Kleines Tessar für die Exa by Photo but More

Tessar 6. Ausführung - das "Exa"-Tessar als Billig-Version

Diese Seite ist Teil meiner Vorstellung der Objektive von Carl Zeiss Jena für die Exakta. Zur Zeit ist sie noch im Aufbau und das wird noch eine Weile dauern. Schauen Sie also ruhig gelegentlich wieder vorbei. Vielen Dank!

Das Jahr 1954 war in mehrerlei Hinsicht bedeutsam für die Produktentwicklung bei Zeiss Jena. Die Produktion der ersten Nachkriegs-Baureihe des Tessar 3,5 lief aus. Zugleich machte die technische Entwicklung der neuen Blendenkonstruktionen für Spiegelreflexkameras neue und größere Gehäuse erforderlich, die Objektive damit aber auch teurer. Dies paßte mit dem Verkaufskonzept der gerade so erfolgreichen "kleinen Schwester der Exakta", der Exa nicht so recht zusammen. Außerdem beeinflußten der beginnende Rechtsstreit um die Namensrechte mit Zeiss Stuttgart und das gerade neu entwickelte Gütezeichenverfahren in der DDR die Entwicklung der Produkte.

Exa mit TessarAlso wurde flugs auf der Basis des bisherigen Tessar mit Lichtstärke 2,8 (Blende 3,5 war inzwischen nicht mehr zeitgemäß) eine neue Konstruktion geschaffen, die mit der Exa auch preislich besser harmonierte. Die Gestaltungselemente der neuen Objektivlinie (Berg- und Tal-Griffringe) wurden übernommen, die Technik aber von von der bisherigen Bauserie.

So entstand mit dem "kleinen" Tessar eine formal recht gelungene Konstruktion, die mechanisch etwas unter den Möglichkeiten der Blendenvorwahl- und Springblenden-Objektive liegt. Die Frontfassung ist kleiner und für Filterdurchmesser ES 35,5 / A 37 ausgelegt. Optisch entspricht dieses Tessar jedoch völlig seinem großen Bruder.



Eine Exa (0), Baujahr 1954 mit dem zu dieser Kamera neu geschaffenen Tessar 2,8/50 in der Ausführung 6/6 1a. Der Verkaufspreis dieser Kombination - so sie denn erhältlich war - betrug 290 DM. Dies waren fast 100 DM mehr als für das Einstiegsmodell mit einem Meritar zu zahlen war!

Nach zwei Jahren Bauzeit wurde das Objektiv ein wenig überarbeitet und erhielt eine Rastblende, mit der es bis zum Ende seiner Bauzeit im Jahr 1970 weiter produziert wurde. Letzte mir bekannte Seriennr. ist 8.466.857. Einige der ersten Exemplare wurden noch mit dem roten "T" gekennzeichnet, möglicherweise hatten die ersten Objektive noch kein "Q1"-Gütesiegel. Anfangs war die Namensgravur noch "Carl Zeiss Jena" und "Tessar 2,8/50", doch schon bald tauchten auch die ersten Exemplare mit "Jena" und "T 1:2,8 f=50" auf. Die Entfernungsgravur ist als Doppelskala m/feet ausgelegt, kürzeste Einstellentferung ist 0,6 m/2 ft. Viele - nicht alle - sind auf dem Tiefenschärfenring mit "GERMANY" gekennzeichnet. Somit findet man dieses Tessar in folgenden 2 Versionen und einigen Varianten:

6. Ausführung / Gruppe 6
Version 1 Normalblende 2,8 - 16, frontseitig ablesbar - Bauzeit 1954 - 1956

Version 2 Rastblende 2,8 - 22, von oben ablesbar - Bauzeit 1956 - 1970 Tessar 6/6 1aTessar 6/6 ab
Tessar Version 6/6 1a (links) - Tessar Version 6/6 1b mit "gedrehter" Blendengravur (rechts)
Tessar 6/6 1c












Tessar Version 6/6 1c
Tessar 6/6 2aTessar 6/6 2b
Tessar Version 6/6 2a (links) - Tessar Version 6/6 2b (rechts)


Alle Objektive sind vergütet, die Objektivfassungen ausschließlich aus Aluminium. Im Deutschland der Mittfünziger Jahre war das Objektiv nur beschränkt erhältlich, weil die meisten mit den Exa's in die USA exportiert wurden. Der Verkaufspreis einer Exa in den USA mit diesem Tessar betrug damals $ 109.50.


Tessar-Nachbau

Immer wieder waren die leistungsstarken Zeiss-Objektive auch Ziel mehr oder weniger dreister Nachbauer. Die bekanntesten Zeiss-Plagiate sind wohl die nach Ende des 2. Weltkrieges in Folge der Reparations-Verlagerung der Zeiss-Produktionsmittel nach Russland entstandenen Produkte. Hochwertige Glassorten - die teilweise auch für die Jenaer Produktion Verwendung fanden - ermöglichten dort den Bau ausgezeichneter Objektive. Die Erzeugnisse der Krasnogorsk Mekanicheski Zavod "KMZ", Kiev Arsenal "KNEB" oder GOMZ Leningrad sind optisch durchaus leistungsstarke Produkte und eigenständige Sammelgebiete. Vielfach sind Objektive wie Jupiter, Industar oder Helios sogar optisch und mechanisch baugleich mit Carl Zeiss-Objektiven.

Man mag dies infolge der kriegsbedingten Veränderungen noch als eine irgendwie "legaldefinierte Lizenzproduktion" betrachten. Doch sind die deutschen optischen Entwicklungen auch Opfer fernöstlicher Nachahmerei geworden, für die jegliche rechtliche Grundlage fehlte. Selbst (oder gerade) so bekannte japanische Hersteller wie Canon und Nikon haben ihre späteren Erfolge mit Zeiss- und Leitz-Nachbauten begründet. Es mag den Einen oder Anderen überraschen - doch ist der Sammlerwert für derartige Imitate meist höher als für die Originale ...

Vergleich Coleman-TessarWeniger bekannt - weil nicht so verbreitet oder auch wegen geringfügig abweichender Ausführung - sind andere Pretiosen fernöstlicher Nachbaukunst. Das 50 mm f/2.8 von COLEMAN-DYNAMIC OPTICS eines mir unbekannten japanischen Herstellers zeigt seine Abstammung erst im direkten Vergleich mit dem Exa-Tessar. Es dürfte wohl um 1965/70 gebaut worden sein.

Coleman 2.8Coleman 2.8a











COLEMAN-DYNAMIC 50 mm f/2.8 mit Rastblende.
Das vom Design her durchaus ansprechende Objektiv entspricht exakt dem Tessar Version 6/2. Mit der schwarz eloxierten Fassung fällt dies nicht sogleich auf. Filterdurchmesser sind hier allerdings die stark verbreiteten ES37,5 statt ES35,5 beim Original.




Posted 2009/05/04 last updated 2010/04/30; Copyright © 2007-2018 by Horst Neuhaus