In den manchmal auch als "Blütezeit der Photographie" bezeichneten Jahren zwischen etwa 1920 bis 1940 nahmen sich einige Firmen des damals neuen Themas "fotografische Aufnahmefilter" an. Die Filterherstellung, gleich ob mit Gelatinefolien oder Glas, erforderte jedoch gewisse produktionstechnische Voraussetzungen. Somit war die Zahl der Hersteller überschaubar, dennoch wird sicher der Eine odere Andere in Vergessenheit geraten sein. Fast alle Filterhersteller dieser Jahre haben nach Kriegsende ihre Produktion wieder aufgenommen, teils jedoch in anderen Produktionsumgebungen. Dazu finden Sie im nächsten Kapitel mehr.
Nachfolgend einige Angaben über die mir bekannten Hersteller von Fotofiltern aus den Vorkriegsjahren:

Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation, Berlin – später AGFA
Von Agfa wurden die Gelbfilter 0 (Rapid), 1 (sehr hell), 2 (hell), 3 (mittel), 4 (stark, Belichtung 4 – 5x)
und als Nr. 5 ein Orangefilter ( 5 – 6x) angeboten. Die Filter gab es als runde oder quadratische Glasscheiben in verschiedenen Grössen mit dazu passenden Haltern. Auch Verlaufsfilter und Filter für die Dreifarbenfotografie (blau, grün, rot) waren bereits im Angebot der Agfa.
Hugo Arnz KG, Optische Werkstätte, Jena
Gegründet 1929, 1972 verstaatlicht und in das Kombinat Zeiss Jena eingegliedert. Filterfertigung noch bis 1990.


Carl Neithold AG, Frankfurt
produziert seit den 1920er Jahren photographische Artikel

HAMAPHOT, Martin Hanke & Co, Dresden
Gegründet 1923
Ultrasorban-Gelbfilter Nr. 1 (hell) Nr. 2 (mittel), Nr. 3 (dunkel), Nr. 4 (verlaufend)
Verax, Unger & Hoffmann AG, Dresden
Gelbfilter 1½ fach (hell), 3fach (mittel), 6fach (dunkel), Gradualfilter (verlaufend)
Leitz nimmt nicht nur bei den Kameraherstellern eine Sonderstellung ein, auch auf meiner Filterseite muss ich dem Begründer des Mythos Kleinbildkamera meine besondere Würdigung zukommen lassen. Doch weil Leitz nicht mein eigentliches Sammelgebiet ist, habe ich lange überlegt, in welcher Weise ich Leitz hier überhaupt korrekt behandele.
Ein Filterspezialhersteller ist Leitz sicher nicht. Es wurden noch nicht einmal alle von Leitz für die Leica verkauften Filter zu allen Zeiten von Leitz selbst gefertigt. Doch dies trifft auf andere Kamerahersteller in gleicher Weise zu. Dennoch sind die Filter zur Leica in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit, die sie (vielleicht als einzige Fotofilter überhaupt) durchaus zu einem eigenständigen Sammelgebiet machen:

Die Typisierung der Leitz- / Leica-Filter nach Gruppen A - P verschafft dem Sammler eine gute Übersicht. In der Spezialliteratur, teilweise auch im Internet sind hierzu viele Angaben zu finden, die dem Leica-Sammler meistens schon bekannt sind. Deshalb will ich Leitz-Filter hier auch nicht im Detail behandeln. Ich habe sie in verschiedenen Rubriken meiner Filterbeschreibungen entsprechend berücksichtigt, soweit dies thematisch passt. Etwas mehr über Leitz-Filter finden Sie noch bei den kameraspezifischen Filteranschlüssen.
Die LIFA Lichtfilterfabrik Augsburg, Max Kellner (davor Alois Schäfer, noch früher Konrad Sill) -
später größte Filterfabrik der Welt – hatte schon Mitte 1920 ein breites Sortiment an Aufnahmefiltern.
Neben dem Normalsatz mit Nr. 1 (Gelb hell), Nr. 2 (Gelb mittel), Nr. 3 (Gelb stark), Nr. 4 (Orange) waren viele Filter für unterschiedliche Platten im Angebot, aber auch eine ganze Reihe Spezialfilter, z.B. Nr. 164 für Agfa-Blitzlicht, Nr. 166 für offenes Gaslicht, Nr. 169 für Spiritusglühlicht usw.
Selbst unseren Universalfilter „UV“ gab es in vier Varianten als „Lifa-Aero-Filter“.
LIFA fertigte Gelbfilter nach verschiedenen Rezepten, u.a. nach Frhr v. Hübl, nach dem Pina-Handbuch
(Dr. E. König), als Tartrazin-Filter nach Schiel und etliche weitere „tonrichtige Filter“ für orthochromatische
oder panchromatische Platten, dazu noch nach eigenem Standard.
Im Übrigen konnten Filter auch in Wunschmaßen bestellt werden; eine genaue Lieferung in Bruchteilen von mm
kostete allerdings Aufpreis. Die Filterbezeichnungen bei LIFA sind nach heutigen Maßstäben recht konfus,
doch der Photoamateur von damals wusste durchaus zwischen Orthocolor- und Panchrom-Filter in den
Gradationen Nr. 100 / 0 / 1 / 2 / 3 / 4 zu unterscheiden. Es gab dann ja auch noch Omnicolor und
Recticolor. Manches scheint recht durcheinander, so gibt’s das Panchrom 100 in hellgelb und als
Panchrom 1 in Grün ... Dazu muß man wohl im Detail über orthochromatische bzw. panchromatische Filme
Bescheid wissen. Manchmal steht auch nur LIFA 1, 2, 3 oder 4 drauf. LIFA-Filter sammeln kann ein Leben
er- und etliche Vitrinen auffüllen.

Deutsche Optochrom GmbH, München (später Augsburg)
Lichtfilter-Werkstätten


Zeiss Ikon, Dresden / Carl Zeiss Jena
Optik und Mechanik AG



Die Filter-Marktführer der 50er Jahre in Westdeutschland waren Biermann + Weber (B+W) und Neithold (CENEI). B+W wurde erst 1947 in Berlin gegründet und verlegte seinen Firmensitz wenige Jahre später nach Wiesbaden. Das Unternehmen wurde 1985 von Schneider Kreuznach übernommen. Weitere Filterhersteller, wie Summer (Heliopan) und Kaiser (EKA) entstanden ebenfalls erst nach Kriegsende.
In der DDR wurden Filter von Arnz (1929 gegründet, übernahm später den HAMAPHOT-Namen Ultrasorban), Zeiss in Jena (mit Schott-Gläsern) und vor allem Lehmann + Balzer, Dresden (Panchromar) geliefert.
Die Augsburger Filterhersteller LIFA, Solcolor und Optochrom schlossen sich zu einer Arbeitsgemeinschaft der Lichtfilterfirmen - ALFI - zusammen. Die Filterherstellung endet bei allen Augsburger Betrieben in den 1970er Jahren. Nur B+W und Heliopan überstanden den Exidus der deutschen Fotoindutrie und produzieren noch heute Filter.
Die zuvor ebenfalls in Dresden ansässigen Hama und Rhaco zog es nach Westdeutschland. Hama liefert etwa ab 1970 ein umfangreiches Filterprogramm in Kooperation mit dem japanischen Hersteller HOYA.

Filterschachteln der bekanntesten Filterhersteller in den 1950er Jahren
Hersteller von Fotofiltern in Deutschland:
Biermann + Weber (B+W), ehemals Berlin, später Wiesbaden
AGFA, München
AGFA, Wolfen (spätere ORWO)
ARNZ (Ultrasorban), Jena
Carl Zeiss Jena
Cenei / Neithold (CENEIPLAN), Frankfurt
Deutsche Optochrom GmbH, Augsburg
Heliopan / Summer, Grafelfing/München
Kaiser, Offenbach (EKA)
Kelpan, Augsburg (1973 von Heliopan übernommen)
KODAK, Stuttgart (auch USA)
Lehmann & Balzer (Panchromar), Lommatzsch/Dresden
Leitz, Wetzlar
LIFA / Kellner & Co, Augsburg
Rodenstock, München
SOLCOLOR, Augsburg
Voigtländer, Braunschweig
Zeiss Ikon, Stuttgart
Nur wenige Kamerahersteller mit einem eigenen Filterprogramm fertigten dieses selbst. Voigtländer, Zeiss Ikon in Stuttgart und zeitweilig auch Leitz stellten selbst Filter her, AGFA produzierte Filter seit den 20er Jahren, kooperierte aber auch mit Cenei. Die übrigen bezogen diese meist von den Filter-Spezialherstellern. Oft lässt sich anhand der Fassung die wahre Geburtsstätte des Markenfilters feststellen (z.B. CENEI für Leitz oder AGFA, Lehmann + Balzer für Ihagee).
Ein wenig durcheinander ging es bei ARNZ Jena. Arnz übernahm zunächst nach Kriegsende den früheren Hamaphot-Filternamen "Ultrasorban" für Schwarz-Weiß-Filter. Colorfilter wurden als A-Z-Colorfilter für Farbfilm bezeichnet. In den 1970er Jahren wurde die Filterfertigung in Jena zusammengelegt. VEB JENAer Glaswerk, Jena, DDR, war fortan die Vertriebsbezeichnung der bisher von Arnz, Schott&Gen. und Zeiss Jena produzierten Filter. Dazu gab es zusätzlich zu den weiterverwendeten Namen "Ultrasorban" und "A-Z" das neue "TGL" Prüfzeichen. Die Bestellbezeichnungen der Filter wurden hingegen nur zum Teil verändert.
Gelegentlich kommen Zweifel auf, ob manche Filter tatsächlich auch von dem auf der Verpackung angegebenen Hersteller selbst gefertigt worden sind. Nicht nur die Filterfassungen gleichen sich häufig wie ein Ei dem anderen. Auch die Aufbewahrungsetuis unterscheiden sich oft nur durch eine andere Prägung.

Andererseits gibt es auch unterschiedliche Filterfassungen desselben Herstellers, selbst innerhalb der gleichen Filtergröße. 



Für manche Sammler deutscher Fotoerzeugnisse mag von Interesse sein, die Produktentwicklungen in Deutschland Ost und West zu dokumentieren. Dass dies ein spannendes Betätigungsfeld ist, erfahren Sie bei meinen Vorstellungen von Edixa - Exakta und Zeiss Jena Objektiven. An dieser Stelle soll es mit dem Vergleich von Zeiss-Filtern aus den 1960er Jahren sein Bewenden haben.Bis gegen Ende der 1950er Jahre trugen Filter aus der Produktion von Carl Zeiss Jena keine Herstellerbezeichnung. An ihrer typischen weißen Beschriftung auf der schwarz lackierten Messingfassung sind sie aber eindeutig zu identifizieren. Auch die Klappetuis, anfangs aus braunem oder schwarzem Bakelit mit Prägung ZEISS IKON oder CARL ZEISS JENA, später aus Plastik ohne Herstellerangabe machen eine Zuordnung leicht.
Filter aus der Produktion von Zeiss Jena in Einschraubfassung E40,5. Spätere Erzeugnisse aus Jena - s. die beiden Filter ganz rechts - hatten blanke Fassungen und unterschiedliche Herkunftskennzeichnungen.
Vergleichsübersicht von Filtern verschiedener Anbieter
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