ein etwas höheres und abgerundetes Frontschild erhielt. Bis dahin behalfen sich viele Exakta-Fotografen damit, die Frontplatte - oder zumindest deren äußere Ecken - etwas nach innen zu biegen. Wenn Sie also eine solche Kamera finden, hat sie meist keinen Fallschaden, sondern ihr früherer Besitzer hat bei der Geradstellung des Lichtschachtes nachgeholfen ...









Das Foto zeigt eine Exakta-Frontplatte, der ein früherer Besitzer mit einem kurzen Hammerschlag zu einer Lichtschacht-Geradstellung verhalf (Pfeilmarkierung).

Noppen auf LichtschachtDie Ihagee prägte zwischenzeitlich (ab Baureihe 3) auch zwei Noppen in den Lichtschachtdeckel, die den Abstand zur Frontplatte halten sollten. Diese verschwanden dort aber nicht selten in kleinen Dellen, die den Geradstellungseffekt wieder aufhoben.







Foto: Prägenoppen als Abstandhalter zur Frontplatte um den Lichtschachtdeckel gerade zu stellen.


Exakta - 1. Baureihe
Bauzeit Herbst 1933 bis März 1935

Fabriknummern etwa 406 000 bis 424 000
Prospekt Baureihe 1

Ab Herbst 1933 wurde eine überarbeitete Ausführung der Exakta gebaut und zur Leipziger Frühjahrsmesse 1934 öffentlich vorgestellt. Richard Hummel bezeichnet diese Modellvariante als 1. Baureihe. Mit dieser 1. Baureihe wurden auch die Modelle A, B und Junior sowie die Nacht-Exakta eingeführt.

Dabei wurden einige Details verändert, die auf den ersten Blick meist nicht auffallen:
Aufzug- und Verschlussknopf - die Grifffläche des Aufzugsknopfes ist etwas dünner (3,2 mm) um den Verschlusszeiten-Einstellknopf leichter bedienen zu können. Dieser erhielt gleichzeitig eine veränderte Form, deren Ausführung während der Bauzeit variierte (nickel oder schwarz).
Ihagee-Emblem im Lichtschachtdeckel - der geprägte Ihagee-Schriftzug im Leder des Lichtschachtdeckels wurde um das Ihagee-Emblem "Sonne und Mond" ergänzt.
Objektivgewinde - das Objektivgewinde erhielt eine andere Steigung (M 39,8x0,75). Für dieses Gewinde wurden zunächst 4 Wechselobjektive mit Brennweiten zwischen 5,5 cm bis 15 cm angeboten.
Rückwandverriegelung - zur Stabilisierung der Rückwandverriegelung wurde ein Schließblech mit dem vorderen Gehäuseteil verschraubt (eine neue Rückwand gab es erst ab der 3. Baureihe).

Einige Kameras wurden im Lauf der Bauzeit bereits mit der ab der 2. Baureihe veränderten Objektivfassung (Inf-Hebel links statt rechts) ausgeliefert, erhielten jedoch noch keinen Schnellaufzug.



Preisliste aus einem Prospekt von 1934.

Der Fotohandel bot die Exakta damals auch häufig zu einem Grundpreis an, der dem Modell A entsprach. Den erweiterten Verschluss des Modells B mit Langzeitwerk und Selbstauslöser gab es zu einem Aufpreis von 30,- RM. Auch die Objektivausstattung wurde mit Preiszuschlägen gehandhabt. Beispiel: Angebots-Kaufpreis für die Exakta 120,- RM, Zuschlag für das lichtstarke Schneider Xenar 47,- RM, Zuschlag für Verschluss 12 bis 1/1000s mit Selbstauslöser 30,- RM. Als Endpreis ergaben sich somit 197,- RM, wie auch in der Preisliste für das Modell B mit Xenar 2,9/7,5cm ausgewiesen. Der Grund dieser Preisgestaltung lag in der damaligen Preisbindung (diese wurde erst 1965 abgeschafft). Die Händler wollten damit gegenüber der Konkurrenz scheinbar günstigere Preise ausweisen obwohl dies rechtlich gar nicht zulässig war.

Exakta Modell A / 1. Baureihe

Exakta A

Exakta Modell A, 1. Baureihe (wie AR Exakta A Version 2, jedoch mit schwarzem Verschlussknopf), Fabr.-Nr. 410 354, hier mit Ihagee Exaktar (gebaut von Meyer Görlitz) 1:3,5 F=7,5 cm mit dem neuen Gewinde M 39,8 x 0,75. Diese Exakta wurde Anfang 1934 produziert; das Gehäuse entspricht noch dem Grundmodell. Veränderter Aufzugs- und Verschlusszeitenknopf gegenüber dem Grundmodell.

Exakta Modell B / 1. Baureihe

Exakta B V2

Exakta Modell B, 1. Baureihe (AR Model B Version 2), Fabr.-Nr. 417 384, hier mit Zeiss Tessar 1:2,8 F=7,5 cm mit dem neuen Gewinde M 39,8 x 0,75. Diese Exakta wurde etwa Mitte 1934 produziert; das Gehäuse entspricht noch dem Grundmodell. Der Verschluss wurde für das Modell B um ein Langzeitwerk erweitert, das Verschlusszeiten bis 12 Sekunden und darüberhinaus noch einen Vorlauf (Selbstauslöser) ermöglicht. Der Verschluss gleicht bereits dem der späteren Kine-Exakta.
schwarzer VK

Gut zu sehen ist die veränderte Ausführung von Aufzugs- und Verschlusszeitenknopf. Weil sich die Zeiteneinstellung bei den Vormodellen mit dem "dicken" Aufzugsknopf als unhandlich erwies, wurde die Griffbreite auf 3,2 mm verringert und damit etwas mehr "Spiel" für den Verschlussknopf geschaffen. Dieser erhielt dafür noch eine etwas höhere Befestigungsschraube.

Die schon ab 1933 zeitweise eingeführte schwarze Lackierung des Verschlusszeitenknopfes ist - selbst bei ansonsten noch gut erhaltenen Kameras - oft beschädigt oder oxydiert und lässt die Zeiten kaum noch erkennen. Der Verschlusszeitenknopf im Foto rechts (hier bei einer Exakta der 2. Baureihe) ist vergleichsweise noch in gutem Zustand.

Exakta Junior

Die Volksexakta - wie die Exakta Jr. sogar werksoffiziell genannt wurde - war die preiswerteste Exakta. Sie wurde mit der 1. Baureihe zur Leipziger Frühjahrsmesse 1934 vorgestellt. Die Junior war das einzige Modell der 4x6,5-Kamerabaureihe mit einer eigenständigen Typengravur. Frühe Modelle wurden mit der Gravur "Ihagee" versehen. Offenbar geschah dies nicht allein aus Verkaufsgründen, sondern auch um nicht authorisierte Umrüstungen durch Austausch des Objektivträgers zu verhindern. Denn bis auf die Verschlussbegrenzung 1/500 s waren das Gehäuse und die Technik der Jr. mit der des Modell A identisch. Lediglich bei der Objektivfassung wurden die Verriegelung und eine Auswechselmöglichkeit eingespart. Und der Verschluss ließ sich mit einer zusätzlichen Bohrung im Verschlusseinstellrad auf 1/1000 sec. erweitern....

Erst im Zusammenhang mit dem 2016er Update dieser Seite fiel mir eine "Ihagee"-Version der Exakta A auf, die ich bisher als Junior-Modell eingeordnet hatte. Allerdings - diese Kamera mit der Fabriknummer 415.881 ist völlig anders ausgestattet als mir bislang bekannte Jr.-Modelle. Fotos finden Sie weiter unten bei der Baureihe 2. In diesem Zusammenhang habe ich auch andere mir zugängliche Kameras der frühen Junior-Ausgaben überprüft. Zu meiner Überraschung fand ich bei frühen Nummern unter 414xxx einen Verschlusszeitenknopf mit gravierter 1/1000 sec., die eigentlich nur den höherwertigen Exakta's A und B zugestanden hat. Da dies eine mir neue Erkenntnis ist, vermag ich nicht einzuordnen, ob es nur eine zeitweilige Übergangslösung war oder tatsächlich die 1/1000s durch eine Zusatzbohrung "nachgerüstet" wurde. Die aufgefundene Ihagee Modell A mit der Fabrik-Nr. 415.881 verleitet mich jedoch zu der Annahme, dass es möglicherweise Überlegungen gab, auch das Modell A der 1. Baureihe unter dem Namen "Ihagee" anzubieten... Mehr zu dieser Kamera in der Beschreibung der Ihagee A in der Rubrik 2. Baureihe.

Anfangs war die Jr. nur mit den von Meyer Görlitz gebauten Ihagee Anastigmaten 3,5 oder 4,5 Lichtstärke und Frontlinseneinstellung erhältlich. Wie das Foto unten zeigt, wurde jedoch auch das "Original" Meyer Trioplan 4,5/7,5cm montiert. Im Laufe der Produktionszeit - die Junior blieb bis 1939 im Programm - waren bis auf die lichtstarken Nachtobjektive auch andere Normalobjektive mit der Junior lieferbar.

Ihagee Jr.

Die erste mir bekannte Kamera (Fabr.-Nr. 413.424) mit der von der üblichen "Exakta" abweichenden Frontschildprägung "Ihagee" + Ihagee-Emblem. Aufgrund der Objektivbestückung mit der Ihagee-Version des Meyer Trioplan 1:4,5 F=7,5 cm und Frontlinsenfokussierung in der einfacheren Fassung handelt es sich um eine "Junior"-Version oder Volks-Exakta. Diese Kamera wurde etwa im Frühjahr 1934 produziert. Aufzugs- und Verschlusszeitenknopf entsprechen der mit der 1. Baureihe eingeführten Änderung. Seltsam ist jedoch die Lichtschachtbelederung in der ursprünglichen Form ohne Ihagee-Sonne/Mond-Prägung...

Exakta jr. 419287

Exakta jr., 1. Baureihe (AR Junior Version 1), Fabr.-Nr. 419 287, hier mit Meyer Trioplan 1:4,5 F=7,5 cm mit Frontlinsenfokussierung. Diese Kamera wurde etwa im Herbst 1934 produziert; das Gehäuse entspricht ebenfalls dem Grundmodell. Die Verschlusszeiten sind auf 1/25 bis 1/500 s begrenzt und das Objektiv (mit Frontlinsenfokussierung) ist nicht wechselbar. Aufzugs- und Verschlusszeitenknopf sind ansonsten wie bei der oben im Foto gezeigten Exakta B Nr. 417.384 ausgeführt.

Nach Auswertung der heute bekannten Fabriknummern (soweit sie sich eindeutig der Exakta Junior zuordnen lassen) wurde diese "Volks-Exakta" zunächst ausschließlich mit der Frontschildprägung "Ihagee" vertrieben. Aus meiner Ihagee-Datei lassen sich dafür zwei Nummernbereiche eingrenzen: 413.xxx (bekannte Nummern 413.424 bis 413.634 sowie 418.xxx (bekannte Nummern 418.825 bis 418.975.

In diesen beiden Nummernbereichen kenne ich mittlerweile insgesamt 23 Kameras in Sammlerbesitz oder aus Auktionsangeboten. Dies sind mehr als gelegentlich in Sammlerkreisen (18 Stück) beschrieben ist. Da ich natürlich nicht alle weltweit noch vorhandenen Ihagee Junior kennen kann, wird es noch einige mehr geben. Es dürften aber kaum mehr als 50 Exemplare dieser Kamera noch existieren. Nach 419.xxx ist mir die Junior nur noch mit dem Frontschild "Exakta Jr." bekannt.

Ihagee 413424 VerschlusszeitenIhagee jr Bild links - Verschlusszeitenknopf der oben gezeigten Ihagee Nr. 413.424 mit Zeitenknopf wie Modell A (1/1000 s). Details hierzu finden Sie im Begleittext.

Bild rechts - Frontschildausführung einer Junior mit einem Typenschild "Ihagee". Es ist eine der letzten bekannten Jr.-Nummern. Die Kamera (Fabr.-Nr. 418 872) entspricht im übrigen der zuvor abgebildeten und beschriebenen Exakta Jr. 419 287. Die Ihagee jr. ist innerhalb der Nummernreihe 413xxx bis 418.975 zu finden.


Nacht Exakta
Bauzeit ab etwa Mitte 1934

Mit der ab Herbst 1933 produzierten 1. Baureihe wurde auch die Nacht-Exakta als Prospektmodell eingeführt. Allerdings war sie erst später lieferbar, vermutlich weil die Objektive noch nicht zur Verfügung gestanden haben. Fabriknummern der Nacht-Exakta beginnen bei 422xxx. Unter dem Namen "Nacht"-Exakta verbirgt sich ein Modell A oder B, das werkseitig mit einem lichtstarken Objektiv ausgerüstet wurde. Der Objektivtubus der Nacht-Exakta besitzt einen Drehring mit größerem Durchmesser zwecks besserer Entfernungseinstellung bei den größeren Durchmessern der lichtstarken Objektive. Außerdem ist die üblicherweise im Objektivträger gravierte Fabriknummer auf dem oberen Rand des Lichtschachtes graviert. Allerdings sind auch Exakta-Modelle mit lichtstarken Objektiven ohne diese Nacht Exakta-Merkmale in den Handel gekommen. Im übrigen entspricht die technische Ausführung der Nacht Exaktas den Normalmodellen A oder der jeweiligen Baureihe.

Die Kamera war mit folgenden Objektiven lieferbar: Zeiss Biotar f/2, Schneider Xenon f/2, Meyer Primoplan f/1,9 - alle mit 8 cm Brennweite. Für den Export vorgesehene Kameras wurden auch mit dem Dallmeyer super six (s. weiter unten) ausgestattet. Der Verkaufspreis einer Nacht-Exakta mit Biotar betrug 1936 RM 375,- (Modell B). Im Vergleich dazu kostete die preiswerteste Exakta-Junior RM 90,-

Nacht Exakta A
Nacht-Exakta A 1. Baureihe (AR Night Exakta Version 1), Fabr.-Nr. 423 467, hier mit Schneider Xenon 1:2 F=8 cm. Bauzeit etwa Herbst 1934.
Die Nacht-Exakta A ist die seltenste Version der Standard-Exakta-Bauserie.

Exakta Nacht mit XenonExakta A NachtLaut Richard Hummel wurden nur etwa 1,2 % aller ausgelieferten Kameras als Nacht Exakta A verkauft (zum Vergleich Exakta Modell B = 60 %). Dies wird sicher daran gelegen haben, dass ein Käufer, der ein vergleichsweise teures Kameramodell erwirbt, in der Regel nicht an einer Minderausstattung spart. Laut Preisliste 1936 (s. unten) kostete diese Version mit Xenon oder Primotar 280 RM gegenüber 120 RM für die preisgünstigste Objektivbestückung mit einem Exaktar. Eine Nacht-Exakta B mit Biotar hätte die Haushaltskasse um 375 RM erleichtert.

Diese beiden Fotos zeigen die obige Nacht-Exakta A mit dem Schneider Xenon 2/8cm in der Seitenansicht. Es ist gut zu erkennen, weshalb die Objektivfassungen der Nacht-Exakta's einen größeren Fokusring für die voluminösen Objektive erforderten.

Übergangsversion 1. / 2. Baureihe

Dass man es mit dem Wunsch einer chronologischen Einordnung der 4x6,5-Exaktas nicht immer einfach hat, habe ich in diesem Teil meiner website an verschiedenen Stellen erwähnt und soweit möglich auch erläutert. Dabei habe ich - soweit erkennbar - darauf verzichtet, nachträgliche Umbauten oder nicht als Ihagee-original erkennbare Modifikationen als "Sondermodelle" zu beschreiben. Manchmal ist dies aber nicht ohne Weiteres erkennbar, weil Standard Exakta's sich ja durch den bloßen Austausch des Objektivträgers "upgraden" lassen....

Mit dieser Exakta A möchte ich ein weiteres Beispiel aus der Kategorie "passt nicht" vorstellen. Ich habe die Abweichungen erst kürzlich bei einer technischen Überholung des Verschlusses bemerkt. Der Objektivtubus mit dem Sperrhebel noch auf der rechten Seite mit der Fabr.Nr. 414.533 ergäbe zunächst eine Zuordnung in die Baureihe 1. Wäre da nicht der Schnellaufzug, den erst die 2. Baureihe im März 1935 erhielt.

Nun beträgt ein Abstand zwischen der gravierten Fabriknummer und dem offiziellen Schnellaufzugstart mit Nr. 415 000 noch nicht einmal eine Monatsproduktion. So scheint es durchaus plausibel, dass einige Kameras mit "alten" und "neuen" Elementen zusammengebaut wurden. Theoretisch wäre auch eine spätere Umrüstung denkbar, allerdings hätte das Gehäuse dabei auch Synchronisationsbuchsen erhalten. Somit möchte ich dieses Modell A hier also - bis zum Beweis des Gegenteils - als Übergangsvariante vorstellen:

Exakta A Mod. 1/2

Das Foto zeigt die beschriebene Übergangsvariante einer Exakta A, Nr. 414.533, zwischen Baureihe 1 und Baureihe 2 mit dem Zeiss Tessar 2,8/7,5cm #1 452 357. Während der Objektivtubus mit dem rechts angeordneten Sperrhebel aus der 1. Baureihe stammt, ist das Gehäuse mit Schnellaufzug und Panschieber auf der Rückseite der 2. Baureihe zuzuordnen. Die Bauzeit dieser Kamera lässt sich somit etwa in Februar/März 1935 datieren. Für den Kenner wohl eine der seltensten Exakta's dieser Baureihe!


Exakta - 2. Baureihe
Bauzeit März 1935 bis Herbst 1935

Fabriknummern etwa 415 000 bis 438 000

Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1935 wurde die 2. Baureihe öffentlich vorgestellt. Die Kameras dieser Baureihe erhielten einen Schnellaufzug, der alle Verschluss- und Filmtransportfunktionen erledigt. Der Objektiv-Rasthebel wanderte von der rechten auf die linke Kameraseite. Die Rückwand erhielt ein neues Filmkontrollfenster mit Panschieber. In dieser Ausführung wurden die Gehäuse nur bis zum Herbst 1935 produziert und dann - als 3. Baureihe - mit Blitzbuchsen für den neu vorgestellten Vacublitz der Ihagee ausgestattet. Zumindest zeitweise wurden Kameras ohne und mit dieser "Vacublitz-Einrichtung" parallel angeboten. Im Photo-Porst-Katalog dieser Zeit kosteten die Modelle A, B und Jr. mit Blitzbuchsen 10,- RM Aufpreis.

Obwohl diese Baureihe 2 offiziell erst 1935 vorgestellt wurde, sind Kameras in dieser Bauform auch mit niedrigeren Fabriknummern aus dem Jahr 1934 bekannt. Die früheste mir bekannte Fabr.-Nr. einer Exakta A in dieser Bauform ist 415.881. Bei dieser Kamera handelt es sich - wie ich erst kürzlich bemerkte - um eine Ausführung mit dem Typenschild "Ihagee", das sich sonst nur bei den Junior-Modellen dieser Zeit findet. Ob es sich hier um einen "Ausrutscher" bei der Fertigung handelt, kann ich nicht sagen; mir ist jedenfalls nur dieses eine Exemplar bekannt! (s. besondere Vorstellung).

Nun ist es denkbar, dass Kameras mit niedrigeren Fertigungsnummern später im Werk umgebaut wurden. Dann wären allerdings auch Blitzbuchsen eingebaut worden. Bei den Nr. 415 873 und 417 243 ist dies z.B. der Fall, der Inf-Hebel blieb hierbei allerdings auf der rechten Kameraseite... Es ist es also nicht möglich, solche Kameras zeitlich richtig zuzuordnen, weil bekanntlich nicht das Gehäuse sondern der Objektivtubus eine Fabriknummer hat. Denkbar ist sogar, dass Exaktagehäuse aus der Produktionszeit 3/35 bis 10/35 mit noch vorhandenen Objektivfassungen mit dem Inf-Hebel rechts ausgeliefert wurden.

Ihagee A
Ihagee A
Hier nun zwei Fotos der im Text schon mehrfach erwähnten "Ihagee" Modell A, Fabr.-Nr. 415.881. Bauzeit dieses Gehäuses dürfte Ende 1934 sein. Die beiden Fotos zeigen die ungewöhnliche Kamera mit dem Objektiv Ihagee Anast. Exakta 3,5/7,5cm "E" 106.325, also aus der Fertigung von E. Ludwig. Entfernungseinstellung ist hier ab 1m - wie im Verkaufsprospekt angegeben.

Leider kann ich keine Angaben darüber machen, weshalb diese Kamera von der üblichen Fertigungspalette dieser Jahre abweicht. Nach ihrer technischen Ausstattung ist es ein Modell mit dem gerade eingeführten Schnellaufzug und dem in dieser Zeit verwendeten schwarzen Verschlusszeitenknopf. Aguila/Rouah bezeichnen die von ihnen als Version 3 der Exakta A beschriebene Kamera (Nr. 432.922) als extrem selten, eine Ihagee-Variante wird nicht erwähnt. Ein nicht authorisierter Umbau aus einer Junior kommt schon deshalb nicht in Frage, weil es keine Ihagee Junior mit Schnellaufzug gegeben hat. Die Rückwand hat den neuen Verschlussschieber und noch den alten runden Verriegelungsknopf. Der Objektivtubus hat den Inf-Hebel bereits auf der linken Seite, wie ebenfalls in diesem Zeitraum allgemein eingeführt. Die gravierte Nummer 415.881 dürfte eine der ersten sein, mit der diese 2. Baureihe verkauft worden ist. Das Objektiv ist eine reguläre Ausführung für die Modelle A oder B, also kein umgebautes Junior-Objektiv. Ob die nicht in die übliche Exakta-Palette passende "Ihagee"-Frontplattengravur nun ein Produktions-Ausrutscher war, oder ob es sich um eine rasch wieder beendete Ihagee-Absicht für eine neue Modellreihe handelte - ich weiß es nicht. Es wäre interessant zu erfahren, ob es weitere Exemplare dieser Ausführung bei anderen Sammlern gibt.

Exakta Modell A / 2. Baureihe

Exakta A Baur. 2
Exakta A Baur. 2

Exakta Modell A, Fabr.-Nr. 420.568 (AR Exakta A Version 3), etwa Mitte 1935. Die beiden Fotos zeigen eine der seltensten Kameras aus der gesamten Bauzeit der VP Exakta, mit dem Meyer-Objektiv Ihagee Anast. Exaktar 1:3,5 F=7,5cm. Die Entfernungseinstellung beginnt hier ab 1,10 m, der Fokusring reicht jedoch noch einige Zentimeter weiter bis zum Anschlag. Im Übrigen hat diese Exakta alle neuen Ausstattungsmerkmale dieser Baureihe: Inf-Hebel auf der linken Seite, Schnellaufzug, schwarzer Verschlusszeitenknopf, Panfenster auf der Rückwand mit Abdeckschieber.

Kameras aus der Bauzeit zwischen März bis Oktober 1935 sind im Originalzustand - mit Schnellaufzug aber noch ohne Blitzbuchsen - heute nur noch selten zu finden. Schon Aguila/Rouah stuften die Exakta A aus dieser zweiten Baureihe als extrem selten ein, seltener sogar als die 1. Version. Das ist darin begründet, dass diese 2. Baureihe nur wenige Monate angeboten und schon nach kurzer Zeit durch die Folgeversion mit Vacu-Blitzbuchsen ersetzt wurde. Zwar wurden beide Versionen wohl noch bis 1936 parallel angeboten, doch wählten die Käufer bei dem geringen Aufpreis von nur 10 RM meist die Blitz-Ausführung oder gleich das Modell B. Zudem präsentierte die Ihagee zeitgleich noch das erheblich preiswertere Modell Junior, so dass die einfachste Exakta einen schweren Stand beim Verkauf im Fotoladen hatte. Außerdem ließen wohl die meisten Käufer ihre Kamera mit Blitzbuchsen nachrüsten. Deshalb ist auch das Modell B aus dieser 2. Baureihe recht selten.

Exakta Modell B / 2. Baureihe

Exakta B Baur. 2
Exakta Modell B, Fabr.-Nr. 423.423 (AR Exakta B Version 3), etwa Mitte 1935, mit einem Zeiss Tessar 2,8/7,5cm. Die Entfernungseinstellung beginnt hier ab 1 m.

Tatsächlich geht es mit den Ausstattungsmerkmalen mir bekannter Exaktas aus dieser Bauzeit ziemlich durcheinander. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass eine Sichtung der Technik nach Demontage der fraglichen Kameras hier weiterhelfen würde (ganz abgesehen vom Aufwand....). Es wurden sogar Gehäuse mit der Aufzugsmechanik der 1. Serie weiter produziert (s. Exakta A Nacht 423.467 im Foto weiter oben). Möglicherweise wurden auch beide Varianten gleichzeitig angeboten und für den Schnellaufzug ein Aufpreis verlangt; darüber habe ich aber keine konkreten Informationen. Ein Merkmal mag helfen, Exaktas dieser Baureihe zu identifizieren: der Rückwandverriegelungsknopf aller mir bekannten Gehäuse dieser Periode ist noch rund! Beim erstmaligen Aufbau dieser Seite hatte ich zu dieser Baureihe wegen der beschriebenen Unsicherheiten bei der Zuordnung noch kein Foto eingestellt. Die drei hier gezeigten Kameras der 2. Baureihe zeigen die schon erwähnte Neuentdeckung "Ihagee" Modell A Nr. 415.881 mit einem "E" Exaktar 3,5/7,5cm, ein "normales" Modell A und ein Modell B jeweils in der für diese Bauzeit typischen Ausstattung.

Einige Objektive aus dieser Zeit mit der Bezeichnung Ihagee Anast. Exaktar 1:3,5 f=7,5cm sind zusätzlich mit einem "E" gekennzeichnet. Außerdem ist eine niedrigere Nummer graviert, die so gar nicht in die übliche (Meyer-) Nummernreihe hineinpasst. Es wird demnach wohl so sein - wie manche Sammler schon länger vermuteten - dass in dieser Zeit auch E. Ludwig, Weixdorf, Objektive für Ihagee gebaut hat. Doch ist dies ein späteres Thema für meine Objektivseiten.


Preisliste 136

Exakta - 3. Baureihe
Bauzeit September 1935 bis Ende 1937

Fabriknummern etwa 430 000 bis 520 000

Ab September 1935 wird die 3. Baureihe der Rollfilm-Exakta hergestellt. Die wichtigste Änderung waren zwei Buchsen für den Blitzgeräteanschluss auf der rechten Kamerafront. Wie bereits bei der Beschreibung zur 2. Baureihe erwähnt, wurden zeitweise Gehäuse mit und ohne "Vacublitz-Einrichtung" angeboten. Bei Photo Porst kostete der Blitzanschluss 10,- RM mehr. Zu Jahresbeginn 1937 erhielt die Rollfilm-Exakta in Prospekten und der Werbung den Namen "Standard Exakta" um sie von der neuen "Kine Exakta" abzugrenzen. Technisch änderte sich dadurch nichts und auch die Frontplattengravur "Exakta" war davon nicht betroffen.

Im Lauf der Bauzeit erhielt die Kamera eine neue Rückwand, äußerlich erkennbar am jetzt rechteckigen Verschlussschieber. Bisher war dieser rund, im Inneren gab es eine neue blanke und glatte Filmandruckplatte. Nicht zuletzt wurde die Lage der Filmpatrone mit einer neuen, gefederten Halterung stabilisiert. Bisher war hier - wie auf der linken Seite der Filmkammer - nur ein Federblech eingenietet. Ab etwa Mitte 1937 konnten alle Modelle wahlweise in schwarzer oder (gegen Aufpreis) verchromter Ausführung geliefert werden.

Standard-Exakta-Preisliste 1936

Mit dieser Baureihe wurde auch eine Plattenrückwand für die Exakta eingeführt. Werkseitig sollte damit kein neues Modell, sondern eine Erweiterung geschaffen werden. Im Handel wurden die mit der Plattenrückwand ausgestatteten Kameras durchweg als Modell C bezeichnet. Diese Modellbezeichnung ist auch bei Sammlern üblich. Zu einer vollständigen Exakta C gehört allerdings auch der passende Distanzring zur Objektivanpassung. Dieser Ring war nötig, wenn mit der Normalrückwand und Rollfilm gearbeitet wurde; er ist mit der Fabriknummer des Objektivträgers graviert!

Die Verschlusszeitenknöpfe wurden anfangs sowohl in der schwarzen als auch der wieder eingeführten blanken Version montiert. Zuletzt wurden nur noch blanke Knöpfe verwendet. Die von Richard Hummel auch in die Bauzeit dieser Baureihe eingeordnete Einführung der größeren und verschraubten Frontplatte sehe ich hingegen als Fertigungsbeginn der 4. Baureihe etwa Ende 1937.
Exakta Nacht mit Vacublitz

Ihagee Vakublitz für Exakta Kameras der 3. Baureihe und Kine Exakta

Mit der Einführung der Vakublitzanlage gelang der Ihagee Ende 1935 wieder eine Weltneuheit. Damit wurde die für damalige Verhältnisse ohnehin schon überkomplett angebotene Exakta zur ersten Kamera überhaupt mit eingebauter Blitzsynchronisation. Für viele war dies ein zusätzlicher Kaufanreiz, die Exakta B mit Blitzbuchsen wurde ein Verkaufsrenner. Das dazu speziell geschaffene Blitzgerät ließ sich zudem ohne weiteres Zubehör, wie Kabel o. dgl. direkt an die Kamera anstecken. Es war auch für die 1936 vorgestellte Kine Exakta verwendbar.

Das Gehäuse, damals noch Lampenhalter genannt, war mit einem E10-Gewinde bestückt und nahm die Zündbatterie auf. Über einen Adapter waren auch die leistungsstarken großen Vaku-Blitzlampen mit E27-Gewinde (Foto) verwendbar. Die Verkaufspackung - es gab eine kleine Vakublitzausrüstung für 10,- RM und eine mit diversen Adaptern bestückte große Ausrüstung für 18,- RM - enthielt alles Notwendige.

Der Pappreflektor mit seiner Gummibandbefestigung war zwar nicht unbedingt eine feinmechanische Delikatesse, erfüllte aber seinen Zweck. Dauergebrauch kam bei den damals noch hohen Lampenpreisen ohnehin nicht in Frage.... Heute ist er nur selten noch in halbwegs ordentlichem Zustand zu finden, lässt sich aber recht leicht nachfertigen.

Ihagee Vacublitz Die beiden Fotos zeigen eine Nacht-Exakta B der 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 437.165, mit einem Zeiss Biotar 1:2 f=8cm und dem angesteckten Vakublitz.

In der Abbildung rechts die komplette große Vakublitzausrüstung (Katalog-Nr. 8473) für 18,- RM in der ersten Version. Ab 1938 gab es eine verbesserte Ausführung mit einer Befestigungsschraube, die Kameras wurden dazu ab Baureihe 4 mit einer passenden Gewindebuchse bestückt.


Exakta Modell B / 3. Baureihe
Bauzeit Herbst 1935 bis Ende 1937

Exakta B Baur. 3
Exakta B 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 436.772, hier mit einem Zeiss Tessar 1:2,8 f=7,5 cm. Diese Abbildung zeigt eine Exakta Modell B aus dem Jahr 1935 mit Schnellaufzug
und den beiden Blitzbuchsen für das erste Ihagee-Blitzgerät. Der Verschlusszeitenknopf ist bei dieser Kamera bereits wieder blank.


Exakta B 3. Baureihe
Exakta B 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 487 814 mit einem Ihagee Exaktar 1:3,5 F=7,5 cm. Diese Abbildung zeigt eine rund 1 Jahr später (1937) in unveränderter Ausführung gebaute Exakta Modell B. Einziger Unterschied ist die objektivbedingt andere Entfernungsskala.


Exakta Modell C für Plattenrückwand

Die Plattenrückwand war mit dem Modell B bis Produktionsende 1939 lieferbar. Gelegentlich findet man deshalb noch eine weitere Unterteilung dieser Exakta "C" in 3 Versionen: Version 1 mit 2 Blitzbuchsen (1934), Version 2 mit der (3.) Blitz-Befestigungsbuchse (1935), Version 3 in Chrom-Ausführung (1938). Die Nacht Exakta und Kameras mit dem Makro Plasmat konnten nicht mit Plattenrückwand geliefert werden.

Ansonsten gehörten zum Lieferumfang: der für Aufnahmen ohne Plattenrückwand erforderliche Ausgleichsring mit Fabriknummerngravur, die zusätzliche Plattenrückwand, ein Mattscheibenrahmen und drei Metallkassetten für Platten 4,5x6cm. Es war auch nachträglich möglich, eine Exakta mit Plattenrückwand zu bestücken. Neben den 21,- Reichsmark, die eine Platten-Exakta auch beim Kauf bereits mehr kostete, wurden zusätzlich Montagekosten fällig. Das Gehäuse musste zur Umrüstung ins Werk geschickt werden. Kleine Anmerkung - die Reflexeinstellung mit dem Spiegel ist bei Benutzung der Plattenrückwand natürlich außer Funktion!

Exakta C
Exakta CExakta C mit Plattenrückwand

Exakta B mit Plattenrückwand, auch Modell C genannt (AR EXAKTA C Version 1), Fabr.-Nr. 447 619, hier mit Tessar 1:3,5 f=7,5 cm aus der 3. Baureihe (1935). Die beiden ersten Abbildungen zeigen die Kamera mit einer aufgesetzten Rollfilm-Rückwand und im zweiten Foto den passenden Ausgleichsring hierzu.

Im dritten Bild ist die Kamera mit einer eingesetzten Mattscheibe zu sehen, auf der bei Plattenaufnahmen (Format 5x6 cm) eingestellt werden kann. Vor der Aufnahme wird der Suchereinsatz gegen eine passende Plattenkassette gewechselt. Technisch ist diese Exakta ansonsten identisch mit dem Modell B.


Nacht-Exakta / 3. Baureihe

Als "Nacht Exakta" wurden seit 1934 sowohl die Rollfilm- als ab 1936 auch die Kine Exakta mit lichtstarken Objektiven von Meyer (Primoplan 1,9/8cm), Schneider (Xenon 2/8cm) und Zeiss (Biotar 2/8cm) angeboten. Export-Kameras waren auch mit dem im folgenden Foto gezeigten Dallmeyer Super-Six 1,9/3" lieferbar. Die technische Ausstattung der Gehäuse unterschied sich nicht von den normalen A- oder B-Versionen. Allerdings wurde eine spezielle Objektivfassung (ohne Nummerngravur) mit einem größeren Fokusring montiert. Die Seriennummer findet sich bei den allermeisten Nacht Exaktas auf dem Lichtschachtdeckel.

Nacht Exakta Baur. 3
Nacht-Exakta B 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 517.055, hier mit Meyer Primoplan 1,9/8cm. Diese Abbildung zeigt eine Nacht Exakta Modell B, Baujahr 1938, als Exportversion T.M. Reg. und mit Feet-Entfernungsskala. Oberhalb der Blitzbuchsen erhielt die Kamera eine Gewindebuchse zur besseren Befestigung des neuen Ihagee-Blitzgerätes. Hingegen hat diese Kamera noch die gerade, unverschraubte Frontplatte der 3.Baureihe, der ich sie demnach auch zuordne.
Nacht-Exakta
Nacht-Exakta B 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 517 085, hier mit Dallmeyer SUPER-SIX F/1.9. Diese Abbildung zeigt wie das vorherige Foto eine Nacht Exakta Modell B aus dem Jahr 1938. Hinsichtlich meiner Einordnung in die Baureihe 3 gilt das zur Kamera 517.055 Beschriebene.

Nach Richard Hummel's Beschreibungen ließen sich die zuvor gezeigten Kameras auch der 4. Baureihe zuordnen, bei der die Befestigungsbuchse serienmäßig eingebaut wurde. Auch die Herstellungsnummern 517.055 und 517.085 (Frühjahr 1938) würden dazu passen, nicht hingegen die alte gerade Frontplatte. Denkbar wäre evtl. auch eine Nachrüstung, gegen die aber wiederum die Herstellungsnummern aus dem Fertigungszeitraum der 4. Baureihe sprechen. Diese beiden Kameras dokumentieren also - wie von Richard Hummel auch ausgeführt - dass die Standard Exakta's viel Raum zum Spekulieren bieten und man nie so ganz sicher sein kann, ob die aktuelle Kamera nun "original" ist oder nicht. Auch die Fabriknummer auf dem Objektivträger kann oft nur ungefähr einen Anhaltswert zur Zuordnung geben. Damit muss der Exakta-Sammler leben ...

Es ist deshalb auch umstritten, ab wann diese häufig als 3. Blitzbuchse bezeichnete Befestigung serienmäßig eingeführt wurde. Richard Hummel legt den Produktionsbeginn hierfür auf 3/1938. Kameras aus früherer Zeit mit dieser Befestigungsbuchse werden wohl in den Genuß des Ihagee-Angebotes gekommen sein, ältere Modelle mit technischen Verbesserungen nachzurüsten. Für den von R. Hummel genannten Zeitpunkt spricht zudem, dass auch die Kine-Exakta's seit 1938 diese Gewindebuchse besitzen.

Exakta Junior Exportversion für Kleinbildfilm

Exakta Jr. Export
Exakta Jr. 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 430 142, hier als Exportversion mit T.M. Reg.-Gravur und einem Ihagee Anastigmat 1:4,5 F=7,5 bestückt.
Diese Junior ist werksseitig für Rollfilm 828 mit dem Bildformat 28x40 mm ausgerüstet.

Exakta Jr. 828

Das Foto zeigt die obige Exakta Jr. Nr. 430 142 mit geöffneter Rückwand. Gut zu sehen sind die Filmbühne mit dem kleineren Bildausschnitt 28x40 und in der linken Filmkammer die für Kleinbildfilm adaptierte Aufwickelspule. Weiter unten finden Sie noch mehr zu dieser Besonderheit und auch ein Foto mit geladenem Rollfilm 828

Panfenster normal



Aus mir unbekannten Gründen hat diese Junior-Exakta auch einen anderen Verschlussschieber für das Panfenster. Ganz links die übliche Ausführung mit einem Schiebeknopf, rechts die obige Jr.-Version mit Schiebestift.



Exakta Standard - 4. Baureihe
Bauzeit 1937/1938 - Ende 1939

Fabriknummern etwa ab 500 000 bis 591 206 (Produktionseinstellung)

Die letzte Modelländerung der seit Jahresbeginn 1937 in Standard-Exakta umbenannten Kamera erfolgte bereits Mitte 1937. Dabei wurde eine neue Frontplatte eingeführt, die etwa 3 mm höher und am oberen Rand gerundet war. Sie ist mit 4 Schrauben am Kameragehäuse verschraubt. Richard Hummel nennt hingegen März 1938 als Produktionsbeginn der Baureihe 4, als über den beiden Blitzbuchsen eine zusätzliche Gewindebuchse zur besseren Befestigung des Ihagee-Blitzgerätes angebracht wurde (die Kine Exakta erhielt diese Nachrüstung ebenfalls und etwa zur gleichen Zeit). Nicht ganz korrekt führte diese Gewindebuchse bei Sammlern auch zu der Namensgebung "Exakta mit 3 Blitzbuchsen". Ich würde den Zeitpunkt der Modelländerung jedoch eher mit der Einführung der neuen Frontplatte sehen - doch muss man deswegen sicher keinen Krieg führen ...

Standard Exakta Modell A (Chromversion) mit neuer Frontplatte / 4. Baureihe

Exakta A Vers. 4

Exakta A mit verchromter geschraubter Frontplatte (AR Modell A Version 5), Fabr.-Nr. 546.005, hier mit einem Meyer Primotar 1:3,5 f=7,5 cm. Die Abbildung zeigt die Exakta A aus der 4. Baureihe in der Mitte 1937 eingeführten neuen Frontplatte. Diese ist etwa 3 mm höher, am oberen Rand gerundet und mit 4 Schrauben am Kameragehäuse verschraubt. Bei dieser Kamera sind alle Anbauteile verchromt.

Standard Exakta Modell B mit neuer Frontplatte

Standard Exakta B 533386

Exakta B mit schwarzer geschraubter Frontplatte (AR Modell B Version 5), Fabr.-Nr. 533 386, hier mit Ihagee Exaktar 1:3,5 f=7,5 cm. Die Abbildung zeigt eine Exakta B aus der 4. Baureihe in der Mitte 1937 eingeführten neuen Frontplatte. Diese ist etwa 3 mm höher, am oberen Rand gerundet und mit 4 Schrauben am Kameragehäuse verschraubt.

Etwa ab Fabr.-Nr. 540 000 findet sich noch eine Änderung bei den Verschlusszeiten. Neu gab es 1/150 und 1/400, dafür entfielen 1/300 und 1/600. Bei den Langzeiten wurde aus 1/10 s 1/5 s nachdem schon eine Baureihe zuvor der "rote" Langzeitbereich geändert worden war (s. auch weiter unten bei den allgemeinen Bauangaben). Gelegentlich werden kosmetische Gründe für die Frontplattenänderung im Zusammenhang mit der wahlweise (gegen Aufpreis) erhältlichen Chromausführung angeführt. Dies ist aus zwei Gründen aber nicht richtig: 1. die Chromausführung wird bereits mit der 3. Baureihe angeboten. 2. Bei den früheren Modellen kippte der Lichtschachtdeckel häufig über die Senkrechtposition nach vorne und verbog sich dadurch leicht. Diesen Makel hatte man bereits 1934 erkannt und mit zwei kleinen Prägungen seit der Version 3 abzustellen versucht (s. Foto weiter oben). Doch auch die Prägenoppen drückten sich ein und verbeulte Lichtschachtdeckel waren die Folge. Die höhere Frontplatte löste dieses Problem auf elegante Weise. (Übrigens hatte die Ihagee in den 50er Jahren bei den Varex-Lichtschächten mit nahezu dem gleichen Problem noch einmal zu kämpfen).

Standard Exakta Modell B (Chromversion) / 4. Baureihe

Exakta B Chrom

Exakta B Chromausführung (AR Modell B Version 6), Fabr.-Nr. 542 990, hier mit Ihagee Exaktar 1:3,5 f=7,5 cm. Die Abbildung zeigt eine Exakta B in verchromter Ausführung aus der 4. Baureihe, bereits mit den geänderten Verschlusszeiten. Die letzte Modelländerung der seit Jahresbeginn 1937 in Standard-Exakta umbenannten Kamera erfolgte Mitte 1937. Dabei wurde eine neue Frontplatte eingeführt, die etwa 3 mm höher und am oberen Rand gerundet ist. Sie wurde mit 4 Schrauben am Kameragehäuse verschraubt.

Exakta B Chroma

Eine weitere Exakta B Chromausführung (AR Modell B Version 6), Fabr.-Nr. 545 136, hier mit einer Spezialversion des Ludwig Victar 1:2,9 F= 7,5 cm. Im Gegensatz zur vorherigen Exakta B 542 990 sind bei dieser Kamera nicht alle Bedienungsteile verchromt. Aufzug und Langzeitknopf sind - wie bei den schwarzen Versionen - vernickelt, während der Griffring der Objektivfassung frontseitig schwarz lackiert ist. Die Kamera hat auch noch - obwohl eine spätere Nummer - die älteren Verschlusszeiten.

Hingegen ist beim Ludwig-Objektiv auch der Frontring verchromt. Es ist eigentlich eine Objektivversion für die Junior, jedoch ist die Frontlinseneinstellung fixiert. Bei der Kamera handelt es sich ebenfalls um eine Exakta B aus der 4. Baureihe, allerdings in einer Exportversion. Die Frontplatte trägt die damals übliche Gravur T.M Reg. (Trade Mark Registered); die Fokus-Skala ist in Feet, beginnend mit 3.5 F. Aufgrund der eigenwilligen Ausstattungsmerkmale ist zu vermuten, dass die abgebildete Kamera nicht in diesem Zustand zur Auslieferung gelangt ist, sondern - wie hier mehrfach schon beschrieben - später verändert worden ist.


Alle Modelle - auch die Jr. - waren gegen Aufpreis in der Chromversion lieferbar. Dabei wurden die sonst schwarz lackierten und vernickelten Gehäusebauteile (nicht immer alle, wie an der obigen Kamera 545 136 zu sehen), nicht jedoch das Gehäuse selbst, mattverchromt geliefert. Unterschiedlich war hingegen die Objektivbestückung. Manchmal wurden Objektive mit komplett verchromten Frontringen montiert. Ansonsten sind meist Objektive aus der Normalproduktion zu finden, bei denen nur der Blendenring verchromt ist. Handelt es sich aktuell um ein Objektiv mit vernickeltem Blendenring, stammt dies meist aus einer früheren Herstellungszeit. Hierzu erfahren Sie bei den Objektivausführungen noch mehr.

Zum Produktionsende der Standard Exakta-Baureihe wurde gegen Jahresende 1939 noch eine kleine Serie der Exakta Junior in Chromausführung aufgelegt (Fabriknummern ab etwa 590 500 bis 591 284). Die Jr. mit der Fabriknr. 591 284 ist gleichzeitig die letzte mir bekannte Standard Exakta (Stand 04/2017).

Standard Exakta Junior (Chromversion) / 4. Baureihe

Exakta Junior chrom
Die Exakta Jr. in Chromausführung, Fabr.-Nr. 590 686, hier mit dem Ihagee Anastigmat 1:4,5 f=7,5 cm.
Die kurzen Verschlusszeiten dieser Kamera sind 1/25, 1/50, 1/100, 1/200, 1/300, 1/400, 1/500.


Vor dem letzten Update dieser Standard-website hatte ich als letzte bekannte Produktionsnummer einer Kamera dieser Baureihe noch die Nr. 591 206 angegeben, Ende des Jahres 1939 produziert. Nun schickte mir Sammlerkollege Frank Fischer Fotos einer Exakta jr. mit der Fabriknummer 591 284. Da die in meinen Exakta-Seiten genannten Produktionsnummern nicht aus offizieller Ihagee-Quelle stammen (diese existiert leider nicht), sondern empirisch zusammengetragen worden sind, habe ich meine Produktionsnummern-Übersicht zu Beginn dieser Seite nach oben korrigieren können. Zugleich möchte ich dem Besucher meiner Seite die schönen Fotos von Frank Fischer - mit dessen freundlicher Erlaubnis - nicht vorenthalten.

Exakta jr. Typ 4

Exakta jr. Typ 4


Obige Fotos von Frank Fischer, vielen Dank dafür, zeigen mit der Exakta Jr. in Chromausführung, Fabr.-Nr. 591 284, die letzte (bisher) bekannte Kamera der Standard Exakta-Baureihe. Deren Produktion wurde gegen Ende des Jahres 1939 endgültig eingestellt.

Eine kleine Besonderheit in der Objektivbestückung dieser Exakta Jr. mit dem Ihagee Anastigmat wird auch noch in der Objektivrubrik erläutert. Von Anbeginn der Exakta-Produktion war das mit "Ihagee Anastigmat" oder auch "Ihagee Anast. Exaktar" gekennzeichnete Objektiv die jeweils preiswerteste Objektivbestückung, mit der eine Exakta ausgeliefert wurde. Diese Objektive wurden normalerweise von Meyer Görlitz nach Dresden geliefert, weil die Ihagee selbst nie eine eigene Objektivfertigung betrieb. Es handelte sich um "umgelabelte" 4linsige Primotare, deren laufende Fabriknummern sich sogar in die Meyer'sche Fertigungsreihe eingliederten. Bis 1939 war auf diesen Objektiven selbst kein Hinweis auf den Hersteller zu finden.

Ihagee Anastigmat M.Aus welchen Gründen auch immer lieferte auch der Objektivhersteller E. Ludwig einige "Ihagee Anastigmat" an die Ihagee. Es handelte sich hierbei aber nicht um Objektive aus deren laufender Produktion (Victar) mit anderer Kennzeichnung, sondern ebenfalls um vierlinsige Anastigmate á la Tessar. Ob es sich um eigene Entwicklungen von Ludwig oder Lizenzfertigung des Primotar handelte, weiß ich nicht.

Zur Unterscheidung erhielten anfangs (ca. 1934) die von Ludwig gelieferten Objektive im Frontring eine zusätzliche "E"-Gravur vor der Nummer. Gegen Produktionsende (ca. 1939) lieferte Meyer "Ihagee-Anastigmat"-Objektive mit geringfügig kleinerer Brennweite 7,3 cm (übliche Brennweite der Ihagee Anastigmate war 7,5 cm). Diese Objektive erhielten im Frontring eine Zusatzgravur "M" hinter der Nummer.



Mit einem solchen Ihagee Anastigmat 1:3,5 7,3 cm Nr. 876969 M. ist auch die zuvor abgebildete Jr. von Frank Fischer bestückt. Das rechte Bild zeigt noch eine Detailaufnahme dieses Objektivs.

Wie variantenreich die Chromversionen ausgestattet wurden, machen auch die folgenden Vergleichsfotos deutlich. Sie zeigen die Haltebleche der Rückwandverriegelung in drei unterschiedlichen Ausführungen.

Rückwandverschluss schwarzRückwandverschluss chrom/schwarzRückwandverschluss chrom


Zur Bauweise der Rollfilm-Exakta im allgemeinen

Während das technische Grundkonzept der Kamera in der sechsjährigen Bauzeit unverändert blieb, wurden die Modelle auch innerhalb der Baureihen - wie an einigen Fotobeispielen gezeigt - geringfügig verändert. Wichtig zu wissen ist, dass die Kamera im Werk sozusagen im Baukasten-Prinzip gefertigt worden ist. Deshalb sind zwar die Gussgehäuse der jeweiligen Baureihe(!) innerhalb eines Produktionszeitraumes bei allen Modellen gleich. Die Anbau- und Bedienungsteile wurden aber wohl nach jeweiliger Verfügbarkeit montiert.

Je nach Modell wurden unterschiedliche Innengehäuse (Spiegelmechanik, Verschluss, Aufzugsmechanismus), Objektivfassungen oder auch die Plattenrückwand eingesetzt. Insgesamt lassen sich wohl etwa 30 Modellvarianten der Exakta 4x6,5 aufgrund äußerlich erkennbarer Merkmale unterscheiden. Hinzu kommt noch einmal knapp die gleiche Anzahl an Exportversionen.
VerschlussInnengehäuse Gerade an den beschriebenen Beispielen der Chrom-Exakta wird aber deutlich, wie unmöglich es ist, die Ab- und Unarten der Rollfilm-Exakta nachvollziehbar darzustellen oder zu beschreiben. Wer sich dies Alles in die Vitrine stellen möchte, braucht wohl eine solche in ausziehbarer Ausführung ...


In den beiden Fotos sehen Sie das Innengehäuse einer Standard Exakta A. Die Verschlusstücher der meisten der heute noch erhaltenen Kameras sind leider in dem Zustand wie im Foto links. Zwar lassen sich die Verschlusstücher auswechseln, jedoch ist dies kein ganz geringer Aufwand weil sie zuvor neu angefertigt werden müssen. Originaltücher sind jedenfalls nicht mehr erhältlich.

Daneben sehen Sie den Verschlussmechanismus; dieser ist bei allen Kameramodellen gleich. Das Langzeitwerk der B-Modelle wird unterhalb der rechten Deckplatte eingebaut und über ein Schiebegestänge oberhalb der Filmbühne mit der linken Verschlusskammer verbunden.


Exakta Verschlussreparatur Wer sich mit dem Zustand des im obigen Foto gezeigten Verschlusstuches nicht dauerhaft abfinden mag - es gibt keine fertig konfektionierten Ersatztücher mehr. Dennoch ist die Instandsetzung eines Exakta-Verschlusses und der Einbau neuer Verschlusstücher kein Hexenwerk. Jeder gute Instandsetzungsbetrieb für klassische Kameras sollte dazu in der Lage sein.

Für das Do it yourself-Verfahren sind Gummitücher im Internet zu finden, man muss aber auch passende Aufzugsbänder dazu kaufen! Dann sind nur wenige Schrauben im Exakta-Gehäuse zu lösen bevor man mit der Fummelei beginnen kann. Beim Ausbau der alten Tücher und Bänder diese nicht zerschneiden oder durchreißen, sie dienen als Muster für die Neuanfertigung. Die Federspannung der Verschlusstuchachsen und die Lage und Anzahl der darauf gewickelten und geklebten Bänder und Tücher merken! Beide Messing-Einfassungen der Tücher vorsichtig aufbiegen und die neu zugeschnittenen Tücher darin anschließend wieder fixieren, Montage der Aufzugsbänder vor dem Zubiegen nicht vergessen.

Nachdem die alten Kleberreste auf den Achsen entfernt wurden, können die Tücher und Bänder in der gleichen Lage wie beim Ausbau wieder verklebt werden. Beim Wiedereinbau der Achsen die gleiche Federspannung wie beim Ausbau herstellen. Die endgültige Justage der Verschlusszeiten kann später durch Unterlegen kleiner Tuch- oder Bänderstücken erfolgen. Viel Erfolg!



Bild rechts - Verschlusstuchreparatur bei einer Exakta A

Der engagierte Sammler wird neben den beschriebenen noch weitere Unterschiede finden, die jedoch eher auf produktionsbedingte Gegebenheiten als auf Modellentwicklung zurückzuführen sein mögen. Die Typengravuren auf den Kameras waren unabhängig vom Modell einheitlich "Exakta". Lediglich die preiswerteste Ausführung erhielt den gravierten Zusatz "jr". Ausnahme: einige frühe Exemplare der Exakta Junior sind mit "Ihagee" graviert. Bei den Nacht-Exaktas wurde die Fabriknummer auf den Lichtschachtdeckel graviert. Es sind jedoch auch Gehäuse ohne dieses Merkmal als Nacht-Exakta verkauft worden. Das Baukastenprinzip machte Abwandlungen aller Art leicht möglich.

Auch bei den Verschlusszeiten wurden im Lauf der Produktion geringfügige Veränderungen vorgenommen. Etwa ab Fabr.-Nr. 540 000 gab es eine Änderung - seit dem Grundmodell hatten die Exakta's Verschlusszeiten von 1/25, 1/50, 1/100, 1/200, 1/300, 1/600 und 1/1000 dazu B und Z. Nur die Junior hatte noch 1/400, dafür war bei 1/500 Schluss. Die Zeitenreihe war nun: 1/25, 1/50, 1/100, 1/150, 1/200, 1/400, 1/1000. Mir will der Grund für diese eher unerhebliche Veränderung so recht nicht einleuchten - wo liegt praktisch ein Unterschied zwischen 1/150 und 1/200? Die Zeitenknöpfe selbst gibt es mit 18 und 19 mm Durchmesser; ich habe allerdings nicht festgehalten, ob diese abwechselnd und ggf. bei welchen Baureihen sie jeweils montiert worden sind.

Verschlussknopf V1Verschlussknopf V1aVerschlussknopf V2Verschlussknopf V2a
Verschiedene Ausführungen des Verschlusszeitenknopfes, links die 1. blanke Version - rechts die 2. Version in schwarz

Verschlussknopf V3Verschlussknopf V3aVerschlussknopf V4Verschlussknopf neue Zeiten
Spätere Ausführungen des Verschlusszeitenknopfes, links die 3. Version noch in schwarz,
daneben die wieder blanke Version der Baureihe 4 und ganz rechts die letzte Ausführung mit den veränderten Verschlusszeiten.


Langzeitknopf V1Langzeitknopf V2Langzeitknopf V3

Auch bei den Langzeiten wurde im Laufe der Bauzeit ein wenig gefeilt - aus 1/10 s wurde 1/5 s nachdem schon eine Baureihe zuvor aus bislang 10 nun 11 Sekunden wurden und der "rote" Vorlaufbereich von 1/10, 1/2, 1, 2, 3, 4 6 in 1/10, 3/4, 1/1/2, 2, 3, 5, 6 geändert worden war.

Rückwand 1Rückwand 2
Rückwand CRückwand C 2.
Die beiden Rückwandausführungen der Rollfilm-Exakta (oben) und die Rückwand der Exakta C mit Rollfilm-Einsatz.

Die erste Ausführung mit dem offenen Panfenster wurde zwar nach R. Hummel nur bis zur 1. Baureihe eingebaut, ist aber sogar noch bei frühen Kameras der 3. Baureihe zu finden. Diese erste Rückwand hatte seitlich einen runden Schiebeknopf zum öffnen. Die spätere Rückwand hat eine verschiebbare Abdeckung für das Panfenster. Die beiden Fotos in der zweiten Reihe zeigen die Rückwand der Exakta Modell C (für Plattenrückwand) mit dem Rollfilmeinsatz. Die erste Version (linkes Bild) hat sowohl ein offenes Panfenster und zusätzlich auch die aufgeschraubte Schiebekonstruktion. Eine spätere Ausführung hat nur noch das Schiebefenster der zweiten Rückwandausführung und auch den rechteckigen Öffnungsschieber.

Der seitliche Öffungsknopf ist bei der ersten Version rund (Bild links). Das auf dem Bild gezeigte, mit drei Schrauben mit dem Gehäuse verschraube Schließblech gab es erst mit der 1. Baureihe ab etwa Herbst 1933.

Bei der zweiten Rückwandversion ab Baureihe 3 ist der Verschlussschiebeknopf (meistens) rechteckig ausgeführt (Bild rechts). Es gibt aber auch Rückwände dieser zweiten Version noch mit dem runden Öffnungsknopf, wie in den Fotos 2+3 oben zu sehen ist.

Während der Bauzeit wurde die auf der Innenseite der Rückwand angenietete Filmandruckplatte von anfangs schwarz auf später blank verändert.

Gegenüber der späteren Kine-Exakta besitzt die Rollfilm-Exakta einen zusätzlichen Sucherspiegel, der - wie bei manchen Mittelformat-TLR's - schräggestellt und arretiert auch eine Motivbetrachtung mit waagerechtem Einblick ermöglicht. Allerdings geht das nur bei ausreichend hellen Motiven und offener Blende. Das Sucherbild ist dann zwar seitenrichtig, steht aber auf dem Kopf ....

Damit bei Alt- und Neu-Sammlern keine Verwirrung über die Modellvariante entsteht, empfehlen sich bis auf weiteres, die Versions-Angaben von Aguila/Rouah (AR). Darüber hinaus dienen Angaben über die Baureihe und das Modell der Identifikation. Leider sind - aufgrund des zuvor beschriebenen "Baukasten-Prinzips" - die Fabriknummern kein eindeutiges Identifikationsmerkmal. Aus welchen Gründen und von wem auch immer sind nicht selten die Objektivfassungen vom ursprünglichen Gehäuse abgeschraubt und an ein anderes angebracht worden. Deshalb sind Eigenartigkeiten, etwa ein verchromtes Biotar mit Schneckengang an einer Jr. auch keine Variante oder gar eine seltene Abart sondern Bastelei!

Objektive, Fassungen und Entfernungsskalen der Standard Exakta

Obwohl die Rollfilm-Exakta mit der Möglichkeit zum Objektivwechsel ausgerüstet ist, sind Wechselobjektive für diese Kameras eher selten zu finden. Dies hat neben der Tatsache, dass für damalige Fotografen Wechselobjektive eine kostentreibende Angelegenheit waren, auch einige ganz praktische Gründe. In den Zeiten der Platten- und Rollfilmkameras war die Veränderung des Bildausschnittes mit dem Aufnahmeobjektiv eher ungebräuchlich, man machte das bei der Herstellung der Positivabzüge in der Dunkelkammer. Die großen Negative boten hierzu ausreichend Gelegenheit. Für Kleinbildkameras waren die Gegebenheiten anders, doch waren diese gerade erst erfunden und selbst die Leica hatte anfangs noch keine Wechselobjektive.

Anders als in den 50er Jahren musste das Interesse der Fotografen am Wechselobjektiv also erst geweckt werden. Zudem war der praktische Gebrauch von Wechselobjektiven an der Standard-Exakta auch alles andere als die reine Freude. Tele- und mehr noch die wenigen "Weitwinkel"-Objektive hatten nur geringe Lichtstärke - das Tessar 5,5 cm (im Foto ganz links) gar nur 1:8! Damit war die Motivbetrachtung auf der ohnehin nicht sonderlich hellen Mattscheibe recht gewöhnungsbedürftig.

Standard-Objektive
Objektive für die Standard-Exakta - eine Auswahl.

Für das Objektivgewinde 39,5x0,5 (Feingewinde mit 0,5 mm Steigung) des 1933er Grundmodells konnten noch keine Objektive mit anderen Brennweiten geliefert werden. Bereits nach kurzer Bauzeit wurde das Objektivgewinde auf das - ebenfalls ungewöhnliche - Maß von M 39,8x0,75 geändert. Für die wenigen lieferbaren Wechselobjektive war allerdings eine Anpassung im Dresdner Werk notwendig; dazu musste die Kamera eingesandt werden. Offenbar war das Auflagemaß fertigungsbedingt nicht einheitlich (vergleichbar den ersten, nicht auf "0" abgestimmten, Leica's).


Nicht selten gab es Probleme mit Carl Zeiss Jena bei der Lieferung der für die Exakta benötigten Objektive.

Zur werkseitigen Anpassung gehörten noch einige Zusatzleistungen. Diese Arbeiten waren aber auch deshalb notwendig, weil die Objektive der Standard keinen eigenen Schneckengang für die Entfernungseinstellung besitzen. Diese erfolgt bekanntlich in dem mit dem Kameragehäuse verschraubten Tubus. So wurde eine Einstellskala für das Objektiv angefertigt und der Unendlich-Anschlag mit dem des zur Kamera gehörigen Normalobjektivs zusammengelegt. Außerdem erhielt bei Teleobjektiven der Klapp-Rahmensucher eine den jeweiligen Ausschnitt begrenzende Einlage.

Die im Zusammenhang mit den Objektivanpassungen angefertigten Entfernungsskalen sorgen heute möglicherweise für einige Verwirrung. Dies vor allem dann, wenn die ursprüngliche Objektivausstattung nicht mehr der Fokusskala entspricht. In aller Regel wird zumindest das der Skala zugrundeliegende Zusatzobjektiv - meist ein Tele - nicht mehr mit der Kamera vorhanden sein. In den Fotos zeige ich einige Skalenbeispiele, von denen es sicher noch mehr gibt. Vom "Skalenwirrwar" sind sowohl die meter- als auch die feet-Skalen der Exportkameras betroffen.

Fokus 0,8
Fokus 09 schwarz Fokus 100 schwarz
Fokus 100 chrom Fokus 110 schwarz
Fokus 3,5 F chrom Fokus 4 feet schwarz


Ein scheinbar nicht zur Kamera passendes Objektiv, wenn es z.B. nicht oder nur teilweise verchromt ist (wie bei den verchromten Kameras weiter oben zu sehen), kann durchaus auch die Originalbestückung sein! Andererseits wurden sowohl Objektive als auch - wie an anderer Stelle beschrieben - komplette Objektivfassungen aus unterschiedlichen Gründen ausgetauscht. Dabei kann sich folgendes Problem ergeben: während die Fokuseinstellung bei frühen Modellen mit 0,9m beginnt, ist der kleinste Einstellwert späterer Modelle 1 m (auch die Prospektangabe). Daraus ergibt sich für die Objektive ein geringfügig anderes Auflagemaß, das eigentlich nur bei einem direkten Vergleich zu bemerken ist. Ein anderer Grund, der den Sammler heute Standard-Objektive mit unterschiedlichen Auflagemaßen und auch unterschiedliche Fokus-Skalen finden lässt, ist die zuvor beschriebene nachträgliche Modifizierung im Ihagee Werk.

Objektiv 0,9mObjektiv 1mFalls also in der aktuellen Kamera ein Objektivkopf montiert ist, dessen Auflagemaß für eine frühere oder spätere Fassung konstruiert wurde, läßt sich mit diesem Objektiv nicht korrekt nach der angeschraubten Entfernungsskala scharfstellen. Da die Fokussierungsschnecke der Standard Exakta jedoch über ein ausreichendes Spiel vor und nach den beiden äußeren Entfernungsmarken verfügt, ist dies für die praktische Anwendung eher unbedeutend. Allerdings stimmen die aufgedruckten Entfernungswerte nicht mehr. Auf den beiden Fotos ist die abweichende Objektivkonstruktion anhand des an unterschiedlichen Stellen befindlichen Objektivgewindes zu sehen.


Foto links: Objektiv für frühe Modelle mit 0,9 m Fokus; Foto rechts: Objketiv für spätere Modelle mit 1 m Fokus.

Offenbar sind für Objektivanpassungen im Ihagee-Werk unterschiedliche Methoden verwendet worden. Während man schon häufiger Normalobjektive mit einer Art auszugsverlängernder "Zwischenringanpassung" direkt hinter den Einstellringen findet (Foto oben links und mittleres Foto unten), wurden auch andere Lösungen gewählt. Die nachstehenden Fotos zeigen zwei unterschiedliche Formen der Objektivanpassung, jeweils auch im Vergleich zur Normalsituation. In den beispielhaft gezeigten Fällen wird deutlich, dass die Anpassungen mehr oder weniger aufwendige Veränderungen sowohl an der Objektivfassung, als auch am Objektiv selbst erforderten. In den meisten Fällen gingen dabei - wie oben beschrieben - die normalen Auflagemaße für nicht angepasste Objektivfassungen verloren. Manchmal lässt sich ein angepasstes Objektiv - wie im Vergleichsbild zu sehen - in eine Normalfassung gar nicht mehr einsetzen.
Objektivfassung 543059Objektivfassung 517074





Im Bild rechts zeige ich eine Objektivfassung (517.074) mit einem eingesetzten schwarzen Tubus, der 2 mm auszugsverlängernd wirkt. Zugleich wird dabei das Objektivgewinde weiter in den Tubus hineinverlegt, so dass die üblichen Standardoptiken nicht mehr passen.

Ganz rechts (Nr. 543.059) ein Tubus in der normalen Ausführung.


Objektivanpassungen
Das Foto zeigt zwei angepasste Objektive im Vergleich zur "Normalfassung" (ganz rechts Exaktar Nr. 831 077).

Ganz links im Foto ist das Tessar 2,8/7,5 (Nr. 1.849.978) für die zuvor abgebildete Objektivfassung mit dem schwarzen Tubuseinsatz zu sehen. Dieses Objektiv in Nickelfassung stammt aus einer früheren Produktionszeit als die zugehörige Kamera.

Die mittlere Abbildung zeigt ein Tessar 2,8/7,5 (Nr. 1.430.789) mit einem auszugsverlängernden Zwischenring vor dem Gewinde. Dieses Objektiv passt zwar im Gegensatz zu dem ganz links abgebildeten in eine Normalfassung, allerdings stimmen dann deren Entfernungsangaben nicht mehr. Die Fassung an der zugehörigen Kamera ist gegenüber Normalfassungen verkürzt.


Biotar 2/8cm

Das Biotar 2/8cm als 155er Teleobjektiv

Biotar 2/8cm Schnitt Eine weithin ziemlich unbekannte zusätzliche Anwendungsmöglichkeit bietet das "Nachtobjektiv" Biotar 2/8cm. Dessen 3linsiges Vorderglied kann abgenommen und allein benutzt werden. Es ergibt sich dabei eine Brennweite von etwa 155mm bei einer größten Lichtstärke von 1:5 (entspricht etwa der Blendeneinstellung 1:2,8 des Gesamtobjektivs). Zum Ausgleich der Auflage für die längere Brennweite ist ein Verlängerungstubus mit 23mm Länge erforderlich. Dieser war einzeln nicht lieferbar und musste gesondert bestellt oder angefertigt werden.



Das Bild links zeigt das Nachtobjektiv Biotar 2/8cm mit abgenommenem Hinterglied. Das Frontglied kann - wie zuvor beschrieben - als Teleobjektiv 5/15,5cm benutzt werden.

Nach einigem Suchen in meiner Zubehörabteilung fand ich die Verlängerungslinse "/" mit dem zugehörigen Tubus. Dieses Teil wurde von der Ihagee für verschiedene Objektivdurchmesser zusammen mit einem entsprechenden Tubus geliefert. Dieser Tubus - mit "C" gekennzeichnet - hat exakt die 23mm Länge, die auch für die Verwendung des Biotar 2/8cm als 155er Tele erforderlich ist.
Biotar 2/8cm als Tele 155Biotar mit Telelinse /
Da das Zwischengewinde der Ihagee-Tuben und -Verlängerungsringe seinerzeit für den Gewindeanschluss der Exakta Baureihe 1 festgelegt und nie verändert worden ist, können für Versuche mit anderen Objektiven also auch alle Exakta-Zwischenringe - selbst die noch 1970 gelieferten - verwendet werden. Somit ist mit einem solchen Ring auch eine Anpassung auf 23mm Länge möglich, wenn der historische Tubus "C" nicht mehr auffindbar sein sollte.

Die Fotos zeigen links eine Exakta B (es kann jedes Modell, also nicht nur die gezeigte "Nacht"-Exakta verwendet werden - mit montiertem Tubus "C" und dem Vorderteil des Biotar 2/8cm.

Das Bild rechts zeigt die vollständige Teilekombination, bestehend aus dem Biotar 2/8cm (hier noch mit angeschraubtem hinteren Linsenteil) und dem Karton mit der Telelinse "/" und dem 23mm langen Tubus "C".


Exakta Jr-ObjektivDie Objektive für die Exakta Jr. waren mechanisch völlig anders konstruiert. Weil für die Jr-Kameras keine Objektivfassung mit Einstellschnecke eingebaut wurde, musste die Entfernungseinstellung am Objektiv erfolgen. Dies war am einfachsten mit der bei normalen Rollfilmkameras üblichen Frontlinseneinstellung zu realisieren. Deshalb sind die für die Junior verkauften Objektive auch sofort an der Entfernungsskala hinter der Frontlinsenfassung zu erkennen. Das unterschiedliche Auflagemaß gegenüber den normalen Standardobjektiven wurde mit der Länge des Tubus ausgeglichen.

Zwar lässt sich das Objektiv ebenfalls aus dem Tubus herausschrauben, die Möglichkeit stattdessen ein Wechselobjektiv einzusetzen besteht wegen der fehlenden Einstellschnecke jedoch nicht. Außerdem würde das Auflagemaß nicht stimmen. Andererseits sind Umrüstungen bekannt, bei denen ein für die Jr. vorgesehenes Objektiv mit einer Standard A oder B verwendet wird. Ein Foto einer derartigen Kombination finden Sie weiter oben mit einem Ludwig Victar an einer Exakta B. In diesem Fall wird der Frontlinsenfokus fixiert, z.B. durch eine Madenschraube o.ä. Außerdem muss das Auflagemaß am Schneckengang der Objektivfassung entsprechend justiert werden. Eine solche Justage ist übrigens auch dann möglich (und notwendig) wenn ein anderes als zu dieser Kamera passendes Objektiv verwendet werden soll.



Das Bild zeigt ein Ihagee Anastigmat 1:3,5 f=7,3 cm (abweichende Brennweite!) in der Ausführung für eine Ihagee Jr. aus dem Jahr 1938. Die zusätzliche "M"-Gravur hinter der Nr. deutet auf die Fertigung bei Meyer Görlitz hin.

Aus dem zuvor Beschriebenen folgt, dass die Standard Exakta keine Systemkamera im später üblichen Sinne ist, bei der Objektive nach Belieben gewechselt oder getauscht werden können (den frühen Leica'vergleichbar). Offenbar war dies den Konstrukteuren durchaus auch bewusst, wie aus der Art und Weise der Objektivtubusausführung ohne fest definierte Anfangs- und Endanschläge zu erkennen ist. Damit ist ein gewisser "Spielraum" bei der Fokussierung möglich um auch nicht exakt justierte Objektive auf Unendlich einstellen zu können. Natürlich stimmt in solchen Fällen die aufgeschraubte Entfernungsskala nicht mehr. Davon abgesehen ist die freiliegende Fokusschnecke verhältnismäßig einfach neu zu justieren (0-Justage), falls das Auflagemaß des eingesetzten Objektivs nicht mit der Entfernungseinstellung an der Objektivfassung übereinstimmt. Dazu muss jedoch die Fassung vom Kameragehäuse gelöst werden. Dem engagierten Sammler bietet sich also auch bei den Objektiven der Standard Exakta's ein breites Betätigungsfeld.

Der Reflexsucher der Standard Exakta

Das für die Exakta seinerzeit gewählte Bildformat 4x6,5 war eher ungebräuchlich. Es entspricht in seinen Proportionen jedoch ganz dem aus der Kunst bekannten "Goldenen Schnitt". Nach einer Prospektangabe zeichnet sich das Format "also durch ein künstlerisches Ebenmaß aus". Für die Fotografen dieser Jahre war es durchaus normal, ihre Motivgestaltung auf einer Mattscheibe auszurichten. Das seitenverkehrte Reflexbild des Exakta-Lichtschachtsuchers war also nichts Neues. Auch ließ das gegenüber den alten Plattenkameras kleinere Bildformat durchaus noch eine akzeptable Bildbetrachtung zu. Durch die Bestückung mit einer handelsüblichen Planmattscheibe war das Sucherbild - im Vergleich mit SLR-Suchern aus neuerer Zeit - zwar recht dunkel. Erst mit der Kine Exakta kam eine das Sucherbild aufhellende Bildfeldlupe zum Einsatz. Mit einem der lichtstärkeren 2,8- oder gar einem "Nacht"-Objektiv ließ es sich bei normalen Lichtverhältnissen aber ordentlich arbeiten.

Ein Prismensucheraufsatz war für die Standard Exakta noch nicht verfügbar, gelegentlich findet sich mal eine mehr oder weniger brauchbare Bastelversion. Dennoch bot der Sucher einige alternative Möglichkeiten der Bildbetrachtung auch außerhalb der für frühe SLR-Kameras üblichen "Bauchperspektive". Diese zeigt die nachfolgend gezeigte Prospektbeschreibung aus dem Jahr 1938. Neben dem Rahmensucher bei eingeklappter Frontklappe des Lichtschachtsuchers bietet der in eine waagerecht-Betrachtung einschwenkbare Sucherspiegel noch eine provisorische Löung für ein seitenrichtiges Sucherbild (Beispiel C). Allerdings steht das zwar seitenrichtige Bild dann auf dem Kopf....

Sucher der Standard Exakta

Prospektauszug 1938 mit der Darstellung verschiedener Möglichkeiten des Lichtschachtsuchers der Standard Exakta.

Lichtschachtverlängerung



Wer mit der Exakta Außenaufnahmen bei hellem Sonnenlicht machte, wusste die als Zubehör lieferbare Lichtschachtverlängerung aus Leder zu schätzen.

Das zusammengefaltet sehr kleine Zubehörteil gab es für die Ihagee-Reflexkameras in zwei Ausführungen gegen zu helles Seitenlicht - als einfache aufsteckbare Verlängerung und eine mit einklappbarer Lupe, die das ganze(!) Mattscheibenbild vergrößerte.
Lichtschachtverlängerung








Das linke Bild zeigt die beiden zur Standard Exakta lieferbaren Lichtschachtverlängerungen ohne und mit Vergrößerungslupe. Rechts ein Foto mit der Lupenversion auf dem Gehäuse einer Standard Exakta B

Standard Exakta für Kleinbildfilm

Zwar ist die Rollfilm-Exakta nicht eigentlich als Systemkamera konstruiert worden, dennoch gab es etliches Zubehör. Sehr selten ist davon heute der Kleinbildeinsatz zu finden, der zu seiner Zeit eine interessante Alternative zum - damals auch als Kleinbildformat-Film bekannten und beliebten - 127er Rollfilm war, für den die Kamera konzipiert wurde.

Als Kleinbildfilm versteht sich seit Oscar Barnacks Leica üblicherweise und nunmehr schon fast 100 Jahre lang der 135er Kinofilm für das Bildformat 24x36 mm. Doch gab es in den 1930er Jahren noch ein anderes Kleinbildformat, das sogar auf dem gleichen Negativmaterial basierte, jedoch keine Perforierung hatte. Dieser Film - Rollfilm 828 - war wie seine größeren Brüder als Rollfilm konfektioniert, d.h. mit Schwarzpapier hinterlegt und damit über das Panfenster kontrollierbar. Er war in erster Linie für die Kodak Bantam bestimmt und ist Sammlern deshalb auch als Bantamfilm bekannt. Auch einige andere klassische Kameras verwendeten diesen Film, z. B. war die Photavit in den 50er Jahren auch für den Rollfilm 828 erhältlich. Mit diesem Filmmaterial ergibt sich üblicherweise eine Negativgröße von 28x40 mm.

Kleinbildeinsatz
Einzelteile des Kleinbild-Einsatzes für die Standard Exakta
Kleinbildeinsatz in Kamera
Kleinbildeinsatz mit 828er Rollfilm in einer Standard Exakta Modell B.

Der vollständige Einsatz besteht aus einer Adapterplatte für das Bildformat 28x40, die zunächst in das Bildfenster der Kamera eingelegt wird. Weiter sind zwei anschraub- oder ansteckbare Adapter für die kleineren Filmspulen des Kleinbildfilms nötig, damit diese in die Filmkammern der Kamera passen und der Film auch transportiert werden kann. Davon muss mindestens einer fest mit der Aufwickelspule verschraubbar sein und einen Transportmitnehmer für den Filmtransport haben. Der zweite, auf die Filmspule aufsteckbare Adapter erfordert keinen Mitnehmerschlitz. Im Bild sind die beiden Ausführungen gezeigt. Beide waren von Ihagee lieferbar, die übrigens auch fertige Kameras für die Verwendung von 828er Film herstellte. Weiter oben habe ich eine solche Rollfilm-Exakta als Junior-Version beschrieben. Hier sehen Sie noch ein Foto dieser Kamera mit einem geladenen 828er Rollfilm.

Jr. mit 828 Rollfilm
Exakta Jr. Nr. 430 142 mit fest eingebauter Kleinbild-Filmbühne 28x40 mm

Mit einigem Geschick, das damalige Fotografen meist besaßen, konnte auch normaler Leica-Kleinbildfilm verwendet werden. Dazu musste allerdings in der Dunkelkammer die Spule selbst bewickelt werden. Passendes Schwarzpapier für die Zwischenlage war seinerzeit in Fotohandlungen erhältlich oder konnte auch selbst angefertigt werden. Bei dieser Filmbestückung wurde das Fotografieren nicht nur preiswerter (Kleinbildfilm gab es billig als Rollenware mit 30 m und mehr). Es konnten auch mehr Bilder pro Filmladung gemacht werden, wenn die Filmlage entsprechend bemessen wurde. Nachteilig ist hingegen der Verlust durch das 25 mm kleinere Bildformat, denn der Filmtransport wurde durch die Adaption nicht verändert. Allerdings habe ich bei der beschriebenen Junior für Kleinbildaufnahmen nicht überprüft, ob evtl. auch die Filmtransportübersetzung angepasst worden ist.

Zusammenfassende Anmerkungen zur Standard Exakta

Den Kameras der Standard-Exakta-Baureihen gehörte seit Anbeginn meiner Sammelei nicht meine besondere Zuneigung. Zwar befinden sich auch etliche dieser Ur-Exaktas in meiner Sammlung, doch hatte ich ihnen bis zur Zusammenstellung dieser Seite nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Als ich sie seit etwa 1980 für meine Sammlung erwarb, achtete ich dabei nur auf die Versionsangaben nach Aguila/Rouah. Dass diese nicht mit den tatsächlichen Produktionsabläufen im Einklang standen, wurde mir erstmals mit den Angaben von Richard Hummel in dessen Buch aus dem Jahr 1994 deutlich. Doch für eine systematische Auswertung hatte ich auch danach lange weder Zeit noch Lust. Scheinbar doppelte Exemplare wurden auch schon wieder abgegeben und ich besitze nur noch deren Fotos. Die meisten der oben beschriebenen Details und Besonderheiten habe ich also erst im Zusammenhang mit der Zusammenstellung dieser Seite festgestellt.

Aus dem hier Geschriebenen folgt denn auch, dass ich mir Standard Exaktas zuvor nie so genau betrachtet habe, um vergleichbare Typenmerkmale oder auch Unterschiede festzustellen. Deshalb kann ich zu diesen Kameras auch nicht so präzise Angaben machen, wie etwa bei den Kleinbild-Exaktas. Dazu standen mir auch zu wenige Vergleichsexemplare zur Verfügung. Der ernsthafte Sammler mag daher meine Beschreibungen zur Standard Exakta bitte auch nur als Momentaufnahme sehen und nicht als das Endprodukt einer jahrelangen akribischen Sammelleidenschaft. Dies soll anderen Sammlern vorbehalten bleiben, die sich dieser Kamerareihe mit mehr Leidenschaft widmen als ich. Ich hatte deshalb auch lange gewartet, bis ich begann, die Standard Exakta für meine website aufzubereiten. Dennoch glaube ich, Exakta-Sammlern einen brauchbaren Überblick dieser Ur-Exakta habe geben können, obwohl zu den einzelnen Baureihen nicht alle Typen abgebildet und beschrieben sind. Das von mir gewählte Schema sollte aber die Grundlage bieten, auch eine umfangreichere Standard-Sammlung aufzubauen als ich sie besitze. Dazu bietet gerade diese Kamerareihe schier unendliche Möglichkeiten.

Prospekt 1939Wer sich also daran wagen will, dem wünsche ich viel Erfolg bei der Suche nach seinen künftigen Sammlungsschätzen. Dazu zum Abschluss noch einige Tips: Standard-Exakta's werden bei ebay nicht so selten angeboten, man muss jedoch genau hinschauen um nicht immer den gleichen Typ zu finden. Nach meinen Beobachtungen sind das Exakta Modell B der 3. und 4. Baureihen am häufigsten zu finden, meist mit Tessaren 2,8/75 oder Exaktar 3,5/75. Die Modelle A, C, Nacht und Jr. sind seltener, besonders in frühen Ausführungen der Baureihen 2 oder 3. Mit Erhaltung oder Funktion darf man es nicht sehr genau nehmen. Diesbezüglichen Angaben in der Angebotsbeschreibung kann man meist nicht vertrauen, es sei denn man kennt den Anbieter.

Nur wenige Besitzer und Anbieter solcher Kameras verfügen über die Fähigkeit, sie exakt zu prüfen und zu beschreiben. Fast immer ist mit Verschlussdefekten zu rechnen; Spiegel sind oft verschlissen, erzeugen aber auch in fast blindem Zustand erstaunlicherweise noch ein Bild auf der Mattscheibe. Die Mattscheiben sind nicht selten zerbrochen, weil der Lichtschachtmechanismus unsachgemäß bedient wurde. Die Mechanik ist - wie auch von den Kleinbild-Exaktas her bekannt - in den meisten Fällen in Ordnung.

Nach einer sachgemäßen Reinigung werden die Kamerafunktionen wieder brauchbar sein. Übler ist es mit Verschlusstüchern, Spiegel und Mattscheibe; wer dafür nicht ein Mehrfaches des Kaufpreises ausgeben will, muss damit leben, dass die Kamera nicht mehr in einen aufnahmebereiten Zustand zu versetzen ist. Das ist insoweit auch nicht besonders tragisch, als es 127er Filme ohnehin nur für teures Geld noch bei Spezialanbietern gibt. Um deren Entwicklung muss man sich überdies noch selbst kümmern, das macht so gut wie kein "Fotohändler an der Ecke" mehr.

Zu den Objektiven habe ich bereits Einiges geschrieben. Aufgrund der zahlreichen Besonderheiten sind aber Angaben darüber nicht möglich, welche Objektivausführung mit welchem Kameragehäuse harmoniert. Da ist im Laufe der Jahre viel aus- und umgewechselt worden, noch zusammengehörige Gehäuse, Fassungen und Objektive sind nicht die Regel. Als Standardobjektive findet man meist Tessare und das von Meyer Görlitz gebaute Exaktar (heißt bei der Junior oft auch nur "Ihagee Anast."). Ein Exaktar mit der zusätzlichen Kennung "E", meist vor der Nummer, stammt aus der Fertigung von E. Ludwig. Bei gründlicher Suche finden sich auch Schneider Xenare, Ludwig Victar, Meyer Primotar oder Steinheil Cassar. Die Jr. wurde in Frankreich auch mit einem Boyer 3,5/75mm angeboten. Wer es gern "original" mag hat es nicht leicht, insbesondere wenn das montierte Objektiv zur Fassung und der darauf verschraubten Entfernungsskala passen soll...

Obwohl auch für die Standard Exakta seinerzeit schon eine ansehnliche Zubehörpalette verfügbar war, sind Zubehörteile für diese Modellreihe nur schwer zu finden. Wer solche Teile besitzt, kann sie meist nicht identifizieren. Früher half intensives Umgraben der "Pröttelkisten" auf Fotobörsen, doch heute ist auch dort nur selten noch etwas für die alten Exaktas zu finden.




Posted 2008/04/01; last updated 2017/04/19 Copyright © 2007-2018 by Horst Neuhaus