a) Auslöserbrücke
Bei Verwendung der Ihagee-Zwischenringe oder des kleinen Balgengerätes ging die Auslösekopplung der Automatikobjektive verloren. Dies war im stationären Betrieb unproblematisch, weil die Schärfenebene ohnehin bei Arbeitsblende kontrolliert wurde. Bei den ab 1957 für die Exakta verfügbaren Automatikobjektiven mit Auslöserarm entstand jedoch schnell der Wunsch, auch bei Nahaufnahmen die Blendenautomatik nutzen zu können. So wurde kurz nach Markteinführung der Zeiss-Objektive mit Springblende ein Auslösegestänge (Katalog-Nr. 149) angeboten, mit dem bis zu 60 mm Auszugslänge überbrückt werden können.
Die Montage ist eine recht fummelige Angelegenheit, trotzdem gab es später noch eine neue Version mit einer zusätzlichen längeren Kupplungsstange (Katalog-Nr. 178), die auch mit dem kleinen Balgengerät bei voller Auszugslänge verwendet werden kann.
Das erste Modell wurde mit einem Auslöseknopf (der auch ohne Gestänge verwendbar ist) ausgeliefert. Es ist etwas einfacher zu montieren als die zweite Ausführung mit Auslöserbügel. Diese wird mittels zweier kleiner Schrauben befestigt, die aber leicht verloren gehen...
Erste Ausführung der Auslösebrücke mit dem dazugehörigen Auslöseknopf.
Zweite Ausführung der Auslösebrücke; mit der langen Verbindungsstange für das kleine Balgengerät.
Für den verbissenen Sammler gibt es selbst bei diesem Minizubehörteil auch Varianten. In den unterschiedlichen Kartons, in denen das Gestänge zwischen 1956 bis 1972 verkauft wurde, finden Sie mit Glück und Ausdauer auch Unterschiede beim Inhalt. Bei der alten Auslösebrücke ist die Öse am Druckteil ca. 6 mm breit (später 10 mm) und die Befestigungsschraube am Druckteil (c) um 90° versetzt zu finden, außerdem gab es verschiedene Versionen des Auslöse-Faustknopfes. An der zweiteiligen Version habe ich außer geringfügig unterschiedlichen Riffelungen der Befestigungsschrauben keine Unterschiede bemerkt.
b) Doppel-Drahtauslöser
Dieses Zubehör von KW Dresden / Pentacon ermöglicht die gleichzeitige Betätigung von Blendenautomatik am Objektiv und die Kameraauslösung. Es ist kein Ihagee-Teil, wurde jedoch seit Mitte der 1950er Jahre auch mit den Exakta-Preislisten angeboten. Dieses Zubehörteil ist sehr flexibel und mit beliebigen Drahtauslösern zu verwenden.
Zur Exakta RTL1000 gab es noch eine Kombination, bestehend aus einem Spezialzwischenring (Best.-Nr. 208 403) für die objektivseitige Innenauslösung und dem Doppeldrahtauslöser (Best.-Nr. 210 050) siehe Abbildung links. Der Zwischenring mit 14 mm Auszug besteht aus dem gleichen Kunststoffmaterial, wie die beiden RTL1000-Zwischenringe. Er kann auch gemeinsam mit diesen verwendet werden und hat wie diese beidseitig Bajonettanschluss. Dabei wird die Blendeninnenübertragung bei allen drei Ringen aktiviert.
Allerdings will sich mir die Verwendung in Verbindung mit dem Doppel-Drahtauslöser nicht so recht erschließen, da die Blendenauslösung bereits mit dem Kameraauslöser betätigt wird. Die Konstruktion gibt allenfalls in Verbindung mit Auszügen der klassischen Exakta Sinn, wenn RTL-Objektive verwendet und die objektivseitige Innenauslösung benutzt werden soll.
Eine solche Konfiguration habe ich hier einmal zur Demonstration mit einem Jena Pancolar 1,8/50 und dem kleinen Balgengerät dargestellt (Bild rechts).
c) Objektivumkehrringe - auch Makro- oder Retroringe genannt
Bei extremen Auszugsverlängerungen wird empfohlen, die Hinterlinse des Aufnahmeobjektivs zum Gegenstand zu richten. Um dies zu realisieren, benötigt man einen Adapter, der es ermöglicht, das Objektiv mit dem Filtergewinde an das Balgengerät oder die Zwischenringe anzusetzen. Derartige Anschlussadapter - Umkehrring genannt - wurden von der Ihagee unter der Katalog-Nr. 159 mit unterschiedlichen Objektiv-Einschraubgewinden (30,2 – 35,5 – 40,5 – 46 – 49) für die üblichen Standardobjektive der Exakta angeboten. Zum Umkehrring 49 kann noch ein aufschraubbarer Adapterring zum Filtergewinde M58 aufgesetzt werden, damit auch das hochlichtstarke Biotar 1,5/75 für Nahaufnahmen im Retromodus verwendet werden kann.
Ihagee Objektiv-Umkehrringe: die Objektiv-Filtergewinde liegen in den Bildern jeweils oben, rückseitig haben alle vier Ringe das übliche Zwischengewinde M40x0,75 zum Anschluss an die Ihagee-Tuben. Die Katalognummern bezeichnen seltsamerweise die Aufsteckfiltergröße.
Der Außendurchmesser ist unterschiedlich: 49mm Ø für 159/37 und 159/42 sowie 54mm Ø für die beiden größeren 159/48 und 159/51.
Obere Reihe links: Nr. 159/37 M35,5, rechts: Nr. 159/42 M40,5; untere Reihe links: Nr. 159/48 M46 und Nr. 159/51 M49-Filtergewindeanschlüsse.
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Ihagee-Umkehrring 159/51 mit aufgeschraubtem Adapterring 49/58 für das Zeiss Biotar 1,5/75 oder andere Objektive mit Filtergewinde M58 | Auch bei den Umkehrringen sind geringfügig unterschiedliche Ausführungen zu finden. Hier im Vergleich zwei Versionen des Ringes 159/51 mit etwas breiterer und schmalerer Auflage. |
Die Endoskop-Anschlusskapsel, Bestellnummer 154 bzw 189 (ab 1961) ist eigentlich kein Ergänzungsteil für die Zwischenringe. Vielmehr handelt es sich um einen 3teiligen Ringsatz zum Anschluss handelsüblicher Endoskope an das Kameraobjektiv. Dazu musste das jeweilige Endoskop zusammen mit der Kapsel ins Werk eingeschickt werden, wo die Anpassung vorgenommen wurde.
Zum Endoskopieren lieferte die Ihagee ab etwa 1961 ein Überspannungs-Schaltgerät (Bestellnummer 177 / 717700), das mit dem FP- oder X-Kontakt der Kamera verbunden wird. Es erzeugt beim Auslösen eine kurzzeitige Überspannung für die endoskopische Aufnahme.
Für weitere Anpassungen, z.B. Fremdobjektive, konnten angepaßte Ringe bei der Ihagee bestellt werden. Dazu mußte das jeweilige Teil (wie z.B. auch die Endoskop-Kapsel) an das Werk eingeschickt werden. In der Pentacon-Zeit (ab 1969) waren die Ringe wahlweise auch mit M42-Kamera- und/oder Objektivanschluss lieferbar. Ob derartige Anschlussringe auch einzeln oder schon vorher von der Ihagee geliefert worden sind, ist mir nicht bekannt. Durch das standardisierte Gewinde ist die wechselweise Verwendung jedoch mit allen Zwischenringteilen seit 1949 möglich.
Und wenn gelegentlich das Original- und Fremdzubehör für spezielle Anforderungen trotzdem nicht ausreichte, bot sich dem versierten Anwender die Möglichkeit das passende Teil selbst zu bauen oder es anfertigen zu lassen. Ein Beispiel dafür ist dieser 80 mm lange Tubus mit beidseitigem Standardgewinde. In Verbindung mit dem Bajonettringsatz ergibt sich eine Auszugsverlängerung von 90 mm, somit ein Abbildungsmaßstab von 1:1,8 mit einem 50er Normalobjektiv (Foto rechts).
Zwar gehörte er nicht zum Lieferprogramm der Exakta, jedoch fügt sich der Anschlussring für das M42-Objektivgewinde der Praktica sehr gut in das Zwischenringprogramm für die Exakta und Exa ein. Wie beschrieben, werden die Tuben und Anschlussringe untereinander mit einem Zwischengewinde M40x0,75 verschraubt.
Mit diesem Gewinde lieferte VEB Pentacon nach 1970 auch Zwischenringsätze und das Mikroskopanschlussstück 2 zur Verwendung mit der Praktica aus. Der kameraseitige Ring läßt sich problemlos mit dem Bajonettanschlussring für die Exakta austauschen, so dass die Zubehörteile wechselseitig verwendbar sind. Das Foto zeigt ein Anwendungsbeispiel, bei dem unter Verwendung des M42-Kameraringes und des Exakta-Objektivbajonettringes ein Pancolar mit Exakta-Bajonett an einer alten Praktica angeschlossen ist. Natürlich läßt sich mit dieser Konfiguration nicht auf unendlich einstellen, es ergibt sich vielmehr eine Auszugsverlängerung von 10 mm. Auch objektivseitig gibt es den vergleichbaren M42-Anschlussring, so dass die gezeigte Kombination mit den vergleichbaren Anschlussringen auch umgekehrt (M42-Objektiv an Exakta) möglich ist.
Das Thema Zwischenringe und Tuben ist weiter untergliedert in:
Zwischenringe und Tuben - allgemein
Zwischenringe ud Tuben für die Kine Exakta
Zwischenringe und Tuben - Ausführungen nach 1949
Zwischenringe anderer Hersteller für die Exakta und Exa
Doppelbajonett-Ring / D-Ring
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