
Exakta 6x6 - Mittelformat aus Dresden by Photo but More

Die Exakta 66 wurde als Neukonstruktion erstmals im Jahr 1938 vorgestellt. Mit der Mittelformat-Exakta für den Standard-Rollfilm 120 sollte nach dem Erfolg der Kine-Exakta noch einmal ein großer Wurf gelingen. So wurden denn für diese Kamera sogar Seriennummern reserviert – ein Novum bei der Ihagee. Während andere Kameramodelle mit Verlassen des Dresdner Werkes fortlaufende Seriennummern erhielten, wurde 1938 für die 6x6 ein Nummern-Bereich von 552.000 bis 556.999 reserviert.
Die Kamera erreichte aber nicht die von den Ihagee-Produkten ansonsten gewohnte technische Zuverlässigkeit. Deshalb wurden insgesamt wohl nur etwa 2000 Exemplare gebaut und die Produktion bereits nach einem Jahr wieder eingestellt, möglicherweise spielte dabei auch die - bei anderen Ihagee-Kameras allerdings erst spätere - kriegsbedingte Fertigungseinstellung eine Rolle. Die erste mir bekannte Fertigungsnummer einer 6x6-Exakta ist 552.859, die letzte 554.724.
Auch die Nachkriegsversion (s. weiter unten), 1952 vorgestellt und ab Herbst 1953 produziert, durfte sich nochmal eines reservierten Nummernbereichs erfreuen – von 600.000 bis 607.999. Dies erklärt, weshalb Kine Exaktas, die schon kurz nach Kriegsende aus alten Beständen gebaut wurden, mit Seriennummern ab 608.xxx aufwarten. Allerdings wurden die Nummernkontingente in beiden Fällen bei weitem nicht ausgeschöpft, weil die Kameras zu wenige Käufer fanden bzw. deren Produktion wieder eingestellt wurde. Die Nachkriegs-6x6 als mittlerweile dritter Versuch brachte es gar nur auf etwa 2.300 gebaute Exemplare von denen zudem die allermeisten wieder den Weg in die Schrottpresse fanden….
Zuvor entstanden Anfang der 1950er Jahre aus noch vorhandenen Teilebeständen erneut einige Kameras der Vorkriegs-Baureihe; jedoch konnten auch diese wiederum nicht hinreichend funktionssicher aufgebaut werden. Die Fertigung dieser Kamera wurde aufgrunddessen aufgegeben und eine völlige Neukonstruktion in einer der Hasselblad vergleichbaren Bauform entwickelt.
Weshalb die Mittelformat-Exakta aus den damals erfolgsverwöhnten Ihagee-Werken langfristig nicht erfolgreich war, liegt vor allem an einer technischen Unzulänglichkeit, an der im Laufe der Ihagee-Geschichte auch andere Exakta-Kameras litten – dem Filmtransport! Mit solchen Symptomen hatten sich schon die allerersten VP-Exakta’s, später auch die frühen Exa’s und zuletzt noch die Exakta VX1000 herumzuschlagen. Zwar waren die Ursachen bei den unterschiedlichen Filmgrößen wohl nicht vergleichbar, führten jedoch in der fotografischen Praxis zu ähnlichen Ergebnissen: entweder wurde der Film nicht in ausreichender Länge transportiert oder er lag nicht völlig plan im Filmfenster. Das Ergebnis waren entweder partielle Doppelbelichtungen oder Unschärfen.
Im Nachhinein wird die Ursache der Probleme nicht mehr zu klären sein. Es bleibt unverständlich, weshalb die ansonsten so tüchtigen Ihagee-Techniker ein solch vergleichsweise banales Problem nicht in den Griff bekamen. Allerdings – auch die Nachfolger der Exakta 66, die Praktisix, Pentaconsix bis hin zur modernen Exakta 66 hatten gelegentlich noch mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen…
Wenn ich im Einleitungstext von drei 6x6-Versuchen geschrieben habe, handelt es sich dabei um folgende Kameras:

Exakta 66 1. Serie 1939
mit zwei Blitzbuchsen (+ 1 Befestigungsbuchse) und dem Aufzugshebel auf der Unterseite links. Die Kamera erhielt die von den vorherigen Exaktas (4x6,5-Rollfilm und Kine) bereits bekannte trapezförmige Gehäuseform und auch deren Verschlussmechanik mit einem Schlitzverschluss von 12 bis 1/1000 Sekunden. Sie war mit unterschiedlicher Objektivbestückung zu Preisen zwischen 200 bis 600 RM lieferbar (s. Tabelle links). Es war auch eine schon recht umfangreiche Auswahl an Wechselobjektiven sowie einiges Zubehör lieferbar.

Hier noch die Wechselobjektivausstattung für die zuvor beschriebene Exakta 6x6. An der Kamera montiert ist ein Schneider Xenar 2,8/8cm; auf dem 1. Foto von links nach rechts: Zeiss Tessar 2,8/8cm (Normalobjektiv), Meyer Primoplan 1,9/10cm (Porträtobjektiv), Zeiss Tessar 6,3/6,5cm (Weitwinkel). Auf dem Foto darunter zwei Schneider Tele-Xenar 4,5/24cm in unterschiedlicher Fassungsausführung.

Wie die beiden Schwestermodelle VP Exakta und Kine Exakta wurde auch die Exakta 6x6 in die USA exportiert. Hier im Bild eine solche Exakta 6x6 mit entsprechend gekennzeichnetem Frontschild (T.M. - Reg.). Als Objektiv ist diese Kamera mit dem seltenen Biotar 2/10cm bestückt.

Exakta 66 2. Serie, Modell 1951
gefertigt aus eingelagerten Restbeständen der Vorkriegsversion, jetzt mit vier Blitzbuchsen - je 2 auf der linken und rechten Kamerafront ohne Befestigungsbuchse; der Aufzugshebel wanderte auf der Unterseite von links nach rechts. Richard Hummel schreibt in "Spiegelreflexkameras aus Dresden", dass 1951 etwa 350 Nachkriegs-Exakta 6x6 mit kleinen technischen Überarbeitungen in der Ihagee hergestellt wurden. Nach R. Hummel soll diese Baureihe auch mit einem Wechsellichtschacht und zusätzlichen Trageösen an der Vorderfront ausgestattet gewesen sein. Allerdings sind diese Angaben wohl nicht völlig sachgerecht, es dürften - wenn überhaupt - kaum mehr als 2 Dutzend dieser überarbeiteten Kamera gebaut worden sein.
Hingegen waren die Filmtransportprobleme nicht zu beheben, so dass keine Serienproduktion aufgenommen und das Modell endgültig eingestellt wurde. Die Baupläne dieser Exakta 66 (quer) übernahm einige Jahre später die Pentacon Dresden und schuf daraus die Praktisix und deren Folgemodell Pentacon six. Zuletzt fand sie als EXAKTA 66 in den frühen 1990er Jahren eine späte Auferstehung. Bezeichnenderweise konnten aber die ursprünglichen technischen Probleme mit dem Filmtransport nie restlos beseitigt werden.
Die DDR-Fotofachzeitschrift "BILD UND TON" stellte in ihrer Ausgabe 4/1951 die überarbeitete Kamera in einer Grafik mit einem aktuellen Exakta-Namensschild vor (Bild rechts).

Zu Beginn meiner Sammelaktivitäten wurde mir ein 6x6-Gehäuse angeboten, angeblich aus der Nachkriegsfertigung. Seinerzeit fehlten mir noch die Kenntnisse, um das angebotene Gehäuse einordnen zu können. Auch besaß ich bereits eine 6x6-Exakta-Ausrüstung (s. Bilder oben). Ich habe das Gehäuse deshalb auch nicht gekauft, fertigte aber von meiner Ausrüstung und dem angebotenen Gehäuse (das ich dazu mit dem Xenar-Objektiv meiner Vorkriegs 6x6 bestückte) Fotos an.
Dass dieses Gehäuse zudem nicht der von Richard Hummel und der Zeitschrift Bild und Ton beschriebenen Ausführung entsprach, war mir damals noch nicht bekannt. Ein wechselbarer Lichtschacht ist mir auch nicht in Erinnerung. Erst bei einer späteren Sichtung der Fotos bemerkte ich Unterschiede: die in der Bild und Ton-Grafik erkennbaren seitlichen Ösen, die veränderte Frontplatte und der Varex-Langzeitknopf waren - wie auf dem Foto erkennbar - nicht vorhanden. Es scheint zudem wenig einleuchtend, dass am Gehäuse zusätzliche Trageösen angebracht wurden obwohl die Vorkriegsausführung bereits mit Trageösen ausgestattet war....
Vermutlich sind bei den Versuchen, die Verschlussprobleme der Vorkriegsversion zu beheben, einige Gehäuse im Werk modifiziert worden. Obwohl die Kamera aber nie zum Verkauf angeboten worden ist, besteht durchaus die Möglichkeit, dass einige dieser unterschiedlich ausgestatteten Musterexemplare bei Werksangehörigen und später in Sammlerhänden gelandet sind.
In der Folgezeit hatte ich an den Rollfilm-Exaktas nur eingeschränktes Interesse, so dass ich die Angelegenheit auch nicht weiter verfolgte. Meine 6x6-Ausrüstung habe ich deshalb auch schon Anfang der 1990er Jahre verkauft und besitze lediglich noch die gezeigten Fotos.
Exakta 66 3. Serie - Neukonstruktion 1952/54

Diese völlige Neukonstruktion im Vertikalgehäuse mit Filmwechselkassetten wurde auf der Leipziger Herbstmesse 1952 erstmals gezeigt. Die Produktion begann Ende 1953; es wurde ein Seriennummernblock von 600000 bis 607999 für dieses Kameramodell reserviert. Doch aufgrund der schon beschriebenen technischen Probleme endete die Fertigung bereits Mitte 1954. Es sind Seriennummern zwischen 600 047 bis 602 314 bekannt. Im Sammlerjargon heißt diese Version "vertikale Exakta 6x6".

Mit dem aufwendig gebauten Gehäuse und hochwertiger technischer Ausstattung wollte das Ihagee-Kamerawerk gegen die Hasselblad antreten. Dazu wurden Wechselkassetten und ein auswechselbarer Lichtschacht mit wechselbaren Einstellscheiben vorgesehen. Besonders interessant war der geteilte Spiegel um Vignettierung im Sucher zu vermeiden. Ein Prismeneinsatz war geplant, wurde aber nicht mehr realisiert, stattdessen gab es noch einen Lupensucher. Die Blitzsynchronisation und Belichtungszeiten von 12 Sekunden bis 1/1000s entsprechen dem von der Kleinbild-Exakta bekannten Standard.
Lieferbar war diese Exakta lediglich mit zwei Normalobjektiven. Zur Auswahl standen ein Zeiss Tessar 2,8/80 oder das Meyer Primotar 3,5/80, beide mit einem neu entwickelten Bajonett und Blendenvorwahl. Die Kamera im Alugehäuse mit teils vernickelten, teils verchromten Bedienteilen wiegt 1560g. Nur ein kleiner Teil des angekündigten Zubehörs oder Wechselobjektive kamen noch zur Auslieferung.
Jedoch - auch diese Neukonstruktion "glänzte" mit den bekannten Funktionsstörungen beim Filmtransport und anderen Wehwehchen. Es sollen 2368 Kameras dieser 6x6 Exakta in den Handel gelangt sein. Doch die Probleme waren so schwerwiegend, dass die Ihagee bereits ausgelieferte Kameras von den Händlern zurückrief um sie zu vernichten. Damit gibt es heute wohl nur noch um 100 erhaltene Kameras dieses Typs in festen Sammlerhänden. Die bereits in größerer Stückzahl produzierten Normalobjektive wurden für das normale Exakta-Bajonett umgefasst und an Spezialabnehmer verkauft.
Das Foto links zeigt eine 6x6 Exakta mit einem auf den Lichtschacht aufgesetzten Sichtschutz aus Leder. Diese "Lichtschacht-Verlängerung" war für alle frühen Exakta's lieferbar, die nur über einen nicht austauschbaren Lichtschachtsucher verfügten. Die extrem seltene 6x6-Ausführung dieses Zubehörteils (Zubehör-Nr. 9659) stammt aus Vorkriegsangebot.
Die Zeitschrift BILD UND TON beschrieb in Ihrer Ausgabe 9/1953 die Kamera im Detail. Eine vergrößerte Ansicht des Artikels können Sie nach Anklicken des Zeitschriftentitels rechts lesen.

Im kleinen Bild links die Exakta 6x6 in einer Abbildung aus der "Bild und Ton". Diese zeigt eine in Details anders ausgeführte Kamera als später ausgeliefert. Auf dem Bild erkennbar sind die einfachere Gestaltung des Film-Aufzugs-/Transportrades und das Fehlen der 6 6 Markierung neben der Sucherverriegelung. Ob diese Kamera allerdings in dieser Ausführung auch angeboten wurde, ist nicht bekannt.
In der Zeitschrift Bild und Ton wurden nicht selten Fotogeräte gezeigt, bei denen es sich um Prototypen, Vorserien oder gar retuschierte Fotos oder Grafiken handelte. Bild- und Ton-Abbildungen sind deshalb keine Belege dafür (s. auch die obige Exakta 6x6, Serie 2), dass die in der Zeitschrift vorgestellten Geräte auch tatsächlich in den Handel gelangten.

Posted 2008/10/22; last updated 2026/02/10 Copyright © by Horst Neuhaus