Das Tessar von Carl Zeiss Jena für die Kine Exakta

Diese Seite ist Teil meiner Vorstellung der Objektive von Carl Zeiss Jena für die Exakta. Zur Zeit ist sie noch im Aufbau und das wird noch eine Weile dauern. Schauen Sie also ruhig gelegentlich wieder vorbei. Vielen Dank!

Das Zeiss Tessar - 1. Ausführung 1933 - 1947

Die Produktion der ersten Tessar-Konstruktion zur Exakta begann 1933 für die 4x6,5-Exakta (später "Standard Exakta"). Bei dieser Ausführung handelt es sich eigentlich um Objektivköpfe, weil die Entfernungseinstellung Bestandteil des Gehäuses der Standard Exakta ist. Diese Objektive führe ich deshalb gesondert auf. Erste mir bekannte Nummern eines Tessar 3,5/7cm sind 1.369.401 und eines Tessar 2,8/7,5 cm 1.430.260. Als letzte Fabriknummer ist mir 2.215.206 bekannt, allerdings habe ich über diese Objektive nur wenige Daten.

Standard Tessar 2,8Standard Tessar 3,5
Objektiveinsätze für die Standard-Exakta. Links das Tessar 1:2,8 f=7,5 cm, rechts ein verchromtes Exemplar 1:3,5 f=7,5cm für die spätere Exakta mit Chrom-Frontplatte


Gruppe 1 – alle mit Herstellergravur Carl Zeiss Jena, unvergütet, stufenlose Normalblende

Version 1) Fassung messing verchromt; Filteranschluss E 30,5 / A 32
Bauzeit 1936 - 1940

a) Tessar 1:3,5 f=5 cm, gravierte Blendenzahlen 3,5-22, Focus m/ab 0,8 m
b) Tessar 1:3,5 f=5 cm, gravierte Blendenzahlen 3,5-22, Exportversion mit Focus feet
c) Tessar 1:2,8 f=5 cm, gravierte Blendenzahlen 2,8-22, Focus m/ ab 0,8 m
d) Tessar 1:2,8 f=5 cm, gravierte Blendenzahlen 2,8-22, Exportversion mit Focus feet

Zur ersten Gruppe nach meinem Zuordnungssystem zählen deshalb die Standardobjektive für die Kine Exakta ab 1936. Hier sind mir als erste Seriennummer 1.913.550 aus dem Jahr 1936 und 2.666.693 als letzte aus dem Jahr 1940 bekannt. Für das Vorserienmodell der Kine Exakta müßten einige Objektive mit Seriennummern um 1.900.xxx geliefert worden sein. Alle Objektive dieser Ausführung sind mit der Herstellerangabe "Carl Zeiss Jena" und als Typ "Tessar" graviert; Blendenkonstruktion ist ausschließlich die Normalblende (NB) ohne Rastung. Die Objektive waren durchweg unvergütet. Es ist allerdings möglich, dass einzelne Exemplare eine Vergütung aufweisen. Entweder ist diese nachträglich aufgebracht worden, oder das Objektiv wurde - ähnlich wie beim Biotar, bei dem dies für 25 RM von Zeiss angeboten wurde - auf besondere Bestellung und gegen Berechnung im Herstellerwerk vergütet.

Die Objektivfassungen sind durchweg messing-verchromt. Der Fabriknummern-Gravur ist ein "Nr." vorangestellt. Die Gravur der Objektivdaten ist nach der damaligen Praxis 1:3,5 f=5cm bzw. 1:2,8 f=5cm. Bei den Gravuren der Blenden-, Entfernungs- und Tiefenschärfeskalen gibt es bei diesem Typ so gut wie keine Unterschiede. Die Gravur der Entfernungsskala war meist nur in „m“. Exportobjektive für die USA sind zeitweise stattdessen mit einer feet-Skala graviert worden.

Eine Besonderheit ist die 2. Version des Tessar in einer Fassung aus Aluminium. Dieses Objektiv wurde 1940 neu konstruiert, vor allem um der kriegsbedingten Materialknappheit zu begegnen. Deshalb ist die Fassung materialsparend auch besonders flach ausgelegt, trotzdem konnte der Einstellbereich von 0,8m auf 0,7m erweitert werden. Das Objektiv war ausschließlich mit Lichtstärke 2,8 erhältlich und normalerweise unvergütet. Es wurden nur wenige (~500) für die Exakta ausgeliefert. Im Jahr 1946 wurde eine zweite Serie von etwa 5.000 Stück für die 5. Version der Kine-Exakta, das sogenannte "Reparationsmodell" oder "C"-Exakta, aufgelegt und mit dieser Kamera überwiegend nach Russland geliefert. Die Objektive sind im Auslieferzustand unvergütet.

Die verschiedenen Versionen dieser Tessar-Ausführung

Tessar 2,8Tessar 3,5
Die Fassungen der beiden Tessare 1:2,8 f=5cm (links) und 1:3,5 f=5cm (rechts) unterscheiden sich äußerlich nicht. Die Innenfassungen weichen natürlich infolge der unterschiedlichen Linsendurchmesser voneinander ab.

Rückseitig sind die letzten 6 Stellen der Fertigungsnummer eingestanzt, damit bei Montage oder Reparatur keine Verwechslungen auftreten. Offenbar wurden die Objektive individuell angepaßt.


Version 2) flache Fassung alu blank; Filteranschluss E 25,5 / A 32
Bauzeit 1945/46

Tessar 1:2,8 f=5 cm, gravierte Blendenzahlen 2,8-22, Focus m/ ab 0,7 m

Tessar alu VorkriegTessar alu Nachkrieg
Diese Tessar-Version wurde in zwei Baureihen 1940 und 1946 produziert. Diese unterscheiden sich lediglich durch die schwarz eloxierte Bajonettfassung der Nachkriegsversion (rechtes Bild). Beide abgebildeten Tessare sind unvergütet.

Tessar alu, verg.


Das flache Alu-Tessar in einer weiteren Nachkriegsversion (Nr. 2 820 020), diesmal jedoch vergütet.
Die spätere "T"-Vergütungsgravur ist allerdings noch nicht vorhanden.






Auf besondere Bestellung und gegen Aufpreis konnten Zeiss-Objektive bereits seit etwa 1939 mit einer Vergütung geliefert werden. Denkbar ist auch - bei diesem Objektiv jedoch eher unwahrscheinlich, dass die Vergütung später aufgebracht wurde. Dies war durchaus möglich und wurde auch von Zeiss angeboten. Wegen der nicht gerade geringen Kosten haben Fotografen davon meist nur bei teureren Objektiven (z.B. Biotar) Gebrauch gemacht. Dabei wurde von Zeiss in manchen Fällen auch das rote "T" nachträglich in den Frontring graviert.

Danach sind meines Wissens bis zum Beginn der Produktion der zweiten Tessar-Ausführung keine weiteren Tessar-Objektive für die Exakta mehr gebaut worden. Mir sind auch keine Tessare bekannt, die - anderen Objektiven, wie dem Biotar vergleichbar - unter Verwendung von Vor- und Nachkriegsbauteilen oder mit "Bi-Metall"-Fassungen aus Alu und Messing hergestellt worden sind.

Fabriknummern, Herstellungsdaten usw. entstammen eigenen Aufzeichnungen und Ermittlungen. Die Zuordnung der Produktionsnummern zu Herstellungsjahren ist anhand einer Aufstellung aus dem Zeiss-Museum Jena vorgenommen worden. Sie sind teilweise mit noch original bestückten Exakta-Kameras, bei denen das Herstellungsjahr bekannt war, auf Plausibilität überprüft worden. Insoweit handelt es sich also um Angaben, die dem Exakta-Sammler bei der zeitlichen Ein- und Zuordnung helfen sollen.

Es gibt zu Produktionsnummern auch andere Tabellen, z.B. in "Kadlubek's Objektiv-Katalog, Edition PHOTODeal (2000), mit abweichenden Angaben. Auch das schon erwähnte umfangreiche "Fabrikationsbuch Photooptik Carl Zeiss Jena" von Hartmut Thiele aus dem Jahr 2002 enthält zum Teil andere zeitliche Einordnungen. Da ich jedoch - wie eingangs erwähnt - keine Zeiss-Abhandlung erstellen will, überlasse ich eine Konkretisierung solcher Daten auf Zeiss spezialisierten Sammlern. Diesbezügliche Hinweise nehme ich aber gern auf und ergänze meine Auflistung entsprechend, soweit sie zu der auf die Exakta bezogenen Systematik passen.



Posted 2009/05/01 last updated 2014/12/08; Copyright © 2007-2018 by Horst Neuhaus