Das Blitzsystem der Exakta

Kine Exakta Runde LupeAuf der Leipziger Frühjahrsmesse 1936 wurde mit der Kine Exakta erstmals eine Photokamera mit integrierter Blitzsynchronisation vorgestellt. Das Gehäuse der Kine Exakta hatte rechts vorne zwei Buchsen für ein dazu passendes, als Zubehör lieferbares, Vakublitzgerät. Auch die schon drei Jahre zuvor angebotene Rollfilm-Exakta wurde etwa zur gleichen Zeit ebenfalls mit Blitzbuchsen ausgeliefert.

Ihagee Vakublitz, Version 1Dieser exaktaspezifische Blitzanschluss hatte bis 1953 Bestand, als mit dem 2. Modell der Exakta Varex VX der inzwischen bei vielen Kameras und Blitzgeräten etablierte Norm-Blitzanschluss (PC) übernommen wurde. Kurz danach wurde auch die Fertigung eigener Blitzgeräte eingestellt. Damit hatte das Blitzsystem der Exakta fast 2 Jahrzehnte quasi ein Alleinstellungsmerkmal. Auch andere Fotogeräte - etwa die Praktica - übernahmen zeitweise diese Steckbuchsen-Anschlüsse. Die Praktica allerdings mit einem anderen Buchsenabstand, so dass keine völlige Kompatibilität gewährleistet war.

Bereits die Kine Exakta mit der runden Sucherlupe wurde mit Blitzsynchronisation ausgeliefert


Zeitgleich mit der Kine Exakta wurde 1936 ein Vakublitzgerät angeboten, das unter Verwendung eines Verbindungssteckers (mit vier Steckerstiften) an die rechte Frontseite der Kamera angesteckt werden kann.


Handelsübliche Vakublitzlampen hatten damals einen Edison E27-Sockel. Da war es schon ungewöhnlich, dass das Exakta-Blitzgerät mit dem kleinen E10-Schraubgewinde angeboten wurde. In dieser Größe gab es in Europa gar keine Vakublitze, deshalb wurde von der Ihagee auch gleich ein Adapter auf E27 mitgeliefert. Für das T-Stück und den Verlängerungs-Schwanenhals verwendete man ebenfalls das E10-Gewinde, so dass ggf. mehrere E10/E27 Adapter erforderlich waren.

Bereits die erste Ausführung des Vakublitzgerätes gab es in zwei Ausstattungsvarianten, als Kleine und als Große Exakta-Vakublitzausrüstung. Aus der nachstehenden Prospekt-Abbildung können sie die unterschiedliche Zusammenstellung ersehen.

Vakublitzprospekt
Der Auszug aus einem Exakta-Prospekt 1937 zeigt das angebotene Vakublitzgerät (1. Version).

Vakublitz Vers. 1Auszug Vakublitzanleitung

Mit der "großen" Vakublitzeinrichtung war schon einiger Blitzkomfort möglich. So ließen sich etwa mittels eines T-Stücks 2 Vakublitzlampen gleichzeitig einsetzen; Verlängerungsstab und -kabel ermöglichen indirektes Blitzen. Selbst eine Reihenschaltung mehrerer Blitzgeräte war möglich. Über die Praktikabilität solcher "Blitzanlagen", die dafür notwendige Batterie-Stromversorgung oder gar die Kosten für die teuren Vakublitzlampen will ich an dieser Stelle lieber schweigen. Immerhin - gegenüber dem damals noch für Blitzaufnahmen verwendeten Magnesiumpulver war die Ihagee-Anlage ein Quantensprung...

Wenn Sie mehr über die damalige "Blitztechnik" mit Magnesium erfahren möchten, finden Sie dazu Einiges auf meiner Blitzgeräteseite.

Links die 1. Version der Vakublitzeinrichtung. Das rechte Bild zeigt einen Auszug aus der Bedienungsanleitung für das Vakublitzgerät. Wenn Sie auf das Bild klicken, erhalten Sie das komplette Manual als PDF-Download.

Vakublitz-Reflektor Dieser bloße Steckkontakt erwies sich in der rauhen Praxis schon bald als nicht zweckgerecht. So erhielten die Kameragehäuse bereits 1 Jahr später eine oberhalb der beiden Synchrobuchsen eingesetzte Gewindebuchse - im Sammlerjargon nicht ganz zutreffend als 3. Blitzbuchse bezeichnet. Das gleichzeitig mit einem Durchsteckloch veränderte Vakublitzgerät (2. Version) konnte dadurch mittels einer langen Gewindestange mit dem Kameragehäuse verschraubt werden. Diese Kombination hielt denn auch größeren Belastungen stand.

Allerdings waren die Reflektorkonstruktion mit dem mit Stanniolpapier kaschierten Pappschirm (Bild rechts) und der Gummibandbefestigung wenig professionell. Mit jeder neuen Vakublitzlampe musste auch der Reflektor neu montiert werden. Das hielt dieser nicht allzulange durch. Deshalb sind heute auch nur noch wenige Vakublitzgeräte in komplett erhaltenem Zustand zu finden.


Vakublitz Vers. 2

Das Foto links zeigt eine noch vollständige Große Ihagee-Vakublitzausrüstung (Version 2) in der Originalverpackung. Man muss schon genau hinschauen, um den Unterschied zur 1. Version zu bemerken. Mit roten Pfeilmarkierungen habe ich (linke Pfeile) das Befestigungsloch im Blitzgerätegehäuse und die Befestigungsschraube (rechte Pfeile) markiert.

Auch bei der 2. Version wird anfangs der Zwischenstecker benötigt, weil das Batteriegehäuse noch mit Buchsen ausgerüstet ist. Erst eine spätere Ausführung wird mit Steckern bestückt, so dass das Zwischenstück entfallen kann.


Vakublitz mit SteckernMan könnte die Ausführung mit Steckern auch als 3. Version kennzeichnen, doch sind diese Zubehörteile ohnehin so selten, dass man für den Sammler nicht noch besondere Komplikationen schaffen muss. Irgendwann um 1937/1938 kam die Steckerstift-Ausführung in die Läden, anfangs lag überflüssigerweise auch noch der Verbindungsstecker in der Packung. Beide Ausführungen dürften wohl parallel verkauft worden sein.

Im Bild rechts die letzte Ausführung des Vakublitz-Batteriegehäuses mit fest integrierten Steckerstiften.

Die zweite Ausführung des beschriebenen Ihagee-Vakublitzgerätes wurde mit einer Prüflampe ausgeliefert. Damit ließ sich die Funktionsweise dieses für die damaligen Photographen völlig neuen Zubehörteiles gut testen. In das Gehäuse des Vakublitzgerätes waren zwei Stabbatterien - vergleichbar der heutigen Mignonzelle Typ AA - einzusetzen. Wird der kleine Rädchenschalter nach unten gedreht (bei der 2. Version steht hier ein "E") leuchtet die Prüflampe. Will man die Mimik an der Kamera mit dem Verschluss testen, muss der Schalter natürlich ausgeschaltet sein. Der Verschluss muss vorher aufgezogen werden, bevor eine Blitzlampe eingesetzt wird - sonst ist sie schon beim Spannen futsch.....

Bei den damals langleuchtenden Vakublitzlampen war die Verschlusszeit (trotz Schlitzverschluss) zwischen 1/10 und 1/100s relativ unkritisch. Sie hing im Wesentlichen von der Leuchtkraft der Birne ab, da gab es schon 2 oder 3 verschiedene Stärken. Mit 1/25s war man bei der Kine Exakta auf der sicheren Seite. Bei 1/10s nutzte man die gesamte Leuchtzeit der Blitzlampe, musste aber die Verwackelungsgefahr beachten.




Blitzsynchronisation, Exakta-Blitzstecker und -buchsen

Als die Kine Exakta 1936 mit eingebauter Blitzsynchronisation auf den Markt kam, gab es weder ein genormtes Steckersystem für Blitzverbindungen noch die Notwendigkeit für unterschiedliche Blitzsynchronisation (später M, X, V, E, F, XP o.ä.). Die Blitzlampenhersteller fertigten durchweg einen Lampentyp mit einer Brenndauer von etwa 1/30s. Da gab's kein Erfordernis die Blitz-Synchronisation unterschiedlich, etwa auf den 1. oder 2. Verschlussvorhang, einzustellen. Mit einer Verschlusszeit von 1/25s, besser noch 1/10s, war auch der Schlitzverschlussfotograf stets im grünen Bereich....
Dieser Zustand änderte sich erst gegen Ende der 1940er Jahre, als es neben dem klassischen Magnesium-Beutel- oder -Kapselblitz auch verschiedene Blitzlampentypen und Röhrenblitzgeräte zu kaufen gab. Somit erhielt die Exakta 1950 mit der Exakta Varex auch ein zweites Blitzbuchsenpaar auf der linken Kamerafront.

Schlitzverschluss-AblaufKurzer Erklärungsversuch der Zusammenhänge: ein Schlitzverschluss gibt ja nicht - wie der Zentralverschluss - bei jeder Verschlusszeit auch das ganze Bildfenster frei. Bei kürzeren Zeiten läuft ein - je nach Verschlusszeit - schmalerer oder breiterer Streifen vor dem Bildfenster ab und sorgt so für die entsprechende Lichtmenge auf dem Film. Beim Zentralverschluss hingegen öffnen die Lamellen langsamer oder schneller, irgendwann wird aber das Bildfenster gleichzeitig vom Licht erfasst. Somit sind Zentralverschlüsse auch einfacher - und meist bei allen Zeiten - zu synchronisieren. Der Blitz, egal wie langsam oder schnell er abbrennt, findet zu irgendeiner Zeit ein komplett offenes Bildfenster vor.

Dies ist so beim Schlitzverschluss nicht der Fall. Je nachdem wie schnell die Kameramechanik ist, wird das Bildfenster ab 1/25s bis 1/100s nicht mehr vollständig geöffnet sein. Zwar war die Verschlussmechanik der Exakta bis zum Modell IIa vergleichsweise schnell und gab bei 1/50s noch das Bildfenster komplett frei. Doch bereits bei der geringfügig kürzeren Zeit von 1/60s ab dem Modell IIb gab es anfangs manchmal Schwierigkeiten mit der Blitzsynchronisation für einige kurzleuchtende Blitze (Elektronenblitze). Das Problem konnte jedoch mit einer geringfügig veränderten Auslösezeit beseitigt werden.

Die Grafik rechts zeigt schematisch drei mögliche Verschlussfenster bei unterschiedlichen Verschlusszeiten. Wird nun die Blitzsynchronisation so eingerichtet, dass der Blitz vor dem Start des 2. Verschlussvorhanges zündet, leuchtet auch ein E-Blitz bei der oben dargestellten langen Verschlusszeit noch das ganze Bildfenster aus. Dies nannte man auch "Offenblitztechnik" - verfügbar an der X-Buchse. Hier bestimmt die Leuchtdauer des Blitzgerätes oder der Blitzlampe die Belichtung. Bei gleicher Synchronisation ist dies aber bei den beiden Verschlusszeiten darunter nicht mehr der Fall. Bei 1/500s etwa würde der größte Teil des Bildes extrem unterbelichtet sein.

Nun kann man in gewissen Grenzen die Blitzsynchronisation anders einstellen, etwa auf den 1. Verschlussvorhang. Dies wurde auch bei der Synchronisationseinstellung "M" so praktiziert; der Kontakt schließt hier 15ms vor Ablauf des ersten Verschlusstuches. Dies berücksichtigt die übliche Zündverzögerung der Blitzlampen. Allerdings braucht man dann Blitzlampen, deren Leuchtdauer den ganzen Verschlussablauf abdeckt. Hier lässt sich praktisch jede Verschlusszeit einstellen, sogar 1/1000s. Bei Elektronenblitzen ist dies normalerweise nicht gewährleistet. Es sei denn, man verwendete professionelle Blitzgeräte mit pulsierenden Lichtabgabe.

Die Exakta erhielt mit der Varex zwei unterschiedliche Blitzsynchronisationseinstellungen über jeweils ein Buchsenpaar - V(M) und E(X). Später, ab 1957 gab es sogar drei unterschiedliche Synchronisationen (M, X, F) für die damals noch in großer Vielfalt angebotenen unterschiedlichen Blitzlampen und Elektronenblitzgeräte. Heutige Kameras sind in aller Regel nur noch für E-Blitze synchronisiert bzw. haben ohnehin eine elektronisch geregelte Blitzsteuerung.

Zur Vervollständigung hier noch die Erklärung für den "F"-Kontakt der späteren Exakta und Exa. Hier löst der Blitzkontakt in der Kamera bereits einige Millisekunden vor Ablauf des ersten Verschlusstuches aus. Dies berücksichtigte die damals häufig verwendeten kleinen Blitzbirnen mit kurzer Brenndauer (z.B. XM 1, PF 1); der Verschluss wird hierbei auf 1/25s bzw. 1/30s eingestellt.

Tabelle Blitzsynchronisation





Die Tabelle aus der Zeit um 1965 zeigt die Verwendung der verschiedenen Blitzbuchsen, mit denen die Exakta seit 1957 bestückt war

Exakta-BlitzadapterDas Doppelstecker-/buchsen-System der Exakta war bis weit in die 1950er Jahre recht verbreitet. Viele Blitzgeräte-Hersteller, darunter etwa Agfa, Braun und Metz, boten ihre Blitzgeräte auch mit einem Exakta-Anschlussstecker an.

Exakta-BlitzadapterDann setzte sich jedoch ein neuer Koaxialstecker für den Blitzgeräteanschluss, der "PC"-Stecker durch. Dessen Namensgeber waren die Verschlusshersteller Gauthier (Prontor) und Deckel (Compur), die sich erstaunlicherweise (waren ansonsten damals noch bittere Konkurrenten) auf "PC" (=Prontor Compur) einigten.

Für die Exakta's - und einige andere Kameras mit abweichenden Blitzbuchsen - wurden fortan Adapter angeboten, mit denen sich auch die neuen Normkabel mit der Exakta verbinden ließen. Die Ihagee selbst vertrieb einen Metallbügel, der mit den Exakta-Buchsen harmonierte.

Die Fotos links und oben rechts zeigen den Blitz-Adapterstecker der Ihagee, unten eine kleine Auswahl anderer Verbinder.
Diverse BlitzadapterAus dem Zubehörmarkt waren zahlreiche Varianten, teils ebenfalls aus Metall, teils aus Kunststoff erhältlich. Achtung - die Kunststoffadapter sind heute oft gebrochen, Metallbügel haben nicht selten einen internen Kurzschluss, also prüfen vor dem kaufen....

Exakta Flashgun USAAgfa-K-Blitz


Zwei Blitzgeräte anderer Hersteller mit Exakta-Blitzanschluss. Links ein US-Flashgun mit M2/M3-Lampenbajonett, rechts ein Agfa-K-Blitzer für Blitzlampen mit Ba15s-Bajonett.



Das Exakta-Blitzsystem der Nachkriegsjahre

Blitztechnik-ProspektKine II mit VacublitzMit Einstellung der Kamerafertigung im Frühjahr 1940 werden auch Produktion und Vertrieb dieser Zubehörteile geendet haben. Genaueres weiß ich darüber nicht, auch nicht, ob evtl. nach Kriegsende noch einige Vakublitzgeräte gebaut worden sind. Die Nachkriegs-Exaktas - bis zur Kine II Modell 1 - erhielten jedenfalls noch die (dritte) Montagebuchse für den Vakublitz. Erst ab 1949 mit der Vorstellung der Kine Exakta II Modell 2 (Ausführung mit dem gebördelten "Exakta"-Schild) entfiel diese Befestigungsbuchse.

Der Grund hierfür war, dass sie mit der neuen Blitzgeräte-Generation überflüssig wurde. Diese neuen Stabblitzgeräte konnten nämlich am Stativgewinde am Kameraboden befestigt werden. Mit dieser neuen "Vacublitz-Einrichtung zur Kine Exakta", die in der PhotoPresse am 16. September 1949 vorgestellt wurde, führte die Ihagee das Stabblitzgerät als neue Blitzgeräteform ein.

Nun will ich nicht darüber streiten, ob die Erstgeburtsrechte an dieser Blitzgeräteausführung tatsächlich der Ihagee zustehen - auch in Westdeutschland wurden zu dieser Zeit neue Blitzgeräte entwickelt (Kobold). Doch ein Alleinstellungsmerkmal konnten die Ihagee-Blitzgeräte in jedem Fall vorweisen: die universelle Lampenaufnahme per Bajonett. Nein, es war nicht der spätere Metallsockel Ba15s, das Ihagee-Bajonett nahm mit einem Handgriff alle damals erhältlichen Sockeltypen auf!

Ihagee-Blitzprospekt aus den frühen 1950er Jahren (Bild links).
Die Ihagee-Werbeanzeige aus dem Herbst 1949 zeigt die Neuvorstellungen Kine Exakta II mit der Vacublitz-Einrichtung (Bild rechts).


Blitzstab Vers. 1BlitzanschlusskabelDer neue Ihagee-Vacublitz war eine gut durchdachte Konstruktion. Die nicht gerade kleine Kombination aus Batteriegehäuse, schwenkbare Lampenfassung und Reflektor war mehrteilig; der Reflektor ließ sich aber mit einem Handgriff abnehmen. Das Blitzkabel war ebenfalls abnehmbar. Es hatte auf beiden Seiten - unverwechselbar - zum Blitzgerät und zur Kamera passende Steckeranschlüsse. Die ersten Ausführungen der Verbindungsbuchsen kamen noch aus der Schreinerwerkstatt, sie bestehen aus schwarz lackiertem Holz... Die Blitzkontakte der Vorkriegskameras wurden übernommen - die spätere "PC"-Standardbuchse war gerade erst erfunden.

Das Foto links zeigt den stabförmigen Batterbehälter (zugleich Handgriff) mit dem für indirektes Blitzen schwenkbaren Lampenhalter der ersten Version aus dem Jahr 1949. Rechts im Vergleich die Blitzverbindungskabel zur Kamera mit Exakta-Steckern und PC-Kontakt; die runden Buchsen für die Lampenfassung sind aus Holz.

Das Stabgehäuse dieser (ersten) Ausführung war für 3 Batteriezellen (heutige Monozellen) vorgesehen, die in Reihe geschaltet eine sichere Zündspannung von 4,5 V abgaben. Eine Kondensatorzündung kam erst später. Diese Blitzleuchte war unter der Ihagee-Katalognummer 148.01 lieferbar. Für die Herstellung einer Multi-Blitzanlage waren Zubehör- und Ergänzungsteile erhältlich. Auch ein Anschlussteil für (externen) Akkubetrieb war lieferbar.

Ihagee-DoppelblitzanlageIhagee-Doppelblitzanlage

Nur zur Demonstration, nicht zum praktischen Gebrauch, habe ich mit dem Zusatz-Blitzhalter (Katalog-Nr. 148.02) eine Doppelblitzanlage zusammengestellt.


RFT-KondensatorzündungKondensatoreinsatz-ZubehörFür Vielblitzer waren Blitzgeräte mit Batteriezündung auf die Dauer teuer und bei schnell nachlassender Batteriespannung wenig zuverlässig.
So kam denn ab 1954 auch in den Ihagee-Blitzgeräten die Kondensator-Zündung zur Anwendung. Vom VEB Elektrotechnik Eisenach gab es den "Kondensator-Zündungs-Einsatz KR2", der anstelle der Monozellen im Batteriegehäuse Platz fand. Der Einsatz hat die Maße von 2 Monozellen, passte also in die späteren (kleineren) Ihagee-Vakublitzleuchten. Für die erste Version (3 Monozellen) ist ein Federkontakt-Zwischenstück erforderlich. Mit der handelsüblichen 22,5V-Anodenbatterie (Typ Pertrix No. 72) waren bisherige Zündprobleme, die vor allem Blitzgeräte mit nur 2 Batterien und 3V-Zündspannung hatten, beseitigt.

Das Bild links zeigt die RFT-Kondensatorzündung KR2, die anstelle von 2 Mono-Batterien in das Batteriegehäuse eingesetzt wurde. Damit konnten auch Blitzgeräte mit kleineren Lampengehäusen angeboten werden. Rechts das Ausgleichsstück für die Blitzgerätegeneration mit 3 Monozellen.


Kondensatorzündung Holz Kondensatorzündung Holz
Die allererste Version der RFT-Kondensatorzündung KR2 stammte noch aus der Schreinerei. Die beiden Fotos zeigen das rustikal handgefertigte Teil, das aber durchaus wohl seinen Zweck erfüllte.
Das Foto oben zeigt die später mit dem kleineren Ihagee-Blitz ausgelieferte Version, die auch einzeln nachgekauft werden konnte.



Ihagee-Vakublitze NK

Die beiden von der Ihagee in den 1950er Jahren angebotenen Stabblitzgeräte im Vergleich. Oben die erste Version für 3 Monozellen, Verkaufspreis war 52,50 DM, Zusatzlampe incl. Kabel 39,- DM. Sie wurde um 1955 von einer kleineren Ausführung abgelöst, die in erster Linie für den RFT-Kondensatoreinsatz (Beschreibung oben) vorgesehen war, alternativ aber auch 2 Monozellen aufnahm.

Die Schnellspannaufnahme für Blitzlampen blieb bis zuletzt unverändert, obwohl es zuletzt kaum noch Vakublitzlampen gab, die die Bajonettaufnahme ausfüllten. Ebenso unverwändert blieb der Reflektordurchmesser mit 16 cm. Für die neueren Glassockelblitzbirnen war ein Metalladapter mit Sockel Ba15s erforderlich, der aber damals handelsüblich für viele andere Blitzgeräte angeboten wurde.

Mit dem zuvor beschriebenen Vakublitz mit Stabhalter und den Erweiterungsteilen für eine studiogerechte Multiblitzanlage deckte die Ihagee vorwiegend den professionellen Bereich ab. So dachte man, aber der Siegeszug der Röhrenblitzgeräte ließ die großen Ihagee-Blitzer schnell zu Ladenhütern werden. Zudem wurde in westdeutschen Verkaufslisten ab 1954 der handlichere KOBOLD BC-Blitz angeboten, der Ihagee-Blitz war zeitweise in keiner westdeutschen Preisliste mehr zu finden. Um 1957 wurde die Produktion der zuletzt als "Ihagee Blitzleuchte" angebotenen Lampenblitzmonster eingestellt, der Verkaufspreis lag zuletzt bei 65,- DM (incl. Kondensatoreinsatz).

Ihagee BlitzleuchteZugleich wurde unter dem gleichem Namen ein neuer Lampenblitz angeboten, der mit integrierter Kondensatorzündung und zusammenlegbarem Fächerreflektor handlicher ausfiel. Das Gehäuse besteht aus einem in diesen Jahren gern verwendeten eingefärbten Duroplast-Material (wohl ein Abfallprodukt der Trabi-Produktion 😉 .

Ihagee BlitzleuchteDas neue Blitzgerät konnte mit "Tochterblitzen"erweitert und auch in Kombination mit den älteren Stabblitzgeräten verwendet werden, weil die Steckverbindungsmöglichkeit für Kabelverbindungen beibehalten wurde. Das Anschlusskabel wurde kameraseitig mit PC-Stecker ausgeliefert (auf Wunsch gab's aber auch den Ihagee-Doppelstecker) und war jetzt komplett aus Kunststoff (auch der früher aus Holz bestehende Lampenstecker).

Im Lieferumfang war eine praktische Blitzschiene, mit der das Gerät an der Kamera befestigt werden konnte die aber auch ein weiteres Blitzgerät aufnehmen konnte. Verkaufspreis im Jahr 1958 war 52,- DM, die Zusatzleuchte mit Kabel kostete 48,- DM. Auch dieses Blitzgerät hatte noch eine - neugestaltete - Schnellspannaufnahme für Blitzlampen. Der Durchmesser des Fächerreflektores blieb mit 16 cm gegenüber dem bisherigen Festreflektor der Stabblitzgeräte unverändert.

Diese Blitzleuchte wurde noch bis 1962 angeboten, später gab es im Angebot der Ihagee nur noch Ringblitzleuchten (s. weiter unten).

Ringblitze für die Makrofotografie

Im Jahr 1952 kreierte die Ihagee ein bisher in dieser Form noch nicht dagewesenes Zubehör, das Ihagee Vielzweckgerät. Es basierte im Wesentlichen auf einem Balgengerät mit einigen drumherum entwickelten mehr oder weniger sinnvollen Ergängzungsteilen und wurde der staunenden Photographenwelt als eierlegende Wollmilchsau angedient.

Wenn auch meine Eingangsbeschreibung im gehörigen zeitlichen Abstand ein wenig abwertend ironisch klingen mag, so handelte es sich bei diesem Zubehör um imposante Teile, die der damaligen Fotografie durchaus neue Anwendungsfelder erschlossen. Vor allem der Bereich der Makro- und Mikrofotografie wurde mit dem Vielzweckgerät nun auch für eine größere Zahl von Amateurfotografen attraktiv.

Volumen und Gewicht der Zubehörteile bestimmten hingegen vonvornherein den stationären Einsatzbereich. Wer mit Balgengerät auf die Fotopirsch wollte, besorgte sich ein solches eher von Novoflex oder das später von der Ihagee nachgereichte "Kleine Balgengerät". Das Vielzweckgerät hielt denn auch Einzug in die technisch-wissenschaftliche Fotografie. Für den medizinischen Bereich hatte Ihagee mit dem aus dem Vielzweckgerät weiterentwickelten Kolpofot noch ein besonderes Schmankerl im Angebot.

Blohm B-100Der dargestellte fotografische Anwendungsbereich war damals zwar nicht neu, jedoch wenigen fachlich und technisch gut präparierten Fachfotografen vorbehalten. Diese mussten vor allem auch über eine hervorragende Beleuchtungsanlage verfügen um brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Auch zum Vielzweckgerät gehörte bis in die 1970er Jahre ein derartiges Lampengestell. Als bessere Alternative bot sich die gerade aufkommende Blitztechnik an, doch entsprechend brauchbare Geräte gab es noch nicht.

Ihagee ZB 3In Zusammenarbeit mit dem Plauener Elektrogerätehersteller Ing. Heinz Blohm - dessen Betrieb kurz darauf (1954) verstaatlicht wurde und als VEB ELGAWA bis 1991 weiter bestand - entwickelte man ein Röhrenblitzgerät, dass um das Aufnahmeobjektiv herum angeordnet wurde.

Zuvor hatte Blohm mit von ihm entwickelten Röhrenblitzgeräten, u.a. dem B-100 (Foto links) auf sich aufmerksam gemacht. Mit diesem ZB3 wurde erstmals eine schattenfreie Beleuchtung selbst bei kürzestem Aufnahmeabstand möglich.

ZB-3Schaltplan ZB3Beim ZB3 handelte es sich um eine Ringblitzröhre in einer Metallfassung mit einem 6 Volt-Pilotlicht. Eine Zündeinrichtung war nicht integriert, so dass das Gerät - neben der obligatorischen Stromversorgung - noch einen Zündgenerator benötigte. Das ZB3 wurde mit offenen Anschlussdrähten geliefert, somit ermöglichte es dem Fachkundigen einen Anschluss an unterschiedliche Generatoren, die eine entsprechende Spannung liefern konnten.

Der Verkaufspreis für ein Kolpofot betrug (Preisliste 1953) 693,70 DM. Dazu gehörten das Balgengerät in weißer Spezialausführung mit verchromten Blankteilen (141,90 DM), das Triotar 1:4/135 mm mit enger Blende 45 (241,50 DM) und die Zentralblitzeinrichtung ZB 3, (310,30 DM, Katalog-Nr. 155.09).

Ein Blitz-Generator musste noch gesondert beschafft werden. Dies bedeutete jedoch für Fachkundige kein allzu großes Hindernis. Zum Einen bot der Markt durchaus verschiedene Blitzgeneratoren an. Andererseits hatten Fotostudios sowas ohnehin in ihrem Bestand, weil die Studioblitzanlage damit ausgestattet war.

Die erste Ihagee/Blohm-Zentralblitzeinrichtung ZB3, die elektrische Schaltung ersehen Sie aus dem Bild rechts.

Ringblitz + LupenobjektivDie praktischen Vorteile einer Ringblitzleuchte fanden recht schnell Eingang in größere Anwender- und Interessentenkreise. Allein die Vorzüge einer schattenfreien Beleuchtung beim Fotografieren von Hohlräumen, vor allem auch menschlicher Körperhöhlen, führten im Laufe der Jahre zu einer größeren Verbreitung auch in Arzt- und Zahnarztpraxen. Für spezielle Mikroaufnahmen konnte sogar noch ein Lupenobjektiv in die Frontöffnung der Ringblitzleuchte eingesetzt werden (Foto rechts).

Diesem Klientel bedeutete auch die verhältnismäßig hohe Grundinvestition kein allzu großes Hindernis. Ein komplettes Kolpofot (Katalog-Nr. 155.11) stand in den Preislisten zwischen 1959 bis 1963 mit immerhin 743,60 DM zu Buche...
Das war beim gemeinen Fotoamateur deutlich anders. Hier spielte schon eine Rolle, dass man sich für ein paar Nahaufnahmen eine komplette Makroeinrichtung zulegen musste, die den Kaufpreis der Kameraausrüstung noch um Einiges übertraf. Vor allem musste ja für den Ringblitz ein langbrennweitiges Objektiv mit mindestens 100 mm Brennweite verfügbar sein. Zwar gehörte ein solches mit dem beliebten Meyer Trioplan 2,8/100 bei Vielen zur Ausrüstung, doch war dieser lichtstarke Dreilinser für den Makrobereich nur bedingt geeignet. Ideal waren ein 135er Triotar oder Sonnar, die Zeiss Jena sogar als Spezialversionen (enge Blende, mit kleinster Blendeneinstellung 45) lieferte. Fotos damit bedeuteten in Verbindung mit dem leistungsstarken Ringblitz vor allem eine hohe Tiefenschärfe und damit eine einfachere Handhabung ohne Qualitätsverlust bei der Bildschärfe.

Ringblitz RB1Ringblitz RB1Mit der Ringblitzleuchte RB 1 präsentierte die Ihagee im Jahr 1963 einen Nachfolger für das ZB 3. Das Gehäuse war nicht mehr so schön glanzverchromt, technisch änderte sich aber wenig. Lediglich eine Zündvorrichtung für den Blitz war jetzt eingebaut. Der Ringdurchmesser der Blitzleuchte blieb gering, so dass weiterhin nur langbrennweitige Objektive verwendbar waren. Eingestellt wurde nach wie vor mit dem eingebauten 6V/15W-Pilotlicht; der Objektivanschluss erfolge über Filtergewinde M49. Doch auch dieser Ringblitz erforderte eine externe Stromversorgung (500 V / 250 Ws).

Der Katalogpreis des gegenüber dem Vorgänger technisch nur geringfügig veränderten Ringblitzes lag weiter bei 310,- DM (Katalog-Nr. 196), ohne Stromversorgung.

Ringblitz RB2So entstand der Wunsch auch nach einem Ringblitz, der ein weniger aufwendiges Equipment erforderte. Diesen Wunsch erfüllte die Ihagee - zumindest teilweise - erst spät, für viele Exakta-Fotografen bereits zu spät....

Ringblitz RB2Die Zentralblitzeinrichtung RB 2 wurde erstmals 1967 zu einem Katalogpreis von 180,- DM (Katalog-Nr. 197) angeboten (das RB 1 kostete nach wie vor 310,- DM). Zwar waren infolge des Wegfalls der Preisbindung dafür in den Läden meist etwas weniger zu bezahlen, doch auch das RB 2 erforderte noch eine externe Stromversorgung. Eine Zündvorrichtung für die Ringblitzleuchte war allerdings eingebaut. Der weit größere Vorteil für engagierte Fotoamateure war hingegen, dass dieser Ringblitz auch mit Normalobjektiven oder Brennweiten 75 oder 80 mm verwendbar war. Das Montagegewindegewinde M49 (= Filteranschlussgewinde) passte zudem auf die meisten Normalobjektive, auch das große Balgengerät war nicht zwingend erforderlich. Es konnten auch die - meist vorhandenen - Zwischenringe und Tuben benutzt werden.

Die Möglichkeit Filter im Strahlengang (M 58) zu verwenden, erweiterte die Einsatzmöglichkeiten beträchtlich. Oft erzeugte ja der Ringblitz soviel Licht, dass mit den üblichen kleinsten Blenden 16 oder 22 bereits eine Überbelichtung erfolgte. Da waren ringförmige Graufilter vor dem Blitz von Vorteil; zwei Folien gehörten zum normalen Lieferumfang. Einziges Hindernis für weite Verbreitung war dagegen der fehlende Stromgenerator. Dieser musste 450-500 V Spannung und 100-150 Ws Leistung liefern können. Ein geeignetes Gerät war der SBN64 von Elgawa.


Blitzgeneratur für Ringblitze

ELGAWA SBN64 Zum Betrieb der oben beschriebenen Ihagee-Ringblitzgeräte wird in jedem Fall ein passender Generator benötigt, der sowohl die erforderliche Hochspannung als auch die passende Leistung bereitstellt. Dies können zum Einen durchaus leistungsstärkere Röhrenblitzgeräte sein, etwa das Braun hobby, Metz Mecablitz 45, Paffrath & Kemper, ELGAWA oder andere handelsübliche E-Blitzgeräte sein. Voraussetzung ist, dass die Blitzlampensteuerung an irgendeiner Stelle zugänglich ist. Hier muss dann das Steuerkabel des Ringblitzes angeschlossen werden - wegen der lebensgefährlichen Spannungen nix für Laien!

Elgawa SBN64Eine andere Möglichkeit ist, die Spannung von einem Hochspannungsgeneratur zu entnehmen. Gut, wenn dieser nebenbei auch noch die 6V-Pilotlicht-Spannung liefern kann.

Ein solcher Generator war der von ELGAWA in den 1960er Jahren angebotene SBN 64. Die Blitzkabel werden auf einen handelsüblichen Hochspannungsstecker (DDR-Norm) gelegt, der SBN64 hat hierfür zwei passende Buchsen und auch eine 6V-Buchse. Die Lichtleistung lässt sich in 4 Stufen zwischen 65 und 400 Ws einstellen, passend für die Ihagee-Blitze ist die 2. Stufe mit 130 Ws.

Damit wäre dieser Teil meiner website mit der Beschreibung des Blitzgeräteangebotes der Ihagee zwischen 1936 bis 1972 abgeschlossen. Falls jemand noch Ergänzungen beizutragen hat, bitte mitteilen. Mit dem folgenden Prospektbild aus dem Jahr 1964 will ich diesen Abschnitt hier beenden.
Prospekt RB1 - 1964




Posted 2017/11/18; last updated 2017/11/21 Copyright © 2007-2018 by Horst Neuhaus