Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1936 wurde mit der Kine Exakta erstmals eine Photokamera mit integrierter Blitzsynchronisation vorgestellt. Das Gehäuse der Kine Exakta hatte rechts vorne zwei Buchsen für ein dazu passendes, als Zubehör lieferbares, Vakublitzgerät. Auch die schon drei Jahre zuvor angebotene Rollfilm-Exakta wurde etwa zur gleichen Zeit ebenfalls mit Blitzbuchsen ausgeliefert.
Dieser exaktaspezifische Blitzanschluss hatte bis 1953 Bestand, als mit dem 2. Modell der Exakta Varex VX der inzwischen bei vielen Kameras und Blitzgeräten etablierte Norm-Blitzanschluss (PC) übernommen wurde. Kurz danach wurde auch die Fertigung eigener Blitzgeräte eingestellt. Damit hatte das Blitzsystem der Exakta fast 2 Jahrzehnte quasi ein Alleinstellungsmerkmal. Auch andere Fotogeräte - etwa die Praktica - übernahmen zeitweise diese Steckbuchsen-Anschlüsse. Die Praktica allerdings mit einem anderen Buchsenabstand, so dass keine völlige Kompatibilität gewährleistet war.
Bereits die Kine Exakta mit der runden Sucherlupe wurde mit Blitzsynchronisation ausgeliefert
Zeitgleich mit der Kine Exakta wurde 1936 ein Vakublitzgerät angeboten, das unter Verwendung eines Verbindungssteckers (mit vier Steckerstiften) an die rechte Frontseite der Kamera angesteckt werden kann.
Handelsübliche Vakublitzlampen hatten damals einen Edison E27-Sockel. Da war es schon ungewöhnlich, dass das Exakta-Blitzgerät mit dem kleinen E10-Schraubgewinde angeboten wurde. In dieser Größe gab es in Europa gar keine Vakublitze, deshalb wurde von der Ihagee auch gleich ein Adapter auf E27 mitgeliefert. Für das T-Stück und den Verlängerungs-Schwanenhals verwendete man ebenfalls das E10-Gewinde, so dass ggf. mehrere E10/E27 Adapter erforderlich waren.


Mit der "großen" Vakublitzeinrichtung war schon einiger Blitzkomfort möglich. So ließen sich etwa mittels eines T-Stücks 2 Vakublitzlampen gleichzeitig einsetzen; Verlängerungsstab und -kabel ermöglichen indirektes Blitzen. Selbst eine Reihenschaltung mehrerer Blitzgeräte war möglich. Über die Praktikabilität solcher "Blitzanlagen", die dafür notwendige Batterie-Stromversorgung oder gar die Kosten für die teuren Vakublitzlampen will ich an dieser Stelle lieber schweigen. Immerhin - gegenüber dem damals noch für Blitzaufnahmen verwendeten Magnesiumpulver war die Ihagee-Anlage ein Quantensprung...
Wenn Sie mehr über die damalige "Blitztechnik" mit Magnesium erfahren möchten, finden Sie dazu Einiges auf meiner Blitzgeräteseite.
Links die 1. Version der Vakublitzeinrichtung. Das rechte Bild zeigt einen Auszug aus der Bedienungsanleitung für das Vakublitzgerät. Wenn Sie auf das Bild klicken, erhalten Sie das komplette Manual als PDF-Download.
Dieser bloße Steckkontakt erwies sich in der rauhen Praxis schon bald als nicht zweckgerecht. So erhielten die Kameragehäuse bereits 1 Jahr später eine oberhalb der beiden Synchrobuchsen eingesetzte Gewindebuchse - im Sammlerjargon nicht ganz zutreffend als 3. Blitzbuchse bezeichnet. Das gleichzeitig mit einem Durchsteckloch veränderte Vakublitzgerät (2. Version) konnte dadurch mittels einer langen Gewindestange mit dem Kameragehäuse verschraubt werden. Diese Kombination hielt denn auch größeren Belastungen stand.
Allerdings waren die Reflektorkonstruktion mit dem mit Stanniolpapier kaschierten Pappschirm (Bild rechts) und der Gummibandbefestigung wenig professionell. Mit jeder neuen Vakublitzlampe musste auch der Reflektor neu montiert werden. Das hielt dieser nicht allzulange durch. Deshalb sind heute auch nur noch wenige Vakublitzgeräte in komplett erhaltenem Zustand zu finden.

Das Foto links zeigt eine noch vollständige Große Ihagee-Vakublitzausrüstung (Version 2) in der Originalverpackung. Man muss schon genau hinschauen, um den Unterschied zur 1. Version zu bemerken. Mit roten Pfeilmarkierungen habe ich (linke Pfeile) das Befestigungsloch im Blitzgerätegehäuse und die Befestigungsschraube (rechte Pfeile) markiert.
Auch bei der 2. Version wird anfangs der Zwischenstecker benötigt, weil das Batteriegehäuse noch mit Buchsen ausgerüstet ist. Erst eine spätere Ausführung wird mit Steckern bestückt, so dass das Zwischenstück entfallen kann.
Man könnte die Ausführung mit Steckern auch als 3. Version kennzeichnen, doch sind diese Zubehörteile ohnehin so selten, dass man für den Sammler nicht noch besondere Komplikationen schaffen muss. Irgendwann um 1937/1938 kam die Steckerstift-Ausführung in die Läden, anfangs lag überflüssigerweise auch noch der Verbindungsstecker in der Packung. Beide Ausführungen dürften wohl parallel verkauft worden sein.
Im Bild rechts die letzte Ausführung des Vakublitz-Batteriegehäuses mit fest integrierten Steckerstiften.
Die zweite Ausführung des beschriebenen Ihagee-Vakublitzgerätes wurde mit einer Prüflampe ausgeliefert. Damit ließ sich die Funktionsweise dieses für die damaligen Photographen völlig neuen Zubehörteiles gut testen. In das Gehäuse des Vakublitzgerätes waren zwei Stabbatterien - vergleichbar der heutigen Mignonzelle Typ AA - einzusetzen. Wird der kleine Rädchenschalter nach unten gedreht (bei der 2. Version steht hier ein "E") leuchtet die Prüflampe. Will man die Mimik an der Kamera mit dem Verschluss testen, muss der Schalter natürlich ausgeschaltet sein. Der Verschluss muss vorher aufgezogen werden, bevor eine Blitzlampe eingesetzt wird - sonst ist sie schon beim Spannen futsch.....
Bei den damals langleuchtenden Vakublitzlampen war die Verschlusszeit (trotz Schlitzverschluss) zwischen 1/10 und 1/100s relativ unkritisch. Sie hing im Wesentlichen von der Leuchtkraft der Birne ab, da gab es schon 2 oder 3 verschiedene Stärken. Mit 1/25s war man bei der Kine Exakta auf der sicheren Seite. Bei 1/10s nutzte man die gesamte Leuchtzeit der Blitzlampe, musste aber die Verwackelungsgefahr beachten.
Als die Kine Exakta 1936 mit eingebauter Blitzsynchronisation auf den Markt kam, gab es weder ein genormtes Steckersystem für Blitzverbindungen noch die Notwendigkeit für unterschiedliche Blitzsynchronisation (später M, X, V, E, F, XP o.ä.). Die Blitzlampenhersteller fertigten durchweg einen Lampentyp mit einer Brenndauer von etwa 1/30s. Da gab's kein Erfordernis die Blitz-Synchronisation unterschiedlich, etwa auf den 1. oder 2. Verschlussvorhang, einzustellen. Mit einer Verschlusszeit von 1/25s, besser noch 1/10s, war auch der Schlitzverschlussfotograf stets im grünen Bereich....
Dieser Zustand änderte sich erst gegen Ende der 1940er Jahre, als es neben dem klassischen Magnesium-Beutel- oder -Kapselblitz auch verschiedene Blitzlampentypen und Röhrenblitzgeräte zu kaufen gab. Somit erhielt die Exakta 1950 mit der Exakta Varex auch ein zweites Blitzbuchsenpaar auf der linken Kamerafront.
Kurzer Erklärungsversuch der Zusammenhänge: ein Schlitzverschluss gibt ja nicht - wie der Zentralverschluss - bei jeder Verschlusszeit auch das ganze Bildfenster frei. Bei kürzeren Zeiten läuft ein - je nach Verschlusszeit - schmalerer oder breiterer Streifen vor dem Bildfenster ab und sorgt so für die entsprechende Lichtmenge auf dem Film. Beim Zentralverschluss hingegen öffnen die Lamellen langsamer oder schneller, irgendwann wird aber das Bildfenster gleichzeitig vom Licht erfasst. Somit sind Zentralverschlüsse auch einfacher - und meist bei allen Zeiten - zu synchronisieren. Der Blitz, egal wie langsam oder schnell er abbrennt, findet zu irgendeiner Zeit ein komplett offenes Bildfenster vor.
Dies ist so beim Schlitzverschluss nicht der Fall. Je nachdem wie schnell die Kameramechanik ist, wird das Bildfenster ab 1/25s bis 1/100s nicht mehr vollständig geöffnet sein. Zwar war die Verschlussmechanik der Exakta bis zum Modell IIa vergleichsweise schnell und gab bei 1/50s noch das Bildfenster komplett frei. Doch bereits bei der geringfügig kürzeren Zeit von 1/60s ab dem Modell IIb gab es anfangs manchmal Schwierigkeiten mit der Blitzsynchronisation für einige kurzleuchtende Blitze (Elektronenblitze). Das Problem konnte jedoch mit einer geringfügig veränderten Auslösezeit beseitigt werden.
Die Grafik rechts zeigt schematisch drei mögliche Verschlussfenster bei unterschiedlichen Verschlusszeiten. Wird nun die Blitzsynchronisation so eingerichtet, dass der Blitz vor dem Start des 2. Verschlussvorhanges zündet, leuchtet auch ein E-Blitz bei der oben dargestellten langen Verschlusszeit noch das ganze Bildfenster aus. Dies nannte man auch "Offenblitztechnik" - verfügbar an der X-Buchse. Hier bestimmt die Leuchtdauer des Blitzgerätes oder der Blitzlampe die Belichtung. Bei gleicher Synchronisation ist dies aber bei den beiden Verschlusszeiten darunter nicht mehr der Fall. Bei 1/500s etwa würde der größte Teil des Bildes extrem unterbelichtet sein.
Nun kann man in gewissen Grenzen die Blitzsynchronisation anders einstellen, etwa auf den 1. Verschlussvorhang. Dies wurde auch bei der Synchronisationseinstellung "M" so praktiziert; der Kontakt schließt hier 15ms vor Ablauf des ersten Verschlusstuches. Dies berücksichtigt die übliche Zündverzögerung der Blitzlampen. Allerdings braucht man dann Blitzlampen, deren Leuchtdauer den ganzen Verschlussablauf abdeckt. Hier lässt sich praktisch jede Verschlusszeit einstellen, sogar 1/1000s. Bei Elektronenblitzen ist dies normalerweise nicht gewährleistet. Es sei denn, man verwendete professionelle Blitzgeräte mit pulsierenden Lichtabgabe.
Die Exakta erhielt mit der Varex zwei unterschiedliche Blitzsynchronisationseinstellungen über jeweils ein Buchsenpaar - V(M) und E(X). Später, ab 1957 gab es sogar drei unterschiedliche Synchronisationen (M, X, F) für die damals noch in großer Vielfalt angebotenen unterschiedlichen Blitzlampen und Elektronenblitzgeräte. Heutige Kameras sind in aller Regel nur noch für E-Blitze synchronisiert bzw. haben ohnehin eine elektronisch geregelte Blitzsteuerung.
Zur Vervollständigung hier noch die Erklärung für den "F"-Kontakt der späteren Exakta und Exa. Hier löst der Blitzkontakt in der Kamera bereits einige Millisekunden vor Ablauf des ersten Verschlusstuches aus. Dies berücksichtigte die damals häufig verwendeten kleinen Blitzbirnen mit kurzer Brenndauer (z.B. XM 1, PF 1); der Verschluss wird hierbei auf 1/25s bzw. 1/30s eingestellt.

Die Tabelle aus der Zeit um 1965 zeigt die Verwendung der verschiedenen Blitzbuchsen, mit denen die Exakta seit 1957 bestückt war
Das Doppelstecker-/buchsen-System der Exakta war bis weit in die 1950er Jahre recht verbreitet. Viele Blitzgeräte-Hersteller, darunter etwa Agfa, Braun und Metz, boten ihre Blitzgeräte auch mit einem Exakta-Anschlussstecker an.
Dann setzte sich jedoch ein neuer Koaxialstecker für den Blitzgeräteanschluss, der "PC"-Stecker durch. Dessen Namensgeber waren die Verschlusshersteller Gauthier (Prontor) und Deckel (Compur), die sich erstaunlicherweise (waren ansonsten damals noch bittere Konkurrenten) auf "PC" (=Prontor Compur) einigten.
Für die Exakta's - und einige andere Kameras mit abweichenden Blitzbuchsen - wurden fortan Adapter angeboten, mit denen sich auch die neuen Normkabel mit der Exakta verbinden ließen. Die Ihagee selbst vertrieb einen Metallbügel, der mit den Exakta-Buchsen harmonierte.
Die Fotos links und oben rechts zeigen den Blitz-Adapterstecker der Ihagee, unten eine kleine Auswahl anderer Verbinder.
Aus dem Zubehörmarkt waren zahlreiche Varianten, teils ebenfalls aus Metall, teils aus Kunststoff erhältlich. Achtung - die Kunststoffadapter sind heute oft gebrochen, Metallbügel haben nicht selten einen internen Kurzschluss, also prüfen vor dem kaufen....


Zwei Blitzgeräte anderer Hersteller mit Exakta-Blitzanschluss. Links ein US-Flashgun mit M2/M3-Lampenbajonett, rechts ein Agfa-K-Blitzer für Blitzlampen mit Ba15s-Bajonett.

Mit Einstellung der Kamerafertigung im Frühjahr 1940 werden auch Produktion und Vertrieb dieser Zubehörteile geendet haben. Genaueres weiß ich darüber nicht, auch nicht, ob evtl. nach Kriegsende noch einige Vakublitzgeräte gebaut worden sind. Die Nachkriegs-Exaktas - bis zur Kine II Modell 1 - erhielten jedenfalls noch die (dritte) Montagebuchse für den Vakublitz. Erst ab 1949 mit der Vorstellung der Kine Exakta II Modell 2 (Ausführung mit dem gebördelten "Exakta"-Schild) entfiel diese Befestigungsbuchse.
Der neue Ihagee-Vacublitz war eine gut durchdachte Konstruktion. Die nicht gerade kleine Kombination aus Batteriegehäuse, schwenkbare Lampenfassung und Reflektor war mehrteilig; der Reflektor ließ sich aber mit einem Handgriff abnehmen. Das Blitzkabel war ebenfalls abnehmbar. Es hatte auf beiden Seiten - unverwechselbar - zum Blitzgerät und zur Kamera passende Steckeranschlüsse. Die ersten Ausführungen der Verbindungsbuchsen kamen noch aus der Schreinerwerkstatt, sie bestehen aus schwarz lackiertem Holz... Die Blitzkontakte der Vorkriegskameras wurden übernommen - die spätere "PC"-Standardbuchse war gerade erst erfunden.


Für Vielblitzer waren Blitzgeräte mit Batteriezündung auf die Dauer teuer und bei schnell nachlassender Batteriespannung wenig zuverlässig.


Die Schnellspannaufnahme für Blitzlampen blieb bis zuletzt unverändert, obwohl es zuletzt kaum noch Vakublitzlampen gab, die die Bajonettaufnahme ausfüllten. Ebenso unverwändert blieb der Reflektordurchmesser mit 16 cm. Für die neueren Glassockelblitzbirnen war ein Metalladapter mit Sockel Ba15s erforderlich, der aber damals handelsüblich für viele andere Blitzgeräte angeboten wurde.
Mit dem zuvor beschriebenen Vakublitz mit Stabhalter und den Erweiterungsteilen für eine studiogerechte Multiblitzanlage deckte die Ihagee vorwiegend den professionellen Bereich ab. So dachte man, aber der Siegeszug der Röhrenblitzgeräte ließ die großen Ihagee-Blitzer schnell zu Ladenhütern werden. Zudem wurde in westdeutschen Verkaufslisten ab 1954 der handlichere KOBOLD BC-Blitz angeboten, der Ihagee-Blitz war zeitweise in keiner westdeutschen Preisliste mehr zu finden. Um 1957 wurde die Produktion der zuletzt als "Ihagee Blitzleuchte" angebotenen Lampenblitzmonster eingestellt, der Verkaufspreis lag zuletzt bei 65,- DM (incl. Kondensatoreinsatz).
Zugleich wurde unter dem gleichem Namen ein neuer Lampenblitz angeboten, der mit integrierter Kondensatorzündung und zusammenlegbarem Fächerreflektor handlicher ausfiel. Das Gehäuse besteht aus einem in diesen Jahren gern verwendeten eingefärbten Duroplast-Material (wohl ein Abfallprodukt der Trabi-Produktion 😉 .
Das neue Blitzgerät konnte mit "Tochterblitzen"erweitert und auch in Kombination mit den älteren Stabblitzgeräten verwendet werden, weil die Steckverbindungsmöglichkeit für Kabelverbindungen beibehalten wurde. Das Anschlusskabel wurde kameraseitig mit PC-Stecker ausgeliefert (auf Wunsch gab's aber auch den Ihagee-Doppelstecker) und war jetzt komplett aus Kunststoff (auch der früher aus Holz bestehende Lampenstecker).Im Jahr 1952 kreierte die Ihagee ein bisher in dieser Form noch nicht dagewesenes Zubehör, das Ihagee Vielzweckgerät. Es basierte im Wesentlichen auf einem Balgengerät mit einigen drumherum entwickelten mehr oder weniger sinnvollen Ergängzungsteilen und wurde der staunenden Photographenwelt als eierlegende Wollmilchsau angedient.
Wenn auch meine Eingangsbeschreibung im gehörigen zeitlichen Abstand ein wenig abwertend ironisch klingen mag, so handelte es sich bei diesem Zubehör um imposante Teile, die der damaligen Fotografie durchaus neue Anwendungsfelder erschlossen. Vor allem der Bereich der Makro- und Mikrofotografie wurde mit dem Vielzweckgerät nun auch für eine größere Zahl von Amateurfotografen attraktiv.
Volumen und Gewicht der Zubehörteile bestimmten hingegen vonvornherein den stationären Einsatzbereich. Wer mit Balgengerät auf die Fotopirsch wollte, besorgte sich ein solches eher von Novoflex oder das später von der Ihagee nachgereichte "Kleine Balgengerät". Das Vielzweckgerät hielt denn auch Einzug in die technisch-wissenschaftliche Fotografie. Für den medizinischen Bereich hatte Ihagee mit dem aus dem Vielzweckgerät weiterentwickelten Kolpofot noch ein besonderes Schmankerl im Angebot.
Der dargestellte fotografische Anwendungsbereich war damals zwar nicht neu, jedoch wenigen fachlich und technisch gut präparierten Fachfotografen vorbehalten. Diese mussten vor allem auch über eine hervorragende Beleuchtungsanlage verfügen um brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Auch zum Vielzweckgerät gehörte bis in die 1970er Jahre ein derartiges Lampengestell. Als bessere Alternative bot sich die gerade aufkommende Blitztechnik an, doch entsprechend brauchbare Geräte gab es noch nicht.
In Zusammenarbeit mit dem Plauener Elektrogerätehersteller Ing. Heinz Blohm - dessen Betrieb kurz darauf (1954) verstaatlicht wurde und als VEB ELGAWA bis 1991 weiter bestand - entwickelte man ein Röhrenblitzgerät, dass um das Aufnahmeobjektiv herum angeordnet wurde.
Beim ZB3 handelte es sich um eine Ringblitzröhre in einer Metallfassung mit einem 6 Volt-Pilotlicht. Eine Zündeinrichtung war nicht integriert, so dass das Gerät - neben der obligatorischen Stromversorgung - noch einen Zündgenerator benötigte. Das ZB3 wurde mit offenen Anschlussdrähten geliefert, somit ermöglichte es dem Fachkundigen einen Anschluss an unterschiedliche Generatoren, die eine entsprechende Spannung liefern konnten.
Die praktischen Vorteile einer Ringblitzleuchte fanden recht schnell Eingang in größere Anwender- und Interessentenkreise. Allein die Vorzüge einer schattenfreien Beleuchtung beim Fotografieren von Hohlräumen, vor allem auch menschlicher Körperhöhlen, führten im Laufe der Jahre zu einer größeren Verbreitung auch in Arzt- und Zahnarztpraxen. Für spezielle Mikroaufnahmen konnte sogar noch ein Lupenobjektiv in die Frontöffnung der Ringblitzleuchte eingesetzt werden (Foto rechts).
Mit der Ringblitzleuchte RB 1 präsentierte die Ihagee im Jahr 1963 einen Nachfolger für das ZB 3. Das Gehäuse war nicht mehr so schön glanzverchromt, technisch änderte sich aber wenig. Lediglich eine Zündvorrichtung für den Blitz war jetzt eingebaut. Der Ringdurchmesser der Blitzleuchte blieb gering, so dass weiterhin nur langbrennweitige Objektive verwendbar waren. Eingestellt wurde nach wie vor mit dem eingebauten 6V/15W-Pilotlicht; der Objektivanschluss erfolge über Filtergewinde M49. Doch auch dieser Ringblitz erforderte eine externe Stromversorgung (500 V / 250 Ws).
So entstand der Wunsch auch nach einem Ringblitz, der ein weniger aufwendiges Equipment erforderte. Diesen Wunsch erfüllte die Ihagee - zumindest teilweise - erst spät, für viele Exakta-Fotografen bereits zu spät....
Die Zentralblitzeinrichtung RB 2 wurde erstmals 1967 zu einem Katalogpreis von 180,- DM (Katalog-Nr. 197) angeboten (das RB 1 kostete nach wie vor 310,- DM). Zwar waren infolge des Wegfalls der Preisbindung dafür in den Läden meist etwas weniger zu bezahlen, doch auch das RB 2 erforderte noch eine externe Stromversorgung. Eine Zündvorrichtung für die Ringblitzleuchte war allerdings eingebaut. Der weit größere Vorteil für engagierte Fotoamateure war hingegen, dass dieser Ringblitz auch mit Normalobjektiven oder Brennweiten 75 oder 80 mm verwendbar war. Das Montagegewindegewinde M49 (= Filteranschlussgewinde) passte zudem auf die meisten Normalobjektive, auch das große Balgengerät war nicht zwingend erforderlich. Es konnten auch die - meist vorhandenen - Zwischenringe und Tuben benutzt werden.
Zum Betrieb der oben beschriebenen Ihagee-Ringblitzgeräte wird in jedem Fall ein passender Generator benötigt, der sowohl die erforderliche Hochspannung als auch die passende Leistung bereitstellt. Dies können zum Einen durchaus leistungsstärkere Röhrenblitzgeräte sein, etwa das Braun hobby, Metz Mecablitz 45, Paffrath & Kemper, ELGAWA oder andere handelsübliche E-Blitzgeräte sein. Voraussetzung ist, dass die Blitzlampensteuerung an irgendeiner Stelle zugänglich ist. Hier muss dann das Steuerkabel des Ringblitzes angeschlossen werden - wegen der lebensgefährlichen Spannungen nix für Laien!
Eine andere Möglichkeit ist, die Spannung von einem Hochspannungsgeneratur zu entnehmen. Gut, wenn dieser nebenbei auch noch die 6V-Pilotlicht-Spannung liefern kann.
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