Hugo Meyer Görlitz-Objektive in Exakta-Fassung by Photo but More

Hugo Meyer Görlitz-Objektive für die Exakta by Photo but More

Diese Seite stellt das Meyer-Objektivprogramm für die Exakta - über 50 verschiedene Objektive - ziemlich komplett vor. Sie benötigt deshalb eine längere Ladezeit. Bitte haben Sie etwas Geduld - ich denke, sie wird sich lohnen!


Meyer Signet antik

Die Meyer-Optik Görlitz – einer der renommiertesten deutschen Objektivhersteller – stand immer in besonderer Konkurrenz zu Zeiss in Jena, unverdientermaßen meist im Jenaer Schatten. Nur einmal gelang den Görlitzern ein großer Coup, als sie 1920 Dr. Paul Rudolph (den Tessar-Konstrukteur) aus Jena abwerben konnten. Dr. Rudolph errechnete für Meyer die für ihre überragenden Abbildungsleistungen weltberühmt gewordenen Plasmate.

Kine mit Makro-PlasmatMeyer durchlief eine wechselvolle Geschichte. Als „Optisch-mechanische Anstalt“ von Hugo Meyer in der Neisse-Stadt Görlitz in der Oberlausitz gegründet, firmierte das Unternehmen lange als Hugo Meyer & Co, Görlitz. Bereits seit 1896 wurden dort leistungsfähige Objektive gebaut; der 4-Linser „Aristostigmat“ machte Meyer weltbekannt, es folgten einige der um 1900 beliebten Satzobjektive. Das während des 1. Weltkrieges entwickelte reinrassige Triplet Trioplan blieb Jahrzehnte im Fertigungsprogramm.

Foto rechts:
imposante und seltene Kamera-/ Objektivkombination - Kine Exakta mit dem Makro-Plasmat 1:2,7 f=10,5 cm


Wie Carl Zeiss, war Meyer von Beginn an Erstausrüster der Kine Exakta. Meyer Objektive waren immer einen Tick preiswerter als vergleichbare Erzeugnisse aus Jena. In ihren optischen Leistungen standen sie der Jenaer Konkurrenz allerdings nicht nach. Für die Ihagee wurde das 4-linsige Primotar als „Ihagee Anastigmat“ oder „Exaktar“ gebaut, mit denen sowohl die Standard- als auch die Kine Exakta jeweils am preisgünstigsten erworben werden konnten. Für uns Sammler hat das jedoch keine Exaktar-Schwemme zu Folge, im Gegenteil. Vielen Fotografen war es damals wert, für eine Exakta mit Tessar ein paar Reichsmark mehr auszugeben. Deshalb ist die frühe Kine Exakta mit Exaktar seltener zu finden als mit einem Tessar.

Meyer-Objektive hatten - im Gegensatz zu den meisten anderen Fabrikaten - einen linksläufigen Fokus. Die Entfernungseinstellung ist also etwas ungewohnt, wenn man ansonsten z.B. Zeiss-Objektive verwendet. Erst die Neukonstruktionen ab den 1960er Jahren erhielten auch die verbreitetere rechtsläufige Fokussierung.

Bild unten: Meyer-Werbeanzeige aus dem Jahr 1936

Meyer Anzeige 1936Das Unternehmen musste nach Ende des 2. Weltkrieges völlig neu aufgebaut werden; es wurde schon früh enteignet, von der DDR verstaatlicht und hieß fortan „VEB Feinoptisches Werk Görlitz“. Der Markenname „Meyer-Optik Görlitz“ blieb allerdings erhalten, die Objektive behielten noch bis 1971 ihre alten Namen. Im Jahr 1968 teilte auch Meyer das Schicksal der Ihagee und wurde in das VEB Pentacon Dresden eingegliedert. Die Meyer Objektive wurden als Pentacon oder später auch als Prakticar weitergeführt.

Meyer Signet rotGegen Ende der 1950er Jahre erlitt die Meyer-Fertigung einen herben Rückschlag. Bislang hatte man, wie auch Zeiss, Zugang zu hochwertigen Glassorten, oft aus russischer Produktion. Damit wurden die weltbekannten Objektive, wie Primoplan und Trioplan vor allem aber die Fernobjektive Telemegor ausgerüstet. Aus welchen Gründen auch immer, die für leistungsstarke Objektive erforderlichen Glassorten blieben seither den Jenaer Produkten vorbehalten. Meyer musste seine Objektivfertigung nicht nur mechanisch (in diesen Jahren erfolgte der Fassungswechsel von blank auf schwarz), sondern auch optisch verändern.

Es kam noch hinzu, dass die Kombinatsleitung nicht alle Produkte zuließ. So musste das als Nachfolger des Primoplan 1,9/58 (das bislang auf der Grundlage der klassischen Plasmate gebaut wurde) neu konstruierte 6-linsige Domiron 2/50 nach nur kurzer Bauzeit wieder eingestellt werden. Es wurde als unzulässige Konkurrenz zum Pancolar aus Jena empfunden. Zuvor traf das hochlichtstarke Primoplan 1,9/75 schon das gleiche Schicksal zugunsten des Biotar 1,5/75. Gleiches galt für das klassische Primotar 3,5/50 und dessen als preiswerte Exa-Bestückung 1959 gerade neu entwickelte Nachfolgeversion 2,8/50, die als Tessar-Konkurrenten ebenfalls eingestellt wurden.

Erst mit dem auf der Domiron-Konstruktion basierenden Oreston 1,8/50 - im Gegensatz zur historischen Plasmat/Primoplan-Konstruktion ein symmetrischer Gauss-Typ - konnte Meyer zuletzt in der Pentacon-Ära ab 1967 wieder ein lichtstarkes Normalobjektiv anbieten. Für die Exakta war es jedoch nicht erhältlich; erst für die RTL1000 erhielt es einen Bajonettanschluss mit Innenauslösung. Wie schon sein abgesetzter Vorgänger, das Domiron, hat das Oreston einen langen Einstelltrieb bis 34 cm und ist damit schon fast ein "Makro"-Objektiv. Zu Makro-Objektiven finden Sie an anderer Stelle mehr.

Ungeachtet aller Probleme gelang den Görlitzern die Produktionsumstellung jedoch ohne optische Qualitätseinbußen. Auch die Meyer-Objektive der 60er Jahre erfüllten durchaus alle fotografischen Anforderungen. Lediglich die Qualität der Fassungen und die mechanische Ausrüstung mit Automatikblenden fiel gegenüber der Konkurrenz merklich ab. Möglicherweise war dies auch auf zeitweise in andere Ostblockländer vergebene Fertigungsaufträge zurückzuführen. Die damals neu konstruierten Objektive, wie das Weitwinkel Lydith 3,5/30, das Orestegon 2,8/29, das Tele Orestor 2,8/135 oder die Telemegor-Nachfolger Orestegor 4/200, 4/300 und 5,6/500 blieben auch in der Pentacon-Zeit nach 1970 zum Teil noch lange im Programm.

Im Fassungsdesign folgten auch die Meyer-Objektive dem Zeitgeist. Die Vorkriegsobjektive hatten durchgängig eine verchromte Messingfassung. Mit Beginn der Neufertigung nach Kriegsende wurde nur noch Aluminium für die Fassungen verwendet. In der Namensgebung der traditionellen Fernobjektive gibt es eine Veränderung: aus Tele-Megor wird Telemegor ... Ab etwa 1952 erhielten auch die Meyer-Objektive den „Berg- und Tal“-Fokusring. Ab etwa 1956 gab es die ersten schwarzen Fassungen. Noch eine Meyer-Besonderheit gilt es anzumerken: alle Objektive mit längeren Brennweiten (über 100 mm) wurden von Beginn an bis weit in die 1970er Jahre immer einschließlich einer passenden Sonnenblende ausgeliefert!

Renaissance der Meyer-Objektive mit der Digitalfotografie

Eine noch vor einem Jahrzehnt nicht unbedingt zu erwartende Wiederauferstehung feiern aktuell einige Meyer-Objektivkonstruktionen. Verfolgt man entsprechende ebay-Auktionen, sind klassische Objektive seit geraumer Zeit echte (Preis-)Gewinner. Das kann nicht allein an der Zunahme sammlerischer Aktivitäten liegen. Vor allem die - auch in meiner homepage an verschiedenen Stellen - gelobten 3linsigen Konstruktionen wurden von Digitalfotografen neu entdeckt. Offenbar enttäuscht von der Bildleistung moderner computererrechneter Linsen- oder Schärfemonster sind sie auf der Suche nach mehr Abbildungsqualität bei klassischen Objektivkonstruktionen gelandet. Der Sammler wird diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Bleibt nur zu hoffen, dass er sich in den Jahren zuvor gut eingedeckt hat.

Zu dieser Entwicklung mag auch das Bokeh-Palaver (hierzu mein Beitrag auf der Objektivseite) um die Objektivleistung bei gestalterischen Fotoaufgaben beigetragen haben. Für alte Fotohasen ist diese Entwicklung keine völlige Überraschung. Schließlich brauchen die im Medium "Fotografie" schlummernden schöpferischen Möglichkeiten immer auch eine adäquate Hardware. Soweit die eigene Überheblichkeit des "das hab' ich ja schon immer gewusst" eine Öffnung auch für engagierte Digitalfotografen zulässt, haben die klassischen Gesetze der Optik denn auch in der Digitalfotografie Gültigkeit. Bokeh hin, Bokeh her.....

Unterstützung findet dieser Trend durch vielfach angebotene Objektiv-Adapter, vornehmlich cantonesischer Herkunft. Einige dieser - teils zu erstaunlich niedrigen Preisen angebotenen - Bajonettverbinder habe ich mir mal angesehen und auch selbst Probefotos mit meiner Digi-Oly (ja, ich besitze auch eine!) gemacht. Man kann ja fast alles mit jedem damit verbinden, historisch ging das eigentlich nur mit Novoflex, Kilfitt, Dörr & Co... Bevorzugt sind nach meiner Beobachtung auf der mittlerweile alleinseligmachenden Handelsplattform die alten M42-Objektivanschlüsse. Deren Adaptierung ist einfacher als z.B. beim Exakta-Bajonett (es geht aber auch hier ohne Probleme). Da mag sich jetzt Mancher ärgern, der früher M42-Scherben kiloweise verramscht hat - ich gehörte auch dazu. Bajonette, wie das von Exakta, aber auch Praktina galten als sehr viel edler....

So, welche Objektive eignen sich nun für diese Zwecke? Nicht von ungefähr stehen die Meyer'schen 3Linser auf den Suchlisten ganz oben, gefolgt vom klassischen Primoplan oder auch Gauss-Konstruktionen, wie dem Zeiss Biotar. Dabei sind es weniger deren Bestückung mit zahlreichen Blendenlamellen - die inzwischen fast alle ebay-Anbieter groß herausstellen - als deren unnachahmliche optische Leistung. Diese wird vom Zusammenwirken aus Glasqualität, Linsenkonstruktion, natürlich von der Qualität des optischen Aufbaus und ein wenig auch von der Blendenkonstruktion bestimmt. Da haben die Meyer-Objektive fast überall die Nase vorn - eine späte Genugtuung für die Görlitzer! Ideal für die Digitalknipsen sind dabei mittellange Brennweiten um 100 mm. Telekonstruktionen eignen sich bauartbedingt weniger, doch haben auch die Megore ihren Reiz (muss vielleicht erst wieder aufs Neue entdeckt werden). Nun aber Schluss - an sich passt die Thematik gar nicht auf meine Sammlerseite.

Meyer Objektive für die Exakta zwischen 1933 bis 1970

Megor für VP-Exakta

Bevor ich zur Vorstellung der Meyer-Objektive für die Kleinbild-Exakta ab 1936 komme, will ich hier noch ein Megor zeigen, das schon im ersten Produktionsjahr der Rollfilm-Exakta 4x6,5cm produziert worden ist. Es handelt sich bei den Wechselobjektiven dieser Kamera eigentlich um Objektivköpfe ohne Schneckengang oder Frontlinsenverstellung für die Entfernung. Die Fokusschnecke war in die Objektivfassung der Kamera integriert, was die Verwendung von Wechselobjektiven für diese Kamera schwierig machte.

Wollte man ein Wechselobjektiv mit der ersten Exakta verwenden, musste man Kameragehäuse und alle Objektive zur Anpassung in das Ihagee-Werk schicken. Wenn Sie darüber mehr erfahren wollen, finden Sie es hier Standard Exakta in meiner homepage.

Wie bei den Zeiss Jena-Objektiven habe ich auch die Meyer Görlitz Produkte nach der Zeit ihrer Herstellung bzw. den Fassungsausführungen in verschiedene Gruppen eingeteilt, denen die unterschiedlichen Objektivtypen jeweils zugeordnet werden können. Die zeitliche Einordnung der Aufstellungen und Beschreibungen bezieht sich in erster Linie auf die Lieferbarkeit der Objektive mit einem Anschluss für die Exakta. Dies ist vor allem bei der 6. Ausführung zu berücksichtigen. In diese Periode fallen sowohl die Namensänderung bei Meyer Produkten und das Produktionsende der Exakta.

Vereinzelt sind in diesen Jahren also auch bereits Objektive mit der Produktbezeichnung "Pentacon" und Exakta-Bajonettanschluss zu finden. Sie wurden entsprechend der Nachfrage noch bis etwa 1975 ausgeliefert. Meyer-Objektive mit anderen Kameraanschlüssen habe ich nur berücksichtigt, sofern das Objektiv auch für die Exakta zu finden ist.



Tele Megor aus dem Jahr 1933 für die VP-Exakta 4x6,5

  1. Ausführung, Messing verchromt, unvergütet aus Vorkriegsfertigung
    Produktionsnummern ab ca. 700.000 / 1936 – ca. 990.000 / 1942

  2. Ausführung, alu blank und überwiegend vergütet, aus früher Nachkriegsfertigung
    Produktionsnummern ab ca. 1.000.000 / 1947 – ca. 1.200.000 / 1952

  3. Ausführung, Objektive aus den 1950er Jahren, überwiegend alu blank, Fokusringe sog. "Berg- und Tal"
    Produktionsnumern ab ca. 1.200.000 – ca. 1.800.000 / 1958

  4. Ausführung, Übergangsversionen, teils blanke, teils schwarze Objektivfassung
    Produktionsnummern ab ca. 1.700.000 / 1958 – 3.200.000 / 1963

  5. Ausführung, ausschließlich schwarze Objektivfassungen, mit blanken Griffring-Absetzungen (sog. Zebra-Design)
    Produktionsnummern ab ca. 3.200.000 / 1964

  6. Ausführung, mit Pentacon-Bezeichnungen ab etwa 1970
    unterschiedliche Produktionsnummern

Eindeutige zeitliche Zuordnungen sind für Meyer-Objektive noch schwieriger zu treffen, als für die Produkte aus Jena. Auch gingen die Produktnummern in der Produktionszeit der 6. Ausführung infolge besonderer Anweisungen der Pentacon-Kombinatsleitung zeitweilig ziemlich durcheinander. Dennoch kann der Sammler aus der obigen Gruppenaufstellung zeitlich und äußerlich gut zusammenpassende Meyer-Objektivausstattungen zusammenstellen.

1. Ausführung - Meyer Görlitz Objektive aus der Vorkriegszeit (1933 - 1942)

Meyer Vorkriegssortiment

Wie kaum ein anderer Objektivhersteller bot Meyer in den 1930er Jahren eine komplette Objektivpalette vom 4cm Weitwinkel Doppel-Anastigmat bis zum 40 cm Tele Megor. Mit den hochlichtstarken Primoplan-Objektiven 1:1,9 f=5,8cm, 1:1,9 f=7,5cm und 1:1,9 f=10cm für die 6x6-Exakta hatte Meyer eine bedeutende Marktstellung bei den sogenannten "Nachtobjektiven".

Mit dem Trioplan, einem klassischen 3linsigen Triplet belieferte Meyer fast alle damaligen Kamerahersteller. Für die Exakta wurde es in diesen Jahren in mehreren mittellangen Ausführungen angeboten, nicht jedoch als Normalobjektiv. Diese Rolle übernahm das vierlinsige Primotar - ein erweitertes Triplet in Tessar-Bauweise. Dieses Objektiv wurde bei den 4x6,5-Exakta's und der Kine-Exakta das Standardobjektiv der Ihagee Dresden. Hier allerdings unter dem Namen Exaktar, teilweise auch als Ihagee Anastigmat (dieser wurde zeitweise auch von Ludwig gebaut).

Mit den Tele-Megoren machte sich Meyer schon zeitig im Feld der mittellangen und langen Teleobjektive weltweit einen guten Namen. Kein anderer Objektivhersteller konnte in dieser Zeit eine derart komplette Palette für Kleinbildkameras anbieten. Diese 4linsigen Fernspezialisten gab es in Brennweiten zwischen 15 bis 40cm, die Lichtstärke war einheitlich F:5,5.

Dieses umfangreiche Meyer-Fertigungsprogramm wurde noch durch verschiedene außerhalb der Standardpalette lieferbare Spezialobjektive ergänzt. Das weltberühmte Plasmat und dessen Nachfolger Makro-Plasmat gehörten zu den weltweit besten Objektivkonstruktionen.

Alle Objektive wurden bis zur kriegsbedingten Produktionseinstellung im Jahr 1942 mit einer massiven, verchromten Messingfassung geliefert. Die Fokussierung der Meyer-Objektive war im Gegensatz zu den Erzeugnissen der Konkurrenz linksläufig. Nur das für die Ihagee gefertigte Exaktar hat den üblichen Rechtslauf. Die Entfernungsskalen waren entweder nur in "Meter" oder (bei US-Exportausführungen) in "Feet" graviert; Doppelgravuren waren damals noch nicht üblich.


Das rechte Bild zeigt das Meyer-Objektivstandardprogramm aus den 1930er Jahren.

Primoplan 1:1,9 / 5,8 cm

Primoplan 1,9/5,8cmPrimoplan 5,8 cmPrimoplan Schnitt Mit dem hochlichtstarken 5-linsigen Primoplan 1:1,9 f=5,8 cm wurde die Kine Exakta als "Nacht Exakta" verkauft. Dieses Objektiv war das lichtstärkste Standardobjektiv der Exakta. Konstruktiv ist es ein 5-linsiges erweitertes Triplet mit zentral angeordneter Blende, die Linsenanordnung ist aber auch dem Planar (einer Gauß-Konstruktion) ähnlich. Der Bildwinkel beträgt 40°.

Als Alternativen waren zur "Nacht Exakta" das Biotar 2/5,8 cm und das Schneider Xenon 2/5cm lieferbar. Im angelsächsischen Markt wurde die Nacht Exakta auch mit dem Super Six 1,9 / 1½" von Dallmeyer angeboten.

Im Bild ist ein Primoplan in Exportausführung mit Feet-Entfernungsskala gezeigt.
Auf der Fassung ist als kürzeste Entfernung 2 ½ Feet graviert.


Primoplan 1:1,9 / 7,5 cm

Primoplan 1,9 f=10cmPriomoplan 1,9 f=7,5cmPrimoplan 1,9/75 Das 5-linsige Primoplan mit seiner hohen Lichtstärke 1:1,9 war auch in mittellanger Brennweite von 7,5cm erhältlich.

Diese Brennweite war damals sehr beliebt für Bühnen- und Sportfotografie und galt als ideal für Porträtaufnahmen. Hier stand das Primoplan in direkter Konkurrenz zum berühmten Biotar 1:1,5 f=7,5cm von Carl Zeiss mit gleicher Brennweite.
Es war auch als Normalobjektiv für die Standard Exakta mit 8cm Brennweite lieferbar. Die etwas geringere Lichtstärke glich das Primoplan gegenüber dem Biotar mit einem erheblich günstigeren Preis von RM 205 (gegenüber RM 350 für das Biotar) und einer leicht besseren Abbildungsleistung aus.

Links das Primoplan 1:1,9 f=7,5cm (Nr. 951.615), ganz rechts ein Exemplar für die Exakta 6x6 mit 10 cm Brennweite (Nr. 876.289).

Weitwinkel-Doppel-Anastigmat 1:4,5 / 4 cm

Wie an anderer Stelle beschrieben (s. Angenieux), waren Weitwinkelobjektive für Kleinbild-Spiegelreflexkameras damals noch nicht verfügbar. Als "Weitwinkel" galten Objektive mit kürzeren Brennweiten als 5cm. Für Sucherkameras, wie die Leica oder Contax, gab es solche Objektive mit Brennweiten um 3,5 cm und kürzer durchaus schon zu kaufen. Allerdings handelte es sich nicht um echte Weitwinkel-Konstruktionen, sondern um Objektive normaler Bauart mit kürzerer Brennweite, bei denen die Hinterlinse dem Verschlusstuch sehr nahe rückte. "Echte" Weitwinkel wurden erst um 1950 mit dem Retrofokus von Angenieux erstmals entwickelt.


WW-AnastigmatWW-Doppelanastigmat Weitwinkel Anastigmat SchnittBei SLR-Kameras ließ sich die Brennweite allerdings nicht einfach durch Neuberechnung der Linsenkonstruktion verkürzen, weil der dabei entstehende zu kurze Abstand zwischen Spiegel und Hinterlinse die Spiegelbewegung behindert. Aus diesem Grund waren nur wenige "Weitwinkelobjektive" erhältlich. Anfangs war neben einem "kürzeren" Tessar 4,5/4 cm der Weitwinkel-Doppel-Anastigmat mit gleicher Lichtstärke und Brennweite eine der wenigen Alternativen.

Weitwinkel-Doppel-Anastigmat 1:4,5 f=4cm, eine klassische Objektivkonstruktion, die schon vor 1900 entwickelt worden ist. Die Schnittzeichnung (rechts) zeigt deutlich den symmetrischen Aufbau.

Ein Vorzug dieser Konstruktion sind die ausgezeichneten Abbildungseigenschaften und seine Korrektur, die es speziell für Weitwinkelaufnahmen verwendbar macht. Nachteil ist die konstruktionsbedingt nur geringe Lichtstärke. Dieses klassisch gebaute symmetrische Objektiv mit 56° Bildwinkel blieb noch bis 1952 im Fertigungsprogramm, nach dem Krieg als "Helioplan", und wurde erst später von Meyer's erstem echten Weitwinkelobjektiv Primagon 4,5/35 abgelöst.

Weitwinkel-Doppel-Anastigmat 6,8 / 3,8 cm

WW Doppelanastigmat 6,8/38WW-Doppelanastigmat 6,8/38 Wie schon bei der 4,5/4 cm-Version beschrieben waren Weitwinkelobjektive für Kleinbild-Spiegelreflexkameras damals noch nicht verfügbar, weil bei Objektiven mit kürzerer Brennweite die Hinterlinse dem Verschlusstuch sehr nahe rückte. Das erste "echte" Weitwinkel gab es erst um 1950 mit dem Retrofokus von Angénieux.

Deshalb waren nur wenige "Weitwinkelobjektive" erhältlich. Anfangs war neben einem "kürzeren" Tessar 4,5/4 cm der Weitwinkel-Doppel-Anastigmat mit gleicher Lichtstärke und Brennweite eine der wenigen Alternativen.

Weitwinkel-Doppel-Anastigmat 1:6,8 f=3,8cm, wie die 4cm-Version eine klassische Objektivkonstruktion, die schon vor 1900 entwickelt worden ist.

Wenig später rechnete Meyer den Doppelanastigmat zu Lasten einer um 2 Blendenstufen geringeren Lichtstärke noch 2 mm kürzer. Es sollte wohl die Antwort auf das gleich "lange", allerdings um 1 Blende "lichtstärkere" Berthiot Olor sein. Dieses ebenfalls symmetrische Objektiv mit 60° Bildwinkel blieb nur noch bis zur kriegsbedingten Produktionseinstellung 1942 im Meyer-Fertigungsprogramm.

Das Trioplan

Das Trioplan ist gleichfalls eine alte, aber grundsolide Meyer-Objektivkonstruktion. Auf der Basis des Cook'schen Triplets wurde es 1916 entwickelt und seither in vielen Varianten gebaut. Nun mag man über 3-linsige Anastigmaten denken wie man will - für eine ganze Reihe fotografischer Aufnahmesituationen sind sie ein ideales Werkzeug! Die 3 Linsen des Trioplan werden unverkittet zusammengesetzt, was Verarbeitungsprobleme und -kosten minimiert. Trioplan SchnittDie Korrektur ist bei dem kleinen Bildwinkel (24° bei 100mm Brennweite) gut beherrschbar, so dass diese Optik zugleich noch eine hohe Lichtstärke aufweist. Das Trioplan ist - obwohl auch in der Meyer-Werbung oft als Tele- oder sogar Fernobjektiv gepriesen - eine normale Objektivkonstruktion. Die Baulänge entspricht also der Brennweite.

In seiner langen Bauzeit wurde das Trioplan deshalb zu einem der beliebtesten Meyer-Objektive. Mit der mittellangen Brennweite ist es für viele fotografische Anwendungen einsetzbar, wenn man extreme Aufnahmesituationen (Gegenlicht, Streulicht, hohe Kontraste) vermeiden kann. Bildschärfe und Kontrast sind bereits bei offener Blende ausgesprochen gut. Zwar ist es nicht so "knackig" scharf wie z.B. das Tessar, aber bei Landschafts- oder Porträtaufnahmen ist das gar nicht wünschenswert. In meiner Exakta-Praxiszeit war es neben dem 50er Standard auch mein Lieblingsobjektiv. Für den Sammler ist bemerkenswert, dass es neben dem Tessar als einziges Objektiv über alle Modellwechsel hinweg die Exakta ihr Leben lang begleitet hat. Zu jeder Exakta-Ausrüstung läßt sich ein zeitlich passendes Trioplan finden...

Für die Kine Exakta war das Trioplan in drei Versionen erhältlich: 1:2,8 f=10cm, 1:2,8 f=10,5cm und 1:4,5 f=12 cm. Sie wurden jedoch zwischen 1936 bis 1942 nicht immer gleichzeitig angeboten. Wie alle langbrennweitigen Meyer-Objektive gehörte auch beim Trioplan eine Sonnenblende zum Lieferumfang. Diese ist bei den in den Fotos unten gezeigten Objektiven nur bei dem mittleren Objektiv montiert.

Frühe Ausführungen des Trioplan (bis etwa 1954) sind teilbar. Das heißt, der Objektivkopf mit allen drei Linsen lässt sich von der Einstellfassung abschrauben und einzeln mit einem Balgengerät oder Tuben verwenden. Viele der normal gebauten längerbrennweitige Objektive wurden seinerzeit so konstruiert. Dadurch konnten diese Objektive auch für die Nah- oder Makrofotografie verwendet werden, ohne dass die Naheinstellung von der Einstellschnecke begrenzt wird. Leider gab es für die Zwischengewinde keine Norm, so dass meistens ein Adapterring für das jeweils verwendete Balgengerät erforderlich ist. Beim Trioplan ist das Gewindemaß dieses Zwischengewindes M37x0,5.

Trioplan 10 cm Trioplan 10,5 cm Trioplan 4,5/12 cm
Links: Trioplan 1:2,8 f=10cm Nr. 986.126; Mitte: Trioplan 1:2,8 f=10,5cm Nr. 915.507; Rechts: Trioplan 1:4,5 f=12cm Nr. 984.296

Trioplan Nr. 97033010cm-Trioplan getrennt - Schneckengangfassung (links) und Objektivkopf (rechts).
Das Zwischengewinde ist M37x0,5.

Trioplan 2,8 10 cm
Trioplan 4,5/12 cm geteilt12cm-Trioplan getrennt - Schneckengangfassung (links) und Objektivkopf (rechts).
Somit kann der Objektivkopf unabhängig von der Einstellfassung verwendet werden.
Das ist für besondere fotografische Zwecke, etwa für Nahaufnahmen mit
Balgengerät oder Zwischenringen, von Bedeutung.
Diese Version ist bis Bl. 32 abblendbar und für Makro daher besonders geeignet.
Das Zwischengewinde ist M37x0,5.



Trioplan 4,5/12 cma

Trioplan 920127Trioplan Chrom

Sammlerkollege Didier Debie schickte mir aus Belgien Fotos einer vollständig verchromten Fassungsausführung des Trioplan.

Bei dieser Version aus dem Jahr 1939 (im Foto Nr. 920127) ist auch der Bezeichnungsring verchromt, der sonst bei den Meyer-Objektiven in der Regel schwarz lackiert ist.

Trioplan 2,8/100 Mittlerweile kenne ich noch weitere Vorkriegs-Trioplane mit diesem Chromring. Zuvor hatte ich auf dieses Detail wohl nicht geachtet. Außerdem bemerkte ich bei den Objektiven mit dem Chromring, dass die Einstellungspfeile nicht wie sonst üblich in rot, sondern schwarz ausgelegt sind.

Tele Megor

Tele Megor 25 cm

Nur wenige Objektivhersteller hatten schon zur Startzeit der Kine Exakta echte Teleobjektive im Angebot. Kurz zum Verständnis - unabhängig von der im Sprachgebrauch und oft auch in der Werbung verwendeten Bezeichnung "Tele" handelt es sich optisch korrekt um ein solches, wenn die Baulänge kürzer ist als die Objektivbrennweite. Dies ist dann der Fall, wenn die Objektivkonstruktion durch eine oder mehrere zusätzliche Linsen optisch verändert wird. Bei Interesse können Sie dazu auf meiner Objektivseite noch mehr erfahren.

Im Gegensatz zu dem auch in Meyer-Druckschriften gern als "Fernobjektiv" bezeichneten Trioplan haben die Tele-Megore jeweils 4 Linsen. Die Lichtstärke betrug bei den drei Vorkriegsobjektiven (15cm, 18cm, 25cm) einheitlich 1:5,5. Schon 1936 war der komplette Satz zur Kine Exakta lieferbar! Kurz vor Produktionsende folge im Jahr 1941 noch die längste Version mit 40cm.

Während die beiden "kleineren" Brennweiten, Tele Megor 1:5,5 f=15cm und 1:5,5 f=18 cm sich in der Größe kaum von den Trioplan-Objektiven unterscheiden, ist das 25er ein anderes Kaliber. Freihandfotografie ist damit nur noch bedingt möglich, deshalb hat dieses Objektiv auch einen angebauten Stativanschluss. Kürzeste Einstellentfernung ist 3,3 m.

Tele Megor 5,5/15cm Oben: Tele Megor 1:5,5 cm f=25cm Nr. 887.793;
links: Tele Megore 1:5,5 f=15 cm Nr. 815.761 (1936) und Nr. 931.231 (1939);
rechts: Tele Megor 1:5,5 f=18 cm Nr. 968.466


Tele Megor 18cm

Ergänzung zu den Tele Megor - Objektiven

Was mir bei der Erstellung dieser Seite noch nicht aufgefallen war - die Vorkriegsausführungen des Tele Megor für die Kine Exakta hatten eine unterschiedliche kleinste Blende. Die ersten Objektive wurden mit kleinster Blende 32 ausgestattet, später war die kleinste Blende 22.
Die Änderung muss wohl während des Jahres 1937 stattgefunden haben. Jedenfalls hat das letzte mir bekannte Tele Megor mit Blende 32 - ein 5,5/15 cm - die Nr. 815xxx, mit Blende 22 dann erstmals Nr. 857xxx. Ein Vergleichsfoto von zwei 15cm-Megoren sehen Sie oben. Meines Wissens betrifft diese Änderung alle Tele Megore, mit Ausnahme der Brennweite 40/400; diese wurden bis zuletzt mit kleinster Blende 32 ausgeliefert.


Exaktar 3,5/5,4 cm

Ihagee Anast. Exaktar 3,5/5cm bzw. 5,4 cm / Primotar



Exaktar 3,5/5,4cm


Meyer lieferte auch ein Normalobjektiv an die Ihagee, sowohl für die Kine als auch für die Standard-Exakta. Das "Ihagee Anast. Exaktar" entsprach dem 4-linsigen Primotar, welches zwar ebenfalls lieferbar war, aber mit der Kine Exakta wohl nur selten gekauft wurde.

Die Fotos zeigen die zweite Version des Exaktar mit der auf 5,4cm geänderten Brennweite, mit dem die Kine Exakta bis 1942 erhältlich war.

Exaktar 3,5/5cm




Die damalige Kine Exakta (mit runder Lupe) hatte beim ursprünglich gelieferten Exaktar 1:3,5 f=5cm Probleme mit der Spiegelauslösung, weshalb das Objektiv in der Folgezeit in einer auf 5,4 cm Brennweite abgeänderten Version ausgeliefert wurde. Verändert wurde dabei auch die kürzeste Entfernungseinstellung von 0,6 auf 0,8 m.



Das Foto zeigt ein 5cm Exaktar mit der Fabr.-Nr.733.661 an einer frühen Kine Exakta aus dem Herstellungsjahr 1936. Von dieser ersten Version werden wohl nur etwa 50 Exemplare hergestellt worden sein.

Primotar 3,5/5,4 cmPrimotar 3,5/5,4 cm

Primotar 3,5/5,4 cm

Neben dem von Meyer für die Ihagee gebauten Exaktar war dieses Objektiv auch in der Originalversion als Primotar in gleicher optischer und mechanischer Ausführung erhältlich.

Primotar 3,5/5,4



Exaktar Schnitt


Meyer Primotar 3,5/5,4 cm - links die Schnittzeichnung der beim Ihagee Exaktar und Meyer Primotar gleichen optischen Bauweise; rechts ein Primotar, an einer Kine Exakta aus dem Jahr 1938 montiert.

Primotar 3,5/18 cmPrimotar 3,5/ 18 cm

Primotar 3,5/18 cm

Baujahr 1939 ist dieser Trumm von Objektiv. Der 4Linser in Normalbauweise - also keine Telekonstruktion - war bereits in den Vorkriegsjahren für Mittelformatkameras, wie die Primarflex oder die Exakta 66 lieferbar. Die Mittelformatkonstruktion garantierte perfekt scharfe Aufnahmeergebnisse in der Architektur- oder Studiofotografie. Das Objektiv gehörte nicht zum Standard-Lieferumfang für die Exakta.

Das hier gezeigte, extrem schwere Messingobjektiv wurde wohl mit einem Tubusanschluss für die Kine-Exakta ergänzt.

Makroplasmat Prospekt

Makro-Plasmat

MakroPlasmat mit Novo-SucherDie weltberühmten MakroPlasmat-Objektive in der für Dr. Rudolph patentierten Ausführung mit Lichtstärke 1:2,7 gehörten nicht zum Standardprogramm von Meyer für die Exakta. Das hochwertige Objektiv mit 6 Linsen in 5 Gruppen (4 durch Luft getrennte Linsen und eine verkittete Doppellinse) mit zentraler Blende war recht kompliziert zu bauen und deshalb vergleichsweise teuer.

Der Makro-Plasmat konnte in 12 verschiedenen Brennweiten zwischen 2,6 und 30 cm in unterschiedlichen Fassungsausführungen für viele Kameras und Aufnahmeformate geliefert werden. Für Filmkameras ist das Objektiv - in anderer optischer Konstruktion - als Kino-Plasmat bekannt**.

Weil es in der Normalfassung ohne Schneckengang und Verschluss bestellbar war, existieren auch Sonderanfertigungen von Kamerawerkstätten. Außerdem wurden lichtstärkere Plasmate aus früheren Herstellungsjahren gelegentlich mit einer Spezialfassung an andere Kameras angepasst. Im Einzelnen ist nicht bekannt, welche Versionen für die Kine Exakta und in welchen Stückzahlen gefertigt worden sind. Es ist zu vermuten, dass für verschiedene Brennweiten kleine Serien von 10-20 Stück aufgelegt wurden.

Das Foto rechts zeigt das schon in der Einleitung mit der Kine Exakta abgebildete MakroPlasmat F 2,7 f=10,5 cm zusätzlich mit einem Novoflex-Doppelsucher 5=105mm. Dieser erleichtert Aufnahmen schnell bewegter Motive und ermöglicht zudem einen schnellen Motivvergleich des 105er gegenüber dem Normalobjektiv.

Makro-Plasmat Schnitt

**Hierzu schreibt mir Sammlerkollege Septac in mein Gästebuch: "Sie schreiben, dass Makro Plasmat für Kinokameras das Kino Plasmat ist, richtig ist aber das die beiden Objektive nichts miteinander zu tun haben. Das Makro Plasmat ist aus dem Plasmat entstanden da Dr. Rudolph ein lichtstärkeres Objektiv mit grösserem Bildkreis schaffen wollte. Es wurde auch ursprünglich für Mittel- und Großformatige Kameras gebaut, erst später dann für die Exaktas. Das Kino Plasmat ist eine völlig andere Konstruktion, wieder streng symmetrisch, wie das Urplasmat aber mit konkaven Linsen zur Blende hin. Der Bildkreis ist sehr bescheiden, das 50mm f/1.5 leuchtet Kleinbild nicht komplett aus, das Makro Plasmat 50mm f/2.7 hingegen kann über das Kleinbildformat hinaus verwendet werden."

Danke für diesen Hinweis, für den ich mich leider nicht persönlich bedanken konnte, weil Septac vergessen hat, seine email-Adresse mit ins Gästebuch zu schreiben. An der angebotenen Meyer-Literatur habe ich natürlich Interesse!

MakroPlasmat 10,5 cmMakroPlasmat 5cmMakro Plasmat 2,7/5

Die Bilder zeigen das in der Einleitung mit der Kine Exakta abgebildete MakroPlasmat F 2,7 f=10,5 cm und ein MakroPlasmat 1:2,7 f=5cm in der Fassung, mit der auch die beschriebenen Exaktar 5/5,4 cm ausgeliefert wurden. In beiden Fällen handelt es sich um von Meyer gelieferte Originalobjektive.

MakroPlasmat/TrioplanFür die Porträtbrennweite 10,5cm sind zwei seltene Meyer-Objektive aus den 1930er Jahren zu finden, die ich hier noch im Vergleich zeigen möchte.


Das zuvor beschriebene MakroPlasmat 2,7/10,5 hatte in dem ebenfalls nur in geringen Stückzahlen gebauten Trioplan 2,8/10,5 noch einen "kleineren Bruder". Von diesem unterscheidet es sich schon äußerlich durch das Gewicht. Beide Objektive haben verchromte Messingfassung (Trioplan 2,8/10,5 = 434g / Makro Plasmat 2,7/10,5 = 830g).

Bei offener Blende entspricht die Abbildungsleistung das Makro Plasmat etwa der des 3linsigen Trioplan. Doch abgeblendet zeigt es dann seine unvergleichlichen Qualitäten - die plastische Abbildung farblicher Zwischentöne des 6-Linsers ist phantastisch. Keine harten Kontraste wie bei den meisten modernen Hochleistungsobjektiven, die Bildergebnisse wirken wie gemalt bei dennoch klaren Konturen. Kaum ein anderes Objektiv vermag Details so fein abzubilden wie diese 6linsige Spezial-Konstruktion - am ehesten noch vergleichbar vielleicht mit dem bekannteren Normalobjektiv Primoplan 1,9/58.

Kino Plasmat 1,5/7,5Plasmat 1:1,5 9cm


Das linke Bild zeigt ein von Leitz New York in den frühen 1930er Jahren auf die Leica /M39-Gewinde adaptiertes Kino Plasmat 1,5/7,5cm (s. hierzu die Anmerkungen oben).

Rechts ein hochlichtstarkes Plasmat 1:1,5 Brennweite 9cm in einer Werkstatt- oder Anwenderfassung. Dieses Objektiv wurde schon um 1928 hergestellt und erst später für die Exakta angepasst.

2. Ausführung - Meyer Objektive aus den Nachkriegsjahren (1946 - 1952)

Frühe Nachkriegsobjektive

Die Meyer-Produktionsanlagen wurden nach Kriegsende demontiert und als Reparationsleistung in die damalige Sowjetunion geliefert. Nach dem zunächst nur provisorischen Neuaufbau wurde 1946 die Fertigung einiger Objektive aus den Vorkriegsjahren wieder aufgenommen. Allerdings stand für die Fassungen nur Aluminium zur Verfügung, das als Material auch in den Folgejahren beibehalten wurde. Die Einstellringe für Blende und Fokus sind - wie bei den Vorkriegsausführungen - geriffelt, die Gravuren überwiegend nur in "m". Auffällig ist, dass Meyer gleich nach Wiederaufnahme der Produktion die Datengravur konsequent auf mm umstellte (bei Zeiss erst um 1952). Die ersten Objektivfassungen waren recht einfach und ohne Oberflächenschutz, erst ab etwa 1952 wurde die Fertigungsqualität besser.

Die optische Qualität selbst der ersten Nachkriegsobjektive ist hingegen ausgesprochen gut. Die Fertigung begann etwa bei Fabriknr. 1.000.000 mit einer neu gerechneten 5 cm-Version des Trioplan in Lichtstärke 1:2,9. Die ersten Exemplare sind noch unvergütet. Die Fertigung des Primoplan 1,9/58 mm und des 4cm-Doppelanastigmaten (jetzt Helioplan) wurde nach und nach wieder aufgenommen. Auch einige Telemegore sind aus dieser Zeit bekannt. Die Telemegor-Palette erweiterte sich 1952 um das 5,5/400. Vergütete Objektive werden bis weit in die 1950er Jahre mit einem roten "V" gekennzeichnet.

Die Verkaufspreise der Meyer-Objektive betrugen in den frühen 1950er Jahren - lt. Ihagee Preisliste:


Trioplan 2,9/50

Trioplan 2,9/50 1. VersionTrioplan 2,95/50 2. Version
Trioplan 2,9/50 1. VersionTrioplan 2,9/50 2. VersionDas Bild oben zeigt die anfangs noch spärliche Fertigungspalette in den ersten Jahren nach der Neueinrichtung der Produktionsanlagen.

Kurz nach Kriegsende neu entwickeltes Trioplan 2,9/50, ganz links eine frühe Version (Nr. 1.070.762), daneben eine etwas spätere Ausführung (Nr. 1.077.679).


Beide Objektive stammen wohl aus der Zeit um 1946/1948. Gut erkennbar ist eine zunächst etwas veränderte Fassung, während die Fassungsform der Vorkriegszeit kurz darauf wieder übernommen wurde. Fassungsmaterial war generell Aluminium.


Primoplan 1:1,9/58

Primoplan 1,9/58Primoplan 1,9/58 aDie Form der Fassung wurde gegenüber der Vorkriegsausführung bereits geringfügig verändert; Material ist ebenfalls Aluminium. Die Gravuren blieben anfangs noch unverändert, ebenfalls die Blendenausführung (Normalblende ohne Rastung).


Frühes Primoplan 1:1,9/58, Bildwinkel 40°. Es wurde mit einer Exakta Varex ausgeliefert und stammt demnach aus der Zeit um 1949/50.

Helioplan 1:4,5/40

Helioplan 4,5/40Helioplan 4,5/40 aDie Nachkriegsversion des WW-Doppel-Anastigmat 4,5/4cm (Bildwinkel 56°) wurde "Helioplan" getauft.

Optisch blieb das Objektiv unverändert, mit Aluminiumfassung und Datengravur 1:4,5 40 war es bis etwa 1954 erhältlich. Diese frühe Ausführung (Nr. 1.106.720) stammt ebenfalls aus der Zeit um 1949/50.

Trioplan 1:2,8/100

Trioplan 2,8/100Bild links: Prospektabbildung des 3-linsigen Dauerbrenners Trioplan (1952).
Trioplan 2,8/100

Mechanisch ist das mittellange 3-linsige Trioplan in der Ausführung der frühen 1950er Jahre - bis auf das Material der Fassung - identisch mit der Vorkriegsversion. Während diese - aus verchromten Messing - allerdings 480g auf die Waage bringt, ist das "Neue" mit 185g in Alufassung geradezu ein Leichtgewicht...

Die optische Konstruktion mit 23° Bildwinkel blieb unverändert, die Gläser wurden wie jetzt üblich vergütet - erkennbar am roten "V". Ansonsten sind sich die beiden durch die Kriegsjahre getrennten Objektive auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich.

Nach wie vor ist diese Ausführung für Balgenanwendung usw. teilbar.

Trioplan 2,8/100 geteilt

Telemegor 1:5,5/150, 180, 250, 400

Die Produktion der beliebten Meyer-Fernobjektive wurde nach und nach wieder aufgenommen. Die Form der Fassung entsprach bei den "kleinen" Brennweiten 150 und 180 mm ungefähr der Vorkriegsausführung, Material war jedoch Aluminium. Die Objektive wurden dadurch erheblich leichter und noch handlicher. Die Entfernungseinstellung wurde erweitert, beim 180er begann sie jetzt mit 2,65 m (Vorkrieg 3m). Die Linsen sind jetzt vergütet, auf dem Bezeichnungsring mit einem roten "V" gekennzeichnet.

Auch die Fassungen der ersten Telemegore hatten noch keinen Oberflächenschutz. Anfangs wurden einige offenbar aus Vorkriegsbeständen noch vorhandene Bajonettanschlüsse aus verchromtem Messing verbaut. Da diese etwas höher waren, als die aus Aluminium neu entwickelten, musste dies bei der Verschraubung des vorderen Fassungsteiles (mit dem Linsensystem) berücksichtigt werden. Die Telemegore ab etwa Nr. 1.2xx xxx erhielten eine eloxierte Fassung mit einem etwas kürzeren schwarz eloxierten Bajonettanschlussstück. Auf den Vergleichsfotos sind diese kleinen Unterschiede erkennbar.

Telemegor 180 altTelemegor 180 alta
Dieses Telemegor 1:5,5/180 (Nr. 1.135.980) stammt aus der Zeit um 1950/51. Es hat noch ein aus der Vorkriegsproduktion stammendes Bajonettanschlusstück aus verchromtem Messing. Die Aluminiumfassung ist noch nicht eloxiert.

Telemegor 180 neuTelemegor 180 neua
Dieses Telemegor 1:5,5/180 (Nr. 1.203272) hat bereits eine eloxierte Fassung und das aus Aluminium neu entwickelte schwarz eloxierte Bajonett-Anschlusstück.

Bei genauem Hinsehen bemerkt man die gegenüber dem vorherigen Exemplar geringfügig unterschiedliche Fassungsgeometrie. Das kürzere Anschlussstück wurde mit einer Vergrößerung in der Verschraubung zwischen vorderem und hinterem Fassungsteil ausgeglichen (sichtbar am breiteren Spalt unterhalb des Blendeneinstellringes).

Das ehemals "längste" 24cm-Telemegor erhielt mit Beginn der Neufertigung eine veränderte Fassung; zugleich wurde dessen Brennweite auf 250 mm verlängert. Das Fassungsdesign entsprach der des um 1952 neu entwickelten Telemegor 1:5,5/400. Die Stativaufnahme war nun drehbar; die Schreibweise änderte sich von "Tele Megor" in "Telemegor". Im Sammlerjargon wird diese Bauform auch "schlanke Version" genannt.

Bei allen Tele-Megor-Objektiven handelt es sich um 4-linsige Telekonstruktionen. Hier noch ein Hinweis für die Lamellenzähler: die Telemegore sind durchweg mit nahezu kreisrund schließenden Blenden ausgestattet. Beim Telemegor 150 habe ich 14 Blendenlamellen gezählt.

Telemegore
Tele-Megore 5,5/150, 5,5/180, 5,5/250 und 5,5/400 in der in den frühen 1950er Jahren gebauten Ausführung ohne Vorwahlblende (Prospektabbildung 1952).


3. Ausführung - Meyer-Objektive in den 1950er Jahren (1952-1959)

Objektive 1950er Jahre

Im Verlauf der 1950er Jahre bot Meyer wieder eine komplette Objektivpalette zwischen 35-400 mm Brennweite an. Zeitweilig dürfte es wohl das umfangreichste Sortiment aller Objektivhersteller für die Exakta und Praktica gewesen sein. Der klassische „Weitwinkel“-Anastigmat, das Helioplan 4,5/40, wurde von einer echten Weitwinkel (Retrofokus-) Konstruktion, dem 4-linsigen Primagon 4,5/35 mm abgelöst. Trioplan 2,9/50 FrontlinseneinstellungAb 1955 wurden mit den Primotaren 3,5/80, 3,5/135 mm und 3,5/180 mm auch wieder vierlinsige Objektive in Normalbauweise für Kleinbild-SLR-Kameras, zunächst nur mit längeren Brennweiten, angeboten. Das Normalobjektiv Primotar E 3,5/50 folgte erst ein Jahr später.

Das Trioplan 2,9/50 mit Frontlinsen-Einstellfassung - in einem Meyer Prospekt (Bild links) aus dem Jahr 1952 für die Exa beschrieben - fehlte bislang in meiner Meyer-Sammlung, weil ich auf den kleinen Unterschied früher nicht geachtet hatte. Sammlerkollegen teilten mir mit, dass sie das Objektiv besitzen. Mittlerweile konnte ich es im ebay erwerben und in die Aufstellung einfügen.

Aus dieser Epoche sind auch Meyer-Objektive zu finden, die nicht in die Prospekte oder Meyer-Preislisten aufgenommen wurden. Es handelt sich dabei entweder um kleinere Serien mit abweichenden Daten oder - wie beim Telefogar - um Objektive, die an sich für andere Kamerasysteme entwickelt worden sind. Aus welchen Gründen auch immer wurden einige von ihnen auch mit einem Exakta-Bajonett oder M42-Schraubanschluss ausgerüstet und ausgeliefert. Beim Telefogar 3,5/90 - normalerweise nur mit Altix-Bajonettanschluss erhältlich - ist auch denkbar, dass es nachträglich oder in Werkstätten mit einem anderen Anschluss versehen worden ist.

Das Telefogar ist ein handliches Objektiv tele-ähnlicher Bauform in der beliebten Porträtbrennweite 90mm. In diesem Brennweitenbereich bot Meyer damals ansonsten noch keine Teleobjektive für die Exakta oder Praktica an.

Ab 1952 erfolgte bei den meisten Objektiven die Umstellung von Normalblende auf Blendenvorwahl. Lediglich das preiswerte Trioplan 2,9/50 - als Standardobjektiv für die Exa vorgesehen - erhielt nur eine Rastblende. Um 1956 fand die Automatische Druckblende auch Eingang in die Görlitzer Produkte. Zuerst wurden das Primotar E 3,5/50 und teilweise das Trioplan 2,8/100 damit ausgestattet. Diese beiden Objektive verbergen auch eine jeweilige Besonderheit: das Primotar E verfügt über eine Einstellblende (deshalb der Namenszusatz „E“), die das Sucherbild etwas aufhellt. Beim Auslösen schließt sich dann die Blende mindestens auf 3,5, wenn kein kleinerer Wert gewählt wurde. Weitere Informationen zur Automatikblende der Meyer-Objektive finden Sie hier.

Das Trioplan 2,8/100 mit Druckblende und die erste Version des Primotar E haben einen zusätzlichen „verkehrten“ Drahtauslöseranschluss für Makroaufnahmen am Balgen oder mit Ringen. Dabei wird anstelle des üblichen Doppel-Drahtauslösers ein Spezial-Verbindungsdraht benutzt, der den Kameraauslöser mit dem seitlichen Drahtauslöseranschluss des Objektiv-Auslösers verbindet. Mit der später eingeführten Auslösewippewippe entfiel aber diese Spezialität. Eine weitere Besonderheit beim Auto-Trioplan 2,8/100 ist die doppelte Blendenskala für automatische Blende (rot) und manuelle Blende (schwarz). Meines Wissens ist das Auto-Trioplan das einzige Objektiv mit dieser eigenwilligen Blendenumschaltung. Es ist in dieser Ausführung 1959 nur in geringen Stückzahlen geliefert worden, die meisten Trioplan 2,8/100 haben Blendenvorwahl.

Primoplan 1:1,9/58

Das 5-linsige Hochleistungsobjektiv Primoplan erhält 1954 noch eine Blendenvorwahl, bevor es um 1957/58 aus dem Programm genommen wird. Der Verkaufspreis betrug lt. Ihagee-Preisliste im Jahr 1954 DM 235 für die Blendenvorwahlversion. Wie das 3-linsige Trioplan ist auch dieses Primoplan aufgrund seiner außergewöhnlichen Abbildungsleistung bei Digitalfotografen sehr begehrt.

Primoplan 1,9/58Primoplan 1,9/58a Primoplan 1:1,9/58 mit veränderter Fassung aus der Zeit um 1952/53. Dieses Objektiv hat noch Normalblende, jedoch bereits den "Berg- und Tal"-Fokusring. Die Aluminiumfassung ist jetzt eloxiert - wie auch bei allen anderen Meyer-Objektiven dieser Zeit.

Astraplan 1,9/50Das rechte Bild zeigt ein vom US-Fotohaus Sterling Howard importiertes Primoplan. Das Objektiv wurde in den frühen 1950er Jahren unter dem eigenen Handelsnamen "Astraplan" mit ebenfalls selbst importierten "ASTRAFLEX"-Exakta's (Exakta Varex VX) verkauft.


Primoplan 1:1,9/58 - Ausführung mit Blendenvorwahl

Primoplan 1,9/58 BVPrimoplan 1,9/58 BVPrimoplan 1:1,9/58 (Foto mit M42-Kameranschluss) aus dem Jahr 1956 (Bildwinkel jetzt 41°).

Dieses Objektiv wurde ab 1954 mit Vorwahlblende angeboten; die Blende wird vor dem Auslösen durch Drehen des Blendenringes bis zum vorgewählten Anschlagwert geschlossen. Die Fassung, mit dem bereits 1952 eingeführten "Berg- und Tal"-Design, blieb ansonsten unverändert. Gegenüber dem vorher gezeigten Primoplan aus dem Jahr 1952 hat diese Version die inzwischen gebräuchliche doppelte Entfernungsangabe in m und feet.

Der Verkaufspreis betrug DM 235 lt. Ihagee-Preisliste 1954, 1957 musste die Produktion eingestellt werden. Die optische Konstruktion des 5-Linsers beruht auf der von Dr. Rudolph für das Makro-Plasmat entwickelten Bauweise mit zentraler Blende. Das Objektiv ist ab 0,75 m einstellbar, Blendenumfang ist 1,9-22, Filtergewinde M49. Seine 15 Blendenlamellen erzeugen eine nahezu kreisrunde Blende - eine Delikatesse für "Bokeh"-Fans heutiger Digital-SRL-Kameras. Mit einem der für alle aktuellen Digial-SLR's erhältlichen Adapter ist es ein Geheimtip für herausragende Bildergebnisse.

Trioplan 1:2,9/50 mit Frontlinseneinstellung

Trioplan 2,9/50Trioplan 2,9/50Trioplan 1:2,9/58 mit Normalblende und Entfernungseinstellung durch Frontlinsenverstellung.


Dieses Trioplan aus der Zeit um 1951/1952 wurde meist mit der Exa verkauft; in Prospekten steht "Spezialfassung", Bildwinkel ist 46°. Gegenüber der vorherigen Version ist es vergütet (mit einem roten "V" gekennzeichnet). Es ist mir mit Seriennummern um 1.130xxx bis 1.143xxx bekannt. Die überarbeitete Nachfolger-Version des Trioplan mit Rastblende und Schneckengang-Einstellung wurde 1952 mit Seriennummern ab 1.150xxx eingeführt.

Trioplan 1:2,9/50 mit Rastblende

Trioplan 2,9/50 RBTrioplan 2,9/50 aTrioplan 1:2,9/50 mit Rastblende aus der Zeit um 1957/58.

Das Trioplan 2,9/50 war das preiswerteste Normalobjektiv aus dem Meyer-Fertigungsprogramm. Die Fassung wurde 1952 gründlich überarbeitet. Neben dem aktuellen "Berg- und Tal"-Ringdesign erhielt es eine Schneckengang-Entfernungseinstellung und Rastblende. Das unverkittete Triplet mit bester Korrektur ist von gleicher Bauart wie das Trioplan 2,8/100. Das Objektiv trug in diesen Jahren durchweg das zweithöchste DDR-Qualitätsprädikat /1\.

In dieser Ausführung bleibt es bis 1963 im Fertigungsprogramm und wird dann erst vom neu entwickelten, optisch gleich aufgebauten Domiplan abgelöst.

Primagon 4,5/35

Primagon 4,5/35Primagon 4,5/35 aPrimagonschnittDas Primagon 4,5/35 war 1956 das erste "echte" Weitwinkelobjektiv von Meyer in Retrofokus-Bauweise (Bildwinkel 63°). Als vierlinsige Konstruktion ist es nicht sonderlich lichtstark, dafür jedoch ausgesprochen scharfzeichnend. Bemerkenswert ist die für frühe Retrofokus-Konstruktionen zwar typische, jedoch für diese Lichtstärke ungewöhnlich große Frontlinse.

Das Objektiv hat Blendenvorwahl und einen relativ langen Schneckengang mit einer kürzesten Entfernungseinstellung von 40 cm. Es trug während der gesamten Bauzeit von etwa 1956 - 1963 das DDR-Qualitätsprädikat "Q1".

Primoplan 1:1,9/75

Primoplan 1,9/75Primoplan 1,9/75aPrimoplan 1,9/75

Diesem Hochleistungsobjektiv blieb leider keine lange Lebensdauer beschieden. Das 5-linsige Objektiv mit Blendenvorwahl wurde nur rund 3 Jahre zwischen 1952 und 1955 gebaut. Danach musste es aus wohl politischen Gründen dem Jenaer Konkurrenzprodukt Biotar 1,5/75 weichen. Optisch entspricht es seinem Vorgänger aus den Vorkriegsjahren. Der Verkaufspreis betrug lt. Ihagee-Preislisten in den Jahren 1954/55 DM 330.

Primotar

Abgesehen von den Telemegor-Fernobjektiven hatte Meyer in den Nachkriegsjahren zunächst noch keine 4-linsigen Objektivkonstruktionen in seinem Fertigungsprogramm für SLR-Wechselobjektive. Das zur Kine Exakta - auch als Ihagee Exaktar - angebotene Primotar-Normalobjektiv wurde aus unbekannten Gründen anfangs nicht wieder aufgelegt; erst 1956 erschien es als Neuentwicklung mit automatischer Druckblende in der Version Primotar E 1:3,5/50. Statt dessen wurde zunächst ein vierlinsiges Primotar 1:3,5/135 angeboten, weil diese immer beliebter werdene Brennweite bisher im Meyer-Programm noch fehlte.

Mit der Aufnahme einer technisch überarbeiteten klassischen 6x6 Exakta als Praktisix in das Pentacon-Fertigungsprogramm entstand um 1956 Bedarf an Wechselobjektiven für das Mittelformat. Mit zwei Primotaren, einem 3,5/80 und dem 3,5/180 (und einem neuen Telemegor 4,5/300) konnte Meyer diese Angebotslücke schließen und stattete diese beiden Objektive auf Wunsch auch mit einem Anschluss für die Kleinbild-Exakta aus. Das Primotar 3,5/180 wurde 1959 vorübergehend sogar mit in das reguläre Lieferprogramm für Kleinbild-SLR-Wechselobjektive aufgenommen.

Primotar 1:3,5/80

Primotar 3,5/80Primotar 3,5/80a (Fabr.Nr. 1.407.554) Das Objektiv hat Vorwahlblende bis 22 und ist ab 1m einstellbar, Filteranschluss ist M54.

Es ist diesem Objektiv gut anzusehen, dass es eher zu einer 6x6 Kamera als zur Kleinbild-Exakta passt. Dafür - für die Exakta 66 - war es ursprünglich auch gedacht. Als die Ihagee die Auslieferung dieser Kamera aber kurzfristig einstellte, wurde, wurde es - vergleichbar dem 80er Zeiss Tessar - in eine passende Fassung gepackt und mit einem Exakta-Anschluss ausgeliefert.

Der 4-Linser entspricht optisch dem Zeiss Tessar, die Mittelformat-Korrektur macht natürlich qualitativ hochwertige Kleinbildaufnahmen möglich, an die spezielle Anforderungen gestellt werden (Vergrößerungen, Werbefotografie).

Primotar 1:3,5/85

Primotar 3,5/85Pirmotar Vergleich 80/85 Die Sammlerkollegen Peter Beck und Steffen Schoenicke machten mich auf diese Primotar-Version aufmerksam. Sie war mir zuvor unbekannt. Der Fabriknummer nach ist diese Ausführung (Foto Schoenicke, ganz links) bereits 1952 ausgeliefert worden, also 4 Jahre vor der zuvor beschriebenen "dicken" Version mit 80 mm Brennweite. Optisch wird es sich wohl um die gleiche Konstruktion handeln. Allerdings liegen mir hierzu keine Unterlagen vor.

Nach den mir freundlicherweise überlassenen Fotos hat das Objektiv wohl Rastblende bis Stufe 22. Peter Beck schickte mir auch ein Vergleichsfoto (Foto links) der beiden mittellangen Primotare.

Primotar 1:3,5/135

Primotar 3,5/135Primotar 135 geteiltPrimotar 3,5/135 SchnittFabr.Nr. 1.598,223) optisch ein Triplet mit verkitteter Hinterlinse (4Linser).

Obwohl als 135er oft der Kategorie "Teleobjektive" zugerechnet, ist dieses Primotar ein Objektiv in Normalbauweise. Demnach ist es für diese Brennweite relativ groß, hat dafür aber den Vorteil, teilbar zu sein. Damit ist der Objektivkopf für Spezialzwecke auch am Balgen verwendbar. Zwischengewinde ist M42x0,5 (andere Steigung als der übliche M42-Objektivanschluss).

Meyer lieferte einen speziellen Anschlussring für Ihagee-Balgengeräte. Diese Anwendung stelle ich beim Ihagee-Balgengerät vor.
Das Objektiv hat Vorwahlblende bis 22 und ist ab 1,6 m einstellbar, Filteranschluss ist M54.

Primotar 1:3,5/180

Primotar 3,5/180 Schnitt

Ein in jeglicher Beziehung imposantes Objektiv ist das Primotar 3,5/180. Anders als die 4-linsigen Primotare mit kürzeren Brennweiten sind bei diesem Objektiv die beiden vorderen Linsen miteinander verkittet. Das Objektiv normaler Bauart (keine Telekonstruktion) hat eine vergleichsweise hohe Lichtstärke, ist dafür aber auch entsprechend schwer. Mit 1050 g hat es das dreifache Gewicht des um 1 1/2 Blendenstufen lichtschwächeren Telemegor 5,5/180 mit gleicher Brennweite (350 g). Wie dieses hat es auch Blendenvorwahl, kürzeste Einstellentfernung ist 2,2 m, Filtergewinde M67 (eine Sonnenblende gehörte Meyer-üblich zum Lieferumfang). Wie die langen Telemegore hat auch dieses Primotar einen Außenbajonett-Anschluss.

Primotar 180 blank Primotar 180 blank
Primotar 3,5/180 mit Blendenvorwahl (Fabriknr. 1.654.432), mit dem DDR-Qualitätsprädikat /1\ ausgezeichnet.

Das Primotar 1:3,5/180 mit schwarzer Fassung finden Sie im nächsten Abschnitt "4. Ausführung".


Primotar E 1:3,5/50 Version 1

Wer damals als Liebhaber oder Anwender von Meyer-Objektiven lange auf eine 4-linsige Standardbrennweite gewartet hatte, wurde mit diesem Objektiv gleich mehrfach entschädigt. Das Primotar E ist ein optisch ausgezeichnetes Objektiv, das sich vor dem Zeiss Tessar in keiner Weise verstecken muss. Es ist - zeitgleich mit dem Auto Trioplan 2,8/100 - das erste Meyer-Objektiv mit einer automatischen Druckblende. Gleichzeitig wartete es mit zwei Eigenarten auf, die es - zumindest für uns Sammler - zu einer ungewöhnlichen Objektivkonstruktion machen.

Primotar E 2,8/50 SchnittDas "E" im Namen steht für Einstellblende, d.h. dass in der Automatikstellung die Blendenlamellen selbst bei Offenblende 3,5 eine etwas größere Objektivöffnung freigeben, als es die Blendenzahl erwarten läßt. Damit wird das Sucherbild einen Tick heller, als wenn mit Blende 3,5 eingestellt würde. Einen Wert für diesen Zusatznutzen gibt Meyer allerdings nicht an, das Objektiv wird deshalb kaum auf eine relative Öffnung von 1:2,8 kommen ...

Primotar EaPrimotar ENormalobjektiv mit vollautomatischer Druckblende und etwas größerer Einstellblende als die ausgewiesene Lichtstärke von 1:3,5


Die zweite Besonderheit ist der "verkehrte Drahtauslöseranschluss". Am Auslöser-Ausleger ist neben dem Auslöseknopf - mit Anschluss für übliche Drahtauslöser - noch eine Zusatzbuchse angebracht. Daran läßt sich ein spezieller Auslösedraht anschließen, der die Auslösung auf den Kameraauslöser überträgt. Ein netter Zusatzgag, der jedoch ein spezielles Auslösekabel erfordert. Außer bei dem zeitgleich angebotenen Automatik-Trioplan 2,8/100 ist diese Auslösung sonst bei keinem anderen Objektiv zu finden. Weitere Informationen zur Automatikblende der Meyer-Objektive finden Sie hier.

Telefogar 3,5/90

Telefogar 3,5/90Telefogarschnitt Wie bereits weiter oben beschrieben, ist dieses Telefogar eine tele-ähnliche Konstruktion für die Altix-Kleinbildkamera mit Zentralverschluss. In der Literatur wird es als vierlinsiger Anastigmat mit kurzer Schnittweite, ähnlich den Teleobjektiven, beschrieben.

In den Meyer-Preislisten war es nur mit diesem Anschluss für die Altix-Modelle lieferbar. Da bei Zentralverschlusskameras die Objektivblende üblicherweise zwischen den Linsen angeordnet ist, ist das Objektiv derart konstruiert, dass die Hinterlinse direkt vor dem Verschluss liegt. Außerdem wurde die Frontlinse größer angeordnet, als es das Öffnungsverhältnis erfordert. Dadurch soll eine Vignettierung bei offener Blende vermieden werden.

Wie das Objektiv nun mit einer Spiegelreflexkamera harmoniert, bedurfte eines Praxistests. Ich selbst hatte mit diesem Objektiv zuvor nie fotografiert, weil es mir mit Exakta-Anschluss lange nicht zur Verfügung stand. Erst nach komplizierten Bemühungen konnte ich vor einiger Zeit zwei dieser Objektive mit Exakta-Bajonett erwerben, deren Anschluss zudem noch unterschiedlich ausgeführt ist (s. Fotos). Zwar ist mir das Telefogar mit Altix-Bajonett seit langem bekannt, ich besitze auch ein Exemplar mit diesem Anschluss in meiner Sammlung. Dass es auch mit Exakta-Bajonett verfügbar gewesen ist (sein soll?) erfuhr ich erst aus ebay-Angeboten in den letzten Jahren. Es überraschte mich einigermaßen, dass Telefogar-Angebote bei ebay meist gut nachgefragt werden und vergleichsweise hohe Preise erzielen. Ob dies alles Altix-Anhänger sind, wage ich aber zu bezweifeln.

Telefogar ExaktaTelefogar ExaktaDas Altix-Bajonett kann sehr leicht mit dem Anschluss der Exakta verwechselt werden, es hat auch ungefähr die gleiche Größe. Selbst Fotofachleuten sind diese Unterschiede oft nicht bekannt. So ist das Telefogar nicht selten für die Exakta angeboten worden, ich habe es auch einige Male ersteigert. Allerdings war der Anschluss stets Altix, so dass ich mich meist mit dem Verkäufer auf Rückgabe einigen konnte.

Nun besitze ich also gleich zwei Telefogare mit Exakta-Bajonett, es soll sie angeblich auch in der Ausführung mit M42-Gewindeanschluss geben. Ein visueller Test an der Exakta war durchaus ok, für Probeaufnahmen fehlten bislang Zeit, Lust und Gelegenheit. Ich werde das gelegentlich nachholen.

Vor einiger Zeit erhielt ich nun von einem Sammlerfreund den Tipp, dass einige der preiswert erhältlichen China-Adapter ohne große technische Veränderungen auf das Altix-Bajonett aufgepresst werden können und sogar das Auflagemaß stimmt. Dies habe ich mit einem 4/3-Adapter für die Olympus (es war lediglich ein wenig Feilarbeit notwendig) gemacht. Im Oktober 2015 nutzte ich einen trockenen Tag um im heimischen Garten einige Probefotos zu machen und war durchaus positiv überrascht. Die Ergebnisse können Sie in meiner Testfotoseite anschauen.

Trioplan 2,8/100 - war zeitweise auch mit Druckblende lieferbar

Trioplan 2,8/100 DBTrioplan 2,8/100 BlendeTrioplan 2,8/100 Ausl.Trioplan 1:2,8/100 automatische Druckblende

Diese Ausführung wartet - neben dem bereits beim Primotar E beschriebenen "verkehrten" Drahtauslöseranschluss - mit einer weiteren Eigenart auf: es hat zwei Blendenskalen. Diese ersetzen den bei anderen Automatik-Objektiven üblichen Auto/Manuell-Umschalter.

Die schwarze Blendenskala gilt für manuelle Einstellung (Arbeitsblende) die rote Skala für die beim Auslösen automatisch eingestellte Blende. Beide Skalen haben aber keinerlei Rastung.
Trioplan 2,8/100DB Vers. 2

Wie bereits an anderer Stelle beschrieben, ist das 3-linsige Trioplan 2,8/100 nicht zu Unrecht eines der beliebtesten Meyer-Objektive. Es war demnach nur konsequent, dass es das erste Objektiv war, dem Meyer 1956 die neue Druckblende spendierte. Es wurde 1962 vom neu konstruierten Trioplan N abgelöst, die Blendenvorwahl-Version wurde parallel dazu angeboten. Das Trioplan erhielt während seiner Bauzeit immer das DDR-Qualitätsprädikat /1\.

Die Anzahl der Blendenlamellen (15) ist bei der Blendenvorwahl- und der ersten Automatikausführung gleich*. Damit gehört das Trioplan zu den wenigen Blendenautomatik-Objektiven mit einer traditionellen, rundschließenden Irisblende. Objektivhersteller verringerten meist die Anzahl der Lamellen um ein sicheres Schließen der Blende durch die Federspannung zu gewährleisten. Der Öffnungskreis der Blende ist bei solchen Konstruktionen nicht mehr annähernd kreisrund, sondern mehr oder weniger "gezackt". Dies hat zwar keine direkte Auswirkungen auf die Belichtung, jedoch bewirkt bei gewissen Aufnahmebedingungen (z.B. Gegenlicht) die Blendenform Lichtreflexe in unterschiedlichen geometrischen Formen. Diese sind für Anhänger der "Bokeh" genannten Überstrahlungen im Bild von Bedeutung.

*Hierzu ist folgende Information nachzutragen: bei der ersten Aufstellung dieser website war mir nur das Automatik-Trioplan mit Blende 16 als kleinster Blendenöffnung bekannt. Bei der Blendenvorwahlausführung ist hingegen Bl. 22 die kleinste Blende. Diese erste Auto-Trioplan-Ausführung hatte - wie die Blendenvorwahl-Version - 15 Blendenlamellen. Im Laufe der Bauzeit gab es jedoch auch Auto-Trioplane mit Blende 16 und nur 10 Lamellen.

Nun sind aber auch Auto-Trioplane mit kleinster Blende 22 zu finden - s. rechtes Foto. Diese haben jedoch nur noch 6 Blendenlamellen. Sie stammen aus einer Fertigung aus der später das neu konstruierte Trioplan N hervorging, das ebenfalls eine Autoblende mit nur 6 Lamellen hat. Weitere Informationen zur Automatikblende der Meyer-Objektive finden Sie hier.


Telemegor

Wie schon bei der 2. Ausführung beschrieben, begann der Bau der Telemegor-Fernobjektive nicht unmittelbar mit Fertigungsbeginn nach Kriegsende. Vielmehr wurden die beiden längsten Versionen, 250 und 400 mm neu konstruiert und erst ab etwa 1952, noch mit Normalblende produziert. Das zuvor bei der 2. Ausführung gezeigte Prospektfoto der vier Telemegor-Versionen hatte allerdings nicht lange Bestand. Bereits nach kurzer Produktionszeit gab es Veränderungen im Detail. Die Normalblende wich schon nach wenigen Monaten der neuen Vorwahlblende. Der Fokus-Ring der Telemegore 150-250 erhielt die jetzt allgemein verwendete "Berg- und Tal"-Fräsung, nur beim 400er blieb es auch in den Folgejahren bei der Riffelfräsung. Außerdem wurden ab etwa 1958 die Fassungen - und damit auch die Filteranschlüsse - im Durchmesser erweitert. Auch die Entfernungseintellung wurde zum Teil erweitert, beim 180 jetzt bis 2m (bisher 2,65 m). Die Bilder in diesem Absatz zeigen - bis auf das Telemegor 180 in der neuen Version - noch die sogenannte "schlanke" Ausführung.

Die beiden "langen" Brennweiten 250 und 400 mm waren Mitte der 1950er in Deutschland nur beschränkt lieferbar, weil offenbar zuerst der Export in die USA bedient wurde. Der Verkaufspreis für das 400er betrug DM 500 (1955).

Telemegor 150 Telemegor 180
links: Telemegor 1:5,5/150 (Nr. 1322.734)); rechts: Telemegor 1:5,5/180 (Nr. 1.847.346)

Telemegor 5,5/250
Telemegor 1:5,5/250 (Nr. 1.730.309) mit Blendenvorwahl bis 22, Fokus ab 3,3 m, Filtergewinde M58.
Qualitätsprädikat diesses Objektivs ist /S\, meistens findet man /1\, einige wenige tragen das Prädikat Q1.


Viele Meyer-Fernobjektive dieser Jahre wurden in die USA exportiert, die ersten Exemplare erhielten eine Entfernungsskala in "feet". Ab etwa 1954 führte Meyer die Doppelgravur der Entfernungsskala in m und feet ein. Etwa zur gleichen Zeit wurden die langen Brennweiten mit einem Kameraanschluss mit Außenbajonett ausgerüstet, für den das Objektivbajonett der Exakta seit dem Modell VX (1953) vorgesehen ist.

400er GravurenUnterschiedliche Entfernungsgravuren bei frühen Telemegor 5,5/400-Objektiven. Ganz links: feet-Gravur; mitte: m-Gravur; rechts: m+feet-Gravur.

Um 1956 wurde die Produktion des Telemegor mit der kürzesten Brennweite 150 mm - wohl zugunsten des neuen Primotar 3,5/135 - eingestellt. Etwa gleichzeitig erschien eine Neukonstruktion mit höherer Lichtstärke, das Telemegor 1:4,5/300. Dieses Objektiv wurde von Beginn an nur mit schwarzer Fassung und Außenbajonett-Anschluss ausgeliefert. Die geriffelten Einstellringe des 300er entsprechen denen des Telemegor 400. Auch andere Telemegor-Objektive waren ab 1958 in schwarz, teilweise noch mit der alten "schlanken" Fassung erhältlich.

Telemegor 400
Eines der ersten Telemegor 1:5,5/400 (Nr. 1.206.198) noch mit Normalblende.
Das abgebildete Objektiv hat eine Entfernungsgravur in feet, ist also eine Exportversion für den US-Markt.

Telemegor 400 BV
Das Telemegor 1:5,5/400 (Nr. 1.269.875) ist bereits mit Blendenvorwahl ausgerüstet, hat aber noch einen Anschluss mit Normalbajonett.

Telemegor 400 Außenbajonett
Mit der Fabriknr. 1.478.262 hat das Telemegor eine Entfernungs-Doppelgravur in m und feet sowie Außenbajonettanschluss.
Erstmalig ist auch ein DDR-Qualitätszeichen /\ (leeres Dreieck) zu finden.

Telemegor 400 schwarz
Telemegor 1:5,5/400, Fabriknr. 1.730.264, noch in der "schlanken" Ausführung,
jedoch bereits schwarz eloxiert.



Automatikblende bei Meyer-Objektiven um 1960

Eine wirkliche Innovation für den SLR-Fotografen war die Einführung der sich bei Auslösung automatisch auf einen voreingestellten Wert schließende Objektivblende. Auf meiner Objektivseite finden Sie weitere Erläuterungen hierzu.

Bislang hatte ich dieser Thematik ausschließlich technische Bedeutung beigemessen. Erst nach Hinweisen anderer Sammler auf eine unterschiedliche Anzahl von Blendenlamellen bei Meyer-Objektiven habe ich mich näher mit den Gründen hierfür befasst. An sich ist es ja für die Belichtung gleichgültig in welcher Weise erreicht wird, dass mehr oder weniger Licht durch das Objektiv auf den Film oder den Sensor fällt. Ich kann heute auch nicht mehr nachvollziehen, ob in der klassischen Fotografie die Anzahl der Blendenlamellen für das Aufnahmeergebnis als bedeutungsvoll angesehen worden ist. Doch seit einiger Zeit wird im Zusammenhang mit der "Bokeh"-Fähigkeit von (vor allem klassischen) Objektiven - s. hierzu meine homepage und die Objektivseite - für viele Fotofreunde auch die Anzahl der Blendenlamellen bedeutsam.

Blende 6 LamellenBlende 10 LamellenSchaut man mit dieser Erkenntnis einmal genauer hin, stellen sich in der Tat auch dem nur an der technischen Entwicklung interessierten Sammler einige Fragen. Hierzu also einige Erläuterungen, speziell natürlich für die infrage kommenden Meyer-Objektive, über die Lamellenzahl der Objektivblende. Mit dem Wechsel von der steckbaren Lochblende zur einstellbaren Irisblende waren die Objektivkonstrukteure bestrebt, auch bei Abblendung eine möglichst kreisrunde Durchlassöffnung zu gewährleisten. Über je mehr Lamellen eine Blende verfügten, desto kreisförmiger wird die Durchlassöffnung bei Abblendung.

Die beiden Blendendarstellungen verdeutlichen die Auswirkung der Lamellenzahl auf die Kreisform. Die linke Blende mit 6 Lamellen erzeugt ein deutlich gezacktes Loch, im rechten Bild bewirken 10 Lamellen schon ein deutlich runderes Loch.

Primotar 3,5/135 AuslösemechanikDas für seine Bokeh-Fähigkeiten so gerühmte Trioplan 2,8/100 hatte deren 15. Diese hauchdünnen Stahlplättchen waren leicht gefettet (deshalb sind Hinweise mancher Anbieter auf "ölfreie Blendenlamellen" Unfug), damit sie sich beim Schließen und Öffnen nicht verhaken. Beides vollzog sich deshalb beim Drehen am Blendenring sanft und mit leichtem Widerstand. Schließlich soll sich die eingestellte Blende ja nicht selbständig verstellen... Mit dem Einzug der Blendenautomatik gab es hier ein Problem: beim Druck auf den Auslöser muss sich zuerst die Blende schließen, tunlichst ohne jede Verzögerung und erst danach der Verschluss. Doch bei 10 und mehr Lamellen funktionierte dies oft nicht, je kleiner die eingestellte Blende ist, desto länger braucht der Iriskranz zum Schließen. Deshalb erzeugten frühe Automatikobjektive ohne eine entsprechend konstruierte Blende Fehlbelichtungen.

Diese Problematik bemerkte man bei Meyer auch erst, nachdem einige Trioplan-Druckblendenobjektive (noch mit dem 15-Lamellen-System) produziert waren. Zwar hatte man in weiser Voraussicht bereits den kleinsten Blendenwert auf 16 verringert (22 beim Vorwahl-Trioplan), doch auch dafür brauchte die Mechanik ihre Zeit. Bei Blendenwerten 4 bis 8 ist der Fehler kaum merklich und wer sowieso immer mit offener Blende arbeitet, hat gar keine Schwierigkeiten (doch Jener braucht auch keine Blendenautomatik!).

So verringerte man bei der letzten Auflage des Druckblenden-Trioplan die Zahl der Blendenlamellen noch weiter auf 6. Die gleiche Anzahl hat auch das Trioplan-N und das oben beschriebene Versuchsobjektiv Primotar E 3,5/135.

Im Foto rechts die Auslösemechanik beim Primotar E (Foto A. Langhammer).

4. Ausführung - Meyer Objektive aus der Zeit um 1958 bis 1963

In diesen Zeitraum fällt die Umstellung der Objektivbaureihen aus den schon weiter oben beschriebenen Gründen. Die Objektive werden sowohl noch in der klassischen blanken Alu-Ausführung als auch schon mit schwarz eloxierten Fassungen ausgeliefert. Die meisten Objektive - meines Wissens bis auf die drei Standardobjektive und das Telemegor 300 - waren zumindest zeitweise sowohl in schwarzer als auch in blanker Fassung erhältlich. Wer als Sammler das komplette Meyer-Programm besitzen möchte, braucht eine große Vitrine ...
Es gibt noch zwei weitere Design-Varianten, die sich aber nicht dauerhaft behaupten konnten:

Die automatische Druckblende mit der nur bei Meyer zu findenden eigenwilligen Auslösewippe findet sich nicht nur bei den Neukonstruktionen Domiplan und Domiron, sondern jetzt auch beim Primotar E (2. Version) und dem überarbeiteten Trioplan N. Zu den kleinen Besonderheiten zählt auch das nur kurze Zeit produzierte Primotar 2,8/50 mit einer Leitzahlen-Rechenskala.

Diese vierte Kategorie habe ich aufgrund der in diese Zeit fallenden verschiedenen technischen und äußerlichen Änderungen und Neukonstruktionen gebildet, um vor allem die nur kurze Zeit produzierten Typen, wie das Domiron oder die Primotar-Normalobjektive hier einordnen zu können. Dem Sammler bleibt es überlassen, die anderen Objektive entsprechend ihrer Fassungsausführung auch der dritten Kategorie (blanke Fassung) oder der fünften Kategorie (schwarze Fassung) zuzuordnen. Unabhängig davon läßt sich aber auch für diese Periode eine eigenständige Objektivpalette zusammenstellen.

Objektivpalette 1960


Trioplan 1:2,9/50

Trioplan 2,9/50 Trioplan 2,9/50aDas klassische 3-linsige Trioplan wird unverändert weitergebaut, bis es 1963 vom neuen Domiplan abgelöst wird. Im Bild ist mit der Nr. 3.121.221 eines der letzten Exemplare zu sehen.

Nach wie vor ist es mit einer Rastblende ausgerüstet und wird in der Ihagee-Preisliste 1960 mit der Exa I für DM 164 - preisgleich mit dem Ludwig Meritar, dieses jedoch schon mit Vorwahlblende -angeboten.


Primotar E 3,5/50

Primotar E 3,5/50 Vers.2 Primotar E 3,5/50 Vers. 2aDas 4-linsige Triplet wurde 1961 in kleiner Stückzahl neu aufgelegt. Dabei erhielt es die neue Meyer-typische Auslösewippe für die automatische Druckblende. Die Einstellblende blieb erhalten und wurde sogar gegenüber der Vorgängerversion offenbar noch etwas vergrößert. Im übrigen blieb das Objektiv unverändert.

Mancher mag damals bedauert haben, dass dieses dem Tessar auch in seiner optischen Leistung vergleichbare Normalobjektiv eingestellt wurde. Eine nicht geringe Zahl fachlich qualifizierter Fotografen schätzte diese Optik nicht wegen ihres gegenüber dem Tessar günstigeren Preises, sondern vielmehr wegen des sehr guten Auflösungsvermögens.


Primotar 2,8/50

Wohl kaum ein Kenner der damaligen Angebotssituation wird es verstanden haben, weshalb dieses Objektiv 1960 angeboten wurde. Die Angebotssituation für SLR-Kameras war zumindest in der DDR klar: für normale bis gehobene Ansprüche an die optische Standardausstattung von Exakta, Praktika und Praktina gab es das Tessar 2,8/50 mit automatischer Springblende. Höhere Anforderungen bediente das Pancolar, das soeben das klassische Biotar abgelöst hatte. Und für das Preiswert-Segment, z.B. für die Exa gab es neben dem einfachen Ludwig Meritar das Tessar mit Rastblende. Selbst Meyer bediente den 50mm-Normalobjektiv-Markt in diesen Jahren noch mit dem Trioplan 2,9, dem Primoplan E, dem Domiron und schickte sich an das neue Domiplan zu bauen.

Wozu also ein neuer Vierlinser mit der inzwischen überholten Blendenvorwahl? Offenbar hat man dies auch schnell eingesehen und nahm das Objektiv nach nur einem Jahr wieder aus dem Angebot. In den Ihagee-Preislisten wird es nur zwischen April 1960 und Juni 1961 als Alternativausstattung für die Exa II angeboten. Diese Kamera war in diesen Jahren wahlweise mit sieben (7) unterschiedlichen Objektivausstattungen erhältlich: mit dem Meritar für DM 280 bis zum Biotar für stolze DM 533. Mit diesem Primoplan kostete sie DM 303, also gerade mal DM 18 weniger als mit dem Rastblenden-Tessar. Mit dem automatischen Primotar E war sie für DM 333 zu haben.

Wer also sollte das Primotar 2,8 mit Vorwahlblende kaufen? Es ist heute selten zu finden, eher eine kleine Sammlerspezialität mit seinem "Leitzahlrechner" auf der Fassung. Was immer das sein sollte, mehr als eine unnötige Spielerei ist diese zusätzliche Skala für den Fotografen nicht. Vielleicht sollte sie eine Alternative zu den Lichtwertskalen sein, die damals in Westdeutschland gerade in Mode waren. Auch nur für uns Sammler von Interesse ist das Fassungsdesign. Es gleicht sich dem Domiron und dem Trioplan N an, jedoch war der zumindest bei diesem Objektiv ungriffige Fokusring sicherlich kein zusätzliches Verkaufsargument. Das dieses Objektiv noch das DDR-Qualitätsprädikat "Q1" trägt, ist eher eine Kuriosität am Rande.

Primotar 2,8/50 Primotar 2,8/50 aPrimotar 2,8/50 mit Blendenvorwahl und Leitzahlrechner. Das Objektiv wurde trotz seiner guten optischen Leistung kein Erfolg und verschwand bereits nach einem Jahr wieder aus dem Lieferprogramm.

Primotar 2,8/50 Leitzahl

Bild rechts: Leitzahlrechner auf der Fassungs-Unterseite des Primotar 2,8/50



Die beiden Fotos unten zeigen eine frühe M42-Variante dieses Primotar. Über die interessanten Unterschiede lesen Sie im Text.


Primotar 2,8/50 M42 Primotar 2,8/50 M42Obwohl nur kurze Zeit gebaut, gibt es von diesem Objektiv noch eine Variante - eine sogenannte "Abart", bei genauerem Hinschauen sogar eine "Unart"... Dies bemerkte ich erst, als das Objektiv (eine M42-Version) bereits verkauft war und der Käufer nachfragte, weshalb es sich nicht auf die kürzeste Naheinstellung 0,75m fokussieren ließ.

Als ich es zur Begutachtung zurückerhielt, fiel mir zunächst der anders gestaltete Blendenvorwahlring (hinten) im Vergleich zu der Exakta-Version auf. Zudem lag bei dieser die Nahgrenze bei 0,6m! Auch nach Studium zeitgenössischer Meyer-Prospekte fand ich nur diese 0,6m-Nahgrenze, gleich ob für Exakta- oder Praktica-Version. Zudem erwies sich der Fokusstop bei ca. 1m nicht als mechanischer Fehler sondern war bei diesem Objektiv konstruktionsbedingt. Erst nach einer Demontage wurde mir dies jedoch klar.

Bei einem äußerlichen Vergleich der Entfernungsgravuren fällt auf, dass die 0,75 m sehr viel näher an der Unendlich-Markierung liegt als bei der 0,6m-Version. Der Auszug, gemessen am Filterring bei der Nahgrenze, war jedoch identisch. Also muss dieses Objektiv eine andere Schneckengangsteigung haben. Diese Annahme fand ich nach der Demontage bestätigt, allerdings zeigten sich die Drehstopp-Anschläge gegenüber der Exakta-Version unverändert, so dass ein Fokussieren auf die markierte Nahgrenze 0,75 m unmöglich ist. Der Schneckengang stoppte an der gleichen Stelle, bei der die Exakta-Version mit 0,6m graviert ist. Seltsam - ein Montagefehler, oder ein Musterobjektiv, das versehentlich in den Verkauf gelangte? Weiter fällt jedoch noch auf, dass die kürzeste gravierte Entfernung beim Leitzahlring auf der Unterseite bei beiden Objektiven 0,75 ist, also auch bei der mit 0,6m gravierten Version! Die M42-Variante hat zudem keine feet-Parallelskala.

Die Produktionsnummer der M42-Version liegt um 260000 niedriger, also Baujahr 1958/59. Das Primotar 2,8/50 wurde jedoch erst 1960 verkauft! Zudem ist es mit dem Qualitätszeichen /S\ graviert, die 1960er Version jedoch mit Q1. Da dieses Objektiv recht selten auftaucht, fehlen mir weitere eigene Vergleichsmöglichkeiten. Es würde mich aber interessieren, ob andere Sammler ebenfalls von solchen Varianten wissen.

Domiron 2/50

Das 6-linsige neue Meyer-Hochleistungsobjektiv - als Nachfolger des ausgelaufenen Klassikers Primoplan 1,9/58 gedacht - ist eine Konstruktion nach dem schon länger bekannten Gauss'schen Bauprinzip. Diese Bauform ermöglicht besonders leistungs- und lichtstarke symmetrisch gebaute Objektive. Die bei diesem Objektivtyp notwendige zentral angeordnete Blende verursacht zwar einige konstruktionstechnische Schwierigkeiten, macht das Objektiv aber gegen Domiron SchnittStreulichteinflüsse unempfindlicher. Die beim Domiron zudem tief in der Fassung angeordnete Linsenkonstruktion macht eine Gegenlichtblende also im Normalfall überflüssig. Zusätzlich erhielt dieses neue Objektiv noch einen für damalige Normalobjektive ungewöhnlich langen Schneckengang, der es mit einer kürzesten Entfernungseinstellung von 34 cm fast zum Makro-Objektiv beförderte.

Das Domiron - zur Leipziger Frühjahrsmesse 1960 vorgestellt - wurde denn auch zu Recht mit dem DDR-Qualitätsprädikat "Q1" bedacht. Ungeachtet dessen (oder vielleicht gerade deshalb) musste die Fertigung schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden. Offenbar kam es dem in Jena kurz zuvor gerade neu geschaffenen Flexon/Pancolar 2,0/50 als unerwünschte Konkurrenz ins Gehege. Weil beide Objektivbetriebe zum Kombinat Pentacon gehörten, hatte Meyer - wie schon öfter - das Nachsehen. Ein paar Jahre später durfte das Domiron als "Oreston" seine Wiederauferstehung feiern, blieb allerdings dem Exakta-Fotografen verwehrt. Erst mit der RTL1000 erhielt das Oreston ein Exakta-Bajonett mit Innenauslösung (s. weiter unten bei der 6. Ausführung).

In den Ihagee-Exakta Preislisten taucht das Domiron nur für kurze Zeit im Dezember 1962 und März 1963 auf - eigenartigerweise nur - mit der von Zeiss Jena bekannten verkürzten Namensform - als "D". Die Exakta Varex IIa kostete mit diesem Objektiv 656 DM und war somit 35 DM billiger als die gleiche Kamera mit dem Jena Pancolar ...

Domiron 2/50Domiron 2/50Domiron 2/50 aus dem Jahr 1963, wie alle bisherigen Meyer-Objektive noch mit linksläufiger Entfernungseinstellung. Erst das Domiplan wurde der auch bei Zeiss Jena üblichen rechtsläufigen Einstellung angepasst. Im Gegensatz zum Domiplan hat das Domiron jedoch eine auto/manuell-Umschaltung.

Domiron 2/50 schwarzDomiron 2/50 schwarzDomiron 2/50 mit schwarzer Fassung, ansonsten in gleicher Ausführung und aus dem gleichen Baujahr wie die blanke Version (1963).

Im Jahr 1963 fertigte Meyer wenige Objektive aus der laufenden Fertigung mit schwarzer Eloxierung, neben diesem Domiron kenne ich auch ein schwarzes Trioplan 2,8/100 (Bild weiter unten). Bekannt ist mir ein blankes Domiron mit der Nummer 2.674.901, dieses schwarze mit der Nummer 2.674.887 wurde wohl am gleichen Tag gebaut! Beide Farbvarianten sind aber optisch und mechanisch gleich.

Die Gründe für diese Sonderfertigung kenne ich nicht. Offenbar handelt es sich nur um Einzelstücke, die schwarz eloxiert wurden, vermutlich waren es besondere Kundenwünsche. Denkbar ist auch eine Musterfertigung im Vorgriff auf die neue Objektivlinie. Die in den frühen 1960er Jahren neu entwickelten Objektive (Oreston, Trioplan N, Domiplan usw.) wurden jedenfalls durchweg mit schwarzer Fassung produziert. Ein blankes Trioplan N (s. Prospektbild) ist mir dagegen nie begegnet.

Trioplan 2,8/100 letzte Ausführung

Trioplan 2,8/100 Blendenvorwahlversion




Das klassische Trioplan 2,8/100 lebt noch ein wenig länger, es wird bis 1964 hergestellt. Jedoch wird auf die zuvor für kurze Zeit eingebaute automatische Druckblende wieder verzichtet, das Objektiv in dieser traditionellen Version ist nur mit Vorwahlblende lieferbar. Was nicht heißt, dass die Fassung in dieser Zeit gänzlich unverändert bleibt.

Das Trioplan 2,8/100 in der zuletzt gebauten Fassungsausführung aus dem Jahr 1964.

Trioplan 2,8/100 schwarz Trioplan 2,8/100 v1Trioplan 2,8/100 v2
In den Abbildungen sehen Sie drei unterschiedliche Fassungsvarianten des Trioplan 2,8/100.
Neben der schwarzen Fassung (Nr. 2.078.329) aus dem Jahr 1960 zwei Objektive aus den Jahren 1963 und 1964 (eines der letzten Exemplare der blanken Serie)
mit blanken Fassungen, aber mit unterschiedlichen Gravuren der Blenden- und Tiefenschärfenskalen.

Trioplan N 2,8/100 mit Druckblende

Trioplan N Trioplan N Front Trioplan N Prospekt
Mit automatischer Druckblende und im Design der schwarzen Fassung des Domiron wird für ein paar Jahre das Trioplan N gebaut. Optisch ist es identisch mit der Normalversion.

Wie aus dieser Prospektabbildung zu sehen, sollte das Trioplan N wohl auch mit blanker Fassung lieferbar sein.
Mir sind allerdings nur schwarze Objektive bekannt.





Das Trioplan N - obwohl optisch die gleiche Konstruktion wie die normale Ausführung - wurde durch seine voluminösere Fassung äußerlich aufgewertet. Mit seiner hohen Lichtstärke und guten Gläsern erfüllt es durchaus auch höhere Erwartungen. Gegenüber der Normalversion wurde das Trioplan N mit dem DDR-Prädikat "Q1" ausgezeichnet.

Ralf Schuchmann gab mir folgenden Hinweis, der für Anwender (und Bokeh-Fans) vielleicht von Bedeutung ist: Das Trioplan N mit der moderneren Druckblende hat 6 Blendenlamellen! Die klassische Trioplan-Ausführung (auch mit Druckblende) verwendet hingegen 15 Lamellen. Weitere Informationen zur Automatikblende der Meyer-Objektive finden Sie hier.

Primotar 3,5/135

Mechanisch wurde das 4-linsige Primotar 3,5/135 unverändert gegenüber der Vorgängerversion aus dem Jahr 1956 gebaut. Es blieb für Balgenanwendungen teilbar. Auch der dazu passende Zwischenring zur Verbindung mit Balgengeräten mit Exakta-Anschluss (Ihagee-Balgengerät) war weiterhin lieferbar. Jedoch erhielt auch dieses Objektiv eine schwarz eloxierte Fassung mit, im Vergleich zu der übrigen Objektivpalette, eigenständigen Griffringen. Es blieb ebenfalls nur noch kurze Zeit im Programm, bis es von dem echten Teleobjektiv Orestor 2,8/135 abgelöst wurde. Zuvor wurde noch die Fassungsgravur - wie bei dem schon weiter oben vorgestellten Trioplan 2,8/100 - geringfügig verändert.

Primotar 3,5/135 Primotar 3,5/135 geteiltPrimotar 3,5/135 schwarz Vers. 2
Das Primotar links und mitte mit Fabr.-Nr. 2.512.708 aus dem Jahr 1961 hat noch die alte Blenden- und Tiefenschäfenskala und das DDR-Qualitätsprädikat /S\.

Das Primotar im Bild rechts aus dem letzten Baujahr 1964 hat neben der veränderten Gravur von Blenden- und Tiefenschärfenskala das Prädikat /1\. Die Ausführung der Fassung blieb unverändert.


Primotar 3,5/135 - Prototyp mit Druckblende

Sammlerkollege Langhammer schickte mir Fotos eines mir bislang in dieser Ausführung unbekannten Primotar 3,5/135 mit Druckblende. Da ich dieses Objektiv selbst noch nicht in der Hand hatte, gehe ich nach den Fotos davon aus, dass es sich bei der Druckblende mechanisch um die gleiche Konstruktion handelt, wie bei der weiter oben beschriebenen 1. Version des Primotar E 3,5/50.

Die Prototyp-Nr. lässt keinen Rückschluss auf die Bauzeit zu, es dürfte jedoch im gleichen Zeitraum entstanden sein, wie das Primotar E oder auch die Druckblenden-Version des Trioplan. Auch der Umschaltring für die Blende entspricht dem Primotar E. Allerdings entspricht die Bauweise der Blende mit nur noch 6 Lamellen bereits der des Trioplan-N. Weitere Informationen zur Automatikblende der Meyer-Objektive finden Sie hier. Ob das hinter der Musternummer gravierte "E" wie beim 50er Primotar für "Einstellblende" steht, kann ich nur spekulieren. Beim Normalobjektiv wird jedenfalls in der Automatikstellung für die Blendenlamellen bei der größten Blende 3,5 eine etwas größere Objektivöffnung freigeben, als es die Blendenzahl erwarten läßt.

Primotar 3,5/135 PrototypPrimotar 3,5/135 Prototyp
Prototyp eines Primotar 3,5/135 mit automatischer Druckblende. Die Fabr.-Nr. 02.999.906 lässt keinen Rückschluss auf das Baujahr zu. Das daneben gravierte "E" stellt wiederum eine zeitliche Verbindung zum Primotar E 3,5/50 her, das im Jahr 1958 angeboten wurde.

Die Fotos stellte mir A. Langhammer zur Verfügung, vielen Dank!


Primotar 1:3,5/180

Das schon weiter oben mit blanker Fassung beschriebene Primotar 3,5/180 wurde jetzt mit einer schwarz eloxierten Fassung ausgeliefert. Bis auf Kleinigkeiten, wie ein etwas anderer Anschlussring (weiterhin mit Außenbajonett) blieb es optisch und mechanisch unverändert: Das Objektiv normaler Bauart (keine Telekonstruktion) hat eine vergleichsweise hohe Lichtstärke und ist entsprechend schwer. Mit 1050 g hat es das dreifache Gewicht des um 1 1/2 Blendenstufen lichtschwächeren Telemegor 5,5/180 gleicher Brennweite (350 g). Wie dieses hat es auch Blendenvorwahl, kürzeste Einstellentfernung ist 2,2 m, Filtergewinde M67 (eine Sonnenblende gehörte Meyer-üblich zum Lieferumfang).

Primotar 3,5/180 Primotar 3,5/180 a
Primotar 3,5/180 mit Blendenvorwahl (Fabriknr. 2.025.452), mit dem DDR-Qualitätsprädikat /S\ ausgezeichnet.


5. Ausführung - Meyer Objektive in den 1960er Jahren

Der aufmerksame Sammler wird bemerken, dass die Meyer-Objektive der 1960er Jahre kein einheitliches Fassungsdesign haben. Eine eigenständige Fassung erhielten noch das Domiron, das Primotar 2,8/50 und das Trioplan N, bevor Anfang 1962 auch von Meyer das sogenannte „Zebra-Design“ übernommen wurde. Die Megore blieben jedoch einfarbig schwarz. Deren Orestegor-Nachfolger erhielten die gleiche schwarze Ringriffelung, allein das 200er wurde mit den blanken Griffring-Absetzungen ausgestattet wie die übrige Objektivserie dieser Jahre. Das Vorwahl-Trioplan 2,8/100 wurde noch bis 1964 mit der klassischen blanken Alu-Fassung produziert, die Version Trioplan N mit automatischer Blende noch zwei Jahre länger..

Meyer Exakta-Ausrüstung 1960
Eine typische Exakta VX1000-Ausrüstung mit Meyer-Objektiven im "Zebra-Design" aus der 2. Hälfte der 1960er Jahre


Mit dem 5-Linser Orestor 2,8/135 schuf Meyer 1965 erstmals ein "echtes" Teleobjektiv in dieser Brennweite für Kleinbild-SLR. Das zuvor schon entwickelte Domigor 4/135 wurde nicht für M42/Exakta angeboten. Bereits 1964 war das ebenfalls 5-linsige neue Teleobjektiv Orestegor 4/200 im Programm. Die Telemegore verschwanden nach und nach aus dem Fertigungsprogramm und wurden durch die neuen Orestegor-Konstruktionen ersetzt. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem klassischen Trioplan 2,8/100 mit dem 5-Linser Orestor 2,8/100; dieses erhielt aber nur noch eine Rastblende, während die anderen Neuentwicklungen mit Blendenvorwahl angeboten wurden.

Wechseladapter Ab 1967 bestand die Meyer Objektivpalette mit Exakta-Bajonettanschluss aus insgesamt 7 Objektiven:
Lydith 3,5/30, Domiplan 2,8/50, Orestor 2,8/100, Orestor 2,8/135 und sowie den drei Orestegoren 200, 300 und 500.

Für uns Sammler von besonderem Interesse sind auch die um 1965 mit der neuen Objektivpalette Orestor und Orestegor eingeführten Wechseladapter für Exakta, M42 oder Praktina.

Damit konnten das Orestor 135 und das Orestegor 200 bzw. die beiden langen Orestegore 300 und 500 jeweils wahlweise mit einem Anschraubadapter für die drei Objektivanschlüsse ausgestattet werden. Es gibt für die beiden genannten Objektivgruppen jeweils unterschiedlich große Adapter.


Orestor 2,8/135 mit Adaptern für die Exakta/Exa (im Bild links) und M42-Gewindeanschluss (rechts) Darüber ist der Montagering mit Überwurfgewinde zu sehen. Diese Adapter passten auch für das Orestegor 200 (auch noch für die späteren Pentacon-Ausführungen mit 135 und 200 Brennweite). Ein weiterer Adapter war mit Praktina-Bajonett lieferbar.

Domiplan 2,8/50

Neues Standardobjektiv wurde ab etwa 1962 das neu entwickelte Domiplan; es löste die bisherigen Meyer-Standardobjektive Primotar (2,8 und 3,5) und Trioplan (2,9) ab. Dennoch ist dieses 3-linsige Normalobjektiv 2,8/50 keine völlige Neuschöpfung - es entstand auf der optischen Grundlage des bewährten Trioplan. Die geringfügig höhere Lichtstärke 1:2,8 (gegenüber 1:2,9 beim Trioplan) erfüllte dabei wohl eher die Angleichung an die übliche Blendenskala und die mittlerweile von einem Normalobjektiv mindestens erwartete Lichtstärke als eine echte Veränderung. Neu an diesem Objektiv waren die relativ kleine Bauform und die automatische Druckblende ohne Umschaltknopf oder Ähnlichem. Die preisgünstige Konstruktion (simple Blende mit nur 6 Lamellen) machte es in den Folgejahren zu einem verbreiteten Universalobjektiv für alle damaligen SLR-Kameras der DDR.

Domiplan 2,8/50 SchnittDas Domiplan kann trotz seines günstigen Preises - Exa und Exakta waren damit immer als billigste Ausführung mit automatischer Blende lieferbar - nicht als "Billigobjektiv" abgetan werden. Die dreilinsige Konstruktion hat, wie schon an anderen Stellen meiner Seite beschrieben, auch ihre fototechnischen Vorzüge. Es ist ein zuverlässiges Objektiv, das bei seiner Vorstellung sogar mit dem DDR-Qualitätsprädikat "Q1" aufwarten konnte. Nur die fehlende Blendenumschaltung auto/manuell war für manche Anwendungen schon ein Mangel. Zwar ließ sich mittels eines speziellen Auslöseknopfes (mit Stift) auch mit Arbeitsblende arbeiten, doch war dieses Provisorium bei Nahaufnahmen mit Balgen oder Ringen nicht brauchbar. Allenfalls für uns Sammler ist diese "Konstruktion" ein netter Zusatznutzen ... Im übrigen sind in der rund 10jährigen Bauzeit mit Exakta-Anschluss vier Varianten zu finden. Ansonsten hat sich beim Domiplan nicht viel getan, lediglich die allerletzten Objektive (ab etwa Nr. 7.6xx.xxx) erhielten ab 1971 den veränderten Namensaufdruck "DOMIPLAN automatic lens". Ganz zuletzt verschwand auch noch die Herstellerangabe Meyer Görlitz.

Domiplan Vers. 1 Domiplan Version 1 aDomiplan 2,8/50 (2.782.063) erste Variante, noch mit Filtergewinde-Anschluss für Einschraubfilter 40,5. Das Foto zeigt eines der ersten Objektive dieser Baureihe.



Auslöseknopf für Domiplan Zur Umstellung auf Arbeitsblende ist bei allen Domiplan-Ausführungen der spezielle Auslöseknopf mit Stift erforderlich. Er wird dazu in das Drahtauslösergewinde eingeschraubt.

Domiplan Version 2 Domiplan Version 3Ganz links: Domiplan 2,8/50 (3.705.302) in der ab 1964 gebauten zweiten Version. Dabei wurde auf das innere Filtergewinde M40,5 verzichtet, es sind ausschließlich Filter M49 (auch keine Aufsteckfilter!) verwendbar. Daneben die ab etwa 1966 gefertigte dritte Version, bei der die Nummerngravur vom Frontring auf die hintere Fassung wanderte.

Domiplan Version 4 Domiplan mit Auslöseknopf
Ganz links: Domiplan 2,8/50 in der ab 1967 bis zuletzt gebauten Version (4), bei der die Metallausführung der Auslösewippe durch eine Plastikversion ersetzt wurde. Dies war der Haltbarkeit nicht unbedingt zuträglich, weil Objektive mit beschädigter Plastikwippe nicht selten sind.


Lydith 3,5/30

Lydith 3,5/30 Lydith 3,5/30 a Lydith SchnittDas 5-linsige Lydith 3,5/30 rundete 1964 die neue Meyer Objektivlinie nach "unten" ab. Wie sein Vorgänger Primagon ist es eine Retrofokus-Konstruktion, jetzt mit 5 Linsen und höherer Lichtstärke dem damals beginnenden Trend nach geringerer Weitwinkel-Brennweite folgend. Kürzeste Einstellentfernung ist 33 cm, Filteranschluss M49 (schmale Fassungen oder "W"-Aufsteckfilter erforderlich!).
Das Objektiv erhielt das DDR-Qualitätsprädikat "Q1".

Orestor 2,8/100

Orestor 2,8/100Orestor 2,8/100 Das Orestor 2,8/100 wurde etwa zeitgleich mit dem Orestor 2,8/135 entwickelt und löste das altbewährte 3linsige Trioplan ab. In seiner optischen Konstruktion mit 5 Linsen entspricht es dem 135er.

Orestor 2,8/100 SchnittAllerdings wurde diesem Objektiv nur eine Rastblende zugestanden, auch den Wechseladapter der neuen Serie sucht man hier vergeblich. Offenbar sollte das Objektiv extrem preiswert angeboten werden können. Wohl deshalb erhielt dieses Objektiv "nur" das DDR-Qualitätsprädikat /1\

Orestor 2,8/135

Orestor 2,8/135 Orestor 2,8/135Mit diesem 5-linsigen Orestor konnte Meyer 1965 endlich auch ein echtes Teleobjektiv in dieser beliebten Brennweite anbieten. Das Objektiv ersetzt das bisher diese Brennweite abdeckende Primotar 3,5/135. Die damals für diese Brennweite hohe Lichtstärke 1:2,8 machte das Objektiv recht schwer, aber nicht unhandlich. Kürzeste Einstellentfernung ist 1,5 m.

Orestor SchnittDas Objektiv erhielt einen Wechseladapter, der auch zum Orestegor 200 passt (s. Foto weiter oben). Wie bei Meyer Tradition, gehörte noch eine Gegenlichtblende zum Lieferumfang. Die ungewöhnlich große Frontlinse entspricht gleichfalls der Meyer-Tradition und ermöglicht eine Korrektion, die auch in den Randbereichen des Bildes Schärfe und Verzerrungsfreiheit sichert. Dieses Objektiv erhielt das DDR-Qualitätsprädikat "Q1".

Für den Sammler der gern auch Varianten in die Vitrine stellt, mag interessant sein, dass nicht alle Orestor Objektive das Q1-Prädikat tragen. Die Prädikatsauszeichnung wurde gegen Ende der 1960er Jahre generell eingestellt. Es lässt sich jedoch keine Fabriknummer für "vor" oder "danach" benennen. Mir sind Objektive mit Fabriknummer 5.066.xxx ohne und Nr.5.539.xxx mit dem Prädikatszeichen bekannt.

Das um 1969 "umgelabelte" PENTACON-Orestor gab es anfangs noch im ursprünglichen "Zebra"-Design (Nr. 5.698.755) bevor es ab 1970 - zwar in gleicher optischer Bauweise - mit neuer Fassung ausgeliefert wurde (s. weiter unten).
PENTACON 2,8/135

Orestegor 4/200

Orestegor 4/200 Orestegor 4/200 aEine weitere Neuschöpfung der neuen Meyer'schen Objektivserie ist dieses Orestegor 4/200, es ist bereits in den Preislisten 1964 zu finden und diente wohl als Ersatz für die eingestellten "kurzen" Telemegore.

Orestegor SchnittDas ebenfalls 5-linsige Objektiv mit Vorwahlblende ist für diese Brennweite recht lichtstark und mit 600 g entsprechend schwer. Es ist ab 2,5 m einstellbar und hat Filtergröße M58.

Das Objektiv wurde mit einem Wechseladapter für Exakta- bzw. Praktina-Bajonett oder für M42-Gewindeanschluss geliefert, der auch zum Orestor 135 passt (s. Foto weiter oben).
Auch dieses Objektiv erhielt noch das DDR-Qualitätsprädikat "Q1".

Orestegor 4/300

Orestegor 4/300 Orestegor 4/300Die beiden Orestegor-Neukonstruktionen 300 und 500 ersetzten 1966 bzw. 1967 die bisher angebotenen Telemegor 300 und 400. Die neue optische Rechnung ergab eine etwas höhere Lichtstärke. Dafür war beim 300er eine zusätzliche Linse erforderlich.

Orestegor 4/300 SchnittDie neuen Objektive konnten auch mit Mittelformatkameras verwendet werden. Ihre optische Berechnung war entsprechend ausgelegt und das Adaptersystem ermöglicht den Anschluss an die Pentaconsix. Von den bisherigen Telemegor-Objektiven war nur das 300er auch mit Anschluss für Praktisix/Pentaconsix lieferbar.
Beide Objektive waren bei Fertigungsbeginn mit Anschluss-Adaptern für Exakta (Außenbajonett), Praktica (M42), Praktina und Pentaconsix erhältlich.

Links eine Prospektabbildung mit Pentaconsix-Anschluss. Das rechte Bild zeigt ein Orestegor 4/300 mit angesetztem Exakta-Adapter mit Außenbajonettanschluss.

Orestegor 5,6/500

Orestegor 5,6/500Orestegor 5,6/500 Schnitt Mit der Eingliederung von Meyer in das Pentacon Kombinat wurden die Meyer-Namen nach und nach aufgegeben und zunächst in "Pentacon" geändert. In späteren Jahren wurden diese Objektive auch unter anderen Namen, z.B. "Prakticar" vertrieben. Diese waren zwar nicht mehr mit Exakta-Anschlüssen lieferbar, konnten jedoch mit vorhandenen Adaptern noch mit der alten Exakta verwendet werden.



Orestegor 5,6/500 (Prospektabbildung) mit angesetztem Pentaconsix-Adapter.

Telemegor

Die Telemegore waren jetzt ausschließlich in der schwarzen Fassungsausführung erhältlich. Die "kleineren" Brennweiten 180 und 250 wurden um 1963 eingestellt. Das gleiche Schicksal traf dann 1966 auch die beiden "langen Tüten". Zuvor wurde aber die Fassung des 400er noch einmal überarbeitet und formal der des 300er angeglichen. Dabei wurden zwei technische Änderungen vorgenommen: 1. die kleinste Blende ist 22 (bisher 32) 2. kürzeste Einstellentfernung ist 5,5 m (bisher 6 m).

Als Nachfolger wurden die jetzt 5-linsigen lichtstärkeren Teleobjektive Orestegor 4/200 und 4/300 angeboten. Neue längste Brennweite wurde 1967 das 4-linsige Orestegor 5,6/500. Weitere Vergleichsfotos der Telemegor-Objektive (auch mit Kamera) finden Sie in meiner Abteilung Fernobjektive.

Telemegor 180 schwarz Telemegor 250 schwarz
Die beiden "kleinen" Telemegore aus ihrem letzten Produktionsjahr 1963:
Telemegor 5,5/180 (Nr. 2.693.426), hier mit M42-Kameraanschluss und Telemegor 5,5/250 (Nr. 2.628.299) - beide mit Qualitätszeichen /1\

Telemegor 300Telemegor 300 Q1
Das 1956 eingeführte Telemegor 4,5/300 erhielt eine geringfügig überarbeitete Fassung.
Es ist - wie auch das 400er - mit Außenbajonett-Anschluss ausgerüstet. Das 300er ist das einzige Telemegor mit dem DDR-Qualitätsprädikat "Q1"!

Telemegor 400
Eines des letzten klassischen Telemegor-Fernobjektive, Baujahr 1965, Telemegor 5,5/400 (Nr. 3.263.829). Kleinste Blende jetzt 22, kürzeste Einstellentfernung 5,5 m.

Telemegore 1960
Abschiedsfoto der vier Telemegor-Fernobjektive 180, 250, 300 und 400 - als komplette Serie zuletzt im Jahr 1963 angeboten.

6. Ausführung - Objektive aus der Pentacon-Zeit nach 1970

RTL-Bajonettanschluss

Dieser Zeitraum ist für den Exakta-Sammler nur noch von geringer Bedeutung. Die meisten Objektive wurden nun mit M42-Objektivgewinde-Anschluss ausgeliefert, nur wenige hatten noch den klassischen Exakta-Bajonettanschluss. Dennoch gibt es zwei Besonderheiten aus dieser Zeit auch für den Exakta-Interessenten: 1. die schon bei der 5. Ausführung erwähnten Wechseladapter und 2. den Bajonettanschluss mit Innenauslösung für die Exakta RTL 1000. Mit dem RTL1000-Anschluss wurden drei Meyer-Objektive angeboten: Oreston 1,8/50, Orestegon 2,8/29 und Oreston 2,8/100. Für den Gebrauch mit der RTL1000 hat diese Objektivreihe einen auto/manuell-Umschalter und zuätzlich noch eine Abblendetaste zur Blenden- und Schärfenkontrolle.

Die weitaus meisten Objektive trugen nun den Objektivnamen "PENTACON", nur noch vereinzelt sind die alten Meyer-Namen zu finden. Die Herkunftsbezeichnungen sind unterschiedlich - anfangs "MADE IN G.D.R.", später "German Democratic Republic". Die Nummerierung der Objektive läßt in diesen Jahren keine Rückschlüsse mehr auf das Herstellungsjahr zu. Es sind wohl verschiedene Nummernreihen für einzelne Objektivtypen oder Fertigungsserien aufgelegt worden.

Im Foto rechts der Bajonettanschluss für die RTL1000 mit dem Auslösestift der Blenden-Innenauslösung.

Pentacon 3,5/30 und 2,8/135 mit klassischem Exakta-Bajonett

Pentacon 3,5/30Pentacon 3,5/30 a


Auch aus der Zeit nach 1970 sind vereinzelt noch Objektive mit dem "klassischen" Exakta-Bajonett ohne RTL-Innenauslösung zu finden. Dabei ist das Pentacon 3,5/30 in den Bildern links der Namensnachfolger des Lydith. Es entspricht diesem optisch und mechanisch (Blendenvorwahl bis 22, Fokus ab 0,35 m), erhielt jedoch das jeweilige Fassungsdesign der Herstellungszeit. Die Fotos zeigen jeweils ein Pentacon 3,5/30 (Fabriknr. 8.750.014) aus den frühen und eine andere Ausführung (Nr. 77.234) wohl aus der Mitte der 1970er Jahre.

Das Pentacon 2,8/135 (Fabriknr. 6.396.351) als Namensnachfolger des Meyer Orestor wird wohl im gleichen Zeitraum produziert worden sein, wie das oben zuerst abgebildete 3,5/30. Vor dem Namen trägt das Objektiv noch das Pentacon-Symbol und als Herkunftsbezeichnung ist "MADE IN G.D.R." graviert. Das Objektiv ist mit einem Anschlussadapter für das klassische Exakta-Bajonett ausgerüstet.

Pentacon 3,5/30 neue Nr. aPentacon 3,5/30 neue Nr. Pentacon 2,8/135

Oreston 1,8/50

Nun war das schon Anfang der 1960er Jahre entwickelte Domiron doch noch mit einem Exakta-Bajonettanschluss erhältlich. Die optisch hochwertige 6-linsige Gauss-Objektivkonstruktion hat eine besonders lange Einstellfassung bis 33 cm. Es erhielt einen Anschluss für die als Exakta-Nachfolgerin kurze Zeit vertriebene Exakta RTL1000. Zwar ist dieser Anschluss mechanisch mit dem alten Exakta-Bajonett identisch, jedoch erhielt die Kamera bekanntlich eine Blenden-Innenauslösung. Objektive mit automatischer Blende kamen deshalb ohne den traditionellen Auslöserarm aus. Der Wermutstropfen - an den alten Exakta's und Exas funktionierten solche Objektive nur noch mit Rastblende, weil es keine Möglichkeit der Blendenübertrag mehr gab.

Nur nebenbei - umgekehrt ging das schon, alte Objektive mit Auslöserarm konnten auch an der RTL1000 mit Blendenautomatik verwendet werden, weil diese Kamera zwei Auslöser hat. Wer mit der Rastblende des Oreston an seiner alten Exakta leben konnte, bekam allerdings ein optisch hervorragendes, fast makrofähiges Objektiv mit hoher Lichtstärke!

Oreston 1,8/50Oreston 1,8/50 aDas Oreston 1,8/50 entspricht optisch dem schon einige Jahre zuvor entwickelten Domiron. Mit M42-Anschluss war es bereits seit 1966 erhältlich, aber leider nicht mit Exakta-Bajonett. Für die RTL1000 wurde es mit einer Vorrichtung für deren Blendeninnenauslösung angeboten. An der klassischen Exakta und Exa ist das Objektiv zwar auch verwendbar, arbeitet aber nur mit Rastblende.Oreston 1,8/50 Schnitt

Orestegon 2,8/29

Das Orestegon 2,8/29 ist mit seiner 7linsigen Konstruktion das aufwendigste je von Meyer konstruierte Objektiv. Auch dieses hochwertige Extremweitwinkel-Objektiv gehörte bereits seit 1966 zum Meyer-Fertigungsprogramm, war allerdings bisher nur mit M42-Gewindeanschluss lieferbar. Mit einem Bildwinkel von 73° erfasst es gegenüber dem 50er Normalobjektiv einen 1,7fachen Objektraum. Es kombinierte hohe Abbildungsleistung mit großer Lichtstärke und ausgezeichneter Farbkorrektur. Der Nahbereich reicht bis 25 cm. Leider kam dieses leistungsstarke Objektiv nach Ende der Meyer-Ära im Pentacon-Programm nicht mehr richtig zur Geltung.

Orestegon 2,8/29Orestegon 2,8/29 aDas 7-linsige Hochleistungs-Weitwinkelobjektiv mit automatischer Blende zum Anschluss an die RTL1000 (Fabriknr. 5.048.158) ist noch mit Meyer-Optik Görlitz gekennzeichnet. Es dürfte um 1971 ausgeliefert worden sein. Für die Blendenmechanik gilt das bereits zum Oreston 1,8/50 Geschriebene.

Orestegon 2,8/29 Schnitt


Pentaconauto 29Pentaconauto 29aBei diesem PENTACON auto 2,8/29 (Fabriknr. 6.091.770) handelt es sich optisch und mechanisch um das gleiche Objektiv wie zuvor beschrieben, ebenfalls zum Anschluss an die RTL1000. Es ist jedoch anstelle der Meyer-Bezeichnung mit dem Pentacon-Zeichen und MADE IN G.D.R. gekennzeichnet.

Orestor 2,8/100 - mit automatischer Blende

Orestor 2,8/100 rtlOrestor 2,8/100 rtl aDieses Objektiv (Fabriknr. 5.099.383) hat einen Nahbereich ab 1,1 m und Filteranschluss M49

Optisch entspricht es dem bereits seit 1967 mit Rastblende angebotenen 5-linsigen Teleobjektiv gleichen Namens. Es wurde für die RTL1000 mit einer automatischen Blende ausgestattet und dürfte ebenfalls um 1971 ausgeliefert worden sein. Zur Blendenmechanik und zum Anschluss an die Exakta gilt das bereits zum Oreston 1,8/50 Geschriebene.

Pentacon 2,8/135 und 4/200

Die Pentacon-Objektive beschließen meine Objektiv-Galerie mit Meyer-Objektiven. Was nicht heißt, das damit die Görlitzer Fertigung ihr Ende fand. Die Orestor bzw. Orestegon-Objektive erhielten aber gegen Ende der Exakta-Ära und mit der vollständigen Eingliederung von Meyer Görlitz in des Pentacon/Zeiss-Kombinat ein neues Design. Optisch blieben sie - wie auch anderer Görlitzer Objektive - hingegen unverändert.

Mit ihrem Meyer-Adapteranschluss waren diese beiden Objektive nach wie vor auch an einer klassischen Exakta zu benutzen. Der Wechseladapter passte sowohl für das 135er als auch für das 200er Tele. Noch bis in die 1980er Jahre fanden sich die Adapter für die Exakta - nicht ganz so lange auch Adapter für die Praktina - noch im Lieferprogramm des VEB Pentacon.

Pentacon 135Pentacon 200

Pentacon 4/200 Exakta Die Fotos zeigen ein PENTACON 2,8/135 (Fabriknr. 8.460.765, links) und das PENTACON 4/200 (Fabriknr. 9.604.770, rechts) jeweils mit einem Anschlussadapter für M42. Im Bild unten rechts sehen Sie das 4/200 mit einem abgenommenen Anschlussring für das Exakta-Bajonett.
Aus den Fabriknummern ist das Herstellungsjahr jedoch nicht mehr herzuleiten, vermutlich Anfang/Mitte der 1970er Jahre.

Das Ausschnittfoto unten zeigt noch die Herkunftsgravur "German Demokratic Republic" aus diesen Jahren.

Pentacon DDR




Pentacon 4/300 und Pentacon (Orestegor) 5,6/500

Pentacon 4/300

Mit der Eingliederung von Meyer in das Pentacon Kombinat wurden die Meyer-Namen nach und nach aufgegeben und zunächst in "Pentacon" geändert. In späteren Jahren wurden diese Objektive auch unter anderen Namen, z.B. "Prakticar" vertrieben. Diese waren zwar nicht mehr mit Exakta-Anschlüssen lieferbar, konnten jedoch mit vorhandenen Adaptern noch mit der alten Exakta verwendet werden.



Pentacon 4/300. Das ehemalige Orestegor 4/300, jetzt im neuen Design der Pentacon DDR-Objektive; mit dem angesetztem 300/500er Orestegor-Adapter passt es aber noch an die Exakta.
Pentacon 5,6/500




Pentacon 5,6/500. Mit der Nr. 4086419 passt es noch in die klassische Meyer'sche Nummernreihe und mit dem angesetztem 300/500er Orestegor-Adapter auch an die Exakta.

Meyer - Objektive nach 1975

Aus der Zeit nach 1975 sind Objektive unter dem Firmennamen Meyer nicht mehr zu finden. Zwar wurde in Görlitz weiterhin produziert. Viele Objektive basierten sogar noch auf den alten Rechnungen der Meyer-Konstrukteure. Doch wurden - im Rahmen der damaligen Fotokonzeption der DDR - Herstellung und Vertrieb vom Pentacon Kombinat gesteuert. Fast alle Foto-Produkte wurden nach zentral vorgegebenen Kriterien "vermarktet". Der Normal-Käufer konnte in aller Regel nicht mehr erkennen, aus welcher der traditionellen Produktionsstätten, wie Certo, KW, Meyer, Zeiss u.a., sein erworbenes Fotogerät stammte. Nur der gut informierte Sammler ist heute in der Lage, solche Zuordnungen nach bestimmten Kriterien treffen zu können.

Zeiss Jena P 2,8/29Die meisten Objektive waren mit Objektivanschlüssen für die Praktica (M42 oder Praktica-Bajonett) unter dem Namen "PRAKTICAR" lieferbar, unabhängig davon, ob sie in Jena oder Görlitz gebaut wurden. Die Vereinheitlichung ging sogar so weit, dass Görlitzer Objektive - etwa die alten Meyer-Orestegore - mit Hersteller-Gravuren "CARL ZEISS JENA" (Foto) ausgeliefert wurden.

Für Anwender solcher Objektive mag dies gleichgültig gewesen sein. Die Qualität war jedenfalls ordentlich und hält auch heute noch Vergleichen mit Produkten aus fernöstlicher Fertigung stand. Für den Sammler klassischer Fotoprodukte aus Dresden, Görlitz oder Jena ist es hingegen eine Ermessensentscheidung, ob er solche Objektive noch in seine Sammlung einreiht.


Das Bild links zeigt ein aus Görlitzer Fertigung stammendes Weitwinkelobjektiv P 2,8/29. Das jetzt mit "CARL ZEISS JENA" gemarkte Objektiv ist das ursprüngliche Orestogon.

Orestor 2,8/50Das seit 1965 gebaute Domiplan wurde in diesen Jahren mit unterschiedlichen Anschlüssen und dazu in einer ganzen Reihe verschiedener Bezeichnungsvarianten ausgeliefert. In M42-Varianten ist es etwa als Pentaflex-Color (recht häufig bei West-Exporten), Prakticar oder - wie im Bild gezeigt - als Orestor 2,8/50 zu finden. Optisch und technisch sind alle Varianten gleich.

Michael Sorms beschreibt auf seiner sehr guten und informativen Seite Dresdner Kameras u.a. auch ein Pentaflex Color 2,8/50 mit Exakta-Auslöserbügel. Ich kenne dieses Objektiv auch, besitze es aber nicht (mehr). Es wurde meines Wissens im Zusammenhang mit der Nachauflage der Exa Ia (1980 im Gehäuse der Exa 1b mit Exakta-Bajonett) produziert.


Weshalb der Dreilinser (Bild rechts) zuletzt den Namen des früheren Hochleitungs-6-Linsers von Meyer erhielt, ist unerfindlich.





Posted 2009/11/16 last updated 2022/12/20; Copyright © by Horst Neuhaus