Herzlich Willkommen in der Praktika-Abteilung von Photo but More by Horst Neuhaus

PRAKTICA - Die Kleinbildkamera mit der Mattscheibe

Praktica-Prospekt

nein, dies ist beileibe keine herabqualifizierende Bemerkung eines hochnäsigen Exakta-Sammlers über die - in den Augen der Exakta-Fangemeinde - minderwertige Praktica. Es ist der hochoffizielle Umschlagtitel der ersten Praktica-Werbebroschüre aus dem Jahr 1951! Der Hersteller firmierte zu dieser Zeit als „OPTIK VVB KAMERA-WERKSTÄTTEN“ in der Edgar-André-Strasse 56 in Dresden Niedersedlitz.

Sicher ist die Praktica ein eigenständiges Sammelgebiet und hat auf einer Exakta-Seite an sich nichts verloren. Bis auf den Schlitzverschluss und teilweise das Spiegelreflexsystem hat die Praktica konstruktiv keine verwandtschaftliche Beziehung mit der Exakta. Auch waren die beiden Herstellerwerke KW und Ihagee selbst in der klassenlosen Gesellschaft der damaligen DDR richtige Konkurrenten. Meine Praktica-Beschreibung verfolgt entsprechend auch nicht das Ziel einer kompletten Aufarbeitung dieses umfangreichen und durchaus geschichtlich bedeutenden Sammlungsgebietes. Es gibt einschlägige Internetseiten, auf denen sehr viel mehr Details über diese Kamera zu finden sind, als ich hier vermitteln kann und will.

Weshalb ich dieser Kamera dennoch eine Vorstellung in meiner website widme, hängt einfach damit zusammen, dass sie – mit ihrer Vorgängerin Praktiflex und zu Beginn der 50er Jahre – die einzige nennenswerte SLR-Konkurrentin der Exakta gewesen ist. Wer sich um 1951 bis 1955 in Westdeutschland nach einer deutschen Kleinbild-Spiegelreflexkamera umschaute, konnte sich eigentlich nur für die Praktica entscheiden. Die Exakta war einige Zeit so gut wie nicht lieferbar, weil nahezu die ganze Dresdner Produktion in die USA exportiert wurde.

Aufgrund dieser zeitweiligen Lieferprobleme haben damals nicht wenige engagierte Fotografen auf ihrer Suche nach einer Kleinbild-Spiegelreflexkamera den Weg zur Praktica gefunden. Ansonsten galt die Praktica eher als Billig-Alternative für Spiegelreflex-Anhänger, denen die Exakta zu teuer und die Exa technisch unzureichend ausgestattet war. War die Ur-Praktica zunächst auch technisch noch keine echte Konkurrenz zur klassischen Exakta, änderte sich dies Mitte der 1960er Jahre, als die Exakta nicht mehr weiterentwickelt wurde. Nach Einstellung der Exakta-Fertigung Anfang der 1970er Jahre mutierte die Praktica gar zu deren Nachfolgerin im DDR-Kombinat VEB Pentacon.
Schon deshalb hat also ein richtiger Exakta-Fan und -Sammler ein Herz für die Praktica! Auch wenn es oft erst einen Schrittmacher braucht, bevor es auch für die Praktica schlägt...

Historisches

Kamera Werke Dresden

Die Kamera-Werkstätten in Dresden wurden 1919 von Benno Thorsch und Paul Guthe gegründet. Da beide jüdischer Abstammung waren, mussten sie 1938 vor der Nazi-Verfolgung aus Deutschland imigrieren und verkauften ihr Unternehmen an den Amerikaner Charles A. Noble. Dieser erkannte die Zukunftsbedeutung der einäugigen Spiegelreflexkamera und begann 1939 mit der Produktion der ersten Praktiflex. Mit einer frei erfundenen Beschuldigung, von ihrer Villa aus den Bombenangriff am 13.Februar 1945 auf Dresden geführt zu haben, wurden Charles A. Noble und dessen Sohn John kurz nach Kriegsende von den Sowjets verhaftet und viele Jahre lang in Stalins Arbeitslagern festgehalten.

PrakticaDie erste Praktica-Generation kam schon vor dem 2. Weltkrieg auf den Markt und hieß zunächst „Praktiflex“. Sie hatte bereits einen Gewindeanschluss für Wechselobjektive, der sich mit 40 mm Durchmesser jedoch auf Dauer als zu klein erwies. Die Folgeversion „Praktica“ wurde 1949 vorgestellt und hatte ein auf M42x1 vergrößertes Objektivgewinde. Dieses Maß erwies sich als Glücksgriff und wurde in den folgenden Jahrzehnten als „Pentax/Praktica“-Gewinde zum erfolgreichsten Objektivanschluss aller Zeiten. Gibt es schon für die Exakta 1000e verschiedener Objektive, so findet sich ein Mehrfaches mit diesem Schraubanschluss.

Konstrukteur der Praktica-Kamera war Siegfried Böhm, Mitarbeiter der Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch in Niedersedlitz bei Dresden (KW). Der Betrieb wurde kurz vor dem Krieg von der US-amerikanischen Unternehmerfamilie Noble gekauft, nach 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet und verstaatlicht. Er bildete in der Folge die Basis des späteren VEB Pentacon und firmierte in den DDR-Jahren unter unterschiedlichen Namen - zuerst ab 1951 als OPTIK VVB Kamera-Werkstätten, Dresden-Niedersedlitz. Erst nach der Deutschen Wiedervereinigung erhielten die Erben der Familie Noble ihr Eigentum zurück.


Das Prospektbild zeigt die erste Ausführung der Praktica, noch in dem von der Praktiflex übernommenen Gehäuse mit den angegossenen seitlichen Trageösen. Beim Objektiv handelt es sich jedoch bereits um ein Biotar in der erst ab 1951 angebotenen Blendenvorwahl-Ausführung.

Praktika Objektive

Das Pentax-/Praktica-Gewinde

Ich will an dieser Stelle nicht darüber spekulieren, welcher der beiden Namensgeber die Henne- oder die Ei- Funktion übernommen hatte. Tatsächlich hatten beide Kamerabauer anfangs andere Anschlüsse favorisiert. Während die Praktiflex ein M40-Gewinde verwendete, übernahmen die Japaner einfach den M39-Gewindeanschluss der Leica. Mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit der Objektive bemerkten beide Hersteller, damit ein wenig schmalbrüstig daherzukommen. Die Wahl fiel auf ein M42x1-Gewinde, das sich in der Folge zum weltweit erfolgreichsten Objektivanschluss entwickelte.

Rechts eine Abbildung des Objektivprogramms aus dem ersten Praktica-Prospekt.

Unmittelbar nach ihrem Erscheinen stand für die Praktica schon eine durchaus passable M42-Objektivpalette von 4 bis 50cm Brennweite zur Verfügung. Standardobjektive waren anfangs das Zeiss Tessar 5 cm mit Lichtstärke 1:3,5 (365,- DM) oder 1:2,8 (415,- DM), das Zeiss Biotar 1:2/5,8cm (525,- DM) und das Meyer Primoplan 1:1,9/5,8cm (420,- DM). In Klammern sind die Verkaufspreise aus einer Preisliste 1952 genannt (Gehäuse mit Objektiv). Gegenüber der Exakta waren das runde 100 DM weniger, bei der Biotar-Ausstattung sogar 150,- DM!

Für die Freunde langbrennweitiger Objektive gab es in diesem Sortiment das Zeiss Biotar 1,5/7,5cm, ein Zeiss-Triotar 4/13,5cm, ein Meyer Telemegor 5,5/18cm, ein Zeiss Sonnar 4/30cm und das Zeiss-Fernobjektiv 8/50cm. Weitwinkelobjektive waren noch nicht erfunden, als kürzeste Brennweite war das Tessar 4,5/4cm zu haben.

Praktica vs Exakta

Konzeptionell war die Praktica grundlegend anders ausgerichtet, einfacher ausgestattet und von vornherein nicht als Systemkamera gedacht. Dennoch hat sie sich im Laufe ihres langen Lebens – sie überlebte die Exakta um fast 2 Jahrzehnte – zu einem leistungsfähigen fotografischen Werkzeug entwickelt. Während ihrer und der Exakta Glanzzeiten waren die meisten Objektive sowohl mit Exakta-Bajonettanschluss als auch mit Praktica-Schraubgewinde erhältlich.
Praktica FX Service Den anfangs noch moderaten preislichen Abstand zwischen Exakta und Praktica in den ersten Jahren habe ich oben bereits genannt. Die vergleichsweise hohen Praktica-Preise erklären sich daraus, dass die Exakta in den frühen 1950er Jahren in Westdeutschland kaum verfügbar war. Im Laufe der Jahre wurde die Praktica preiswerter und der Abstand zur Exakta deutlich größer. 1959 etwa kostete eine Praktica FX 3 mit Jena T 333,- DM, mit Biotar 452,- DM. Die Vergleichspreise der Exakta Varex IIa lagen bei 618,- DM (Jena T) bzw. 733,- DM (Biotar).

Die sogenannte Service-Variante der Praktica - ein Werksumbau für den Sucherwechsel - kam der damit serienmäßig ausgestatteten Exakta Varex noch am nächsten. Allerdings fehlte der Praktica ein bedienungsfreundlicher Schnellschalthebel, der erheblich leistungsstärkere Schlitzverschluss mit Zeiten von 12-1/1000s und vor allem das umfangreiche Exakta-Systemzubehör. Zudem war die so umgebaute Praktica im Ergebnis noch teurer als eine damals käufliche Exakta Varex VX. Interessant an der im Foto gezeigten Kamera ist die Objektivbestückung mit dem nur kurze Zeit gebauten Meyer Primotar 2,8/50 mit Blendenvorwahl.

Die Praktica ist in weitaus größerer Modell-Vielfalt zu finden als die Exakta. Zwar unterschieden sich die "Modelle" oft nur in kaum merklichen Details, doch wurden diese aus Verkaufsgründen werblich besonders hervorgehoben. Auch konzeptionell hat sich die Kamera im Laufe ihrer Geschichte einige Male gewandelt. Insgesamt erzielte die Praktica auch höhere Verkaufszahlen als die Exakta, die in den 1960er Jahren leider nicht mehr der technischen Entwicklung entsprechend weiterentwickelt und 1972 eingestellt wurde. Etliche Varianten innerhalb der einzelnen Praktica-Modellreihen verschaffen dem Sammler Gefühle der Glückseligkeit oder treiben ihn – je nach Veranlagung - in Wahnsinn oder Ruin.

Prakitca-Briefmarke 1965Ein (wichtiges) Argument sprach hingegen immer für die Praktica - der universelle M42-Objektivanschluss. Weil dieses Gewinde auch von ASAHI für die Pentax (später auch von etlichen anderen Kameraherstellern) übernommen wurde, gab es zur Praktica ein immer größeres Objektivangebot. Zwar ist auch das Exakta-Bajonett nicht gerade arm an passenden Objektiven, doch fanden sich unter den Linsen mit M42-Anschluss meist billigere Alternativen aus Fernost. Bei den klassischen Optik-Herstellern - Zeiss, Meyer, Schneider, Steinheil u.a. - hatte man fast immer die Wahl zwischen beiden Anschlussvarianten.

Hier will ich mich aber auf wenige Prakticas beschränken, die ich – rein subjektiv – trotz aller Ungleichheiten in eine verwandschaftliche Nähe zur Exakta stelle, wie ich es an anderer Stelle auch mit der Edixa getan habe. Wer in der Glanzzeit der deutschen Kameraindustrie – den 1950er Jahren – sich als Alternative zur Leica oder Contax für eine Kleinbild-Spiegelreflexkamera entschied, hatte ernsthaft nur die Auswahl zwischen diesen drei Kameras – Exakta, Edixa, Praktica. Die Japaner mit Asahiflex, Canon oder Nikon waren damals noch keine wahrnehmbaren Konkurrenten.

Nachdem schon die Exakta bei der Leipziger Messe 1955 auf einer Briefmarke verewigt wurde, erhielt 1965 auch die Praktica dieses Ehre - gemeinsam mit ihrer größeren 6x6-Schwester Praktisix

Praktica-Generationen

Unter sammlerfachlichen Gesichtspunkten werden die zahllosen Praktica-Modelle drei Generationen zugeordnet. Auch Richard Hummel hat dies in seinem Standardwerk „Dresdner Kameras“ so gehandhabt. Dies will ich nicht in Frage stellen, mich aber hier dennoch an meine subjektive Praktica-Einordnung halten. Dies habe ich auch schon bei Exa und Exakta so praktiziert und damit - wie ich meine - die Übersichtlichkeit verbessert. Ein Wort noch zu den Fotos - zwar habe ich in meinem Sammlerleben schon eine stattliche Anzahl Praktica's in Händen gehabt. Nicht jedes Modell fand aber auch Zugang zu meiner Sammlung und auch nicht jede beschriebene oder abgebildete Praktica besitze ich heute (noch). Deshalb stammen einige Fotos aus älterer Zeit und haben deshalb nicht die Qualität meiner aktuell angefertigten Bilder. In einigen Fällen verwende ich auch Prospektabbildungen zur Beschreibung.

Bei den zu den einzelnen Baureihen und Modellen angegebenen Jahreszahlen handelt es sich um eigene Einschätzungen aus vorhandenen Aufzeichnungen. Diese können durchaus von Angaben anderer Sammler oder Beschreibungen abweichen. Dies resultiert daraus, dass es genaue Produktionsaufzeichnungen über die Praktica-Fertigung meines Wissens nicht gibt. Selbst Richard Hummel hat in seinem Standardwerk Fertigungsangaben zum Teil aus der eigenen Erinnerung verwendet. Dennoch sollten die Jahreszahlen eine gute Einordnung ermöglichen.

Praktiflex VK

Praktiflex 1. Modell (1939 – 1940)

ist in etlichen unterschiedlichen Gehäusefarben, Gravurvarianten der Frontplatte und Belederungen zu finden. Der Schlitzverschluss von 1/25 - 1/500s hatte noch keine Langzeiten und war nicht synchronisiert. Einheitliches Merkmal aller Vor- und Nachkriegs-Praktiflexen ist der Objektivanschluss M40x1.

Diese erste Praktiflex war insoweit eine Besonderheit, weil sie bereits über einen Rückkehrspiegel verfügte. Zwar war dieser noch nicht verschlussgekuppelt - der Spiegel klappte nach Loslassen den Auslöserknopfes wieder hoch - doch bis auch die Exakta mit einem Rückkehrspiegel ausgerüstet wurde, vergingen fast 30 Jahre...

Vorkriegsvariante der Praktiflex in militärgrau mit roter Belederung, deutlich am Gehäuseaulöser auf der rechten Deckplatte als Vorkriegsmodell erkennbar. Objektiv ist das hochlichtstarke Schneider Xenon 2,0/5cm.

Practiflex Nachkrieg

Praktiflex 2. Modell (1946 – 1948)

Die nach dem Krieg gebaute unterscheidet sich von der Vorkriegsvariante auffällig durch den frontseitig rechts angebrachten Auslöserknopf. Im Zusammenhang damit wurde aber auch der Verschlussmechanismus neu konstruiert - und 1948 für die Praktica, um lange Zeiten erweitert, übernommen. Der auslösergekuppelte Rückkehrspiegel musste dabei jedoch aufgegeben werden.

Später lebte der Name als Exportvariante der Praktica zeitweise wieder auf. Diese Kameras waren jedoch mit den jeweiligen Praktica-Modellen baugleich.

Nachkriegsvariante der Praktiflex, am frontseitig angebrachten Gehäuseaulöser als Nachkriegsmodell erkennbar. Objektiv ist das Ludvig Victar 2,9/5cm, Vorläufer des späteren Standard-3-Linsers Meritar.

Practiflex M42

Praktiflex 3. Modell (1948 – 1949)

Es war nicht Alles ein Ergebnis kontinuierlicher Produktentwicklung, was die Photoindustrie in den frühen Nachkriegsjahren zuwege brachte. So gab es etwa bereits zu der Zeit, als sich die ersten Prakticas die Herzen der Photographen erobern wollten auch noch eine Praktiflex mit dem neuen Objektivgewinde M42x1. Nein, keine Namensvariante der Praktica, wie sie um 1952 für Exportzwecke "umgelabelt" worden sind! Es handelt sich tatsächlich noch um die klassische Praktiflex mit Verschlusszeiten 1/25-1/500s und dem "alten" größeren Blechfrontschild. Allerdings - wie beschrieben und im Foto abgebildet - als M42-Version.

Später lebte der Name Praktiflex als Exportvariante der Praktica FX zeitweise wieder auf. Diese Kameras waren jedoch mit den jeweiligen Praktica-Modellen baugleich.

2. Nachkriegsvariante der Praktiflex mit frontseitig angebrachtem Gehäuseaulöser, jedoch mit M42-Gewindeanschluss. Ich habe sie - nicht ganz zeitgerecht - mit einer seltenen Objektivvariante des Zeiss Tessar 2,8/50 bestückt. Zu Beginn der Namensstreitigkeiten zwischen Zeiss Ost und Zeiss West versuchten die Jenaer mit einigen Namenstricks Alternativen auszuloten. So erhielten 1952 einige Tessare den Objektivring "Ernst Abbe Jena T 1:2,8/50" mit einer Raute als Vergütungskennzeichen (statt "T").

Praktica 1. Modellreihe (1949 – 1952)

Die PRAKTICA begründete - offiziell 1949 - mit dem auf M42x1 vergrößerten Objektivanschluss die jahrzehntelange Praktica-Fertigung. Die allererste Praktica erkennt man an den seitlich am Gehäuse angebrachten Ösen für den Tragegurt. Schon im Jahr 1948 waren bereits erste Praktica's erhältlich. Diese wurden wohl zeitweise parallel mit der ebenfalls bereits mit dem größeren Objektivanschluss ausgestatteten letzten Praktiflex angeboten.

Praktica 1. Ausführung

Praktica Ur-Modell (1948 – 1949)

Beim dem hier gezeigten ersten Modell waren die Trageösen noch aus Guss, später dann angenietet und zuletzt seitlich nach vorne versetzt. Der Schlitzverschluss wurde um Langzeiten 1/2, 1/5 und 1/10s erweitert, die kürzeste Verschlusszeit blieb aber 1/500s.

Blitzkontakte BodenDie erste Ausführung der Praktica übernahm 1948 das Gehäuse der Praktiflex mit den angegossenen Trageösen. Blitzsynchronisation gab es noch nicht. Objektiv ist hier das Zeiss Tessar 3,5/5cm in einer frühen, schon vergüteten, Nachkriegsversion mit Alu-Gehäuse.

Bild rechts - erster Versuch, die Praktica mit Blitzkontakten am Gehäuseboden auszustatten war nicht von langer Dauer. Die Kontakte waren nur im Zusammenwirken mit einem Adapter nutzbar, der die X/F-Synchronisation auf 3 Steckbuchen übertrug. Masseverbindung wurde durch die Schraubverbindung mit dem Stativgewinde hergestellt.


Praktica 1. Version

Praktica 2. Modell (1950 – 1951)

Schon kurz nach Produktionsbeginn wurde das zunächst von der Praktiflex übernommene Gussgehäuse überarbeitet. Die angegossenen Trageösen wurden letztlich durch frontseitig eingeschraubte Halterungen ersetzt.
Praktica mit 3 BlitzkontaktenIn der Folge sind verschiedene Versionen bekannt, die sich durch die Blitzsynchronisations-Anschlüsse unterscheiden. Obwohl Blitzsynchronisation eigentlich erst mit dem Modell FX eingeführt wurde, sind als „Service- Variante“ dieser Praktica sogar Kameras mit vom Werk nachträglich angebrachten doppelpoligen Koax-Blitzbuchsen zu finden.

Frühe Version der Praktica noch ohne Blitzsynchronisation, hier in einer Ausführung aus dem Jahr 1950 mit seitlich angeschraubten Trageösen. Objektiv ist - nicht ganz zeitgerecht - ein Steinheil Cassar 2,8/50.

Service PrakticaBlitadapter PrakticaRechts oben eine Praktica mit 3 Kontaktbuchsen für Blitzstecker. Interessant ist auch das im Bild gezeigte Objektiv - das Prakticar 1:2,9/50 ist wohl eine Sonderfertigung des Ludwig Meritar.

Das Bild darunter zeigt einen PC-Adapter für die 3-polige Blitzbuchse der Praktica. Je nachdem, wie der Adapter gesteckt wird, liegt auf der PC-Buchse der X (oben)- oder F-Kontakt(unten) der Blitzsynchronisation.



Die Blitzkontakte sind ähnlich denen der Exakta. Allerdings ist der Buchsenabstand nicht identisch, so dass Exakta-Adapter nicht passen. Da Blitzgeräte aber oft mit einzelnen Anschlusssteckern geliefert wurden, gab es keine Verbindungsprobleme.

Das linke Foto zeigt eine sog. "Service Praktica", ein frühes Praktica-Gehäuse noch mit den seitlichen Trageösen, im Werk mit den Blitzbuchsen der späteren FX-Modelle nachgerüstet.

Praktica 2. Modellreihe FX, FX2, FX3 (1952 – 1959)

In dieser Praktika-Baureihe finden sich einige Unterschiede im Detail. Der Namenzusatz "FX" bezog sich im Grunde auf die jetzt eingebaute Blitzsynchronisation*. Zwar gab es schon beim Vorgängermodell Varianten mit Blitzkontakten, offiziell wurde die Synchronisation aber erst mit dem Modell FX angeboten. Bei der Ausstattung der hiermit angebotenen Kameras ging es allerdings ein wenig durcheinander. Mal waren es zwei oder drei Steckbuchsen, mal ein Kontakt auf der Unterseite, mal eine oder zwei neue Normbuchsen (PC). Zeitweise wurde gar auf die F-Synchronisation verzichtet.

Praktica FX 3 Blitzbuchsen

Praktica FX (1952 – 1954)

Die Praktica blieb in diesen Jahren - bis auf die Blitzsynchronisation - technisch weitgehend unverändert. Der Zusatz "FX" im Typenschild sollte auf die jetzt generell vorhandene Möglichkeit zum Anschluss von Blitzgeräten hinweisen. Schon bei den letzten Auslieferungen der FX-Version sind einige wenige Kameras bereits mit einer Innenauslösung für die neu eingeführten Objektive mit automatischer Blende zu finden. Allgemein kam diese Bedienungserleichterung erst mit der FX2.

Als Zubehör war ein auf den Lichtschachtsucher aufsteckbares Prisma erhältlich, dessen erste Version leicht mit dem Prismenaufsatz der Kine-Exakta II aus dem Jahr 1950 verwechselt werden kann. Beide Prismensucheraufsätze wurden von Zeiss Jena produziert.

Praktica FX (#66282) aus dem Jahr 1952, hier mit drei Blitzbuchsen X + F. Objektiv ist hier wieder ein - diesmal zeitgerecht - Ernst Abbe "Tessar" 2,8/50 mit Vorwahlblende.

Praktica FX2

Praktica FX 2 (1954 – 1957)

Der mit der Blitzsynchronisation eingeführte Namenzusatz "FX" wurde einige Jahre beibehalten, jedoch mit weiteren technischen Veränderungen durch Ziffern und Punkte ergänzt. Es sind jetzt nur noch Koax-Blitzbuchsen zu finden, mal eine, mal zwei.... Allgemein gab es einen veränderten, leichter zu bedienenden Lichtschacht und Blenden-Innenauslösung für Automatikobjektive.

Praktica FX2Manche Sammler sehen in der FX2 die erste einäugige Kleinbild-SLR mit innengesteuerter Blendenautomatik. Weiterhin war ein auf den Lichtschachtsucher aufsteckbares Prisma erhältlich, jedoch in einer dem neuen Lichtschacht angepassten zweiten Version. Auch dieser Prismensucheraufsatz wurde von Zeiss Jena produziert.

Praktica FX 2 (#234383) aus dem Jahr 1957 mit Blendeninnenauslösung, hier mit zwei PC-Blitzbuchsen X + F. Auf dem kleinen Bild sehen Sie auch den veränderten Prismenaufsatz.



*Wenn Sie mehr über die Blitzsynchronisation bei Schlitzverschlusskameras erfahren möchten, in meiner Exakta-Blitzseite finden Sie dazu einige erklärende Ausführungen.


Praktica FX2

Praktica F.X 2 (1957 – 1959)

An der Blitzsynchronisation der Praktica wurde weiterhin "herumgebastelt". Zwar hatte der Namenzusatz "FX" für einige Jahre Bestand, doch gab es nach wie vor kleine Veränderungen. So ist etwa auch die FX2 mit nur einer Buchse für X-Kontakt zu finden weil man glaubte, auf den Lampenblitzkontakt verzichten zu können....

Aufgrund technischer Weiterentwicklung bei den Blitzlampen - sie wurden kleiner und "schneller" - ergab sich gar die Notwendigkeit einer Zündkontaktänderung für den Lampenblitzanschluss "F".

Praktica F.X 2 aus dem Jahr 1958 mit Blendeninnenauslösung, hier mit zwei PC-Blitzbuchsen X + F. Objektiv ist ein Tessar 2,8/50 mit Springblende.

Nicht nur zufällig hat sich bei diesem Modell ein Punkt zwischen die F.X-Kennzeichnung eingeschlichen. Vielmehr wurde bei diesen Kameras die "F"-Synchronisation den neu auf dem Markt angebotenen Blitzlampen mit kürzeren Leuchtzeiten angepasst.


Prakitca FX3

Praktica FX3 (1956 – 1959)

Da gab's doch auch noch eine Praktica FX3 - mit und ohne Punkt....
Nun - nach Richard Hummels Ausführungen in seinem Standardwerk "Spiegelreflexkameras aus Dresden" diente diese Kennzeichnung einzig dem Zweck, Re-Importe der FX2 erkennen zu können. So richtig einleuchtend finde ich diese Angabe nicht, habe aber auch keine technischen Unterschiede zwischen den FX2/F.X2 und FX3/F.X3-Kameras finden können. Tatsächlich gehen die Nummernbereiche beider Bezeichnungsvarianten quer Beet durcheinander. Vielleicht hat ja ein Praktica-Spezialist eine bessere Erkärung....

Diese Praktica-Version habe ich auch schonmal als "Porst reflex" oder "Pentaflex" gesehen, allerdings nicht auf die Nummern geachtet. Apropos Nummern, offenbar gehörte es zu den besonderen Spezialitäten der KW-/Pentacon-Mitarbeiter, immer neue Stellen im Kameragehäuse für die Nummerngravur ausfindig zu machen. Jedenfalls muss man bei manchen Kameras recht lange danach suchen....

Praktica FX3 Gehäuse aus dem Jahr 1958 mit Blendeninnenauslösung, hier mit zwei PC-Blitzbuchsen X + F. Technisch entspricht diese FX3 der weiter oben beschriebenen FX2.

Praktica FX / Service

Praktica "Service-Variante"

Aus welchen Gründen im Einzelnen auch immer wurden manche Praktica's sogar im Werk mit einem Wechselsucher umgerüstet. Sammler sprechen hier auch von "Service-Praktica". Ähnlich wie bei der Exakta lässt sich der Lichtschacht hier ausclipsen und durch einen speziellen Prismensucher ersetzen. Anders als bei der Exakta bleibt die Mattscheibe jedoch in der Kamera. Hier zeige ich ein solches Modell, das infolge seiner speziellen Wechselsucher-Konstruktion der Exakta besonders nah kam. Auch weitere Umbaumöglichkeiten, etwa den Selbstauslöser aus der Contax/Pentacon, boten das Werk und auch Reparaturbetriebe an.

"Service-Variante" einer Praktica FX, hier mit einem HSH-Prismensucher. Objektiv ist das Biotar 2/5,8cm in der recht seltenen schwarz lackierten Version.

PrismenaufsatzSeinerzeit waren sogar Umbauanleitungen im Umlauf, anhand derer sich eine Lichtschacht-Praktica mit dem Zeiss-Prismenaufsatz in eine Pentaprismen-SLR verwandeln ließ. Allerdings erforderte dies einige feinmechanische Fertigkeiten - der Prismenaufsatz musste verkürzt und mit einer anderen Sucherlupe versehen werden.

Man mag sich fragen, weshalb dieser Aufwand? Weshalb verwendete man nicht den normalen Prismensucheraufsatz für den Lichtschacht? Nun, wer hier mal durchgeguckt (linkes Bild) und das finstere Sucherbild erblickte, kam schon auf solche Gedanken...

Praktica 3. Modellreihe IV, IVB, IVM, IVBM, IVF, IVFB VF, VFB (1959 – 1966)

Zur Frühjahrsmesse 1959 wurde mit der Praktica IV ein neues Kameradesign mit einem fest in das Kameragehäuse eingebauten Prismensucher vorgestellt. Richard Hummel schreibt dazu in seinem Standardwerk von der Einführung einer neuen Praktica-Generation. Ganz so weltbewegend sehe ich diese Veränderung so nicht, immerhin blieben das Gehäuse und die Anordnung der Bedienungselemente auf der Deckplatte unverändert. Auch bei den Belichtungszeiten blieb es noch bei der (alten) arithmetischen Zahlenreihe. Dem Zeitgeist genügte man durch das Einlegen von schwarz eloxierten Ziffernplättchen in die Knöpfe, auch wenn man dem noch nicht so ganz traute und für die Bodenelemente auf beigefarbene Kunststoff-Plättchen setzte....

Praktica IV Vers. 1

PRAKTICA IV (1959 – 1962)

Praktica IV Vers. 1 Erstmalig erhielt die Praktica einen fest eingebauten Pentaprismen-Sucher, der bis zuletzt (Ausnahme Modell VLC/Exakta RTL) beibehalten wurde. Insoweit fand man in Dresden den Anschluss an die weltweite Tendenz bei Kleinbild-SLR's, die nahezu ausschließlich auf diese Sucherform setzte.

Immerhin wurden damit die künftigen Bedienungsvereinfachungen, wie Sucheranzeigen, TTL-Belichtungsmessung usw. erst möglich. Neu war ebenfalls der Schnellaufzug. Bei der Erstvorstellung war das Frontschild der Praktica IV noch schwarz.

1. Version der Praktica IV mit fest eingebautem Prismensucher und Schnellspannhebel am Kameraboden, jedoch noch ohne ausklappbare Rückspulkurbel.

Praktica IV Praktica 4 Vers. 2Ab 1960 war eine neue Version mit mattverchromtem Typenschild verfügbar. Diese erhielt als nette Spielerei einen teilbaren Rückspulknopf, dessen oberer Teil sich als Rückspulkurbel herausschieben lässt. Dieses wohl von der Praktina abgeguckte Gimmick hatte aber nicht allzu lange Bestand...

Praktica IV mit fest eingebautem Prismensucher und Schnellspannhebel am Kameraboden, jetzt mit überarbeitetem blanken Frontschild. Objektiv ist hier ein Tessar 2,8/50, das jetzt mit vollautomatischer Blende lieferbar war.

Praktica IVB

PRAKTICA IV B (1960 – 1965)

Knapp zwei Jahre nach Einführung des fest in das Kameragehäuse eingebauten Prismensuchers erhielt die Kamera nun auch einen in das Prismengehäuse eingebauten Selen-Belichtungsmesser. Der Rückspulknopf über dem Belichtungsmesser-Einstellring erhielt einen klappbaren Hebel.

Mit diesem Praktica-Modell begann zugleich die Bezeichnungsvielfalt, bei der sich jede noch so winzige technische Ergänzung in Namenszusätzen wiederfindet. Da ist der Zusatz "B" für den zusätzlich eingebauten, aber ungekuppelten Belichtungsmesser noch als deutliche Erweiterung akzeptabel.

Die Folgemodelle IVM / IVBM (Messsucher), IVF / IVFB (Fresnellinse), VF /VFB (geometrische Zeitenreihe) kann und will ich aber nicht mehr mit Einzelvorstellungen und -fotos nachvollziehen. Waren die Varianten bis 1959 noch überschaubar, wird es nun für den Sammler unübersichtlich.

Praktica IVB mit fest eingebautem Prismensucher, Belichtungsmesser und Schnellspannhebel am Kameraboden, eingeführt 1961. Objektiv ist ebenfalls das Tessar 2,8/50 mit vollautomatischer Blende.

Praktica 4. Modellreihe nova, nova B, PL, Super TL, Mat, Pentaflex u.a. (1964 – 1975)

Praktika nova Wenn ich schon bei der vorherigen Praktica IV vom Beginn einer Namensvielfalt schrieb, wird es mit dem Start dieser Modellreihe im Jahr 1965 nun erst richtig unübersichtlich. Trotzdem will ich aus der Praktica-Schwemme der 1960/70er Jahre noch einige Varianten heraussuchen, die es nach meiner Auffassung mehr oder wenig verdienen.

Mit der Praktica nova - die als Prototyp noch VI hieß - entstand eine gründlich überarbeitete Baureihe mit etlichen Modellvarianten. Abgesehen vom Grundtyp, der Praktika nova und einem Preiswert-Modell Pentaflex hatten alle Kameras dieser Reihe eine integierte Belichtungsmessung, sogar mit Automatik (mat) und TTL. Die Bedienelemente wurden teilweise verändert, so wanderten etwa die Blitzbuchsen nach kurzer Bauzeit vom oberen Rand der linken Kamerafront nach unten. Erstaunlicherweise blieb jedoch das noch von der Praktiflex stammende Grundgehäuse weitgehend unverändert. Nur die bislang lose Rückwand ist nun mit einem Scharnier an das Gehäuse gebunden. Der Öffnungsschieber dazu wanderte auf die andere, rechte Kameraseite. Die vielleicht wichtigste technische Neuerung war aber der Rückkehrspiegel.

Als Auftragsfertigung für Handelsunternehmen wurden weitere Varianten produziert, etwa Porst Reflex FX3, FX4 und FX6, für Hanimex, Revue und andere.

Praktika nova B

PRAKTICA nova B (1965 – 1969)

Die Praktica nova basierte bei ihrer Vorstellung 1964 noch weitgehend auf der Grundausstattung des Vormodells. Der Schnellaufzug wanderte vom Boden auf die rechte Deckkappe, der Auslöser erhielt eine neue - von oben bedienbare - Form, die übrigen Bedienungselemente wurden modernisiert und die Anordnung der Blitzbuchsen ist jetzt waagerecht, statt bisher senkrecht, und bei diesem Modell B bereits an der unteren Gehäusekante.

Praktica nova B mit eingebautem, aber nach wie ungekuppeltem Belichtungsmesser und Außenmessung per Selen-Zelle. Objektiv ist hier ein fernöstliches Weitwinkelobjektiv, die in diesen Jahren in großer Zahl und preiswert angeboten wurden.

Praktica mat

PRAKTICA mat (1965 – 1966)

Die Praktica mat war 1965 in der Tat eine kleine Sensation - erstmals bot eine europäische Kleinbild-SLR CdS-TTL-Innenmessung und eine Belichtungsautomatik mit großem Empfindlichkeitsbereich von 9 bis 36°DIN. Die Bedienelemente entsprechen der nova-Reihe, die Blitzbuchsen wanderten praktischerweise an die untere Gehäusekante. Zudem ist sie die erste Praktica - noch mit Tuchschlitzverschluss - mit einer kürzesten Belichtungszeit 1/1000s!

Damit erreichte die "mat" als wohl erste Praktica den Anschluss an den weltweiten Ausstattungsstandard für Kleinbild-Spiegelreflexkameras. Leider wurde dieser Sachverhalt in der Fotografenszene nicht entsprechend gewürdigt - offenbar traute man einer Praktica soviel Technik (noch) nicht zu. Die Verkaufszahlen hielten sich in Grenzen, die Kamera ist heute eher selten zu finden.

Praktica mat mit integrierter TTL-Belichtungsmessung und Belichtungsautomatik nach Blendenvorwahl. Objektiv ist hier ein zeitgenössisches Steinheil Auto Cassaron 2,8/50 mit automatischer Blende.

Praktica PL electronic

PRAKTICA PL electronic (1966 – 1967)

Es folgten eine Reihe technisch ähnlicher Modelle und auch Neuerungen, etwa eine automatische Filmeinfädelung (PL=Pentacon Loading). Ein Versuch mit der Praktica electronic, die mechanische Steuerung des - nach wie vor aus Gummituch bestehenden - Schlitzverschlusses durch eine Elektronik zu ersetzen, scheiterte zunächst am hohen Stromverbrauch. Jahre später und erst nach Übernahme des Metallschlitzverschlusses kam man auf diese Technik zurück.

Diese Kamera war zu ihrer Zeit (1966) weltweit einzigartig, die Steuerelectronic umfasste einen Zeitenbereich von 30s bis 1/500s. Eine mechanische Verschlusszeit von 1/60s sollte für Notfälle verfügbar sein. Diese traten leider schneller ein, als erhofft - die kleine MX-Batterie entlud sich zu schnell. Es gab zwar nur eine Blitzbuchse, die Synchronisation war jedoch am Zeitenstellknopf zwischen F und X umschaltbar.

Praktica PL electronic. Dies war damals der weltweit erste Versuch, den Verschluss einer Schlitzverschlusskamera mit Gummituch electronisch statt bisher mechanisch zu regeln. Die auch im Übrigen - bis auf eine fehlende Belichtungsmessung - gut ausgestattete Kamera blieb jedoch nur kurze Zeit im Angebot.

Praktica super TL-Cavalier

PRAKTICA super TL (1968 – 1975)

1968 wurde die innovative Praktica mat durch die Praktica super TL ersetzt. Das bei der "mat" um den Rückspulknopf herum angeordnete Verschlusszeitenrad fand sich nun am ursprünglichen Platz neben dem Aufzugshebel wieder. Im Gegensatz zur "mat" wurde dieses Modell ein nachhaltiger Erfolg - über 500.000 Exemplare wurden innerhalb von 8 Jahren produziert. Die bis dahin erfolgreichste Praktica gibt es in zahlreichen Namensvarianten, als Auftragsfertigung an Handelshäuser weltweit ausgeliefert.

Praktica super TL mit TTL-Innenmessung, eingeführt 1968, hier als Exportausführung "CAVALIER STL-I". Objektiv ist das Tessar 2,8/50 mit automatischer Blende, ebenfalls in einer Export- "aus JENA T"-Version.

Praktica 5. Modellreihe „L-Serie“ (1969 – 1989)

Praktica L Das Gehäuse wurde komplett "runderneuert", das antiquierte aus den 1930ern stammende Gehäuse mit 12 Ecken von einer modern-sachlichen Konstruktion abgelöst. Es sind in dieser Baureihe auch Kameras mit schwarzem Gehäuse zu finden.

Alle Modelle dieser Reihe sind mit Rückkehrspiegel und Innenauslösung für die Objektivblende ausgestattet. Das Spitzenmodell LLC hat als weltweit erste Kleinbild SLR sogar eine Blendenübertragung mit elektrischen Kontakten zwischen Gehäuse und Objektiv. Der Blitzkontakt erfolgt über einen Kontaktpunkt im Sucherschuh, wie mittlerweile allgemein gebräuchlich. Von den vorherigen Modellen wurde die PL-"Filmeinlegeautomatik" übernommen.

Im Laufe der 20jährigen Produktionszeit entstanden Prakticas in fast unüberschaubarer Vielzahl an Modellvarianten mit zum Teil nur im Detail unterschiedlicher Ausstattung. Bis zur Produktionseinstellung 1989 unterscheidet Richard Hummel in seinem Standardwerk 4 Generationen der Praktica L-Reihe. Soweit möchte ich in meiner Beschreibung die Praktica L-Reihe aber nicht mehr differenzieren. Folgt man Richard Hummel weiter, lassen sich die zahlreichen Modelle jedoch auf folgende fünf Grundvarianten zurückführen:
Praktica L Grundmodell, keine Belichtungsmessung
Praktica LB eingebauter Belichtungsmesser, kein TTL
Praktica LTL TTL-Belichtungsmessung (Arbeitsblende)
Praktica LLC Topmodell, TTL-Belichtungsmessung mit elektrischer Übertragung des Blendenwertes
Praktica VLC TTL-Belichtungsmessung, Wechselsucher
Exakta RTL 1000

EXAKTA RTL1000 (1969 – 1972)

Für den Exakta-Sammler sind dabei die VLC-Kameras mit Wechselsucher von besonderem Interesse. Die Praktica VLC (1974) ist mit der Exakta RTL 1000 bis auf den Objektivanschluss baugleich. Die austauschbaren Sucherelemente lassen sich wechselseitig verwenden; die Einstellscheiben haben allerdings eine andere Größe als die der bisherigen Exakta/Exa-Sucher. Für diese Kamera wurden einige Objektive nun auch mit kameraseitiger Innenauslösung angeboten.

Immerhin - an dieser Kamera lassen sich alle Objektive mit Exakta-Bajonett früherer Baujahre verwenden. Für den Auslösearm hat das Gehäuse sogar einen zweiten Gehäuseauslöser auf der linken Frontseite. Um die Exakta-Automatikobjektive damit funktionskonform bedienen zu können, braucht es einen kleinen Auslösestift.



Die Exakta RTL 1000 erschien bereits 1969, ist aber technisch identisch mit der späteren Praktica VLC. Der Prismenaufsatz mit integrierter TTL-Belichtungsmessung passt auch auf die VLC. An den Rückspulknopf ist der Blitzkontaktschuh (mit Mittenkontakt) angesteckt. Am linken Gehäuseauslöser erkennen Sie auch den Verlängerungsstift für ältere Exakta-Automatikobjektive. Objektiv ist das nur für diese Exakta-Version mit Bajonett und Innenauslösung erhältliche Meyer Oreston 1,8/50.

Copal-Verschluss

Der Metall-Lamellenschlitzverschluss

Die wichtigste Neuerung der letzten Praktica-Modellreihe fand jedoch innerhalb des Gehäuses statt: der jahrzehntelang verwendete, horizontal ablaufende Gummituch-Schlitzverschluss wurde durch einen Metall-Lamellenschlitzverschluss ersetzt. Dieser Verschluss besteht aus 6 vertikal ablaufenden hauchdünnen Metall-Lamellen und ermöglicht Belichtungszeiten zwischen 1-1/1000s. Die Blitz-Synchronzeit beträgt 1/125s.

Durch den vertikalen Ablauf ist die Verschlusskonstruktion gegenüber dem klassischen Gummituch auch kleiner, erheblich leichter und ermöglich dadurch nun auch eine elektronische Regelung. Ob diese Neuerung nun durch Zusammenarbeit mit der japanischen Seiko / Copal entstand - wie im Internet vielfach zu lesen ist - oder eine Pentacon-Eigenentwicklung ist, lasse ich hier mal offen**. Tatsächlich weicht die Praktica-Konstruktion durchaus von der vieler japanischer Kameras mit Copal-Verschlüssen ab. Ab das sieht man erst, wenn die Kamera demontiert ist...


**Zum Metall-Lamellen-Schlitzverschluss und dessen Entwicklung für Pentacon-Kameras der 1960/70er Jahre sind unterschiedliche Angaben zu finden. Ich mag nicht darüber befinden, ob der "neue" Schlitzverschluss der Praktica L-Reihe nun eine Pentacon-Eigenentwicklung ist, in Zusammenarbeit mit Seiko/Copal in Japan entstanden ist oder fertig von Copal übernommen wurde. Die DDR-Fotoindustrie hatte viele Privilegien, die auch Kooperationen mit japanischen Unternehmen einbezogen. So stammten etwa auch Elektronicchips für die Praktica B anfangs von NEC.

Als ich selbst zu Beginn der 1990er Jahre in Dresden und Jena auch Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern von Ihagee, Pentacon und Zeiss führen konnte, hörte ich dass der Stahllamellen-SV in Zusammenarbeit mit Copal entwickelt worden sei. Seinerzeit sollen nach Konzentration der Fertigung auf die Praktica Gespräche mit fernöstlichen Unternehmen geführt worden sein, bei der Entwicklung von Verschluss- und Belichtungssteuerung zusammenzuarbeiten. Ueber Art, Umfang und Dauer einer solchen Zusammenarbeit (und ob sie ueberhaupt so stattgefunden hat) weiss ich allerdings nichts - auch weil mich die Fertigungsbedingungen der Praktica nicht sonderlich interessierten. Es spricht allerdings auch nichts dagegen, dass die Verschlüsse in Dresden gebaut worden sind. Immerhin war ja die Pentacon Super ebenfalls mit einem Metall-Lamellenschlitzverschluss 10-1/2000s bestückt....


Practica LTL

PRAKTICA LTL (1970 – 1973)

Die Praktica LTL gehörte mit zu den ersten Angeboten der neuen Baureihe. Sie war nach der LLC ein typisches Modell für Amateurfotografen mit nicht ganz so prall gefülltem Geldbeutel. Immerhin ermöglicht die TTL-Belichtungmessung bei Arbeitsblende ein komfortables Arbeiten mit der Drucktaste gleich neben dem Auslöser. Ohnehin war ja die Blendenpriorität die von vielen Fotografen bevorzugte Mess- und Einstellmethode. Ein eingebauter Selbstauslöser machte das Komforterlebnis komplett, auf die elektrische Blendenübertragung der großen Schwester LLC konnten die Meisten gut verzichten.

Praktica LTL aus dem Jahr 1972. Die Bestückung mit einem ENNA Ennalyt 1,9/50 aus der Wechselsockelserie passt gut zu zu dieser Kamera. Eine detaillierte Beschreibung dieser attraktiven Objektivserie finden Sie hier

Praktica VLC 3

PRAKTICA VLC / VLC2 / VLC3 (1974 – 1981)

Die Praktica VLC ersetzt 1974 die Exakta RTL 1000, jedoch Praktica-üblich mit einem M42-Objektivanschluss und der Spitzenausstattung der LLC. Wie diese verfügt sie über Kontakte für die elektrische Blendenübertragung. Bedingt durch das Wechselsuchersystem war kein Mittenkontakt für Blitzgeräte am Gehäuse möglich, weil ein Zubehörsteckschuh fehlt. So wurde seitlich eine Koax-Buchse eingebaut, an die per Kabel ein am Rückspulknopf einschiebbarer Mittenkontakt-Steckschuh angeschlossen werden konnte (s. Foto der oben abgebildeten Exakta RTL 1000).

Die Wechselsuchereinsätze und Mattscheiben waren mit der RTL 1000 austauschbar. Mit geringen Veränderungen wurde dieses Kamerasystem als VLC 2 und VLC 3 bis 1981 produziert. Richard Hummel zählt die VLC 2 zur 2. und die VLC 3 zur 3. Praktica L-Generation.

Praktica VLC 3 aus dem Jahr 1979, die letzte Ausführung der Praktica VLC-Systemkamera. Vom "Ur"-Modell VLC unterscheiden sie nur Details - verchromte Bedienungsknöpfe, ein "fetterer" Schriftzug und der jetzt gerippte Kunststoffbezug. Objektiv ist das 6linsige Spitzenobjektiv Pancolar 1:1,8/50. Das Foto zeigt die Bestückung mit Lichtschachtsucher, der wechselbare Prismensucher ist daneben abgebildet.

Praktica Super TL1000

PRAKTICA super TL1000 (1980 – 1986)

Diese Kamera ist nach den MTL-Versionen eine der erfolgreichsten Kameras dieser Reihe. Im Ausstattungsumfang gehört sie zur Erbfolge der LTL. Sie hatte auch eine "kleinere Schwester", die Super TL500. Während diese, nur mit 1/500s als kürzeste Verschlusszeit, jedoch in den Verkaufsregalen verschimmelte und nur 1981 gebaut wurde, war die Super TL1000 mit 1/1000s Verschlusszeit bestückt. Im Laufe ihrer Bauzeit gab es unterschiedliche Belederungen - Glattleder, mit Streifen oder - wie bei diesem Modell - genoppt.

Praktica Super TL1000 etwa aus dem Jahr 1982, eine Nachfolgeversion der LTL. Objektiv ist hier der Klassiker Tessar 2,8/50 mit automatischer Blende.

Praktica MTL 5

PRAKTICA MTL 5 / MTL 50 (1985 – 1990)

Als letzte Kamera meines "kleinen" Praktica-Streifzuges hier noch eine der letzten Kameras dieser Reihe. Während andere Modelle der - nach Richard Hummel 4. und letzten - L-Generation als "super TL" verkauft wurden und die Praktica B mit Objektivbajonett begann, sich den Markt zu erobern, waren "konventionelle" Praktica's immer noch begehrt. Die MTL 5-Modelle erreichten sogar Verkaufszahlen von weit über 1 Millon Kameras. Mit der MTL 50 endeten im Jahr 1990 aber auch mehr als 50 erfolgreiche Jahre der Praktica-Spiegelreflexkameras mit dem M42-Schraubgewindeanschluss

Praktica MTL 5 aus dem Jahr 1985, eine noch einmal an verschiedenen Stellen aufgehübschte Nachfolgeversion der LTL. Objektiv ist das jetzt als PENTACON auto 1,8/50 angebotene Nachfolgeobjektiv des klassischen Meyer Oreston.


Pentacon Super

PENTACON super (1968 - 1972)

Obwohl im eigentlichen Sinne keine Praktica und auch nicht mehr in der Verantwortung der ehemaligen "Kamera-Werkstätten" sondern bei der "Zeiss-Abteilung" entwickelt, möchte ich dieses Topmodell der Pentacon Dresden hier nicht unterschlagen. Hinter vorgehaltener Hand wurde die "Super" auch als ostdeutsches Gegenstück zur Contarex gesehen. Sie schaffte es sogar an Bord einer russischen Raumkapsel in den Weltraum...

Pentacon Super mit dem in der Normalausstattung ausgelieferten TTL-Prismensucher und dem Hochleistungsobjektiv Pancolar 1,4/55mm.

Obwohl immer mal wieder behauptet und bei ebay sogar angeboten – es gibt aufgrund der Anschluss- und Auflagemaße keine Möglichkeit, Wechselobjektive von Exakta oder M42 untereinander zu adaptieren. Jedenfalls nicht für die normale Aufnahmepraxis ohne Auszugsverlängerung. Für den Makrobereich sind dagegen etliche Möglichkeiten mit Ringen oder Adaptern zu finden.

Jubiläumsschrift 1986

Späte Genugtuung für den Exakta-Anhänger: die Praktica feierte in einer Festschrift aus dem Jahr 1986 ihr 50Jähriges. Allerdings auf den Geburtstag der Kine Exakta im Jahr 1936....

AußenauslösungManche Objektive mit M42-Anschluss aus den 1950/60er Jahren werden auch mit außenliegendem Auslöserarm – ähnlich dem der Exakta – angeboten. Auch diese sind nicht mit den Exakta-Anschlüssen kompatibel, obwohl die Konstruktion der Exakta-Mechanik zum Verwechseln ähnlich sieht. Abgesehen vom anderen Kameraanschluss sitzt der Auslöser der meist zur Edixa verkauften Objektive auch auf der anderen Seite.

Wenige Spezialvarianten, wie ENNA-Sockel, T-2 und T-4 oder Tamron Adaptall ließen es immerhin zu, beide Systeme mit einem Objektiveinsatz zu verwenden.

Das Foto links zeigt ein M42-Objektiv mit Auslöserarm, hier an einer dafür speziell umkonstruierten Contax-Pentacon. Bei diesen Objektiven kann das Gewinde mit Justierschrauben versetzt versetzt werden, um einen korrekten Kontakt zwischen Objektiv- und Kameraauslöser zu gewährleisten. Ähnliche Konstruktionen habe ich auch bei Praktika's gesehen.

Hier endet mein Streifzug durch die Geschichte der Praktiflex-/Praktica-Fertigung mit Schraubgewindeanschluss. Es würde mich freuen, wenn Ihnen die Praktica-Historie aus der Sicht eines Exakta-Sammlers gefallen und vielleicht sogar einige neue Erkenntnisse vermittelt hat.

Wer sich hingegen für die Modellreihen im Detail oder gar für die späteren Bajonett-Praktika’s interessiert – und über ausreichend Vitrinenplatz verfügt - sei auf entsprechende Informationsseiten und -literatur hierzu verwiesen. Die Modellvarianten der Praktica gehen im Laufe der Jahre in die Dutzende ...







Posted 2007/08/30; last updated 2018/01/03 Copyright © 2007-2018 by Horst Neuhaus