Mikroskopfotografie mit der Exakta by Photo but More

Mikrofotografie mit der Kine Exakta, Exakta Varex und Exa

Mikroskopadapter 1936

Für Mikroskopaufnahmen mit der Exakta lieferte die Ihagee verschiedene Anschlussadapter zur Verbindung der Kamera mit dem Okular.

Schon in den Vorkriegspreislisten ist das Mikrozwischenstück 1 (Katalognummer 8928, später 147 / 188) mit einer klappbaren Scharnierbefestigung enthalten (System Dr. Koch).

Sammlerfreund Mario Kautz schickte mir aus Berlin dieses wunderschöne und höchst seltene Exemplar eines Mikroskopadapters aus der Kine Exakta-Zeit. Es handelt sich dabei wohl um das in frühen Ihagee-Katalogen enthaltene Zubehörteil Nr. 8928.

Der vollständige Satz besteht aus 2 Zwischenringen (Tuben), dem Bajonettring zum Anschluss an die Kamera und dem eigentlichen klappbaren Okularanschlussstück.

Diese Zusammenstellung der Zwischenringe wurde auch bei den Nachkriegsversionen bis zum Produktionende 1972 beibehalten. Im Gegensatz zu dem späteren kompletten 4-teiligen Zwischenringsatz ist das Anschlussteil der Mikroadapter an die Kamera nur 3-teilig und der dazugehörige Bajonettring lässt sich nicht verdrehen. Mikrozwischenstück

Alle Teile sind aus massivem Messing und matt verchromt. Wie bei alten Ihagee-Zubehörteilen üblich, ist keine Ihagee-Gravur zu finden, auf dem Okularanschluss ist "D.R.P.ang." graviert und mit schwarzer Farbe ausgelegt. Auf dem Gelenkstück ist zweimal "68" (oder 89?) eingestanzt - Serien- oder Teilenummer? Es wird sich wohl um das eingangs beschriebene Mikrozwischenstück System Dr. Koch handeln. Vergleichsfotos der späteren Ausführungen sehen Sie weiter unten.

Die Zugehörigkeit zur Ihagee-Zubehörpalette ist aus einem goldfarben mit "Ihagee" bedruckten roten Band ersichtlich, das ein wunderschönes, mit rotem Stoff ausgefüttertes Holzkästchen ziert.

Ihagee-Mikrozwischenstück

Schon diese herrlichen Aufbewahrungskästchen machen das Sammeln klassischer Photographicateile aus den 1920/1930er Jahren zur reinen Freude. Sie sind gelegentlich auch bei Objektiven, etwa von Hugo Meyer & Co. zu finden, leider nicht mehr oft und wenn, dann meist in schlechtem Zustand.

Im Vergleich mit den Plasticverpackungen unserer Tage lässt sich denn auch die Wertschätzung erahnen, die klassische Anwender auch dem Zubehör entgegenbrachten.







Ihagee Mikroskopadapter "System Dr. Koch" aus der Sammlung von Mario Kautz, Berlin

Bei der erstmaligen Zusammenstellung dieser Seite entdeckte ich, dass auch die Nachkriegsversionen dieses Zubehörteiles eine Nummer tragen. Sie ist - wie bei dem oben gezeigten Zubehörteil aus den 1930er Jahren - im Gelenk eingestanzt. Da diese Nummern bei den von mir daraufhin untersuchten Mikroadaptern unterschiedlich sind (zwischen 203 - 468) dürfte es sich wohl um Seriennummern handeln.

Ab 1953 wurde zusätzlich das Mikrozwischenstück 2 (Katalogbezeichnung Nr. 153) mit einer trennbaren Schnellwechselfassung angeboten. Damit konnte die Kamera nach lockern der Rändelschraube der Schnellwechselfassung (sog. Schwalbenschwanzring) nach oben vom Mikroskop abgenommen werden (bei der Ausführung 1 wurde sie seitlich weggeklappt).

Das Mikrozwischenstück 2 (in einer späteren Ausführung Katalog-Nummer 715 300) wurde von Pentacon noch einige Jahre mit einem M42-Anschlussring weitergeliefert. Da dieser Ring wechselbar ist, kann die Einheit sowohl mit einer Exakta / Exa / Topcon – Kamera als auch mit M 42-Kameras (Edixa, Praktica usw.) verwendet werden.




Auf den Fotos sehen Sie verschiedene Ausführungen der Mikrozwischenstücke 1 und 2. Bei beiden Versionen sind die Unterschiede marginal und betreffen beim Mikrozwischenstück 1 lediglich die Verschlussklammer und die fehlende Herstellergravur bei der letzten Version. Ab etwa 1960 wurde das Mikrozwischenstück 1 nur noch auf besondere Bestellung ausgeliefert.

Mikrostück 2Das Mikroanschlussstück 2 passt mit seinem Schnellwechselbajonett auf den "Schwalbenschwanzanschluss", den auch andere Geräte verwendeten. Damit war beispielsweise auch eine direkte Verbindung mit den Zeiss Jena Mikroskopen "L-Stativ" und "N-Stativ" möglich. Die Okularverbindung wird über eine Schnellspannvorrichtung mit drei innenliegenden Spannzangen hergestellt; ein kurzer Dreh am Ring mit den vier Noppen besorgt den festen Sitz.

Dieses Teil wurde von seiner Einführung bis zum Produktionsende Anfang der 1970er Jahre praktisch unverändert gebaut. Mit seinem "Schwalbenschwanz"-Bajonett war es nicht an die Verwendung mit der Exakta Varex gebunden und auch für andere Kamerasysteme einsetzbar.

Beim Mikrozwischenstück 2 (ab 1953 lieferbar) gibt es die Herstellergravur "Ihagee Dresden" und "Ihagee", spätere Versionen hatten keine Gravur. In der letzten Version ist zudem der Griffring der Bajonettverschraubung geriffelt, zuvor war er glatt. Der zu Ausführung 2 gehörige Schwalbenschwanzring ist bei den frühen Versionen (wie Zwischenringe) geriffelt und bei den späteren in der "Berg- und Tal-Ausführung".

Schwalbenschwanzring1Schwalbenschwanzring2

Beide Mikrozwischenstücke haben 25 mm Ø für das Mikroskop-Okular. Der dazugehörige Original-Zwischenringsatz hat – im Gegensatz zu den üblichen Ihagee-Zwischenringen – nur 2 Tuben (15 und 30 mm) und beim Mikrozwischenstück 2 den Schwalbenschwanz-Anschlussring für den Mikroskopadapter. Der kameraseitige Bajonettring kommt in der Lieferausführung meist ohne den sonst bei den Zwischenringsätzen der Ihagee üblichen Klemm- oder Feststellring, dessen Drehfunktion am Mikroskop ja nicht gebraucht wird! Das Zwischengewinde entspricht wiederum dem Standardgewinde der an anderer Stelle beschriebenen Tuben.

Der Mikroskopring II (Bestell-Nr. 157) ermöglicht in Verbindung mit dem Mikrozwischenstück 2 den direkten Anschluss an die Mikroskopstative L oder N von Zeiss Jena. Dabei kann der Ringstutzen (mit M38-Innengewinde) direkt in den Wechseltubus dieser Stative geschraubt werden.

Der Ring ist ganz selten zu finden und zudem schwierig zu identifizieren. Im Foto (linke Abbildung) zeige ich ihn deshalb im Vergleich zu dem "normalen" Anschlussring für das Mikrozwischenstück 2 (beide haben das Schwalbenschwanz-Bajonett).

Es existiert noch ein weiteres Ihagee-Verbindungsstück zwischen Kamera und Mikroskopokular, das jedoch in der Fachliteratur und in Prospekten nicht aufgeführt ist. Dieses wird direkt mit dem Bajonett der Kamera verbunden und verzichtet auf Auszugsverlängerungen durch Tuben. Offenbar handelt es sich dabei um ein Spezialteil oder eine Abwandlung der Lichtschutzmanschette zum Vielzweckgerät und wurde nur in kleiner Auflage hergestellt. Mir sind bisher nur drei Exemplare dieser Mikroskopadapter bekannt.

Eine andere Möglichkeit für mikroskopische Aufnahmen ohne Mikroskop (Abbildungsmaßstäbe über 5,0) erlauben die speziellen Mikrotar-Zwischenringe mit einer festen Verbindung zwischen Kameraeinheit und Objektiv. Anstelle des Mikroskop-Okulars wird dabei ein Lupenobjektiv, z.B. ein Zeiss Mikrotar eingesetzt. Ihagee lieferte dafür zwei Ausführungen der Anschlußringe - Mikrotar-Ring M mit 26,5x0,5-Gewinde ( Best-Nr. 193/2, Foto links) für Lupenobjektive wie Luminar, Mikrotar oder Jena "M" und Mikrotar-Ring W mit 0,8x1/36-Gewinde (Best.-Nr. 193/1, Foto rechts) für Mikroobjektive mit internationalem Mikroskopgewinde.












Eine letzte Variante für fotografische Aufnahmen vom Mikroskop bietet auch das Vielzweckgerät.
Als "Mikrofotografie-Kombination" wurde es für 250,05 DM verkauft. Hier wird das große Balgengerät, ergänzt um die schon erwähnte Lichtmanschette (Katalog-Nr. 156) in einer Abbildung aus der Ergänzungs-Preisliste vom 1. Oktober 1954 gezeigt, in der das Vielzweckgerät erstmals angeboten wurde.



Posted 2008/09/16; last updated 2014/11/25 Copyright © 2007-2016 by Horst Neuhaus