Das NOVOFLEX System für die Exakta Varex

Herzlich Willkommen bei der Vorstellung des NOVOFLEX-Zubehörsystems für die Exakta Varex bei Photo but More.

Novoflex SignetDer Fotograf und Fotohändler Karl Müller gründete 1948 in Memmingen im Allgäu ein Unternehmen für die Herstellung von Fotozubehör. 1950 wurde der Name „NOVOFLEX“ als Warenzeichen eingetragen. Unter diesem Namen wurden vor allem das Zubehör für die Nah- und Makrofotografie und später die praktischen Schnellschuss-Fernobjektive weltweit bekannt.

Prospektbild mit Kine 2Aus anfangs nur für die Sucherkameras Contax und Leica produzierten Spiegelgehäusen entwickelte sich mit den Jahren ein hochwertiges Objektiv- und Zubehörprogramm für fast alle Kamerasysteme des Weltmarktes. Mit den nach und nach in immer größerer Vielfalt angebotenen Kamera- und Objektivanschlussringen sind die Teile universell einsetzbar. Lediglich die meisten Kameras mit Zentralverschluss bildeten eine Ausnahme.

In seinen Katalogen und Preislisten verwendet NOVOFLEX ähnlich kryptische Bestellnamen wie Leitz, so dass ein Zurechtfinden in dem umfangreichen Angebot ohne passende Literaturhilfe so gut wie unmöglich ist. Zwar fanden sich in den Katalogen vereinzelt auch „normale“ Teile, wie Filter, Vorsatzlinsen oder Zwischenringe. Seine Marktführerstellung errang Novoflex jedoch mit Balgengeräten und Spezial-Fernobjektiven.

Wie schon erwähnt, wurde im Laufe der Jahre das Novoflex-Angebot immer weiter ergänzt und verbessert. Dadurch – und auch bedingt durch Anpassungen an immer mehr Kamerasysteme – ging dem Fotoamateur leicht die Übersicht verloren, weshalb Novoflex-Geräte meist engagierten Fotografen und Profis vorbehalten blieben. Gerade die Vielfalt verlockt aber auch zum Sammeln!

Ich will versuchen, mit meinen Beschreibungen und Fotos zumindest für die Kombinationen mit der Exakta ein wenig Übersicht zu schaffen. Ganz leicht ist dies nicht, zumal die Teile aus verschiedenen Zeiten nicht immer zueinander kompatibel sind. Wer damit jedoch umzugehen versteht, findet bei den zahllosen Anschlussringen und Adaptern immer eine Möglichkeit, sogar systemübergreifend Alles mit Jedem zu verbinden.

NOVOFLEX Balgengeräte

Balgen mit Kine 2Sind die anfangs angebotenen Spiegelgehäuse für uns Exakta-Sammler nur von geringer Bedeutung, wird die Herstellung von Balgengeräten ab 1951 umso interessanter. Zu diesem Zeitpunkt nämlich waren diese - gerade für Spiegelreflexkameras wichtigen Zubehörteile - von der Ihagee noch nicht lieferbar.

Zunächst gab es die Novoflex-Balgengeräte nur für die Contax- und Leica-Spiegelkästen. Doch schon bald wurde auch eine Bajonett-Version für die Exakta angeboten (zeitgleich auch mit M42-Gewinde für die Praktica sowie für das kleinere Gewinde der ersten Praktiflex).

Die erste Novoflex-Preisliste für die „Kine-Exakta“ listet 1951 zwei Versionen des Balgeneinstellgerätes:

Modell I (Codename EBAL)
mit einfacher Zahntriebverstellung bis 125 mm Auszugslänge
(Preis DM 84,-)

Modell II (Codename EBIG)
mit zusätzlichem Einstellschlitten (doppelter Auszug) und Verstellmöglichkeit auf Hoch- oder Querformat
(Preis DM 159,-).

Diese anfangs recht hohen Preise wurden 1953 kräftig gesenkt - für das Modell I auf 69,- und für das Modell II auf DM 123,-.

CastelMit dem - auch heute noch in anderem Design lieferbaren - Einstellschlitten CASTEL (Bild rechts) kann das Balgengerät I in die Version II aufgerüstet werden und erhält damit einen doppelten Auszug. Auch andere Balgengeräte lassen sich auf diese Weise erweitern. Zugleich ist dieser Einstellschlitten auch ohne Balgengerät, z.B. für Stereoaufnahmen oder mit einem Makroobjektiv, verwendbar.

Die Führungsschienen der Balgengeräte sind mit Verlängerungsfaktoren für die Belichtungszeit bei Verwendung von 5 cm und 10,5 cm (später auch 13,5 cm) Objektivbrennweite graviert. Bei Benutzung eines 10,5 cm-Objektivkopfes kann die Objektiv-/Balgenkombination universell eingesetzt werden, also sowohl für Nahaufnahmen als auch bis zur Unendlich-Einstellung. Diese Brennweite wurde in den Folgejahren quasi "Standard" für Objektivköpfe, mit denen ohne Objektivwechsel sowohl im Nah- als auch im Unendlichbereich fotografiert werden konnte.

Novoflex bot in seiner ersten Preisliste selbst einen 10,5 cm-Objektivkopf an, anfangs ein Schneider Xenar mit Lichtstärken 3,5 (IXAR) oder 4,5 (EXAR). Mit einem Zwischenring (EXRING) sind auch Leica-Objektive mit M39-Gewinde verwendbar.

frühe Balgengeräte
Verschiedene Ausführungen der frühen Novoflex-Balgengeräte. Von links nach rechts sind dies:
Modell I (EBAL), Modell II (EBIG) - frühe Versionen noch ohne Anschlussmöglichkeit für Kompendium;
Modell I (EBAL), Modell II (EBIG), Modell I schwenkbar (EBAL-S)

EBAL mit Culminar

Neben den Novoflex-Objektivköpfen lassen sich mit den Balgengeräten auch andere Objektive mit Exakta-Bajonett bzw. Schraubanschluss und passendem Adapterring verwenden. Soll dabei bis unendlich eingestellt werden, muss es ein trennbares Objektiv längerer Brennweite sein. Das heißt, der Linsensatz (Objektivkopf) muss sich von der Einstellfassung abschrauben lassen. Bei fast allen damals angebotenen normal gerechneten Objektiven mit Brennweiten 90...135 mm ist dies der Fall, bei "echten" Teleobjektiven dagegen nicht. Da für die Verbindungsgewinde keine Norm bestand, ist zum Anschluss an das Balgengerät in den allermeisten Fällen ein Verbindungsstück bzw. Adapterring notwendig.

Dem Novoflex-System kam hier seine Universalität zu gute. Für die bekanntesten längerbrennweitigen Objektive, wie Steinheil Culminar oder Leitz Hektor lieferte Novoflex Adapter. Damit verringert sich zwar der maximal erreichbare Abbildungsmaßstab gegenüber den Novoflex-Originalobjektiven, in jedem Fall kann aber sowohl auf Unendlich, als auch auf eine sehr kurze Entfernung (20-50 cm) eingestellt werden.

Das rechte Bild zeigt eine aufnahmebereite Kombination mit dem Objektivkopf des Steinheil Culminar 4,5/135. Die objektivseitige Verbindung zum Balgen EBIG (mit beidseitigem Exakta-Bajonett) übernimmt dabei der Novoflex-Anschlussring EXCUL.

Balgen 50 mm Balgen 105 und 135 mmBeide Balgengeräte blieben jahrelang nahezu unverändert, lediglich die Gravuren wurden mit 50 mm / 105 mm / 135 mm der Zeit angepasst. Als EBAL-S war der EBAL-Balgen später auch mit einem drehbaren Kameraanschluss erhältlich. Für die Novoflex-Fernobjektive (haben keinen Schneckengang) wird das Balgengerät auch zur Entfernungseinstellung benötigt (s. weiter unten).

Balix mit ExaErst Ende der 1950er Jahre löste eine Neukonstruktion das Balgengerät I ab. Korrekter sollte es heißen, das neue Balgengerät BALIX mit einem Gehäuse aus bakelitähnlichem Kunststoff ergänzte das Novoflex-Programm. Mit nur noch einer Führungsschiene mit Mikrometerschraube wurde es leichter und preisgünstiger als das Balgengerät I. Allerdings blieb es nicht allzu lange im Lieferprogramm. Es wurde vom Modell BAL-S abgelöst.













Im Foto links sehen Sie eine Exa (0) an dem um 1960 neuentwickelten "kleinen" Balgengerät "BALIX". Dieses war mit Festanschlüssen auch für andere Kamerasysteme lieferbar.
In der Kombination ist ein sog. Balgen-Objektiv, also ein Normalobjektiv mit verkürzter Fassung und ohne Schneckengang eingesetzt. Damit ist auch beim Balgengeräteeinsatz eine Fokussierung bis Unendlich möglich. Derartige Objektive gab es von Zeiss Jena, Steinheil und Isco. Hier wird ein Steinheil Makro-Cassarit 1:3,5/50 mm verwendet.


BALCAST Balgen Anfang der 1960er Jahre wurde das Balgengerät II durch zwei neue Universal-Balgengeräte mit jetzt auswechselbaren Kameraanschlüssen ersetzt. Beide Modelle besitzen als Standardanschluss kameraseitig ein neues von Novoflex entwickeltes Schnellwechselbajonett und objektivseitig jetzt das Leica-Gewinde M39. Andere Anschlüsse waren nur noch auf Sonderbestellung eine Zeitlang lieferbar.

Damit schuf Novoflex eine völlig neue Stufe der Flexibilität. Die neuen Balgengeräte passen mit lieferbaren Anschlussringen an 30 verschiedene Kameras! Die Normung des Objektivanschlusses für Leica/M39 war sinnvoll, weil damit viele Objektivköpfe ohne Anpassung direkt mit dem Balgengerät verwendet werden können. Zudem war weiterhin mit den gebräuchlichen 105mm-Objektivköpfen mit allen Spiegelreflexkameras Unendlich-Einstellung möglich. Würde man das Leica-Gewinde durch ein Bajonett ersetzen, wäre für Unendlich-Einstellung ein 135mm Objektivkopf erforderlich.




Modell II (BALCAST) mit fest angebautem Einstellschlitten und Schwenkmechanismus

Novoflex-Balgengerät S Mit dem neu entwickelten Novoflex-Bajonett (s. im Bild weiter unten beim "BALU") werden auch andere Novoflex-Geräte (z.B. Fernobjektive) ausgerüstet, an das frontseitige M39-Gewinde können die von Novoflex angebotenen Objektivköpfe direkt angeschlossen werden. Zur Verbindung mit der Kamera und die Verwendung von Objektiven mit kameraeigenen Anschlüssen bot Novoflex zahlreiche Kamera- bzw. Objektiv-Anschlussringe (Adapter) für nahezu alle Kamerasysteme des Weltmarktes an.

Der übliche Kameraanschlussring für die Exakta heißt „IXA“, für das Außenbajonett „AUXA“; der Objektivanschlussring heißt „LEIEX“.


Modell S (BAL-S) ohne Einstellschlitten (ggf. mit CASTEL ergänzbar).

BaluBALU-Balgen
Als Spezialausführung BAL-U ist das Balgengerät ohne Einstellschlitten beidseitig mit dem Novoflex-Bajonett ausgerüstet und kann direkt mit dem Schnellschussgriff (PIGRIFF-B) für die Fernobjektive verwendet werden. Zum Anschluss an das Exakta-Gehäuse wird ein Anschlussring „AUXA“ benötigt.

Die Verwendung des BAL-U als "normales" Balgengerät war von Novoflex nicht vorgesehen und ist auch nur eingeschränkt möglich.

NOVOFLEX Schnellschuss-Balgengeräte

SchnellschussbalgenSchnellschussbalgenDie neuen Balgengeräte waren mit einem dazu aus dem Pigriff-B für die Schnellschussobjektive abgewandelten Pistolengriff auch als Schnellschuss-Balgengeräte für verschiedene Kamera-Anschlüsse verfügbar. Objektivanschluss war generell M39 für Objektivköpfe mit Leica-Gewinde.

Der Codename für die Exakta-Version ist „EXPIBAL“, als „AUXPIBAL"“ war es auch für den Anschluss an das Exakta-Außenbajonett verfügbar.
Verkaufspreis war DM 219,- (1963).


Das Bild rechts zeigt ein Schnellschussbalgengerät mit M42-Gewinde für Edixa/Pentax/Praktica „COPIBAL“, das linke Bild in Verbindung mit einer Edixa und einem Noflexar 3,5/105 mm (LEINO).



Schnellschussbalgen





Auch mit dem Schnellschussbalgen konnte das Novoflex-Balgenzubehör verwendet werden. Das Bild rechts zeigt ein Schnellschussbalgengerät „COPIBAL“ mit einem Diakopiervorsatz „BALCOP“ und der Balgensonnenblende „BALSON“.

Schnellschussbalgen Novoflex lieferte dazu 8 verschiedene Objektivköpfe mit Leica-Gewinde:

Noflexar 3,5/105 mm (LEINO) DM 93,- / DM 156,- mit automatischer Blende*
Xenar 3,5/105 mm (LEIXIN) DM 159,-
Xenar 4,5/105 mm (LEIXAR) DM 123,-
Xenar 4,5/135 mm (LEIXEAL) DM 141,-
Noflexar 4,5/135 mm (LEINO-135) DM 108,- / DM 174,- mit automatischer Blende*
Xenar 4,5/150 mm (LEIXIAN) DM 153,-
Noflexar 4,5/240 mm (LEINO-240) DM 318,-
Tele-Arton 5,5/240 mm (LEITELAR) DM 369,-

*Blendenkupplung mit Doppel-Drahtauslöser.

Auch Objektivköpfe anderer Hersteller sind verwendbar, wenn diese über ein M39-Gewinde verfügen. Soll die Kombination auch im „Normalbetrieb“ – also für Aufnahmen bis unendlich – verwendet werden, muss der Objektivkopf mindestens 105 mm Brennweite haben. Für Objektivköpfe mit anderen Gewindedurchmessern waren auch einige Anschlussadapter, etwa für das Steinheil Culminar oder das Leitz Hektor erhältlich. Zeitweilig bot Novoflex die Anpassung als Kundendienstleistung an, wenn das Objektiv nach Memmingen gesandt wurde.

NOVOFLEX Zubehör für Balgengeräte

Zur Verwendung mit 6x6 Kameras oder Schmalfilmgeräten bot Novoflex eine spezielle Zubehörpalette an. Die Kataloge und Preislisten nahmen in den 1960er Jahren immer mehr an Umfang zu. Etwa ab den 1970er Jahren lieferte Novoflex Balgengeräte auch mit Springblenden-Automatik für viele SLR-Kameras. Die Exakta war zu dieser Zeit allerdings nicht mehr dabei...

Diakopiergerät Ergänzungsteile zu den Novoflex-Balgengeräten

Wie Aufnahmeobjektive benötigen auch Balgengeräte für mancherlei Aufnahmesituationen einen Lichtschutz in Form einer Balgensonnenblende, auch Kompendium genannt. Neben dem Schutz vor unerwünschten Lichtreflexen bietet das Kompendium auch die Möglichkeit für bewusste Vignettierung oder Maskierung. Besonders in der Filmerei wurde Derartiges oft benutzt; bekannt ist der „Schlüsselloch-Effekt“.

Auch beim Gebrauch eines Diakopiergerätes ist das Kompendium unverzichtbar. Alle Novoflex-Balgengeräte (mit Ausnahme der frühen Ausführungen aus den Jahren 1951/52) sind für die Aufnahme solcher Zubehörteile vorgesehen.

Diakopiergerät mit BiotarCodename der ab 1953 zum Preis von DM 30,- lieferbaren Balgensonnenblende ist „BALSON“. Im Lieferzustand ist das Kompendium für Objektive zwischen 35-135 mm Brennweite mit 42 mm Aufsteckdurchmesser verwendbar, für andere Durchmesser gab es Adapterringe („M“ + Filtergewinde).

Als Ergänzung wurde bald darauf auch ein Diakopiergerät angeboten. Für die Verwendung mit dem Einstellschlitten bzw. dem Balgengerät II (EBIG, BALCAST) war der Bestellname „BALCOP“.
Ein mitgelieferter Einstellwinkel koppelte es mit dem Einstellschlitten. Für das Balgengerät I (oder ohne Kopplung mit dem Einstellschlitten) war es auch ohne Verbindungsbügel als „BALCOP-P“ erhältlich. Zum Gebrauch mit 50 mm-Normalobjektiven wird noch die Vorsatzlinse BALENS benötigt.

Diakopiergerät mit CassarIm Vergleich mit den im IHAGEE-Vielzweckgerät ab 1953 enthaltenen gleichartigen Zubehörteilen sind die Balgengeräte und Ergänzungsteile von Novoflex kleiner, leichter und einfacher in der Handhabung. Trotzdem sind sie sehr präzise und von hoher Qualität.



Die drei Bilder links zeigen eine Diakopiereinrichtung komplett mit dem Balgengerät II und Kompendium in Arbeitsstellung mit Objektiven mit Exakta-Bajonettanschluss.
Im mittleren Bild ist ein Zeiss Biotar 2/58 eingesetzt, mit dem ohne weitere Zusätze ein Maßstab von 1:1 erreichbar ist.
In den Bildern oben und unten wird ein Steinheil Cassar 2,8/50 verwendet. Dabei ist zusätzlich noch eine spezielle Vorsatzlinse "BALENS" notwendig, wenn 1:1 erreicht werden soll.


Novoflex Balgenausstattung

Zum Lieferumfang des Kompendiums BALSON gehört eine einschiebbare Blende für die Bildbegrenzung 24x36 mm. Diese kann in die für das Diakopiergerät vorgesehenen Führungsschienen eingesetzt und bei Bedarf auch gegen eine entsprechende selbstangefertigte Maske ausgewechselt werden.

Zum Lieferumfang des Diakopiervorsatzes gehört ein Einstellnegativ aus Glas, mit dem die Kombination für verschiedene Kamerasysteme Edixa / Exakta, Alpa / Praktina / Spiegelkasten und Pentacon / Praktica in der Höhe justiert werden kann.







Die komplette Balgen- und Diakopierausstattung in der Ausführung der späten 1950er Jahre in den klassischen orange/schwarzen Novoflex-Kartons. Im unteren Bildteil rechts sehen Sie das Spezialobjektiv KATAGON 4,5/60 (s. nächster Abschnitt) und den Haltewinkel aus dem Diakopiersatz BALCOP.


NOVOFLEX Makroobjektive

Noflexar35Noflexar 3,5/35Obwohl eigentlich nicht systemgerecht nahm Novoflex zeitweilig – wohl aus Konkurrenzgründen gegenüber Kilfitt - auch ein Makroobjektiv in sein Lieferprogramm auf. Das 4-linsige Noflexar 3,5/35 zählte in den 1960er Jahren zu den qualitativ besten Makroobjektiven überhaupt, die der Markt damals für Spiegelreflexkameras anbot. Damit ist – ohne Balgen oder Ringe – ein lückenloser Einstellbereich von 7 cm bis unendlich möglich.

Das Objektiv war neben der abgebildeten Exakta-Ausführung (EXWEIT) auch mit M42-Anschluss (COWEIT) und für Canon, Nikon und Zenit lieferbar. Es verfügt über vier Raststufen, mit denen die kürzeste Normal-Einstellentfernung des hochwertigen Weitwinkelobjektivs (40 cm) stufenlos bis auf 7 cm verringert wird. Besonders praktisch dabei – jede Raststufe erfordert einen viertel Blendenwert mehr. Ganz ausgezogen (rechte Abbildung) ist die Blende also um einen vollen Wert (z.B. statt Blende 5,6 auf Blende 4) zu öffnen. Für den praktischen Gebrauch hat das Objektiv eine Vorwahlblende, integrierte Sonnenblende und Filtergewinde M49. Für noch größere Maßstäbe (=kürzere Einstellentfernungen als 7 cm) mit Balgengerät wird auch hier die Retrostellung mit Umkehrring (UMEX) empfohlen.

Diakopiergerät mit Katagon

Ein weiteres Spezialobjektiv zur Verwendung mit dem BALCAST- oder BAL-S- Balgen ist das als Makroobjektiv gerechnete KATAGON 4,5/60 mm (BALFLEX).

Als Alternative zu den Kamera-Normalobjektiven ist es besonders für den Gebrauch mit dem Diakopiergerät und für Makrofotografie geeignet.
Es passt direkt an das Balgenkompendium BALSON und hat Leica M39-Gewinde. Das Objektiv wurde von Dr. Staeble, München für Novoflex gebaut.



Der komplette Diakopiervorsatz an einer Exakta Varex IIa, diesmal mit dem Novoflex-Spezialobjektiv Katagon 4,5/60 mm.


NOVOFLEX Schnellschuss-Objektive, Fernobjektive

Das Novoflex-Objektivangebot war anfangs lediglich eine Ergänzung zu den Balgengeräten. 1953 wurde mit dem Noflexar 3,5/105 mm erstmals eine eigene Objektivkonstruktion vorgestellt. Mehr Aufmerksamkeit erregte allerdings das Fernobjektiv 5,6/40 cm ohne Schneckengang. Für die Exakta wurde es unter dem Codenamen NOFEX für DM 414 angeboten. Ein Jahr später folgte ein weiterer Objektivkopf 9/64 cm. Beide waren Achromaten, also keine Tele- sondern klassische Objektivkonstruktionen mit 2 miteinander verkitteten Linsen. Zur Scharfstellung war das Balgengerät I oder II erforderlich.

Fernobjektiv 400Novoflex Noflexar 1:5,6/40 cm aus dem Jahr 1954. Die Entfernungseinstellung erfolgt mit dem Balgengerät EBAL

Fernobjektiv 640Novoflex Noflexar 1:9/64 cm in einer frühen Ausführung aus dem Jahr 1955. Die Entfernungseinstellung erfolgt mit dem Balgengerät EBAL.


Trotz aller Finessen, die andere Objektivbauer mit mehr Linsen in die Objektivkonstruktion einbrachten, ist diese Bauweise dem Zweck entsprechend die bestgeeignete. Mit diesem Prinzip, kontinuierlich weiterentwickelt, wurde Novoflex später mit den Schnellschuss-Fernobjektiven weltbekannt. Parallel dazu wurden auch zusammenschiebbare Fern-Objektive 5,6/400 (EXLA) und 9/640 mm (EXLA-640) angeboten. Da bei den Novoflex-Fernobjektiven in klassischer Bauweise die Baulänge der Brennweite entspricht, erleichterte der Einschubmechanismus den Transport gegenüber Fernobjektiven üblicher Bauweise. Mehr zum Thema Fernobjektive finden Sie in meiner Objektiv-Abteilung für die Exakta.

Hier möchte ich auf die „Schnellschuss“-Eigenschaften eingehen, mit denen die Novoflex-Fernobjektive ihre Bekanntheit erlangten. Wie schon beschrieben, hatten die langen Tüten aus Memmingen keine Schneckengang-Scharfstellung. Dies macht das Objektiv vergleichsweise leichter und überdies eine Baugruppen-Konstruktion möglich. Beispielsweise konnte für beide Fernobjektive der gleiche Blendenkörper verwendet werden. Diese Konzeption führte später fast zwangsläufig zu dem als „Pistolengriff“ bekannt gewordenen Einstellsystem von Novoflex. Dieser löste das bei den Fernobjektiven zur Entfernungseinstellung benötigte Balgengerät ab. Doch sind erst in Kombination mit einem Balgengerät sehr kurze Aufnahmeabstände möglich.

Das erste Schnellschuss-System war bereits Mitte der 1950er Jahre im Handel verfügbar. Kernstück ist der Schnelleinstellgriff „PIGRIFF“, der entweder über einen Zwischentubus „PITUB-J“ + Kamera-Anschlussring (EXLEI-P) oder wahlweise ein kopfstehendes Balgengerät mit der Kamera verbunden wird. Auch eine Ausführung mit untrennbar verbundenem Balgengerät und PIGRIFF war lieferbar. In der Exakta-Version (AUXPIBAL) hat diese einen Anschluss für das Kamera-Außenbajonett. Für die Praxis ist die Balgen-Kombi eindeutig vorzuziehen, weil sie kürzere Aufnahmeentfernungen zulässt.

Novoflex-SystemAnfang 1960 waren 4 Schnellschussobjektive lieferbar (komplett mit Zwischentubus PITUB-J und Anschlussring).

Die Geräte waren nicht gerade billig, für das Gebotene waren die Preise jedoch sicher angemessen:
4,5/240 mm (EXPI-240) 546 DM
5,6/300 mm (EXPI-300) 585 DM
5,6/400 mm (EXPI-400) 657 DM
9/640 mm (EXPI-640) 798 DM.

In der späteren Version mit PIGRIFF-B waren es noch drei:
5,6/280 (EXPI-280-B) 585 DM
5,6/400 (EXPI-400-B) und
9/640 (EXPI-640-B).

Alle Teile konnten auch einzeln geliefert und fast nach Belieben miteinander kombiniert werden. Objektivköpfe (ohne Blendenkörper PIFAS): 4,5/240 (N-240) 282 DM; 5,6/300 (N-300) 294 DM; 5,6/400 (N-400) 366 DM; 9/640 mm (N-640) 297 DM. Die beiden langen Brennweiten wurden zusätzlich noch in Linsensatz, Blendenkörper und Sonnenblende geteilt. Die Objektivköpfe 400 und 640 lassen sich auch mit der zusammenschiebbaren Fassung (EXLA) kombinieren.

Eine Schnellschusskombination 5,6/400 für die Exakta erfordert also folgende Einzelteile:
EXLEI-P Anpassungsring für die Kamera,
PITUB-J Verlängerungstubus (alternativ Balgengerät),
PIGRIFF Pistolen-Einstellgriff,
PIFAS Blendenkörper,
N-400 Objektivkopf,
SONFE Sonnenblende.
Kompliziert? - ein wenig!

Ab etwa 1965 wurde das Schnellschuss-System in Folge der neu entwickelten Balgengeräte BALCAST und BAL-S auch mit dem Novoflex-Bajonett ausgestattet. Der Schnelleinstellgriff (PIGRIFF-B) wird wie bisher mit einem Zwischenstück oder dem neuen Spezialbalgengerät BAL-U mit dem Kameragehäuse verbunden.

Pigriff mit 400
Schnellschusskombination mit 400er Objektivkopf und Balgengerät BAL-U. Damit konnte bis 1,8 m fokussiert werden!


Pigriff mit 300
Schnellschusskombination mit dem 300er Kopf ohne Balgen-Zwischenstück für Fernaufnahmen ab ca. 6m.


Adapter für Pigriff-B

PIGRIFF-B hat beidseitig das Novoflex-Bajonett, entsprechend sind auch die neuen Objektivköpfe ausgestattet. Die beiden langen Brennweiten sind weiterhin in Linsensatz und Blendenkörper geteilt. Der Blendenkörper (PIFAS-B) ist wahlweise mit dem 400er (B-400) oder dem 640er (N-640) Noflexar verwendbar. Das 280er (B-280) hat einen integrierten Blendenkörper mit eingebauter Blende.

Allerdings ist dieses System "B" mit dem Vorherigen nicht kompatibel! Für die Besitzer der früheren Pistolenobjektive bot Novoflex einen - kostenpflichtigen - Umbauservice an. Sammlerfreund Martin Grahl teilte mir mit, dass die Adaptertuben für die B-Variante des PIGRIFF jeweils in einer Variante mit Außenbajonett AUXBA und mit Innenbajonett IXBA erhältlich waren.



Exakta-Anschlussadapter für das Novoflex-System mit Außenbajonett AUXBA (links im Bild) und Normalbajonett IXBA (rechts im Bild). Darunter sind die Adapter EXLEI-P zum Anschluss von Objektiven mit M39-Leica-Gewinde an das Exakta-Bajonett zu sehen. Links die Version mit Außen-, rechts mit Normalbajonett; beide hatten die gleiche Codebezeichnung. Danke an Martin Grahl für Info und Foto!

Auch dieses System erhielt in den 1980er Jahren noch einen Nachfolger – die Super-Schnellschuss-Objektive C. Gegenüber dem System B hat sich aber nichts Wesentliches verändert. Der Schnelleinstellgriff „PIGRIFF-C“ kombiniert in der Form eines Maschinengewehrkolbens nun die Einstellung und Auslösung mit einer mehr oder weniger handlichen Stütze.

Novoflex CPigriff C Dazu gibt es passende Objektivköpfe:
Noflexar 5,6/400 (LINSE-400)
Noflexar 8/600 (N-600)
und das dreilinsige T-Noflexar 5,6/400 (LINSE-400/3).
Später war auch das Leitz Telyt 6,8/560 in diesem System verfügbar.

Mit der Exakta kann diese Kombination immer noch mit dem Anschlussring AUXA oder IXA verwendet werden (danke für die Korrektur-Info an Martin Grahl aus Memmingn!). Wie schon zuvor ist der Blendenkörper (PIFAS-C) unabhängig vom gewählten Objektivkopf erforderlich.

PIGRIFF-C
Sammlerkollege Martin Grahl schickte mir auch das Foto einer PIGRIFF-C Kombination mit einer EXA Ia. Vielen Dank!


Novoflex XenarNovoflex XenarMitte der 1960er Jahre wurde auch noch ein Schneider Xenar 4,5/135 mit einer ungewöhnlichen Schnellfokussiertaste angeboten.

Novoflex 200Später gab es noch ein Noflexar 3,8/200 mit einem eigenen Pistolengriff (PIGRIFF-200) und in Zusammenarbeit mit TAMRON ein Tele-Zoom 3,8-5,4/60-300 sowie ein lichtstarkes Tele 2,8/300. Auch diese beiden Versionen kamen mit eigenem Schnelleinstellgriff. In das Novoflex-System passten sie insoweit, als zum Anschluss an verschiedene Kamerasysteme die Novoflex-Anschlussadapter verwendet werden konnten.



Noflexar 3,8/200 mit PIGRIFF-200

Wenn Sie mir bis hierher gefolgt sind, werden Sie mir wohl beipflichten – Novoflex-Geräte sind weit mehr als simples Zubehör für Nah- oder Fernfotografie. Für denjenigen, der damit umzugehen versteht, sind die Teile selbst in Zeiten der digitalen Knipsautomaten noch eine echte Herausforderung. Da für fast Alles auch passende Anschlussadapter erhältlich sind (oder angefertigt werden können), lassen sich mit Novoflex-Geräten heute und wohl auch in Zukunft noch hervorragende Fotoergebnisse erzielen.

Sicher gestehen Sie mir auch zu, dass ich bei weitem nicht alle Möglichkeiten hier auf meiner Internetseite vorstellen oder gar beschreiben kann. Was vorstehend für die Exakta gilt, trifft auf viele andere Kamerasysteme in gleicher Weise zu. Auf moderne Kameras mit ihren vielen Automatikfunktionen kann und will ich aber auf einer Exakta-Sammlerseite nicht eingehen. Einen Überblick über das Novoflex-Programm gibt die Code-Namen-Übersicht aus dem Katalog 1966, die Sie sich hier anschauen können.

NOVOFLEX Anschlussringe / Adapter

Novoflex-BajonettAnschlussringe Exakta Das Foto links zeigt das Novoflex-Bajonett mit dem kameraseitigen Anschluss. Die Verbindung mit dem Kamerabajonett stellten eine Vielzahl lieferbarer Adapter her. Die wichtigsten Anschlussringe im Novoflex-System für die Exakta, der Kameraanschluss ist zuerst genannt:

Bild rechts, von links nach rechts, vordere Reihe:
IXA (Exakta-Bajonett - Novoflex-Bajonett) / AUXA (Exakta-Außenbajonett - Novoflex-Bajonett / EXLEI-P (Exakta-Bajonett - M39, schwenkbar) / LEIEX (M39 - Exakta-Bajonett)

hintere Reihe:
PITUB-J (M39 - M39) / AUXBA (Exakta-Außenbajonett - Novoflex-Bajonett, schwenkbar) / EXLEI (Exakta-Bajonett - M39) mit NORING-I-Zwischenring M39

IXAEXUMUmkehrring EXUM (links), Anschlussring IXA für das Novoflex-Bajonett (rechts)

EXYR für Yronar Anschlussadapter EXYR für den Objektivkopf des recht seltenen Rodenstock Yronar an Balgengeräte mit Festanschluss für die Exakta








Obwohl es an sich das Konzept meiner Vorstellung sprengt, finden Sie hier noch eine Übersicht der Novoflex-Adapter für ausgewählte klassische Kameras (soweit mir bekannt). Für spätere Kameragenerationen sind Novoflex-Anschlussringe häufig noch im Handel erhältlich.




NOVOFLEX Spezialsucher für die Exakta

Novoflex-Sucher 50/135

Speziell für die Exakta hatte Novoflex in den 1950er Jahren noch zwei Zusatzsucher im Lieferprogramm. Manch einer mag dies mit einiger Verwunderung zur Kenntnis nehmen, war doch gerade das Suchersystem der Exakta Varex ein bedeutendes Argument für dieses Spiegelreflexsystem. Doch gab es auch Anwendungen, in denen der klassische Fernrohrsucher Vorteile gegenüber dem Reflexsucher hatte. Die frühe Asahiflex, Vorläuferin der Pentax oder auch die Praktina waren Beispiele, wie auch Spiegelreflexkameras einen Fernrohrsucher integrierten. Auch die Ihagee übernahm zeitweise diese Idee mit dem sogenannten "Köhler-Sucher".

Novoflex Sucher 50/105Insbesondere schnell bewegte Objekte, etwa bei Sportaufnahmen, waren mit Sucherkameras besser zu verfolgen als mit SLR-Suchern. Der Lichtschachtsucher war hierfür gar nicht zu gebrauchen. Novoflex brachte noch eine weitere Idee ein, mit einem zweiten Fernrohrsucher einen Vergleich zwischen den gebräuchlichen Tele-Brennweiten 105 bzw. 135 mm und der 50er Normalbrennweite in einem Zusatzgerät zu vereinen. Hierfür waren zwei verschiedene Sucher im Angebot, eine Version mit Vergleichssuchern 50/105 mm und eine weitere mit 50/135 mm. Beide gab es in Versionen für den deutschen Markt (3/4"-Stativgewinde) und den Export (1/2"-Stativanschluss).

Das Foto rechts zeigt eine Exakta VX mit einem in der USA damals sehr beliebten Angénieux-Teleobjektiv Y2 3,5/135 und dem im Stativgewinde mit 1/2" angebrachten Vergleichssucher 50/135mm, Codename "EVIS 135E". Das kleine Bild links zeigt die deutsche Ausführung des 50/105-Suchers "EVIS 105".

Novoflex Sucher 105Novoflex-Sucher 135Die beiden unterschiedlichen Novoflex-Motivsucher, links 50/105 mm "EVIS 105E" und rechts "EVIS 135E".


Wollen Sie noch mehr über NOVOFLEX und sein System erfahren, finden Sie aktuelle Informationen auf der Novoflex-Homepage .

Die klassischen Novoflex-Geräte behandeln zwei Bücher aus den 1960/80er Jahren:
Dieter Gabler, Vollendete Spiegelreflex-Fotografie mit NOVOFLEX, mehrere Auflagen ca. 1970-1985, Herausgeber NOVOFLEX-Gerätebau Karl Müller, Memmingen
Friedrich W. Voigt, Novoflex-Taschenbuch, mehrere Auflagen ca. 1960-1970, Heering-Verlag
Etwas aktueller ist "Das NOVOFLEX-System Makro und Tele" von Richard Hünecke, ca. 1990, Verlag Laterna magica

Diese Bücher finden Sie gelegentlich in ebay-Angeboten oder Antiquariaten, vielleicht sogar auch noch in traditionellen Buchhandlungen.





Posted 2009/01/11 last update 2016/11/20; Copyright © 2009-2016 by Horst Neuhaus