Zwischenringe 1949-1970 für Exakta und Exa by Photo but More

Zwischenringe und Tuben der Ihagee Dresden für die Exakta Varex und Exa nach 1949

Obwohl die Zwischenringe in ihren Abmessungen nie verändert wurden, entstanden im Laufe der Jahre unterschiedliche Ausführungen aus Aluminium, Messing verchromt und sogar aus Edelstahl. Alle Ringe sind innen geschwärzt; die beiden Bajonettringe der Aluminium-Ausführungen haben auch schwarz eloxierte Fassungen. Deren Griffringe selbst sind meist blank; allerdings habe ich aus der Sammlung von Volker Vyskocil einen Ringsatz erhalten, bei dem der Objektivring auch von außen schwarz eloxiert ist (s. 1. Abbildung der Zwischenringsätze nach 1949). Es dürfte also auch Ausführungen mit einem schwarzen Kameraring geben. Von Zubehörhersteller sind solche Ausführungen zu finden. Einzelne Ringe der frühen Ausführungen sind einseitig mit dem "Ihagee"-Schriftzug graviert, der 15 mm-Tubus auf der gegenüberliegenden Seite zusätzlich mit einer "Germany"-Gravur. Nachdem der Ringsatz nur noch komplett erhältlich war, wurde auf die Gravur einzelner Ringe verzichtet und nur der 30mm-Tubus graviert.

Äußerlich unterscheiden sich die vor 1956 gefertigten Teile mit den geriffelten Griffringen auffällig von den mit der Exakta Varex IIa neu gestalteten stufigen Griffringen. Bei allen Ausführungen gibt es Varianten mit und ohne Herstellergravur in unterschiedlicher Form. Diese sind zum Teil darin begründet, dass für den Export gefertigte Teile zusätzlich mit "Germany" graviert wurden, während bei den innerhalb Deutschlands vertriebenen "Ihagee Dresden" ausreichte. Daneben sind die Ihagee-typischen kleinen Fertigungsunterschiede (z.B. Riffelung und Breite der Griffringe) zu finden, lassen sich aber nicht chronologisch einordnen. In der Ausführung 1949 sind zunächst wohl nur Alu-Ringe ausgeliefert worden, erst im Laufe der 1950er Jahre gab es auch die Messingausführung. Ob beide Versionen zeitgleich vertrieben worden sind, ist mir nicht bekannt. Mit der "Berg- und Tal"-Version ab 1956 sind mir keine Ihagee-Alu-Ringe mehr bekannt.

1956 wurde mit der Einführung der Exakta Varex IIa das Design der Griffringe bei Bedienelementen und Objektiven geändert. Dies betraf nicht nur von der Ihagee hergestellte Teile, auch Objektive vieler Hersteller erhielten in diesen Jahren ein neues Design. Zuvor waren die Einstellringe durchgehend "geriffelt". Mit der Änderung wechselten sich glatte und geriffelte Griffstücke ab (sog. Berg- und Tal-Design). Eine weitere Design-Umstellung der 1960er Jahre, als viele Bedienteile blank und schwarz im Wechsel gestaltet wurden (manche nennen das "Zebra-Design"), fand sich bei den Ihagee-Ringen jedoch nicht mehr wieder. Eine Gesamtübersicht aller Bajonettringe, Zwischenringe und Tuben mit ihren jeweiligen Katalognummern finden Sie auf der Zwischenringe-Hauptseite.


Das "Griffring-Design" von Objektiven in den 1950er Jahren, hier beispielhaft gezeigt an einem frühen Carl Zeiss Tessar 3,5/5 cm
und einem Ludwig Meritar 2,9/50, Baujahr 1957.


Ob und in welcher Weise nun das Werk in den frühen 50er Jahren die Bajonettringe und Tuben bei der Auslieferung nach einem klaren System zusammengestellt hat, wird sich heute wohl nicht mehr klären lassen. Nur selten ist ein originalverpackter Zwischenringsatz zu finden, der den Auslieferungszustand noch zeigt. Fraglich ist zudem, ob es bei den unterschiedlichen Ausführungen der Tuben und Bajonettringe für deren satzweise Zusammenstellung überhaupt ein System gegeben hat. Auch anhand der Katalognummern lassen sich "passende" Sätze nicht zusammenstellen. Lediglich die frühen Ausführungen mit Riffelring (Ringsatz 138) haben andere Katalognummern als die späteren "Berg+Tal"-Ringe (Ringsatz 180); weitere Unterscheidungen nach Material oder Gravur gibt es nicht. Da zudem die Zwischengewinde stets gleich blieben und somit alles zu allem passte, werden auch Händler oder die Anwender bei der Zusammenstellung von Ringsätzen kaum auf Äußerlichkeiten geachtet haben. Allerdings dürfte es werkseitig "gemischte" Sätze aus Alu und Chrom nicht gegeben haben.

Für den auch an äußeren Details solcher Ihagee-Zubehörteile interessierten Sammler gibt es also keine vollends befriedigende Lösung, seine Schätze etwa nach Leitz'schem Vorbild "originalgetreu" zusammenzustellen. Davon abgesehen stellt sich auch die Frage nach dem Sinn einer übertrieben kleinlichen Sammelei. Selbst mir fällt es schwer, gleichartige Zubehörteile auf Anhieb wieder auseinanderzuhalten, wenn seit dem letzten Schaulaufen einige Zeit vergangen sind. Und für den leidlich interessierten Gast-Bewunderer sehen ohnehin alle gleich aus ...

In meiner Typentafel differenziere ich deshalb hauptsächlich nach den beiden leicht zu unterscheidenden Ausführungen: Typen I bis IV mit geriffelten Ringen aus der Zeit vor 1956 und Typen A bis E mit gestuften Ringen (Berg+Tal) aus der Zeit danach. Dies lässt dem Sammler auch Raum für eine weitergehende Sortiermöglichkeit, wenn er noch andere Ab- oder Unarten findet. Die Ihagee hat seinerzeit nicht nach solchen Kriterien unterschieden, sondern den frühen Ausführungen die Katalognummer 138 und den späteren die Katalognummer 180 gegeben. Abgesehen von diesem Merkmal finden sich Abweichungen also nur im Detail. Man mag unterschiedlicher Auffassung sein, ob es sich dabei um Fertigungstoleranzen und Zufälligkeiten handelt oder ob etwas neu konstruiert wurde. Wer das Vorschlag- und Prämienwesen in den Arbeitsstätten der ehemalgen DDR kennt, wird sich meiner Auffassung anschließen: wenn etwas auch nur im Detail verändert worden ist, hat dazu ein Verbesserungsvorschlag vorgelegen. Dieser führte bei Annahme zu einer - oft nur geringfügigen - Fertigungsumstellung.

Zwischenringsätze nach 1949

Ringsatz 138 alu/schwarz


Für Anwender waren und sind die verschiedenen Versionen und Ringfassungen meist ohne Bedeutung, der Sammler findet jedoch – je nach Veranlagung – Frust oder Freude darin. Zwar wurden die Zwischenringe seit 1950 grundsätzlich nur satzweise verkauft, jedoch hatte jedes Teil seine eigene Zubehörnummer. Darauf bezogen sich oft die Tabellenangaben in den Druckschriften und Anleitungen für den Gebrauch.

Der Sammler mag entscheiden, was er in die Vitrine stellt, ich führe Unterschiede auf, soweit ich sie zeitlich und anhand bekannter Beschreibungen und Prospektfotos einordnen kann. Meine Typentafel der Zwischenringsätze nach 1949 gibt eine Übersicht verschiedener Ausführungen, wie sie die Ihagee wohl ausgeliefert haben mag. Darüberhinaus sind mit Sicherheit viele andere Zusammenstellungen zu finden. Mir selbst gelingt bei diesen Teilen eine Identifizierung auch nur dann, wenn ich die Ringe in der gleichen Reihenfolge zusammengesteckt vorfinde, wie sie in meiner Tafel abgebildet sind.

Ein bemerkenswerter - weil konstruktiver - Unterschied findet sich jedoch bei den kameraseitigen Bajonettringen der beiden ersten Serien. Die frühesten Ausführungen hatten ein feststehendes Gewinde, das die Ablesestellung der Objektivskalen gelegentlich auch nach seitwärts verschiebt. Spätere Ausführungen wurden mit einem Klemmring versehen, so dass das Objektiv beim Einsetzen "geradegestellt" werden kann. Ab 1956 erhielt der Bajonettring einen lösbaren Feststellring, der ein beliebiges axiales Drehen des eingesetzten Objektivs ohne Veränderung der Auszugslänge ermöglicht. In angezogener Stellung dieses Ringes lässt sich das Objektiv nicht mehr verdrehen. Dies wurde bedeutsam, weil die ab 1956 angebotene Auslösebrücke für Objektive mit Blendenautomatik den Objektiv- und Kameraauslöser nur bei gleicher Stelung miteinander verbindet.
Die mit dem Mikroskopansatz 2 ausgelieferten Ringsätze haben einen solchen Dreh-/Klemm-Mechanismus oft nicht! Deshalb sind gelegentlich auch Kamera-Bajonettringe der späteren Bauart ohne diesen Mechanismus zu finden.

Bajonettringe nach 1949

Unterschiede bei den kameraseitigen Bajonettringen

Bajonettring Serie 1949


Unterschiede bei den objektivseitigen Bajonettringen

Objektivring 141 alu/schwarz


Zwischenringe (Tuben) nach 1949

Unterschiede beim Tubus "C" (5 mm)



Unterschiede beim Tubus "A" (15 mm)




Unterschiede beim Tubus "B" (30 mm)





Für die Exakta RTL 1000, bekanntlich eine Praktica VLC mit Exakta-Bajonett, wurde ein spezieller Zwischenringsatz angeboten (Best.-Nr. 208.401). Dieser bestand aus zwei Kunststoff-Ringen mit 12,5 mm bzw. 25 mm Auszugslänge. Da die RTL1000 eine Innenauslösung für die Blendenübertragung zum Objektiv besitzt, haben diese Ringe einen Übertragungsmechanismus dafür.

In Verbindung mit dem langen Schneckengang des speziell zur RTL 1000 entwickelten Meyer Oreston 1,8/50 ergibt sich ein Einstellbereich bis zum Maßstab 1:1.


Ein Ringsatz der Firma Albert Schacht Ulm (Travenar-Objektive, travemat-Belichtungseinsatz), den ich eigentlich in die Folgerubrik der Fremdfabrikate einordnen sollte. Dieser Ringsatz passt jedoch mit seinem schwarz-weiss-Design ausgezeichnet zu den Objektiven, die ab Mitte 1960 angeboten wurden (auch VX 1000-Design genannt). Maße und Innengewinde stimmen völlig mit den Ihagee-Erzeugnissen überein.

Hier noch eine kleine Ergänzung, die ein wenig meinen selbstgewählten "Technikrahmen" sprengt. Üblicherweise wurden die Ihagee-Produkte meist in gelben und später auch schwarz/gelben Kartons geliefert (hat nix mit Dynamo Dresden oder Borussia Dortmund zu tun ...).





Offenbar ist dem VEB Pentacon bei der Verpackung eines Ringsatzes 718.000 der schwarz-gelbe Karton ausgegangen. So bestempelte man einfach einen üblichen braunen Werkzeugkarton mit "Satz Tuben u. Bajonettring" und dem Verkaufspreis von "M 21,20" und lieferte das Teil so aus. Stiftung Warentest würde dazu heute das Prädikat "Verpackungsmüll" verleihen.



Das Thema Zwischenringe und Tuben ist weiter untergliedert in:

Zwischenringe und Tuben - Hauptseite
Zwischenringe und Tuben - Vorkriegsausführungen für die Standard und Kine Exakta
Zwischenringe anderer Hersteller für die Exakta
Doppelbajonettring / D-Ring
Ergänzungsteile für Zwischenringe und Klein-Balgengerät

Meine Typisierungs-Übersicht der Zwischenringsätze nach 1949 finden Sie hier.



Posted 2008/09/16; last updated 2013/08/12 Copyright © 2007-2018 by Horst Neuhaus