Diakopiervorsatz zum Ihagee Balgengerät by Photo but More

Der Diakopiervorsatz zum grossen Ihagee-Balgengerät aus dem Vielzweckgerät

Eine wichtige Anwendung der Kleinbild-Spiegelreflexkamera war die Anfertigung von Kopien bereits belichteter Filme. Damit wurden vielfältige Aufgaben erledigt, von denen die Kopie von Diapositiven, die dem Gerät ihren Namen verlieh, den eher kleineren Aufgabenteil ausmachte. Üblicherweise wurde das Gerät zum Umkopieren von Negativen verwendet. Dabei entstanden z.B. Diapositive aus Negativfilmen oder umgekehrt. Auch Auszugsvergrößerungen oder Veränderungen der Kontrastintensität waren ein häufiges Anwendungsfeld.

Der von der Ihagee als Ergänzungsteil zum Balgennaheinstellgerät entwickelte Diakopiervorsatz war ebenfalls ein Teil des Ihagee-Vielzweckgerät- bzw. -Reprogerät-Baukastensystems. Das Ihagee Vielzweckgerät habe ich ebenso wie das Ihagee Balgengerät gesondert vorgestellt.

Auch der Diakopier-Vorsatz (Katalog-Nr. 155.04) besteht aus einzelnen Bauteilen, die jedoch nur zusammen gekauft werden konnten (aufklappbare Bildbühne, Halter, Kupplungsstange, Lichtschutz, Mattscheibe). Das Gerät musste vor der erstmaligen Verwendung mit dem Balgengerät und der Kamera justiert werden. Zur Bedienung verweise ich auch hier wieder auf die Literatur (z. B. Druckschrift "Das Ihagee Vielzweckgerät" Form 314). Wie üblich will ich auch hier nur die verschiedenen Versionen vorstellen, die von 1954 bis 1970 vertrieben wurden.

Die erste Ausführung aus dem Jahr 1954 unterscheidet sich von den späteren Versionen hauptsächlich durch das Balgenkompendium, das zwischen Objektiv und Bildbühne gegen seitlichen Lichteinfall schützt. Auch Novoflex z.B. verwendet bei seiner verbreiteten Version einen derartigen Lichtschutz. Etwa ab 1955 wurde dieses Balgenstück durch einen auf die Filmbühne ansteckbaren Lichtschutz ersetzt. Ein weiterer Unterschied, den ich im Vergleich zu den späteren Ausführungen bemerkt habe, ist die andere Ausführung der Kupplungsstange (im Mittelstück dicker und etwas kürzer).


Der Dia-Kopiervorsatz in der ersten Version, montiert am Balgengerät mit einer Exakta Varex und Tessar 3,5/5cm.


Ab etwa 1955 wurde der Dia-Kopiervorsatz mit einer Lichtschutzblende anstelle des Balgenkompendiums geliefert. Weil das Kompendium mit der Vorderfassung des Objektivs verbunden werden muss, war die Verwendung auf den Frontdurchmesser des Tessar 3,5 abgestimmt. Deshalb lässt sich nur mit diesem Objektiv arbeiten. Dies erwies sich schnell als hinderlich, der neue Lichtschutz muss lediglich an die Filmbühne angesteckt werden. Damit kann auch jedes andere Objektiv in Verbindung mit der Diakopiereinrichtung verwendet werden.


Die spätere Ausführung des Dia-Kopiervorsatzes, montiert am Balgengerät Version 2 mit einer Exakta Varex IIa("Jubiläum")
und einem Biotar 2/58 in der Blendenvorwahl-Ausführung.


Mit dem ab 1961 angebotenen Balgengerät in der neuen blau-grauen Hammerschlaglackierung wurde auch der Dia-Kopiervorsatz diesem Design angeglichen. Im übrigen hat es keine Veränderungen daran gegeben. Wie die Vorgängerversionen war auch diese Ausführung noch mit einer Herstellergravur versehen.
Wenn Sie meine Ausführungen zur dritten Version des grossen Balgengerätes in Erinnerung haben, sehen Sie im nächsten Bild eine frühe Ausführung der Führungsschiene mit angeschraubter Skala.


Hier die Version 1961 des Dia-Kopiervorsatzes - in dieser Ausführung bis etwa 1968 gebaut.
Montiert sind eine Exakta Varex IIb und ein Tessar 2,8/50.


In der Pentacon-Ära wurde um 1969 auch der Dia-Kopiervorsatz technisch "überarbeitet". Die vorher sehr robuste und massive Kontruktion wirkt jetzt etwas "blechern" und wackelig. Man erkennt die Änderung auf dem Foto gut an der Kipphalterung für die Filmbühne im Vergleich mit der Ausführung auf dem Foto der 1. Version.


Die letzte Version des Dia-Kopiervorsatzes, der in dieser Ausführung später auch für die Praktica angeboten worden ist.
Montiert sind eine Exakta VX500 und ein Schacht Travelon 1,8/50.


Auch dieses Zubehörteil wird wohl bei genauer Untersuchung noch kleine Abweichungen in der Bauweise einzelner Teile finden lassen. Ich habe mich jedoch auf die vorgestellten Versionen beschränkt und Details im Vergleich mit anderen Geräten nicht geprüft. Wie bei nahezu allen Ihagee-Teilen muss jeder Sammler entscheiden, ob er jede kleine Fertigungsabweichung als Variante einstuft und in seine Sammlung einordnet. Dies ist m.E. nicht zuletzt auch eine Frage der persönlichen Ressourcen und der Platzkapazitäten.

Ein befreundeter Sammler sagte dazu einmal in einer Diskussion über Ihagee-Varianten: "Ob die das damals in Dresden alles so gewußt haben, was sie an unterschiedlichen Geräten auslieferten?" No comment ....




Posted 2008/09/14; last updated 2008/09/16 Copyright © 2007-2018 by Horst Neuhaus